Ich sitze entspannt beim Türken meines Vertrauens, obwohl, den Laden hat jetzt ein Syrer übernommen, vor mir stapeln sich herrlich duftende, frisch gebackene Lahmacun mit Petersilie, Zwiebeln und reichlich Zitrone. Ein Festmahl, das nach Genuss aussieht. Was dieses Bild jedoch komplett verschweigt: Es handelt sich um akutes Frustessen auf Schmerzmittel-Niveau. Und der Dealer, der uns in diese emotionale Abhängigkeit getrieben hat, trägt die stolzen Farben Rot und Weiß. Die Rede ist natürlich von der Deutschen Bahn.
Mein Sohn geht in Frankfurt zur Schule. Eine Strecke von knapp 50 Kilometern ab unserem Wohnort. In einem funktionierenden Industrieland wäre das eine Pendler-Routine von maximal einer Dreiviertelstunde. In der Realität unseres rot-grün-gelb-schwarzen Verkehrswende-Märchens wird jeder Schulweg bei uns in der Familie mit dem Herzklopfen eines Kardiologie-Patienten auf dem Laufband begleitet. Die tägliche Preisfrage lautet: Fällt der Zug heute wegen „Verzögerungen im Betriebsablauf“, „Oberleitungsschäden“. „Das Fehlen eines Zugführers“ oder einfach aus kollektiver Arbeitsunlust aus?
Der gestrige Tag fing schon mit maximaler Anspannung an, denn es stand eine wichtige Klassenarbeit auf dem Plan. Anwesenheitspflicht. Der Junior verließ das Haus überpünktlich. Erste Etappe: Hanau Hauptbahnhof, wurde mit halbstündiger Verspätung erreicht. Umsteigen. Doch der Anschlusszug? Phantom-Modus. Nach bangem Warten rollte ein textfremder Ersatzzug ein. Mein Sohn sprang erleichtert hinein. Die Erleichterung währte exakt bis zum nächsten Kaff-Bahnhof: Hanau-Wolfgang.
Der Zug hielt. Und blieb stehen. 5 Minuten. 10 Minuten. Die Klimaanlage summte das Requiem der innerdeutschen Mobilitätswende.
„Ich bin dann mal weg“ – DB live auf dem Abstellgleis
Auf dem kleinen Bahnsteig in Wolfgang sucht man Bahnpersonal ähnlich vergeblich wie finanzpolitischen Sachverstand im Berliner Regierungsviertel. Also formierte sich eine kleine Delegation verzweifelter, gestrandeter Fahrgäste und wanderte am Gleis nach vorne zur Lok. Klopfen an die Scheibe. Nichts. Ein Blick durchs Fenster: Das Cockpit war verwaist. Der Lokführer war weg. Einfach weg.
Später sickerte die Wahrheit durch, die man sich eigentlich nur im Vollrausch oder für ein drittklassiges Drehbuch ausdenken kann: Der Triebfahrzeugführer, was für ein selbsterklärendes Wort, hatte eine „dringende private, familiäre Angelegenheit“. Und da er praktischerweise ganz in der Nähe des Bahnhofs Hanau-Wolfgang wohnte, fackelte er nicht lange: Er parkte den tonnenschweren Regionalzug voller Schüler und Pendler kurzerhand wie einen alten Golf auf dem Standstreifen, zog den Schlüssel ab und ging nach Hause. Schicht im Schacht, Familie geht vor – die Fahrgäste können ja sehen, wo sie bleiben. DB live. Wenn das Schule macht, wird das demnächst die neue Standard-Ausrede für jeden verpassten Fahrplan.
Ein Rücktransport zum Hauptbahnhof per Bus hätte für die knapp sechs Kilometer. schlanke zwei Stunden gedauert, weil Busse dort Seltenheitswert haben. Zu Fuß zurück nach Hanau: 42 Minuten – allerdings ohne jede Aussicht auf einen pünktlichen Anschlusszug. Am Telefon hörte ich nur noch die Panik im Tonfall meines Sohnes, der seine mühsam vorbereitete Klassenarbeit davonschwimmen sah.
