Gestern, kurz nach 17 Uhr, setzte ich eine “Presseschau” online, in der es um zwei Frauen ging, “die mit dem Schwanz denken”, Dagmar Dehmer und Andrea Bernbach. Sie hatten im Berliner Tagesspiegel einen Beitrag über die “Übergriffe” während der Silvesternacht in Köln veröffentlicht und dabei eine sehr schräge These aufgestellt, für die es nicht den geringsten Beleg gibt.
Womöglich sind aber auch Frauen dabei, die gar nicht Opfer geworden sind, sondern aus politischer Überzeugung der Meinung waren, dass die Täter mit Migrationshintergrund oder die Flüchtlinge, die das Chaos auf der Domplatte für sexuelle Übergriffe ausgenutzt haben, abgeschoben gehören. Das hoffen sie womöglich mit einer Anzeige zu beschleunigen. Die Rape Culture, so die beiden Tagesspiegel-Frauen weiter, die offenbar die Kölner Silvesternacht geprägt hat, ist auch Teil der deutschen Kultur.
Diese Sätze, geschrieben von zwei Frauen, waren das Ekelhafteste, Mieseste, Widerlichste, was über die große Sause in Köln geschrieben wurde. Eine angedeutete Täter-Opfer-Umkehr.
Mir kam diese Art der “Argumentation” bekannt vor. In Kreisen der Holocaust-Leugner und Relativierer war es durchaus üblich, in aller Unschuld die Frage zu stellen, ob die “Zionisten” womöglich sechs Millionen Juden “geopfert” haben, um ihr Ziel, die Gründung einer jüdischen Kolonie, eines jüdischen Staates, in Palästina zu erreichen. Die Nazis wären nur in die Falle der Zionisten getappt, weil sie deren Absichten nicht erkannt hätten. Wie man inzwischen weiß, war dieses fiese Manöver der Zionisten von Erfolg gekrönt.
Ob die Frauen, die gar nicht Opfer geworden sind, sondern aus politischer Überzeugung der Meinung waren, dass die Täter mit Migrationshintergrund oder die Flüchtlinge, die das Chaos auf der Domplatte für sexuelle Übergriffe ausgenutzt haben, abgeschoben gehören, es ebenfalls schaffen, ihren teuflischen Plan in die Tat umzusetzen, bleibt abzuwarten. Ich würde es mir und ihnen jedenfalls wünschen, schrieb ich gestern, dass sie “vom IS nach Rakka eingeladen werden, um zu erfahren, was Rape Culture bedeutet”.
Dieser Satz wiederum brachte den SZ-Reporter und früheren Israel-Korresponenten Thorsten Schmitz dermaßen in Rage, dass er sich heute früh gleich hinsetzte und einen Brief an DIE WELT schrieb:
Sehr geehrter Herr Peters,
Ihr Autor und Reporter Henryk M. Broder hat auf seiner Internetseite „Achse des Guten“ am gestrigen Dienstag einen menschenverachtenden Kommentar gepostet. Darin wünscht er zwei Redakteurinnen des TAGESSPIEGEL, die sich in einem Artikel mit der Silvesternacht von Köln beschäftigt hatten, dass diese von IS-Männern vergewaltigt werden sollten.
Wörtlich schreibt Ihr WELT-Autor Broder:
„Und den beiden Frauen vom Tagesspiegel wünsche ich, dass sie vom IS nach Rakka eingeladen werden, um zu erfahren, was Rape Culture bedeutet.“
Ich bitte Sie um eine Stellungnahme zum Vergewaltigungsaufruf eines Ihrer Autoren.
Mit freundlichen Grüßen
Thorsten Schmitz
Süddeutsche Zeitung GmbH
Reporter Seite 3
Man könnte meinen, Schmitz sei ein Mann, der meinen Text nur deswegen missverstanden hat, weil er ihn mit den Augen eines bekennenden Feministen gelesen hat. Dem ist aber nicht so. Schmitz sind die beiden Tagesspiegel-Frauen Wurscht. Schmitz geht es nur um Schmitz. Er hat noch eine Rechnung mit mir offen.
Der verehrte Kollege hat im September 2014 in der SZ geschrieben, es gebe in Deutschland Zehntausende Israelis, die vor der Politik des israelischen Premierministers nach Deutschland geflohen sind. Nicht etwa ausgereist oder ausgewandert, weil der Jogurt in Deutschland billiger und das Leben einfacher ist, sondern geflohen und zwar vor der Politik des israelischen Premierministers.
Ich fragte daraufhin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nach, wie viele Flüchtlinge aus Israel in den letzten Jahren Asyl in Deutschland beantragt hatten. Es waren, teilte man mir mit, von 2011 bis September 2014 genau 104 Israelis. Keiner der Anträge wurde positiv beschieden. Schmitz hatte sich seine Zehntausende Israelis, die vor der Politik des israelischen Premierministers nach Deutschland geflohen sind, buchstäblich aus dem Finger gesogen.
