Der Kampf der zwei Mittelschichten

Politiker in der gesamten westlichen Welt sprechen gern von der "Mittelschicht", als ob das eine große Wählerschaft mit gemeinsamen Interessen und Bestrebungen wäre. Aber, wie Karl Marx schon beobachtete, die Mittelschicht war schon immer gespalten entlang der Herkunft ihres Reichtums und entlang der Weltanschauung. Heute ist sie geteilt in zwei unterschiedliche und oft gegensätzliche Mittelschichten. Zunächst sind da die "Freisassen" beziehungsweise die traditionelle Mittelschicht, die aus Kleinunternehmern, Kleingrundbesitzern, Handwerkern und Kunsthandwerkern besteht, es ist das, was wir historisch als das Bürgertum oder den alten französischen Dritten Stand definieren würden, der tief in der Privatwirtschaft verwurzelt ist. Die andere Mittelschicht, die jetzt im Aufstieg begriffen ist, das ist der "Klerus", eine Gruppe, die ihren Lebensunterhalt größtenteils in quasi-öffentlichen Institutionen, insbesondere Universitäten, Medien, der Non-Profit-Welt und der oberen Bürokratie bestreitet.

Zwischen den Oligarchen, die inzwischen bis zu 50 Prozent des Weltvermögens besitzen, und der wachsenden Menge von eigentumslosen "Leibeigenen" kämpft die traditionelle Mittelschicht zunehmend ums Überleben gegen diejenigen, die den größten Zugang zu Kapital und politischer Macht haben. Die Macht dieses modernen Äquivalents der mittelalterlichen Aristokratie, die die Franzosen als der Zweite Stand bezeichneten, scheint zu wachsen; eine kürzlich durchgeführte Studie des britischen Parlaments geht davon aus, dass die obersten ein Prozent bis 2030 ihren Anteil auf zwei Drittel des Weltvermögens ausweiten werden, wobei sich die größten Gewinne überwiegend auf die obersten 0,01 Prozent konzentrieren werden. Eine der Folgen dieser Konzentration wirtschaftlicher Macht ist, dass das Unternehmertum selbst in Amerika, der kapitalistischen Brutstätte, nun zurückgeht.

Im Gegensatz dazu hat die "Geistlichkeit" beziehungsweise der "Klerus" ein weitaus weniger feindseliges Verhältnis zu den Megareichen, da er zu einem großen Teil außerhalb des Marktsystems agiert. Wie die katholische Kirche im Mittelalter genießt dieser Teil der Mittelschicht eine gewisse Symbiose mit den oligarchischen Eliten, den Hauptfinanziers von NGOs und Universitäten, und er dominiert die Medien- und Kulturindustrie, die so viele von ihnen beschäftigt. Sie sind oft auch Nutznießer des Regulierungsstaates, entweder direkt als hochrangige Regierungsangestellte oder als Berater, Anwälte oder über Non-Profit-Organisationen.

Der Aufstieg des Klerus

Der Begriff "Klerus" wurde in den 1830er Jahren von Samuel Coleridge geprägt, um eine Klasse von Menschen zu definieren, deren Aufgabe es war, die Massen zu unterrichten und zu lenken. Die traditionellen (kirchlichen) Kleriker sind immer noch ein Teil dieser Klasse, aber zu ihnen gesellten sich andere – Universitätsprofessoren, Wissenschaftler, öffentliche Intellektuelle und die Leiter von gemeinnützigen Stiftungen. Seit der industriellen Revolution hat sich der Klerus immer weiter ausgedehnt und ist immer säkularer geworden, wobei er den religiösen Klerus im Wesentlichen ersetzt hat als "neue Legitimatoren (new legitimizers) der Gesellschaft", wie es der große deutsche Soziologe Max Weber  bezeichnet hat. (1)

Obwohl sie sicherlich nicht alle einer Meinung sind, befürworten die Kleriker im Allgemeinen eine immer stärkere zentrale Kontrolle und Regulierung. Der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty nennt sie „die Brahmanen-Linke“ und weist darauf hin, dass ihr Ziel nicht unbedingt Wachstum oder größerer Wohlstand für die hoi polloi ist, sondern eine Gesellschaft, die von ihren eigenen fortschrittlichen Überzeugungen geprägt ist. In dieser Hinsicht bekleiden sie trotz einer allgemein säkularen Ideologie eine Rolle, wie sie die katholische Kirche, bzw. das, was die Franzosen als Ersten Stand bezeichneten, in der feudalen Gesellschaft spielte.