Mein Entschluss stand fest. Ich rief meiner Frau zu: „Zieh die Schuhe an, wir fliegen los!“ Mit der Gattin als Co-Pilotin ging es im Tiefflug 45 Minuten nach Wolfgang, den Sohn am Geisterzug evakuiert, und im fliegenden Wechsel nochmals 35 Minuten im Berufsverkehr nach Frankfurt zur Schule gebracht. Punktlandung.
Die biologisch-bürokratische Brandmauer
Was macht man nun mit dem angebrochenen Tag in der Großstadt? Wieder nach Hause fahren lohnte sich kaum, also hieß es: Warten, bis der Filius Schulschluss hat. Zuerst ging es zu Wacker, um bei einem der besten Kaffees der Stadt das Adrenalin wieder runterzukochen. Zum Mittagessen folgte dann die wohlverdiente XXL-Dosis Frust-Lahmacun. Denn der Junior muss diese Strecke noch ganze drei Jahre bezwingen. Drei Jahre russisches Bahn-Roulette.
Eigentlich wollten wir das Problem pragmatisch lösen und eine kleine Wohnung für ihn in Frankfurt suchen. Doch hier wartet bereits die nächste, ganz reale Brandmauer dieses Landes. Ich bin knackige 67,9 Jahre alt. Für Frankfurter Vermieter bin ich damit quasi schon biologisches Risikokapital. Die Aussicht auf ein jahrzehntelanges, stabiles Mieter-Vermieter-Verhältnis geht gegen null. Man sucht eher den dynamischen Mittdreißiger ohne Verfallsdatum.
Hinzu kommt: Ich heiße mit Vornamen Ahmet. Und zu allem Überfluss schreibe ich auch noch reale, ungeschminkte Artikel über den Zustand dieses Landes. Eine explosive Mischung auf dem Wohnungsmarkt. Alter, Name, Meinung – gegen diese dreifache, hausgemachte Brandmauer wirkt die chinesische Mauer wie ein mickriger Gartenzaun.
Das Fass ohne Boden
Meinen Vornamen könnte ich beim Standesamt wahrscheinlich sogar unter Verweis auf „triftige Gründe“ und akute Diskriminierungsgefahr auf dem Wohnungsmarkt in „Wolfgang Müller-Anhalt“ ändern lassen – quasi als ewiges Denkmal für den Bahnhof Wolfgang –, aber jünger werde ich davon auch nicht.
Und dass sich bei der Bahn in den nächsten drei Jahren etwas zum Besseren wendet? Das ist das größte No-Go von allen. Die DB ist mittlerweile ein Fass ohne Boden, genau wie die Ukraine. Da könnten unsere Spitzenpolitiker noch hunderte Milliarden an Steuergeldern hineinpumpen – besser wird es auch in hundert Jahren nicht. Für Entlastungsstrecken gibt es in der Fläche überhaupt keinen Platz mehr. Für den Bau gäbe es keine Arbeiter. Und selbst wenn wir neue Züge hätten, fehlt das Personal – die sind schließlich gerade alle auf dem Heimweg, um sich um ihre dringenden familiären Angelegenheiten zu kümmern.
Aufgeben ist nicht mein Ding. Aber wenn man vor dieser real existierenden Wand aus Bürokratie, Unfähigkeit und demografischem Kollaps steht, bleibt einem manchmal nur eins: Der beherzte Griff zur türkischen Pizza.
Guten Appetit, bestes Deutschland aller Zeiten. Wie krank bist du eigentlich?

Durchsage des Zugbegleiters am Mittwoch im ICE von Köln nach Frankfurt:
Wir haben 40 min Verspätung. Gründe dafür sind
Wir haben in Köln außerplanmäßig einen zweiten Zugteil angefügt. Das dauert. Das wissen alle, die mit dem Zug unterwegs sind. Unsere Zentrale weiß das nicht. Durch die primäre Verspätung gab es Verzögerungen bei der Einfahrt auf die Schnellfahrstrecke. Zuletzt mussten wir noch einen nachfolgenden Zug passieren lassen. Also zusammengefasst, alles wie immer.
Das sind die Nachwirkungen der Evelyn Nikutta deren Kompetenz „Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie und dem Nebenfach Pädagogik“ ist.
Im Konsumtempel soll man sich selbst abkassieren, ich hörte das manche im Management meinen, man könne dem Kunde auch ein Eimer mit Wasser und Bodenwischtuch die Bodenpflege während des Einkaufens übertragen. Das ist vollens grün und spart Energie, CO2 und der Konsumtempel sieht immer schön sauber aus. Warum nicht auf die DB übertragen?
