Hochstapler, Heiratsschwindler und Mimikry-Schreiber vom Schlag eines Claas Relotius hat es immer schon gegeben. Gemeinsam ist ihnen, dass sie geschickt mit den Erwartungen derjenigen spielen, denen sie Karrieren, Vertrauen und Geld verdanken. Beinahe hätte ich abpressen geschrieben, aber das wäre falsch. Denn die Betrogenen geben gern und freiwillig und sind stets die Letzten, in denen die Erkenntnis des Betrugs reift. Und wen wundert das? Man hat ja nicht nur den wirtschaftlichen Schaden und Reputationsverlust, sondern muss nach der Übertölpelung jeden Morgen in den Spiegel gucken. Jede Warnung, die man in den Wind schlug, jeder Gegenangriff, zu dem man sich gegenüber den Kritikern ob der eigenen Entscheidungen hinreißen ließ, ist eine Falte mehr auf der Stirn.
Wir müssen Jason Arday, dem talentfreien und nun ehemaligen Wunderprofessor der altehrwürdigen Universität Cambridge dankbar sein, denn er hat die freiwillige Selbsttäuschung der akademischen Elite so auf die Spitze der Absurdität getrieben, dass von seinen zusammenplagiierten Werken und wirren Schriften vielleicht nichts auf die Nachwelt kommen wird, aber sicher eines Tages lange Abhandlungen über seine Wirkmacht in der woken akademischen Blase geschrieben werden.
Jason Arday war kein Architekt, er konstruierte keine Brücken oder forschte in den Tiefen des menschlichen Genoms. Einstürzende Bauwerke und vom Himmel fallende Flugzeuge sind nur schwer zu übersehen. Er war an der Herstellung und Verteilung einer Ressource beteiligt, deren Abwesenheit nicht negativ auffällt, weil kein normaler Mensch sie wirklich braucht: Schuld. Doch der in Teilen seiner Eliten verrückt gewordene Westen glaubt, nicht genug davon zu haben und fördert deren Erzeugung mehr als die von Kilokalorie und Kilowatt.
Er kreuzte so ziemlich jedes Kästchen der Benachteiligungskategorien an
Ein ganzer Zoo neosozialwissenschaftlicher „Studies“ bewirtschaftet diese akademische Farm. Um dort als Erntehelfer zu arbeiten, muss man rhetorisch hochbegabt sein, Erkenntnis simulieren sowie Quoten und Besteuerung fordern. Doch das traf auf Arday nicht zu. Der zweite Weg ist, sich vor dem Narrativ der Schuld in den Staub zu werfen und selbst Opfer zu bringen, indem man den ganzen pseudowissenschaftlichen Zirkus mit Spenden oder besser noch mit Steuergeldern finanziert. Dafür fehlen Arday Geld beziehungsweise politische Ambitionen.
Er ging folglich den dritten Weg, den des Betroffenen. Er kreuzte so ziemlich jedes Kästchen der Benachteiligungskategorien an, die er finden konnte: Migrantenkind, bildungsferne Unterschicht, schwarz, neurodivers, autistisch – mehr Intersektionalität ist kaum vorstellbar. Jede Gruppenzugehörigkeit ein Schutzschild und gleichzeitig eine heruntergelassene Zugbrücke bei den akademischen Torwächtern. Der systemische Rassismus, den die Apologeten der „Black“ oder „Gender Studies“ in der Gesellschaft zu erkennen glauben, wohnt jedoch nur in ihnen selbst. Wenn in Ardays Doktorarbeit an der Liverpooler John Moores University über 300 Deppenapostrophe auftauchen, kann man sicher nicht nur das Lektorat dafür verantwortlich machen. Höchste akademische Weihen treffen auf gesenkte Erwartungen, Eigenheiten wie eine unterirdische Grammatik werden zum Diversitätsmerkmal und zum „Gerade-deshalb!“ hochgefiedelt. Talentlosigkeit als Talent, fehlende Exzellenz als Beweis des Gegenteils. Vermutlich war Jason Arday anfangs selbst überrascht, wie leicht es ihm gemacht wurde. Irgendwann dürfte er aber selbst an die Lügen geglaubt haben, die er fabrizierte.
Um ihn herum war nur Bewunderung, die aktivistischen Medien überschlugen sich mit Hagiographien und schrieben seine unglaublichen Münchhausengeschichten selbst fort. In TV-Auftritten konnte er sich damit begnügen, bescheiden zu lächeln, während ein Moderator Splitter seiner ungewöhnlichen Vita herunterspulte. Zweifellos hoffte Arday darauf, dass hinter seiner großen Legende das Fiktional-episodische irgendwann ganz verschwinden würde. Und hatte er nicht Grund, das anzunehmen? Bildeten nicht in seinem Fall die Betreiber des Kostümverleihs, die dem Hauptmann von Köpenick die Uniform verschafften und die Polizisten, die dann dessen Befehle ausführten, eine Personalunion?
Studenten fordern eine Neubewertung ihrer Examina
„Wir haben großes Glück, Sie bei uns zu haben. Sie sind der Beste der Welt, was Ihre Forschung angeht.“ – so begrüßte Professorin Hilary Cremin, Leiterin der Fakultät für Erziehungswissenschaften in Cambridge, ihren neuen Kollegen Arday. Das lässt aus heutiger Sicht nicht nur Rückschlüsse über die Person Jason Arday und die Urteilskraft seiner neuen Chefin, sondern vor allem über den Wert seines Forschungsfeldes selbst zu.