Der heutige Klerus konzentriert sich auf Berufsfelder, deren Zahl in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat, darunter Lehre, Beratung, Recht, Medizin und öffentlicher Dienst. Im Gegensatz dazu ist der Anteil der traditionellen Mittelschicht – Kleinunternehmer, Arbeiter in der Grundstoffindustrie und im Baugewerbe – am Arbeitsmarkt zurückgegangen und geschrumpft. (2) Einige Berufsgruppen, die einst enger an die Privatwirtschaft gebunden waren, wie z.B. Ärzte, wurden von bürokratischen Strukturen zusammengefasst und haben sich – zumindest in den Vereinigten Staaten – von einer verlässlichen konservativen Lobby zu einer zunehmend fortschrittlichen gewandelt.

Diese Verschiebungen sind in Europa eher noch stärker ausgeprägt. In Frankreich sind im letzten Vierteljahrhundert über 1,4 Millionen Arbeitsplätze mit geringerer Qualifikation verschwunden, während qualifiziertere Arbeitsplätze, oft im öffentlichen Sektor, stark zugenommen haben. Diejenigen, die in staatlichen Industrien, an den Universitäten und in anderen Klerus-orientierten Positionen arbeiten, genießen weitaus bessere Leistungen, insbesondere Renten, als diejenigen, die im rein privaten Sektor arbeiten.  Zwar müssen die Mitglieder des Klerus auch unter den hohen europäischen Steuern auf die Mittelschicht leiden, aber sie profitieren auch weit mehr als andere von der Großzügigkeit des Staates.

„Die privilegierte Schicht“

An seiner Spitze besteht der Klerus heute weitgehend aus den gut ausgebildeten Nachkommen der Wohlhabenden. Die Mitgliedschaft in dieser Klasse ist zunehmend erblich geworden, was zum Teil auf das Phänomen der Heirat gut ausgebildeter Menschen untereinander zurückzuführen ist – zwischen 1960 und 2005 hat sich der Anteil der Männer mit Universitätsabschluss, die Frauen mit Universitätsabschluss heirateten, von 25 auf 48 Prozent fast verdoppelt. "Nach einer Generation", so prognostizierte der amerikanische Soziologe Daniel Bell vor fast einem halben Jahrhundert, "wird aus einer Meritokratie einfach eine abgeschlossene Klasse". (3)

Wie groß ist der Klerus? Ein Analyst, Michael Lind, schätzt, dass das, was er als "Überklasse" (overclass) bezeichnet, etwa 15 Prozent der amerikanischen Arbeitnehmerschaft ausmacht. Das ist weitaus mehr, als bei den Mitgliedern des alten "Ersten Standes", die bei ca. einem Prozent der französischen Bevölkerung lag. Eine andere Analyse definiert den Klerus etwas enger und schätzt, dass er etwa 2,4 Millionen Menschen in einem Land mit über 320 Millionen Einwohnern umfasst.(4)

Wie ihre mittelalterlichen Pendants im alten Ersten Stand bestehen die Mitglieder des zeitgenössischen Klerus darauf, dass sie nicht von Eigeninteresse, sondern vom Streben nach dem Gemeinwohl angetrieben sind. Sie bilden "die privilegierte Schicht", wie es der linke französische Analytiker Christophe Guilluy formulierte, und operieren von der Annahme einer "moralischen Überlegenheit" aus, aus der sich ihr Recht ableitet, Anderen Weisungen zu erteilen. (5) Diese Macht wird durch ihre Kontrolle über die Kultur, die meisten Medien, die Bildungssysteme – acht von zehn britischen Professoren gehören der Linken an – und über die gesamte Bürokratie erheblich verstärkt.

