Vorbemerkung als Nachtrag:
Die Gralshüter der katholischen Kirche passen auf wie scharfe Kettenhunde. Kurz nachdem ich den unten zitierten Artikel aus der Austrian Times postete, schickte mir Leser Leopold H. eine längliche Tirade, in der er mich nicht nur mit handverlesenen Belegen auf einige eventuelle Ungenauigkeiten der A.T. aufmerksam machte, sondern sich gleichzeitig bemüßigt fühlte, mir persönlich ans Bein zu pinkeln; dem Tenor nach zu urteilen muß er mich wohl schon länger als schnöden Katholenverunglimpfer auf dem Kieker haben. Also, der in der A.T. als Priester bezeichnete Mann ist laut Kölner Express „nur“ ein Küster und laut Corriere della Serra ein Sakristan, und der Hitlergruß-Geistliche Giulio Tam (den ich selber überhaupt nicht erwähnte) wurde zwar nicht, wie Herr H. schlichtweg behauptet, aus der Piusbruderschaft “rausgeworfen”, aber er verließ sie, wie “Pater Helmut Trutt, Distriktsoberer Jaidhof” der österreichischen Zeitung “Der Standard” am 24.02.2009 mitteilte, bereits Jahre vor seinem kürzlichen Hitlergruß bei einem Aufmarsch von Neofaschisten in Bergamo. Allerdings erwähnen weder Pater Trutt noch Leopold H., ob Mussolini-Verehrer Tam bisher von ihrer hochgeschätzten Kirche trotz seiner laut Trutt “verabscheuungswürdigen Sympathiebekundung des im höchsten Maße verbrecherischen Regimes des Nationalsozialismus ” exkommuniziert wurde.
Bei seinen Korrekturmühen geht Leser H. selber mit der Wahrheit ziemlich locker um—soviel heiliger Schaum vor dem Mund trübt wohl den Blick. So bezichtigt er mich, “zwei Monate alte Falschmeldungen als Neuigkeiten zu verkaufen”; dabei wurde die Story des Naziküsters Angelo Idi erst vor stark zwei Wochen publik. Und da der gute Leopold anscheinend meint, daß zur edelmütigen Verteidigung seines Religionsvereins Schimpfkanonaden gegen Kritiker wie mich gehören, behauptet er dann noch mit wohlfeiler Häme, der italienische Kirchenmann Tam sei lediglich “ein Nazi, der vor Nazis auftritt und mit der katholischen Kirche ungefähr so viel zu schaffen hat wie Fred Viebahn mit Journalismus.” Hmm, irgendwie hinkt der Vergleich—denn sowohl Naziküster wie Faschistenpater sind weiterhin Männer im Dienste dieser Kirche, während mir eigentlich jedweder Götzendienst abhold ist und ich den Altaren des Journalismus, sofern es die überhaupt gibt, fern bleibe.
Mein O-Ton:
Seit einem Monat komme ich vor lauter Reiserei und Cocktailparties nicht zum Schreiben und kaum zum aktuellen Lesen (schnell ziehe ich mir nachts die “Achse” und das “Daily Beast” rein und gucke vielleicht noch Jon Stewart und Stephen Colbert, bevor’s am nächsten Tag wieder auf den Freeway oder zum Flughafen geht), aber glücklicherweise lesen gute Freunde für mich mit. So schickte mir eben Freund Stanley Rubin, emeritierter Literaturprofessor, der von seiner Ruhestandswarte auf einer Pazifikinsel vor Seattle im Bundestaat Washington Europa in antisemitischem Schlamm versinken sieht, einen Artikel aus der Austrian Times über den italienischen Hakenkreuzpriester Angelo Idi. Zwar ist der Artikel schon 14 Tage alt, aber da ich diesen Nazipfarrer weder auf der Achse noch in der Spiegel-Suchmaschine erwähnt finde, eignet er sich hier vielleicht als Wort zum heutigen Sonntag. (Demnächst kommt wieder mein eigener Senf—großes Ehrenwort!)
Swastika priest
A priest has shocked parishioners by welcoming them to church wearing a swastika armband.
Fascist Father Angelo Idi, 51 - who once saw off a charity box thief with a truncheon at his church in Vigevano, Italy - confessed: “I am proud of my right wing beliefs. But people shouldn’t care about my politics, they should care about how good a priest I am.”
In northern Italy where former dictator Benito Mussolini comes from the far right Italian LEGA NORD (Northern League) have their political stronghold - and there have been several instances of priests with far right views that have embarrassed the Catholic Church.
Last month a right wing Italian priest who is a member of Richard Williamson’s Pius fraternity was caught giving the Hitler salute at a neo-fascist rally - but claimed he was just trying to bless his flock.
Catholic priest Giulio Tam, well known for his extremist right views, raised his right arm when speaking at a rally of the neo-fascist Forza Nuova party in Bergamo, northern Italy.
The ultra-conservative Pius fraternity hit the headlines recently as British Catholic bishop and Holocaust denier Richard Williamson is a member.
After a picture revealed Tam raising his right hand, he argued: “The young people of the Forza Nuova wanted me to bless them. I’ll always be on their side.”
Tam regards Italian dictator Benito Mussolini as a martyr and has in the past held masses at Mussolini’s grave.
http://austriantimes.at/index.php?id=12871