Die Skulptur „fearless girl“ wurde am 7. März 2017, einen Tag vor dem Weltfrauentag, gegenüber dem „Wall Street Bullen“ aufgestellt. Auftraggeber war der Vermögensverwalter State Street Global Advisors. Die kleine, selbstbewusst posierende Figur mit verschränkten Armen sollte ein Symbol für mehr Frauen in Führungspositionen sein und gleichzeitig einen neuen Investmentfonds bewerben, der Firmen mit höherem Frauenanteil in Chefetagen bevorzugt.
Was als PR-Aktion begann, entwickelte sich rasch zu einem kulturellen und politischen Symbol. Touristen, Aktivisten und Medien feierten die Statue als Ikone weiblicher Selbstbehauptung. Doch gleichzeitig begann ein juristischer Konflikt. Der italienisch-amerikanische Künstler Arturo Di Modica, Schöpfer des legendären „Charging Bull“, argumentierte, dass seine Skulptur durch die neue Inszenierung in ihrer Aussage verfälscht werde. Ursprünglich habe sein Bulle wirtschaftlichen Optimismus und Stärke verkörpert. Durch die Gegenüberstellung mit dem Mädchen wirke er plötzlich wie ein aggressiver Gegner, eine Deutung, die Di Modica als Verletzung seiner künstlerischen Rechte betrachtete.
Parallel dazu entbrannte auch noch eine zweite Debatte: Die Figur war zunächst nur mit temporärer Genehmigung aufgestellt worden. Aufgrund massiver öffentlicher Unterstützung beschloss die Stadt New York jedoch, sie dauerhaft zu behalten. Schließlich wurde die Statue 2018 an einen neuen Standort vor der New York Stock Exchange versetzt.
Und dann folgte eine dritte Debatte. Visbal beanspruchte die künstlerischen Rechte an ihrer Figur, während State Street die Marken- und Nutzungsrechte im Rahmen der Marketingkampagne kontrollierte. Als Visbal auf eigene Faust Kopien Ihrer Figur herstellte und für angeblich eine Viertelmillion verkaufte, ging der Investmentfonds juristisch gegen sie vor.
Kristen Visbal nannte mir neulich den überraschenden Grund, wieso sie wirklich aufgab und alle Rechte dem Immobilienfonds überließ: Weder Frauenbewegungen noch NGOs hatten ihr Fearless Girl nutzen wollen.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf Claude Cuenis Blog.
Anmerkung zur Bildbeschreibung:
„Die kleine, selbstbewusst posierende Figur mit verschränkten Armen …“
Personen, die mit verschränkten Armen anderen gegenüberstehen, verschließen sich, nehmen sich zusammen, zeigen an, unnahbar zu sein …
Was ich sehe: Ein Mädchen, das die Hände in ihre Hüften stemmt und die Arme dabei ausstellt, sich größer erscheinen läßt, sich dem Gegenüber herausfordernd öffnet.
Sympatieträger an der Wall Street ist und bleibt der Bulle. Sieht man schon an seinen glänzenden Eiern. Die Begeisterung für das Mädchen war wohl eher aufgesetzt, spricht künstlich erzeugt, wie alles was politkorrekt ist. Daher wollte auch keine NGO oder Feministenclub dafür Geld ausgeben. Verständlich.
„Auftraggeber war der Vermögensverwalter State Street Global Advisors. …der Firmen mit höherem Frauenanteil in Chefetagen bevorzugt.“ – Da hat die Bildhauerin beim Auftraggeber ins Klo gegriffen. Dass Frauenbewegungen noch NGOs sich mit einer Skulptur in der Wall Street identifizieren, weiß man vorher.