Die bedrängten Freisassen

Die Perspektive der traditionellen Mittelschicht („Freisassen“) unterscheidet sich im Allgemeinen von der des Klerus und macht das aus, was Piketty als "Kaufmannsrecht" bezeichnet. Diese Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt auf dem Marktplatz, und das bringt sie oft in Konflikt mit den Oligarchen, die ständig versuchen, ihre Geschäfte zu zerschlagen oder zu absorbieren, oder mit den Geistlichen, die Umwelt- und andere Vorschriften erlassen, die ihre Aktivitäten behindern. Im Allgemeinen sind größere Firmen viel versierter in der Anpassung an diese Beschränkungen als kleinere Firmen.

Die eigentumsbesitzende Freisassenschaft ist seit langem entscheidend für die Entwicklung der Demokratie. Die frühesten Demokratien in Athen und der Römischen Republik beruhten auf einer durchsetzungsstarken, eigentumsbesitzenden Mittelschicht. Aristoteles warnte vor den Gefahren einer Oligarchie, die sowohl die Wirtschaft als auch den Staat kontrollieren würde. Letztlich spielte die immer stärkere Konsolidierung des Reichtums eine wichtige Rolle bei der Untergrabung der griechischen Demokratie und der bürgergeführten römischen Republik. (6) Als die mittleren Ordnungen schwächer wurden, folgte die Autokratie, zunächst in Form des Imperiums und später in der Uneinigkeit und sozialen Stagnation des finsteren Zeitalters.

Der große Aufstieg der Freisassen kam mit dem Wiederaufleben unabhängiger Eigentümer am Ende des Mittelalters, insbesondere in den Niederlanden und in Großbritannien. Diese Klasse schwoll später an, insbesondere nach der Revolution von 1789 in Frankreich und unter den britischen Nachkommen der Kolonisten in Kanada, Australien und den Vereinigten Staaten. Eine Studie aus dem Jahr 2016, die sich auf das Vereinigte Königreich, die Niederlande und die Vereinigten Staaten bezieht, zeigt, dass in allen drei Ländern die Konzentration des Reichtums von den 1820er bis zu den 1970er Jahren rapide abnahm. Noch nie waren der Wohlstand und die relative wirtschaftliche Sicherheit so groß wie heute.

In den Jahrzehnten nach den 1970er Jahren beschleunigte sich jedoch auch die Verschiebung zu einer stärkeren Konzentration des Reichtums und wurde nach dem Finanzcrash 2007/2008 unaufhaltsam. Obwohl die Finanzinstitutionen zur Entstehung der Krise beitrugen, waren sie am Ende die größten Gewinner der weitgehend anlagebasierten Konjunktur, die auf die Große Rezession folgte. Ladengeschäfte und gewöhnliche Hausbesitzer kamen dagegen schlecht weg. Wie ein konservativer Ökonom 2018 kurz und bündig feststellte: "Das wirtschaftliche Erbe des letzten Jahrzehnts ist eine übermäßige unternehmerische Erstarrung, ein massiver Vermögenstransfer aus der Mittelschicht in die oberen ein Prozent der Bevölkerung".

„Als würde man von den Borg assimiliert“

Die Not der Freisassen zeigt sich in allen Bereichen, von sinkenden Raten von Unternehmensgründungen bis hin zu abnehmendem Wohneigentum, vor allem bei den jungen Leuten, vor allem in den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien. Selbst in den Vereinigten Staaten, einem Land, das nie Feudalismus erlebt hat, ist der Anteil der 100 größten privaten Landbesitzer zwischen 2007 und 2017 um fast 50 Prozent gestiegen.

Auch der Landbesitz in Europa konzentriert sich zunehmend in wenigen Händen; in Großbritannien, wo die Bodenpreise in den letzten zehn Jahren dramatisch gestiegen sind, besitzt weniger als ein Prozent der Bevölkerung die Hälfte des gesamten Landes. Auf dem Kontinent ist das Ackerland zunehmend konzentriert, während städtische Immobilien in die Hände eines kleinen Kaders von Unternehmenseigentümern und Mega-Reichen gefallen sind.

