Ich gebe zu: Ich habe ihn geliebt. Wie viele meiner Generation. Hape Kerkeling galt als legitimer Nachfolger von Loriot, er hatte super Auftritte, beispielsweise als Königin Beatrix („Wo is lecker Mittachesse?“), als Intellektueller Mirosław Lem, der in „Hurz“ die gesamte pseudointellektuelle Blase einer Kleinstadt implodieren ließ („… dann unterstelle ich, dass Sie keinen intellektuellen Zugang zu diesem Stück haben“) oder in der Bundespressekonferenz nachfragte, warum hier keine Schnittchen gereicht werden. Das war unübertroffen.
„Kein Pardon“ (mit dem genialen „Witzischkeit kennt keine Grenzen“) und „Club Las Piranhas“ hat Hape Kerkeling vielleicht keine Meilensteine, aber immerhin Duftmarken der deutschen Film- und Fernsehgeschichte gesetzt. Von seinen Bühnenshows, von denen ich in den 90ern einmal eine besucht habe und bei der ich mich, was selten genug passiert, bald vor Lachen vom Stuhl geworfen habe, mal ganz abgesehen – wobei er meist durch den kongenialen Achim Hagemann flankiert wurde. Sein arschlochiges Zwangsouting durch Rosa von Praunheim war 1991 noch ein kleines Skandälchen, aber weniger wegen seiner Homosexualität als vielmehr wegen der unverschämten privaten Übergriffigkeit durch von Praunheim. Seiner Karriere hat das nicht geschadet, sie vielleicht sogar eher gefördert. Hier zeigte sich, wie tolerant sein Publikum wirklich war. Und dieses Publikum waren wir – die Boomer und Generation X.
Reifer geworden, lief er den kompletten Jakobsweg und beschäftigte sich autobiographisch, was genau so gut und augenzwinkernd ernsthaft wie sein früherer komödiantischer Weg war. Und dumm ist Hape Kerkeling keinesfalls. Er spricht mehrere Sprachen fließend, und er hat einiges von der Welt gesehen, persönliche Schicksalsschläge hinnehmen müssen und ist trotzdem immer wieder aufgestanden. Ich hatte höchsten Respekt vor diesem genialen, begabten Mann und seinen Frei- und Frechheiten, die, anders als bei Stefan Raab, nie verletzend waren. Oder nur ein bisschen.
Brav gemacht, Hape Kerkeling, so brav
Umso enttäuschender ist, was „unser Herpes Ferkeling“ (die Eigenbezeichnung stammt aus einem Programm von ihm, liebe Rechtsanwaltende) jetzt, im hohen Alter von 61 Jahren, von sich gibt: Hier sehen wir einen angepassten, wohlfeilen Künstler, von dessen rebellischer und humorvollen Weltsicht auf seine Mitmenschen nichts, aber auch gar nichts übriggeblieben ist. Wer weiß, was mit dem Mann nach seinem 50sten passiert ist?
Kerkeling verkündete 2021 bei „Maischberger“, er glaube, dass die Coronamaßnahmen angemessen seien. Und er will bei Gesprächen zu diesem Thema bei den Fakten bleiben, wörtlich: „Fakt ist, es gibt diese Pandemie. Zu sagen, es gibt sie nicht, ist keine Alternativmeinung, sondern einfach nur verrückt.“ Okay, das war zu Corona-Zeiten, da waren ja so ziemlich alle an den Futtertrögen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sehr geschmeidig, und immerhin hat Kerkeling auf Blinddarmvergleiche verzichtet. In der gleichen Sendung sagte der ehemalige Entertainer, er habe früher mal mit der SPD sympathisiert, heute träfe er seine Entscheidung erst in der Wahlkabine, aber, damit keine Missverständnisse aufkommen, es kämen alle Parteien infrage, bei der LINKEN müsse er mal schauen, aber auf keinen Fall, never ever, würde er AfD wählen. Sprach's und hängte sich an eine Impfkampagne des Landes Nordrhein-Westfalen. Brav gemacht, Hape Kerkeling, so brav. Sitz. Platz. War knapp, was?
