Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) will die Zahl der Messerangriffe senken: Potentielle Messerstecher sollen belohnt werden, wenn sie ihr Messer abgeben. Das Modell ist bestimmt ausbaufähig.
Aktionismus und Populismus und brotlose Kunst: Der GdP-Vorsitzende hat eine glorreiche „Idee“. Er lässt sich zitieren:
„Verbotene und gefährliche Messer müssen schnell aus privaten Händen entfernt werden, für mehr öffentliche Sicherheit. Bereits 2009 habe die Politik über eine sogenannte ‚Abwrackprämie‘ für (Schuss)Waffen diskutiert. Angesichts steigender Fallzahlen sei es dringend geboten, diesen Ansatz mit Blick auf Messer erneut zu verfolgen. Damit diese Maßnahme effektiv ist, muss die Bundesregierung für Abgebende ernsthafte Anreize schaffen. Konkret könnte das bedeuten: ein Jahr Netflix für die Abgabe eines verbotenen Butterfly-Messers.“
Was für ein wohlfeiler Vorschlag aus dieser Gewerkschaft. Der „Ideenersteller“, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, war einst Bürovorsteher des SPD-Innensenators in Bremen.Ich gehe davon aus, bei einem Gewerkschaftsboss, der nicht nur Jasager um sich geschart hat, hätten Mitarbeiter diplomatisch vor einer solchen Veröffentlichung „geraten“, noch einmal eine Nacht darüber zu schlafen. Oder man hätte besser vorher noch einmal einen Stuhlkreis gebildet.
„Unglückliche Vorschläge“ haben auch immer einen gehörigen Anteil unfreiwilliger Selbstoffenbarung. Ich möchte dem nicht nachstehen. Deshalb meine Ergänzungen: Wenn die noch in Fahndung stehenden RAF-Mitglieder ihre Beute aus den Raubüberfällen auf Geldtransporte zurückgeben, dürfen sie die Hälfte als Belohnung behalten. Außerdem sollten sie Straffreiheit und eine angemessene monatliche Apanage durch die arbeitenden Steuerzahler erhalten.
Ein kostenloses Jahr Netflix ist eindeutig zu wenig
Für den Rest an Kriminalitätsbekämpfung stellen wir überall Schilder auf: „Messer verboten!“. Wird bestimmt ein Riesenerfolg! Müssen sich nur noch alle Kriminellen mustergültig daran halten, sich brav bei der Polizei melden und die verbotenen Gegenstände mit einem liebevollen Dankschreiben abgeben. Zukünftige strengere Messerverbote und Verbotsschilder: Dem Rest rate ich, nicht aus Versehen sein Taschenmesser zum Schneiden des Apfels zur Mittagspause auf der Arbeit mitzuführen. Schnell steht man dann als Unhold da, der verbotene Dinge mit sich getragen hat.
Apropos Belohnungssystem für Kriminelle: Ein kostenloses Jahr Netflix ist heutzutage eindeutig zu wenig. Man sollte sich nicht so kleinlich anstellen. Stattdessen könnten alternative Geschenke wie Gutscheine für Übernachtungen im 5-Sterne-Hotel, E-Autos (die auf Halde stehen und sowieso weg müssen), ein gemeinsames Abendessen mit einem besonders einflussreichen Politiker, Freiflüge ins Casino nach Las Vegas (bitte keine Kurzflüge wegen des Klimas, Sie wissen schon) oder sechswöchige Kreuzfahrten (natürlich Kabine mit Balkon) auf den Weltmeeren infrage kommen. Das hängt davon ab, wer wie viel bei der Polizei abgibt.
Es können Bonuspunkte erarbeitet werden, wenn der Gewohnheitskriminelle von Zeit zu Zeit neue Messer abgibt. Ähnlich einem Schneeballsystem kann man auch andere Personen melden, die solche Verbotsgegenstände besitzen. Das wird dem Melder, ähnlich einem Schneeballsystem zugute geschrieben und erhöht das Punktekonto. Das steigert den Wert der in Aussicht stehenden Begehrlichkeiten.
Täter wurden sie nur wegen der Diskriminierungen
Es macht ebenso Sinn, andere Kriminelle zu überfallen und diesen Butterflymesser, Faustmesser, Springmesser usw. zu rauben, um sie im Sinne der neuen GdP-Messeramnestie der Polizei ordnungsgemäß vorzulegen. Besonders vorbildliche Gangster könnten auch in der überregionalen und lokalen Zeitung positiv hervorgehoben werden. Sie berichten dabei aus ihrem Leben und wie erfolgreich ihr „Geschäft“ bisher ablief. Täter wurden sie selbstverständlich nur wegen der vielen Diskriminierungen. Das muss auch mal klargestellt werden.