Auf der Wikipedia-Seite von Jason Arday prangen seit zwei Tagen rote Warnhinweise. Die Seite bedürfe der Überarbeitung und stehe deshalb unter Vorbehalt. Und doch sollten wir uns nicht zu sehr auf seine Person kaprizieren. Man kann fast dankbar sein, dass er außerhalb des akademischen Betriebs und außerhalb von Politik und Medien, wo man an den Lippen von „The Science“ hängt, was auch immer sie gerade trompetet, wenig Schaden angerichtet hat. Im Gegenteil: Eine der zentralen Thesen Jason Ardays war, dass es systemische Blockaden in der westlichen Gesellschaft gäbe, die es vorgeblich unterdrückten Minderheiten unmöglich machen, höhere Bildung zu erlangen und „sichtbar zu werden“. Seine Karriere war die Kapitulation der eingeschüchterten und von Indoktrination weichgekochten akademischen Elite vor genau dieser These Ardays. Das Ende seiner Karriere hingegen lieferte den Beweis, dass es solche Barrieren in Wirklichkeit nicht gibt. Die karrierefördernden Vorurteile zugunsten dieser Minderheiten hingegen schon.
Der Wikipedia-Eintrag der Cambridge University – immerhin Alma Mater von Isaac Newton, Charles Darwin, Bertrand Russell und Alan Turing – enthält noch nicht einmal den Hinweis auf den Fall Jason Arday. In jeder Phase der Ernennung Ardays hatte die Universität die Möglichkeit, die Fähigkeit und die Pflicht, genauer auf dessen Meriten zu schauen. Man zog es jedoch vor, wissenschaftliche Exzellenz dem woken Zeitgeist zu opfern. Jason Arday ist von seiner Professur zurückgetreten und wird bald vergessen sein.
Das Milieu, das ihn förderte, anhimmelte und bis heute verteidigt, ist noch da. Jederzeit bereit, sich einen neuen Arday in den Trophäenschrank zu stellen und den Studenten zwischen 10.000 und 30.000 Pfund pro Jahr dafür abzuknöpfen, den Vorlesungen der Besten der Welt in ihren Fächern zu lauschen. Ardays Studenten melden sich nun zu Wort und fordern eine Neubewertung ihrer Examina. Manche hatten sich darüber beklagt, von ihrem Professor nicht betreut worden zu sein, einer bat um einen Betreuerwechsel. Das wurde abgelehnt. Begründung – und da kommen Sie nie drauf, liebe Leser: Solche Forderungen seien rassistisch!

Er konnte weder schreiben noch lesen, in sich als Autist gekehrt, überirdisch sportliche Kunststücke vollbrachte, von Millionen Spendengelder phantasierte, als Blinder die richtige Zahlenreihenfolge von Eins bis Zehnmillionen rückwärts rülpste… Ein Vorbild. Es ist schrecklich, wenn man Idole zu Rücktritten zwingt.
Ich jedenfalls freue mich auf Ricky Garvais. Er wird Jason Arday vortrefflich würdigen.
Die Kehrseite ist, dass maßgebliches Talent laut Kants Kritik der Urteilskraft dabei unter die Räder kommt. Bekanntlich zeigte der Nobelpreisträger Hermann Hesse mit der gleichnamigen Erzählung die Folgen davon an einer alten württembergischen Gelehrtenschule auf bis schließlich hinein in den frühen Tod eines wirklich begabten Menschen. Auf dieselbe Weise geht das akademische Milieu auch an der Universität Cambridge buchstäblich über Leichen. Die politisch dafür Verantwortlichen haben ohnehin nichts zu befürchten. Damit ist jederzeit ein „perfekter Mord“ (Der Spiegel 4/1982: 42) an gleich welchem Träger des zukunftsreichsten Denkens ermöglicht.
Wohlstandsverwahrloste Leute mit ihren kaputten Hirnen schaffen zwangsläufig eine kaputte Welt.
Wenn der Spiegel auf Relotius abfährt, Sachsen einen Briefträger zum Chef der Psychiatrie installiert ist das eine schlimme Sache, die dadurch ermöglicht wird, dass die getäuschten Verantwortlichen Nappsylzen gleichen Schlages sind. Geschiht ihnen recht,möchte man denken.
Dass es aber in einer renommierten Universität möglich ist hat den Ruf dieser „Eliteuni“ auf hundert Jahre zerstört.- Wer möchte schon seinen Doktorhut mit dem Herkunftsort Cambride in Verbindung brinen. Da könnte man doch gleich an der Humboldt-Uni studierenn
Manche Leute finden, dass der Typ richtig gut aussieht.
Ich hingegen finde, dass er richtig irre aussieht.
Er sieht genauso aus wie er ist: völlig durchgeknallt. Sein Gesichtsausdruck – sein spezieller irrer Blick – sagt mir das. Und das würde ich auch sagen, wenn er „weiß“ oder gelbgrünrosa wäre.
Angeblich hat er erst mit 11 Jahren Sprechen gelernt und mit 18 oder 19 Schreiben und Lesen. Echt?
Wer mit drei Jahren noch nicht spricht, hat für die Zukunft schlechte Karten, habe ich mal irgendwo gelesen oder gehört. Weiß nicht, ob’s stimmt. Wie kann einer im UK in die Schule gehen, wenn er weder sprechen noch schreiben/lesen kann? Gibt’s da keine Schulpflicht, weil Schule rassistisch wäre?
Also Quatschen kann der Herr Arday offensichtlich, denn wie sonst hätte sich sein Hörsaal füllen sollen.
Da ich in solchen Dingen manchmal eine Spur gehässig bin, gönne ich der „Elite-Uni“ Cambridge diese Blamage von ganzem Herzen. Mögen noch weitere folgen bis der schreckliche Woke-Spuk abgeräumt wird.
Zumindest für das linksgrüne Bessermenschenmilieu gilt „Schlimmer geht immer“.