Quentin Quencher / 20.02.2018 / 15:00 / 2 / Seite ausdrucken

Der Handwerker und die politischen Kobolde

Ein Werkstück liegt auf der Werkbank, ein Stück Holz. Der Schreiner betrachtet es. Meister Eder wird er genannt, weil er so aussieht wie der Gustl Bayrhammer und eben Schreiner ist wie diese Fernsehfigur und der Freund des Pumuckls. Er hat kein Problem mit seinem Spitznamen, eigentlich fühlt er sich ein bisschen geschmeichelt, war doch im TV der Meister Eder – im Buch natürlich auch – durch seine Komplizenschaft mit dem Kobold allen anderen immer ein Stückchen voraus. Zumindest wusste er, warum all die sonderbaren Dinge geschahen, die sich die anderen nicht erklären konnten.

Wir wissen nicht, was der Handwerker mit dem Stück Holz vor hat, vielleicht muss an einem Möbelstück etwas ausgetauscht werden, möglicherweise an einem Garagentor, es ist egal. Zielsicher nimmt sich Meister Eder, wie ich ihn einfach ebenfalls nenne, ein Werkzeug; er weiß mit welchen Schritten er zum Ziel kommt. Bevor das Holz auf seiner Werkbank landete, wurde es schon grob zurecht gesägt, nun kommen der Hobel und das Stemmeisen dran, immer schön der Reihe nach, von grob nach fein.

Ganz zum Schluss – das Werkstück ist eigentlich fertig – sollte es noch lackiert werden. Damit hat der Meister Eder ein Problem, eine Schreinerwerkstatt ist nun mal kein staubfreier Raum. Aber einer seiner Freunde vom Stammtisch ist Malermeister, der hat eine kleine Lackierbox und übernimmt dies meist für einen Freundschaftspreis. Das heißt, ein paar Viertele Roten gehen dann auf Eders Rechnung.

So kommt es beim Stammtisch zu gelegentlichen Gesprächen über die Arbeiten, an denen sich die Handwerksmeister gerade befinden. Meist sind es nur kurze Sätze, warum dieses oder jenes Holz verwendet wurde, oder welche Lackierung gewünscht wird. Das war es dann auch schon, und weiter geht es mit den Themen Sport, Familie oder Urlaub. Früher wurde auch viel über Politik am Stammtisch gesprochen, heute nicht mehr. Das Thema ist ohne Streit verschwunden, es gibt auch keine Übereinkunft der Stammtischler, dieses oder jenes Thema nicht zu diskutieren, Politik löst nur immer mehr ein eher unbestimmtes Gefühl des Unwohlseins aus, die Männer spüren es deutlich, also lassen sie es und sprechen nicht mehr darüber.

Irgendwas in der Reihenfolge stimmt nicht 

Ganz lässt es sich allerdings nicht vermeiden, denn das, was alle beschäftigt und in aller Munde ist, die Flüchtlingsproblematik, kommt doch zur Sprache. Meister Eder und sein Kumpel, der Malermeister, lächeln dann meist vor sich hin, die anderen sprechen von Integration, ob und wie diese gelingen könnte, welche Aufgaben auf Kindergärten, Schulen, Ausbildungsbetriebe zukommen, sowie jede Menge anderer praktischer Fragen. Manchmal, eigentlich immer öfter, ist dann zu hören: „keine Ahnung, wie das zu schaffen ist!“.

Die beiden Handwerker, sie sind die einzigen an diesem Stammtisch, haben auch keine Antwort darauf, nur eines ahnen sie, irgendwas in der Reihenfolge stimmt nicht. Erst grob, dann fein, so wählen sie die Reihenfolge ihrer Werkzeuge aus. Warum tut das die Politik nicht? Sie arbeitet an Details und poliert Oberflächen, wo doch erst mal geklärt sein sollte, was man vor sich hat und wie das Werkstück am Ende aussehen soll. Wenn das klar ist, geht es zum nächsten Schritt, der Auswahl des geeigneten Materials. Dann beginnt die praktische Arbeit, mit Werkzeugen immer schön der Reihe nach, von grob nach fein. Am Schluss dann wird poliert und lackiert.

„Was sind denn das für Leute, die da jetzt gekommen sind und wie viele kommen noch?“, fragt der Eder in die Runde. Verschämtes Schweigen, keine Antwort, niemand weiß es. „Ihr wisst also nicht, was ihr vor euch habt, aber poliert und lackiert es schon!“

Wenn er das Wort Integration hört, muss er immer an eine Intarsie denken, und er stellt sich die verschiedenen Arbeitsschritte vor: von grob – der Feststellung was man hat und was man als Ergebnis haben will, der Auswahl des Werkstücks – bis fein – der Einpassung eines Stückchens ins Bild. Dazwischen liegt jede Menge Arbeit, von der könnte er erzählen, doch man hört ihm nicht zu, er ist nur ein Handwerker.

Kobolde, die glauben zu wissen, wie was geht

„Du kannst doch eine Intarsie nicht mit einer Gesellschaft wie der unsrigen vergleichen!“ wurde er zurechtgewiesen. Irgendwie weiß er das auch, doch wie soll er sich anders ausdrücken. Wenn er einen Kobold hätte, der würde ihm schon die richtigen Worte zuflüstern. Obwohl, mit Kobolden hatte er den ganzen Abend schon zu tun, die glauben zu wissen, wie was geht, bekommen aber noch nicht mal im Denken, geschweige denn bei der Arbeit, eine logische Reihenfolge hin. Sie schleifen, polieren und lackieren an etwas herum, was nie und nimmer ins Bild passen kann. Sollten sie dennoch versuchen, dieses Teil, so wie es ist, einzufügen, werden sie die Intarsie dabei zerstören. Kobolde eben, die Unsinn machen und noch stolz darauf sind.

Auf dem Heimweg murmelte der Schreinermeister vor sich hin, sein Kumpel, der Maler, spöttelte, dass sich der Eder mal wieder mit seinem Pumuckl unterhält. Was natürlich Quatsch ist, er rief sich nur in Erinnerung, dass man alle Dilettanten und Laien an ihrer Arbeit erkennen könne, Kobolde auch, egal wie schön sie reden mögen.

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Leserpost (2)
Bernd Ackermann / 20.02.2018

Auch vor der Politik macht der Fachkräftemangel nicht halt, im Gegenteil, er schlägt hier voll durch. Da wird dann halt genommen wen man bekommen kann. Vielleicht sollte man die Regierung outsourcen, was in der Wirtschaft ein Erfolgsmodell ist könnte auch hier funktionieren.

Marcel Seiler / 20.02.2018

Das ist es eben, das Gutmenschentum: Das Gute wollen, aber keine Ahnung haben, wie man es erreicht. Dann fängt der Gutmensch irgendwie an, fährt die Sache mit Schäden für alle Umstehenden voll an die Wand. Der Gutmensch findet dann die Schuld bei allen anderen, denn: Er selbst (oft: sie selbst) hat es ja nur gut gemeint! – Handwerker, die ja tatsächlich etwas abliefern müssen, das funktioniert, erkennen solche Gutschwätzer schnell und mögen sie nicht besonders.

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