Die wachsende Unternehmenskonzentration, sowohl in den USA als auch in Europa, ist nun in die einst dynamische Technologiewirtschaft eingesickert. Im Silicon Valley wird die berühmte Garagenkultur von einer Vielzahl von Riesenfirmen verdrängt, die eine in der heutigen Zeit beispiellose Marktmacht erlangt haben und in einigen Fällen 80 bis 90 Prozent ihrer Schlüsselnischen wie Internetsuchen, soziale Medien, Mobilfunk- und Computerbetriebssysteme kontrollieren. Ein Online-Verleger verwendet eine Star Trek-Analogie, um den Status seiner Firma bei Google zu beschreiben: "Es ist ein bisschen so, als würde man von den Borg assimiliert. Man bekommt coole neue Kräfte. Aber nach der Assimilation würden Sie, wenn Ihre Implantate jemals entfernt würden, mit Sicherheit sterben. Damit ist im Grunde genommen unsere Beziehung zu Google erfasst."

Der Niedergang der Freisassen bedroht die Zukunft der Demokratie, wie wir sie kennen. Angesichts zunehmender Angriffe auf ihre Unternehmen und, in einigen Fällen, auf ihre Gemeinschaften, haben sie begonnen, sich gegen viele der Politiken zu wehren, die von den Oligarchen und der Geistlichkeit weitgehend unterstützt werden, besonders gegen die Klimapolitik. Eine Politik, die den raschen Ersatz fossiler Brennstoffe durch stark subventionierte erneuerbare Energien erzwingt, erfordert die Entwicklung einer weitgehend von Verantwortung befreiten Bürokratie, die den Klerus sowohl versorgt als auch mit größerer Macht ausstattet, während sie den Oligarchen sowohl in den USA als auch in Europa eine einzigartige Gelegenheit bietet, aus den Energie-"Übergängen" Kapital zu schlagen.

Reizvolle Aussichten: Krieg innerhalb der Mittelschicht

Für große Teile der Freisassen hingegen führt die Forderung nach einem raschen, radikalen Umstieg auf erneuerbare Energien zu deutlich höheren Energiepreisen. Er droht auch die Industrien zu schrumpfen, in denen viele von ihnen arbeiten, und den Lebensunterhalt der Händler in den Ladengeschäften kleinerer Städte und auf dem Land zu unterhöhlen. Schon die Versuche, eine solche Politik durchzusetzen, haben in einer Reihe von Ländern zu Aufständen der Freisassen geführt.

Die Energiepreiserhöhung von Präsident Emmanuel Macron mag in den Salons der Pariser Elite beliebt sein, aber nicht so sehr bei der großen Mehrheit, besonders nicht bei den 90 Prozent der Bewohner, die außerhalb des zentralen Bezirks arbeiten, sowie bei den Bewohnern der kleineren Städte und Gemeinden von La France Périphérique. Die massiven Gilets-Jaunes-Proteste in Frankreich im vergangenen Jahr lösten ähnliche Proteste in normalerweise ruhigeren Ländern wie Norwegen und den Niederlanden aus. Der stetige Anstieg der Energiepreise durch die grüne Politik sowie die Erhöhung der U-Bahn-Tarife haben zu großen Protesten rund um die chilenische Hauptstadt Santiago geführt, bei denen 20 Menschen starben und 1.200 verletzt wurden.

Eine ähnlich ultragrüne Politik – gewünscht durch den Klerus und seine oligarchischen Verbündeten – wurde von den Wählern in Australien entschieden abgelehnt, was einen überraschenden Sieg der Konservativen ermöglichte, und auch in Orten wie Ontario und Alberta, Kanada, wo sich grüne Regularien grundlegende Industrien wie die Ölindustrie und das verarbeitende Gewerbe bedrohen, die für die Freisassen von entscheidender Bedeutung sind. Forderungen nach einem radikalen "Green New Deal", die von einer Reihe führender Demokraten unterstützt werden, dürften eine ähnliche Reaktion im gewaltigen amerikanischen „oil patch“ von den Appalachen bis nach Westtexas auslösen.