Man verzeihe mir meinen Sarkasmus. Ich kann nur den Ministerien und Behörden (diesmal) ernsthaft abraten, diesen GdP-Vorschlag ernsthaft zu prüfen. Für „gewitzte Vorschläge“ sind hier nämlich ganz andere zuständig. Fragen Sie Herrn Böhmermann im ZDF.
Ach ja, nur so am Rande: Zum Töten eines Menschen reicht auch ein triviales Küchenmesser von sechs Zentimetern Länge aus. Kein verbotenes Messer ist dafür nötig.
Steffen Meltzer ist Buchautor von „Ratgeber Gefahrenabwehr: So schützen Sie sich vor Kriminalität – Ein Polizeitrainer klärt auf.“ Zuletzt erschien von ihm „Die hysterische Republik“ von Steffen Meltzer (Hrsg.), 2021, Potsdam: Ehrenverlag. Hier bestellbar.
Beitragsbild: Pixabay

Für mich ein weiterer Beweis dafür, dass die den Geistern, die sie riefen, absolut machtlos gegenüberstehen (wollen). Man will ja Gäste nicht verärgern, gelle.
Hat dieser Mann noch nichts vom sogenannten Kobra-Effekt gehört?
(Die Vorschläge der Leser sind übrigens hervorragend.)
Da fragt man sich doch, was bei Herrn K. in den 40 Jahren seines irdischen Daseins alles schief gelaufen sein muss, damit in dem Hohlraum zwischen seinen beiden Ohren plötzlich so eine „Idee“ aufploppt. Verbrachte er seine gesamte Kindheit in einer zu heißen Badewanne? Fiel er regelmäßig vom Wickeltisch? War der Klammerbeutel sein einziger Freund? Oder liege ich mit meinen Vermutungen völlig daneben und wir wurden in Wirklichkeit alle Zeuge des erstmaligen Auftretens des Schwinger-Effekts? Es wäre endlich bewiesen, dass nicht nur Materie, sondern sogar Ideen aus dem Vakuum entstehen könnten. Das wäre ja eine Weltsensation und Herrn K. wäre der Physik-Nobelpreis nicht mehr zu nehmen. Leider besteht aber auch die Möglichkeit, dass wir es hier mit einem besonders betrüblichen Fall von Frontotemporaler Demenz zu tun haben. In dem Fall sollte Herr K. sich unser aller Mitgefühl sicher sein, denn auf eine Heilung kann er nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft nicht hoffen.
Kein Wunder daß „uns“ die Westasiaten nicht für voll nehmen. Der wunderbare Tim Kellner hat sich auf seiner Plattform gefragt was wohl einer als Belohnung bekommt wenn er seine Handgranate abgibt…. Mich fragt ja keiner – aber ich würde jeden der mit einem Messer erwischt wird UMGEHEND ins Flugzeug setzen (von mir aus auch in die Ukraine – die nehmen die garantiert) !!!
Da ist wohl in Deutschland mal wieder eine Schraube locker! Achja… Kann man auch Schraubendreher abgeben? Die können ebenso tödlich sein, wie „verbotene und gefährliche Messer“. Solche Messerchen gibt´s zudem auf dem Schwarzmarkt für´n Zehner. 1 Jahr Netflix ist teurer. Vom gesparten Geld kann sich der Messermann dann noch ganz legal ein ebenso tödliches anderes Messer zulegen. Steht er drauf und ist er skrupellos genug, dann kann jeder Verbrecher also ein Geschäft auf Kosten der blöden deutschen Steuerzahler machen und sich vor der Glotze noch über sie totlachen. Verbrechen lohnt sich in Deutschland! (Man könnte alternativ aber auch diesen echt klugen GdP-Vorsitzenden rausschmeißen.)
Das ist so absurd und offenbar völlig sinn- und nutzenfrei. Die einzige Erklärung ist für mich, dass man die komplette Verachtung der schon länger hier Lebenden deutlich zum Ausdruck bringen will! Es sterben Menschen – und das ist die Lösung, die unsere Polizeiführung präsentiert. Was will man dazu noch sagen? Wo bleibt die Revolution der Polizeibeamten? Ich würde sofort aus diesem Verein austreten. Heute noch.
Bin nicht in der Lage, diese Meldung zu kommentieren. Die besten Satiriker dieser Welt werden jetzt vielleicht über einen Berufswechsel nachdenken.