Herr Dener, das DB Personal, eher Management ist so unverschämt teuer. Ihr Sohn fuhr in einem Testbetrieb der Bahn und übersah das der Fahrschlüssel auf der Sonnenblende lag. Stand irgendwo im Kleingedruckten, jeder darf mal im Führerstand den Zug fahren und loslegen. Dienst und Leistung beim zahlenden Konsument ist im gesamten BlackRock Reich das Motto. Schliesslich lässt sich der „Staat“ auch für jeden kleinsten Handgriff fürstlich bezahlen und nennt sich „New Public Management“.
Ich dagegen würde jeden biodeutschen grün-ideologischen Spinner sofort für Einwanderer vom Schlage Ahmet Refii Dener eintauschen, dann hätte unser Land vielleich noch einmal eine Chance, so von wegen erforderlichem Mindestniveau an gesundem Menschenverstand.
Liebe Autor*innen und Leser*innen der Achse des Gut*innen!
Als neues Mitglied*in von Bündnis 90/Die Grün*innen fordere ich die Abschiebung von Herr*in Ahmet Refii Dener!
Dener spricht ja besser Deutsch als die Urdeutschen! Er ist ja besser integriert als die Urdeutschen!
How dare you sich in Deutschland zu integrieren!?!
Wer sich in Deutschland integriert ist nicht bunt & vielfältig!
Es fehlt nur noch, dass er dankbar ist, die deutsche Flagge ehrt oder gar patriotische Gefühle hegt!
Musterdeutscher Desintegrationsverweigerer!!!
Die Deners sofort abschieben und über die Terroristennester deutsche Reisepässe abwerfen!
Wenn die Bahn nicht fährt, dann fahrt doch mit dem Fahrrad. Frei abgewandelt nach Marie Antoinette’s Brot-Kuchen-Empfehlung.
@ Klaus Spiller: Grundsätzlich berechtigter Einwand – aber: Wer sagt denn, dass der Ersatzzug die direkte Strecke fahren sollte oder konnte. Wäre nicht das erste Mal, dass wegen eines Einsatzes von Polizei oder Notarzt/Bestatter selbige umfahren werden muss.
Nehmen wir mal folgendes Szenario an: Jemand heuert eigentlich für geplant nur kurze Zeit und überschaubarem Aufwand als Lokführer bei der Bahn an und will auf einer abgesprochenen Strecke von A nach B fahren, weil er privat eigentlich ganz was anderes machen wollte und das nicht als seine Lebensaufgabe ansah, Lokführer zu sein. Geplant war die überschaubare Strecke von A nach B abzufahren und bei B als freier Mann auszusteigen, weil an B seit Jahren sein ursprüngliches Leben auf ihn wartet. Und jetzt kommt’s: Nicht nur dass die Anzahl an Haltepunkten von der durchgeknallten Fahrleitung mittlerweile gen unendlich und unzähligen Umwegen gesteigert worden ist und Haltepunkt B immer mehr außer Reichweite gerät, der Lokführer wird für die Fahrt bis heute auch nicht bezahlt und droht daran pleite zu gehen. Er droht darauf hin der Fahrleitung mehrfach zurück, den Job hinzuwerfen und nichts passiert. Er droht daraufhin, den Zug entgleisen zu lassen, wenn die Fahrleitung nicht endlich wieder auf die zu Anfang abgesprochene Route zurückkehrt. Auch das passiert nicht, im Gegenteil: Die Irren im Stellwerk setzen die Fahrtroute jetzt an Bahnhöfe, WO DER LOKFÜHRER GENAU NICHT HINWOLLTE, während sein Kontostand sich im Vakuum festfrisst. Der Lokführer hat darauf hin die Schnauze komplett voll und steigt extra an dem Bahnhof aus, WO DIE FAHRLEITUNG GENAU NICHT HINWOLLTE und es deswegen den meisten Krawall verursacht. Ich habe den Laden gewarnt: Ich bin nicht Jesus, lasse mich von niemandem ans Kreuz nageln und ich werde auch nicht Jesus ans Kreuz nageln. Jetzt wird die Fahrleitung ans Kreuz genagelt…