Aber die Kluft zwischen den Freisassen und dem Klerus erstreckt sich auch auf allgemeinere Themen, von der Grenzkontrolle über die nationale Identität und die Einwanderung bis hin zum Ort der politischen Kontrolle. In den meisten Fällen ziehen die Freisassen lokale Autoritäten einer weiter entfernten Herrschaft vor, während die Geistlichen das Gegenteil bevorzugen. Dies zeigte sich bei der Abstimmung zum Brexit und bei den jüngsten Parlamentswahlen in Großbritannien, wo der kosmopolitische Klerus, der in London ansässig und hochgebildet ist, den Brexit weitgehend ablehnte, während die Mittelschicht sowie ein Großteil der Arbeiterschicht, besonders außerhalb des Südostens, und der Grundeigentümer, den Brexit und seinen Umsetzer, Premierminister Boris Johnson, bevorzugten. Bemerkenswerte 57 Prozent der Menschen, die ein eigenes Haus besaßen, unterstützten Johnson, verglichen mit knapp 22 Prozent für die Labour Party.

Der Zorn des Klerus auf Trump

Während sich Amerika auf seinen vierjährigen Präsidentschaftsmarathon vorbereitet, sind diese Spaltungen schmerzlich offensichtlich. Kein Präsident hat jemals den Zorn des Klerus – Medien, Unterhaltungsindustrie, Wissenschaft – mehr auf sich gezogen als Donald Trump. Aber Trump hat eine rekordverdächtige Unterstützung unter den Kleinunternehmern auf der Hauptstraße, besonders in den von Produktion und Energie abhängigen Teilen des Landes. Die Anziehungskraft der Klimaaktivisten dürfte sich nicht verbessern, da sie sich jetzt zunehmend für die Abschaffung des Eigentums an Einfamilienhäusern einsetzen, um ein angeblich klimafreundliches Regime der Raumverdichtung zu fördern, während die meisten Menschen aus der Mittelschicht ein Eigenheim bevorzugen.

Der Kampf zwischen den beiden Mittelschichten ist nicht nur eine Frage von Reichtum und Macht, sondern auch des Erhalts der sozialen Basis der Demokratie selbst. Ohne eine starke, unabhängige Mittelschicht, die außerhalb der Kontrolle großer Institutionen agiert, seien es nun Technikgiganten oder Regierungen, könnten wir einer technokratischen Zukunft entgegengehen, die einem "Feudalismus mit besserem Marketing" ähnelt, wie ein Spaßvogel aus dem Silicon-Valley es ausdrückte.

Eine unabhängige und durchsetzungsstarke eigentumsbesitzende Mittelschicht, die gedeihen kann, bleibt die einzige Kraft, die in der Lage ist, der ständig wachsenden Zentralisierung entgegenzutreten. Ohne sie wird es wahrscheinlich keine Möglichkeit geben, das Entstehen einer neuen Feudalordnung in der Zukunft zu verhindern. Wie es der radikale Sozialtheoretiker Barrington Moore vor einem halben Jahrhundert bereits andeutete: "Keine Bourgeoisie, keine Demokratie".(7)

Dieser Beitrag ist zuerst auf Englisch im Magazin Quillette erschienen.

 

Joel Kotkin ist President Fellow für Urban Futures an der Chapman University und Executive Director des Center for Opportunity Urbanism. Sein letztes Buch „The Human City: Urbanism fort he Rest of us“ erschien 2017 im Agate Verlag. Sein nächstes Buch, „The Coming of Neo-Feudalism“, erscheint Anfang nächsten Jahres bei Encounter. Sie können ihm auf Twitter folgen: @joelkotkin

 

Anmerkungen:

(1) Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, Band 1 (Berkeley: University of California Press, 1978), xcviii; Marc Bloch, Marc Bloch, Feudalgesellschaft, op. cit., 345.

(2) Analyse von Arbeitsplatzdaten von Mark Schill auf der Grundlage von EMSI-Berechnungen.

(3) Daniel Bell, The Coming of Post-Industrial Society (New York: Basic Books, 1973), 427.

(4) Charles Murray, Das Auseinandergehen: Der Staat Weißes Amerika 1960-2010 (New York: Crown Books, 2012), 19-20.

(5) Christophe Guilluy, Die Dämmerung der Eliten: Wohlstand, die Peripherie und die Zukunft Frankreichs (New Haven: Yale University Press, 2016), 2, 9.

(6) Jeffrey A. Winters, Oligarchie (Cambridge: Cambridge University Press, 2011), 78-90; Montesquieu: Ausgewählte politische Schriften, hrsg. und trans. Melvin Richter (Indianapolis: Hackett, 1990), 86-87; Aristoteles, Politik, Hrsg. und trans. Benjamin Jowett, Bk. 3, .