2017 zog es den Helden meiner Jugend weg. Aber nicht nach Spanien, sondern von Berlin zurück nach NRW, nach Köln. Der gebürtige Recklinghausener begründete diesen Schritt, diesmal bei „Maybrit Illner“, mit einer „immer homophober werdenden Szene in Berlin“. Generell habe dieser Schritt nicht nur mit Berlin, sondern mit der „sehr unglücklichen Lage in der Welt“ zu tun. Selbstverständlich habe „unser Hape“ das Gefühl, „dass wir in einer ähnlichen Zeit wie in der Weimarer Republik leben“, und außerdem befände sich „die Gesellschaft am Vorabend von etwas, was ich jetzt nicht dringend erleben möchte“.
„Jede Kooperation mit der Regierung unter Meloni ist ein Schritt in die falsche Richtung“
Soso, Herr Kerkeling. Pflichtschuldig. Schön, schön. Der „Vorabend“, den Kerkeling hätte meinen können und der für jeden sichtbar ist, ist der Vorabend, bevor das Kalifat über diese Republik hereinbricht. Aber nicht doch! Das meinte Hape Kerkeling, der sich „am Vorabend“ wähnt, natürlich nicht. Durch seinen Vergleich mit der Weimarer Republik implizierte er natürlich den „Vorabend eines Vierten Reichs“, wie sich das eben in den stets unabhängigen, neutralen und immer streng faktenbasierten öffentlich-rechtlichen Medien, von deren Gagen und Apanagen er den „Vorabend“ seiner Rente bestreitet, gehört. Gerade wurde bekannt, dass Kerkeling auch seine Wahlheimat Italien wegen wachsender Homophobie verlassen habe. Auch hier insinuierte er, dies habe mit irgendwelchen Rechten zu tun: „Italien ist nicht auf der Höhe der Zeit“, sagte Kerkeling. Und: „Jede Kooperation mit der Regierung unter Meloni ist ein Schritt in die falsche Richtung.“
Ich gebe zu, ich bin von dem sehr geschmeidigen Herrn Kerkeling enttäuscht. Er bedient mit seinen diversen Statements exakt das Bild, das seine Brötchengeber allzu gerne malen, er will nicht anecken, er duckt sich vor der Benennung von Fakten feige weg. Jeder, der Comedy macht, kann nicht dumm sein, sonst kann er keine Comedy machen – und erst recht keine gute Comedy. Ich unterstelle Hape Kerkeling, dass er sehr genau weiß, woher der homophobe Wind weht – er will die Windrichtung nur nicht benennen, um nicht das Opfer einer für ihn selbstverständlich nichtexistenten Cancel Culture zu werden. Wer teilt schon gerne das Schicksal von Monika Gruber und stellt sich gegen den offiziellen „Wind des Beharrens“?
Der Mann, der grinsend keine Scheu hatte, als Fake-Königin Beatrix zum Staatsempfang zu fahren, der sogar den Mut hatte, sich im „Café Korten“ selbst auf den Arm zu nehmen, ist auf den Status des wohlfeilen, regierungsgeradlinigen- und liebedienerisch medienfreundlichen Entertainers abgerutscht, dem ich unterstelle, sehr genau zu wissen, wie die Konsequenzen und Strafen für aufmüpfige Künstler („*Innen“, extra für Sie, Herr Kerkeling) aussehen. Anders als Herbert Grönemeyer, der so entsetzlich von sich selbst berauschte Berufssozialist mit kapitalistischem Background, der zu einer Art singendem Stalin mutiert ist, hätte ich mir von Hape Kerkeling mehr Mut und mehr Rückgrat gewünscht. 1991 war er mutig genug, gegen den Strom zu schwimmen und sein Outing zu bestätigen. Aber da war er noch jung und brauchte das Geld nicht. Der HaPe des Jahres 2026 ist ein etwas dicklicher, bräsiger alter Herr, der einfach nur nicht möchte, dass seine trockenen Schäfchen nass werden. Verständlich, aber schade, Hape. Hurz.
(Weitere geschmeidige Artikel des Autors unter www.politticker.de).
Von Thilo Schneider ist in der Achgut-Edition erschienen: The Dark Side of the Mittelschicht, Achgut-Edition, 224 Seiten.