@ Hans-Joachim Gülle: „Frauen haben weder Ihre Hormone im Griff, noch leisten sie gesellschaftlich & infrastrukturell irgendwas.“ Wie kommen Sie zu solchen abseitigen Ansichten? Wie man zuletzt in der Epstein-Affäre und beispielsweise in Statistiken zum Pornokonsum sehen kann, haben wohl vor allem Männer ein Problem mit den Folgen mangelnder Kontrolle über den eigenen Hormonhaushalt. Und zum tätigen Beitrag der Frauen weltweit die Wirtschaftswoche: „Eine Mammutstudie der ILO widmet sich den Arbeitsbedingungen in 41 Ländern. Zentrales Ergebnis: Insgesamt arbeiten Frauen deutlich mehr als Männer – sie werden dafür nur schlechter bezahlt. Das gilt auch für Deutschland. (…) Da viele Frauen in Deutschland und der Welt auch einem bezahlten Job nachgehen, summieren sich die Arbeitsstunden auf: Zählt man auch Arbeitsstunden im Haushalt, bei der Pflege und bei gemeinnützigen Aktivitäten, sind Frauen deutlich stärker belastet. Sie arbeiten im Schnitt 55 Stunden pro Woche, Männer 49.“ Also hören Sie doch bitte auf, sich mit solchen Aussagen übelst zu blamieren. Sie hassen wohl Frauen generell? Nun, Ihre Emotionen sind Ihre eigene Angelegenheit, wenn sie uns aber verleumden, ist eine Grenze überschritten.
Die Visbal ist das typische Quotenweibchen: Nur berühmt geworden, weil sie Trittbrettfahrer der Leistung eines Mannes war.
Und am Ende heult sie rum, weil andere nicht ihre ach-so-wunderbare künstlerische Leistung würdigen und nutzen wollten.
Übrigens: Ein Paar Anmerkungen zu dem Investmentfonds (der inzwischen State Street Investment Management heißt):
*) Im selben Jahr, 2017, hat er sich für 5 Mille USD außergerichtlich mit weiblichen Angestellten geeinigt, weil er ihnen zu wenig Gehalt bezahlt hat
*) Die Voraussetzung für seinen Index (Firmen müssen mit 30% Frauenanteil haben) hat er inzwischen auch aufgegeben, weil er gemerkt hat, daß sich der Wind gedreht hat.
Mit ein wenig Glück wird sich dann die Welt wieder normalisieren, sodaß am Ende auch diese lächerliche Mädchenstatue wieder entfernt wird.
„Durch die Gegenüberstellung mit dem Mädchen wirke [der Bulle] plötzlich wie ein aggressiver Gegner“ Ähm, Bullen sind doch potentiell immer aggressive Gegner? (Wie schon zahlreiche Spaziergänger, die sich auf Kuhweiden verirrten, feststellen mussten…wobei auch weibliche Kühe ziemlich gefährlich werden können.) Dachten vorher alle, Bullen seien stets friedlich und freundlich gestimmt…? Und die Gegenüberstellung mit der Mädchenfigur ist doch recht witzig, da scheint dem Künstler der Humor zu fehlen.
Der „Wall Street Bulle“ symbolisiert wohl kaum das Hauptproblem der Frauen in der Welt. Und nicht in höchste Positionen aufsteigen zu können, ist nur das Problem einer Minderheit, was für die meisten Frauen aber nur ein Luxusproblem ist. Echte Problem der Frauen weltweit sind: Keine echte Gleichheit vor dem Gesetz in vielen Ländern, keine Gleichberechtigung in der Realität, gewaltsame Unterdrückung, körperliche und seelische Gewalt, keine freie Partnerwahl, sexuelle Ausbeutung, Vergewaltigung, fehlende Sicherheit im öffentlichen Raum, Demütigungen, Ausbeutung durch niedrige Arbeiten, Lohnungleichheit, Altersarmut und gleichzeitig noch die Notwendigkeit, einen Großteil der unbezahlten Arbeit zu leisten, sei es in der Familie, sei es gesellschaftlich. Und man suche doch bei der Gelegenheit im Internet das Thema „Geburtsfisteln“. Also welche Frau interessiert in dieser Welt ein US-Kunstwerk für Luxusprobleme von US-Luxusfrauen? Wen genau sollte das interessieren? Sollen sie es sich doch in den Garten ihrer Luxusranch stellen.