(7) Barrington Moore, Jr., Soziale Ursprünge von Diktatur und Demokratie: Lord and Peasant in the Making of the Modern World (Boston: Beacon, 1967), 418.

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Leserpost

netiquette:

Peter Holschke / 16.03.2020

Ein Zeichen erfolgreicher Gehirnwäschen ist, dass dieses Problem nie adressiert wird. Die Gegenseite nimmt die verlogenen Glaubensinhalte zur Diskussionsgrundlage und läuft ins Leere, weil es der anderen Seite nie wirklich um die Inhalte ging. Angeschmiert! Daraus entspringen hirnlose Debatten ob Luft schödlich ist, Bauern Umweltfeinde sind, oder ob Völkerverschiebung eine Legitmation hat.  (Dabei ist das ganz einfach: Beiß nicht in die Hand, welche dich füttert und jeder hat da zu bleiben, wo er hingehört). In Wirklichkeit geht es nur um Pfründe, welche mit allen Tricks verteidigt werden.

Sabine Lotus / 16.03.2020

Achnein, Unfug, Quatsch, Fake News, keine Rede. Es war Alexander Gaulands Beitrag in der FAZ (0_0) vom 06.10.2018 unter dem Titel: “Warum muss es populismus sein?”

Peter Holschke / 16.03.2020

Der linke “Klerus” weis ganz genau, dass sie Unsinn propagieren. Sie sind nämlich nicht so dumm, sich einer logsichen Debatte zu stellen. Genau weil ihnen die eigenen Lügen klar sind, Typisches Kennzeichen von Idiologien.

Rupert Reiger / 16.03.2020

„produktiv“ vs. „nicht produktiv“ nach David Ricardo (1772 – 1823 !!!) „Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und der Besteuerung“: „Je mehr bei der Aufteilung der jeweiligen Produktion in Form von Profit der produktiven Klasse und ja weniger unter der Bezeichnung Rente (altes Wort für alle Bezüge) der unproduktiven Klasse zufallen wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass der zum Unterhalt der Arbeit bestimmte Fonds (gemeint ist das investierbare Vermögen) wächst.“ Auch deshalb sind die Briten aus der EU raus.

Alexander Schilling / 16.03.2020

Danke für diesen Blick hinter eine Mauer, die niemand zu errichten je die Absicht hatte—und welche doch von bissigen und geifernden ‘Dominae canes’ auf Staatskosten bewacht wird…

Michael Müller / 16.03.2020

Sprach der Fürst zum Bischof: Halt Du sie dumm, ich mach sie arm. Mit denen kann man nicht in Frieden leben.

Sabine Lotus / 16.03.2020

Könnte mich täuschen aber hielt Gauland nicht vor kurzem eine Rede mit ähnlichem Inhalt und ganz viel MedienPfuiPfui?

Thomas Taterka / 16.03.2020

Da ich nicht mehr jeden Tag mit aufschäumenden Wutreflexen gegenüber personifizierter Verblödung leben WILL, freut es mich, daß ein blitzgescheiter älterer Herr meine Wenigkeit durch sein Fernglas blicken läßt, aufs Ganze der scheinheiligen zivilisatorischen Veranstaltung. Und die Hausnummer ” Quillette ” hab’ ich mir gemerkt, bereits nach dem Beitrag ,letzte Tage, von Rob Henderson. Danke für die ” Verpflegung “.

Rolf Lindner / 16.03.2020

Der Ausbruch des Krieges innerhalb der Mittelschicht im ganz Kleinen konnte auf einer Party, an der ich kürzlich teilnahm, gerade noch verhindert werden. Einer der Teilnehmer (Mathematiker) erwähnte mehr oder weniger nebenbei, dass er es unmöglich findet, dass im früheren DDR-Territorium immer noch Straßen nach Stalinisten benannt sind. Sofort gab es Protest aus der Künstlerpartei der Party. Das Thema wurde schnell fallen gelassen, was ich fast schade fand.

G. Kramler / 16.03.2020

Ja, so ist das wenn die Lehrer ein Leben lang ihre Schüler belehren, statt sie auf’s Leben vorzubereiten.

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