Ein Großkotz und zugleich Feigling vor dem Herrn. Seine ständigen Tiraden gegen die AfD widern mich so an! Auch wenn er den Islam noch so schont und alles auf angeblich fiese deutsche Rechte schiebt – komisch, dass ich die auch mit der Lupe nicht finden kann! -, muss er zur Kenntnis nehmen, dass die Moslems niemals seine Freunde sein werden. Das sage ich ihm als Rechter, der die Freiheit liebt und Israel von Herzen gerne mag, und der ein wenig mehr Rückgrat besitzt als der nette Herr K.
Hape Kerkeling als legitimer Nachfolger von Loriot? Wer hätte Chance in der freien Marktwirtschaft ohne Rundfunkgebühren?
Ich mag Herrn Kerkeling. Ich halte ihn für hochintelligent, seine in obigem Text geschilderten Beiträge sind genial. Deshalb möchte ich ihn warnen, nicht im Senegal Urlaub zu machen. Dort hat man grade die Strafen für Homosexualität erhöht, von 5 Jahren Gefängnis auf 10 Jahre. Das wurde vom Parlament mit 135 „ja“-Stimmen bei drei Enthaltungen und keiner Gegenstimme beschlossen. Danach gab es enthusiastischen Beifall.
Kerkeling ist Comedian und kein Berserker. Insofern mag man ihm das nachsehen, dass er sich nicht allzu weit aus dem von oben verordneten Mainstream herauswagt. Aber ich kann ihm zweierlei Dinge versichern: 1. Die Italiener sind auch heute noch wahnsinnig nette Menschen. Und das nicht trotz, sondern gerade wegen Meloni. Das passt nicht ins Klischee, aber die derzeitige Situation ist derart ungewöhnlich, dass nichts mehr ins übliche Klischee passt, weil wir so etwas noch nie hatten. Und weil Hape ja aus NRW stammt: Die AfD NRW hat eine inoffizielle aber überaus leistungsstarke Abteilung für Minderheitenschutz. Viel leistungstärker als bei allen anderen Parteien in NRW zusammen. Man muss da nur mal genau hinschauen. Und er hat auch noch Fans in der Abteilung. „Dieter Schröpke“ und „Hurz“ sind einschneidende TV Momente, die die Tätigkeit dieser Abteilung sogar indirekt beeinflusst beeinflusst haben. Mal schauen, vielleicht kommt Horst Schlämmer demnächst noch dazu. ;-)
Auch Herr Kerpeling darf im Mainstream mitschwimmen. Aber nur, wenn er klimaneutral mitschwimmt, sich jedes Jahr zusammen mit Lauterbach boostern läßt, für die Ukraine Raketen und Panzer sammelt und anschließend zusammen mit Pistorius an einer kriegstüchtigen Wehrübung teilnimmt. Wenn er eben alles das macht, wonach mir noch nie der Sinn stand.
Wenn die GEZ-Knete ausgeht können Hape und Herbert G. ja eine WG gründen die haben beide kein Rückgrat passen gut zusammen die traurigen Figuren. Mir würden da noch einige andere aus den Business einfallen die so im Fahrwasser des ÖR dahindümpeln immer schön politisch korrekt aber halt auf den Knien.
Ehrlich gesagt ist es eine der letzten Freuden in dem derzeitigen politischen Klima, zu sehen, wie Typen wie Kerkeling, die locker daher kommen und anfangs einen guten ehrlichen Job machen irgendwann so an den Trögen der Macht hängen, dass sie sich richtig verbiegen müssen, um ihr ursprüngliches Weltbild oder ihr aktuelles Leben mit den Erfordernis politischer Schleimerei oder taktischem Schweigen in Einklang zu bringen. Ich gehe davon aus, dass Kerkeling kein Mitläufer ist, sondern schlau genug, um zu wissen, was er da tut. Erwischen wird es auch nicht ihn, sondern nicht ganz so prominente Schwule, die Opfer migrantischer Gewalt werden. Dem Polizeibericht liest er sicherlich schon lange nicht mehr. Besser so für seine Art von Humor.