Wenn Sie die Geschichte nachlesen wollen, schauen Sie bitte hier und hier.
Aber damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Auf eine Anregung von “Honestly Concerned” hat sich auch der Presserat mit einer Beschwerde gegen Schmitz beschäftigt und ihm einen “Hinweis” verpasst, eine milde Form der Rüge. Davon geht die SZ nicht unter, aber Schmitzens Ehre ist angekratzt.
Und das nimmt er mir übel, der kleine Denunziant vom Süddeutschen Beobachter.

Lieber Herr Broder, wie immer, ist ein Vergnügen, Ihre wundervollen Schmankerln zu lesen. Bitte gehen Sie nie in Rente, sonst sind wir ganz allein und müssen nur noch dröges demagogisches Geschwafel lesen. Mein Mann liegt mir im Übrigen ständig in den Ohren, endlich mal mit ihm nach Israel zu reisen um endlich mal einen authentischen Eindruck von zu bekommen und mich meinen jüdischen Wurzeln zu stellen. Ich bin feige und traue mich nicht. Herzlichst Inra von Wangenheim
Sehr geehrter Herr Broder, Ein unverzeihlicher Fehler von Ihnen, ihre beiden Kolleginnen vom Tagesspiegel mit Vergewaltigungs- und Ermordungswünschen zu bedenken. Verzichten Sie auf Stellvertreterkriege und Mätzchen. Entschuldigen Sie sich. Mit freundlichen Grüßen Heribert Süttmann PS: Sollten Sie sich entschuldigen, biete ich Ihnen eine Wette an, darüber, wie viele der Strafanzeigen wegen eines auf der Kölner Domplatte in der Neujahrsnacht verübten Straftat zu einer Bestrafung führen werden. Ich wette darauf, nicht mehr als zehn Prozent. Sie müssten dagegen halten, wenn die Wette zustande kommen soll. Wetteinsatz: Ein Sechserpack israelisches Bier, wahlweise sechs Flaschen koscheren Israelischen Weines.
Sehr geehrter Herr Broder, seien Sie versichert, dass es viele Leser gibt, die ebenso wie Sie vornehmlich über den unsäglich gemeinen Satz "Dabei ist diese Rape Culture, die offenbar die Kölner Silvesternacht geprägt hat, auch Teil der deutschen Kultur" empört waren. Die beiden Frauen unterstellen damit, Vergewaltigung sei hierzulande ein alltägliches und allgemein akzeptiertes Verbrechen. In der Tat kann man derart unsachlich argumentierenden, verlogenen Menschen nur empfehlen, ihre Bildung während einer Reise in den Orient zu vervollkommnen. Alle bisher erschienene Kritik an Ihrem Vorschlag zeigt nur, dass die Autoren den Beitrag im Tagesspiegel nicht vollständig gelesen haben und lediglich seinen ersten Teil überflogen. Aber was rede ich da - man kann nur froh sein, wenn Sie weiterhin ohne Verdruss tätig sind und nicht reagieren wie der sächsische König, als die von Selbstgerechtigkeit erfüllten Revolutionäre ihm verkündeten, seine Zeit sei abgelaufen: "Macht doch euern Scheiß alleene!"
Herr Broder, als Israelfreund und Nicht-Gutmensch sind Sie halt prädestiniert für eine Medienkampagne gegen Sie. Man missversteht Sie, weil man Sie missverstehen will. Fassen Sie das als Ehre auf und machen Sie weiter so!
Sehr geehrter Herr Broder, Sie sind ein Meister darin, Ihren Gegnern den Spiegel vorzuhalten, indem sie ihre Logik getreu übertragen. Ich denke es ist die sauberste, effektivste Form von Aufklärungsversuch. "Versuch", weil auch die beste Aufklärung bei manchen abperlt. Daß Sie einen Schreiber von der Süddeutschen so in Rage versetzt haben, daß dieser nochmals bestätigt, auf welchem Auge er blind und auf welchem er verzerrt wahrnimmt, ist sehr genugtuend für mich. Vielen vielen Dank dafür
Noch eine schlechte Recherche von Herrn Schmitz: Er schreibt an Herrn Peters.... Von Stefan Aust als Chefredakteur der "Welt" hat er wohl noch nichts gehört...
Als ich den betreffenden Satz gelesen habe, wußte ich sofort, daß ihn die "Bessermenschen" sofort verdrehen und sich darauf stürzen würden, wie eine Meute hungriger Wölfe. Nur gut, daß ein Henryk M. Broder seine Worte gut zu wählen weiß ...