In meinem Studium verbrachte ich einige Semester am Institut von Professor Erich Bagge für Reine und Angewandte Kernphysik der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Ich hatte die große Ehre, gelegentlich bei Professor Bagge in Kiel eingeladen zu sein, dessen Haus auch durch drei hübsche Töchter geschmückt wurde. Im Vordergrund standen immer neugierige Fragen nach dem Bau der deutschen Atombombe und nach den Persönlichkeiten, mit denen er damals interniert war. Bagge aber brachte das Gespräch immer auf einen kleinen Kernreaktor, wie er etwa zum Antrieb von Schiffen dienen könnte.
So ein Schiff – 172 Meter lang und 26.000 Tonnen schwer – war tatsächlich bereits im Bau, und zwar bei den Howaldtswerken in Kiel. Kiellegung war im August 1963 gewesen, und bei seinem Stapellauf im Juni 1964 war auch der Entdecker der Kernspaltung zugegen, auf dessen Namen das Schiff getauft wurde: Otto Hahn.
Der Antrieb handelsüblicher Schiffe kommt von Maschinen, die Kohle oder Öl verbrennen und dabei CO2 ausstoßen – das erwähnte Modell aber verbrannte Uran. In einem Druckkessel von 3,5 Meter Durchmesser und 4 Meter Höhe arbeitete ein Kernreaktor, der eine Turbine mit Dampf versorgte, die dann 50.000 PS (rund 35 MW) auf die Welle brachte. Der Treibstoff bestand aus rund 2 Tonnen Uran, das zwischen 3,5 und 6,6 Prozent angereichert war.
1968, vier Jahre nach Stapellauf, nahm die Otto Hahn ihren Dienst auf und befuhr die Weltmeere. Nach vier Jahren hatte sie knapp eine halbe Million Kilometer hinter sich, mehr als zehnmal um die Erde, und musste an die Box. Zum ersten Mal musste sie „tanken“, d.h. den verbrauchten Treibstoff gegen neuen wechseln. „Verbraucht“ war eigentlich nur das U235, und davon gerade mal 22 kg! Die haben sich allerdings nicht in Luft aufgelöst, sondern wurden in leichtere Kerne gespalten, die extrem radioaktiv sind. Das U238, das mehr als 90 Prozent des Gewichts der Brennstäbe ausmacht, hat nichts geleistet, es war nur mit von der Partie. Allerdings hat es im Reaktor Neutronen eingefangen und sich dabei in teils sehr langlebige radioaktive Substanzen verwandelt.
Die Entsorgung dieser gefährlichen Stoffe war damals kein Problem. Darum kümmerte sich die Wiederaufbereitungsanlage im englischen Sellafield.
Die vergiftete Vokabel
Wenn ich nach meinem Beruf gefragt werde und ich antworte „Kernphysiker“, dann ernte ich ein emotionsloses Nicken, sage ich aber „Atomphysiker“, dann tritt mein Gesprächspartner einen Schritt zurück und bekommt den Gesichtsausdruck, als hätte er gerade eine handgroße, behaarte Spinne an der Wand gegenüber entdeckt. Das Wort „Atom“ steht seit Hiroshima als Synonym für entfesselte Zerstörung und unmenschliches Leid. Das ist der historische Fluch, den diese Bomben für immer in die Wahrnehmung der westlichen Zivilisation eingebrannt haben.
Und damit kann die Vokabel als kraftvolles Instrument zur Manipulation genutzt werden. Wer würde schon gegen den „Atomausstieg“ sein? Der müsste dann auch die Verantwortung für hunderttausende von Strahlenopfern übernehmen – und wer will das schon.
1979 war die „Anti-Atom“-Bewegung schon in vollem Gange, und die Otto Hahn, das tadellos funktionierende, abgasfreie Vehikel mit Atomantrieb, wurde ihr Opfer. Herbeiphantasierten Risiken ließen Versicherungsprämien explodieren, und den Häfen wurde nahegelegt, das Schiff nicht anlegen zu lassen. Es war das Ende dieses wunderbaren Fahrzeugs, das 11 Jahre lang einwandfrei funktioniert hatte. Der Reaktor wurde aus dem Schiff entfernt und gegen einen Diesel getauscht. Auch der Name wurde geändert. Jetzt war das Vehikel nuklear bereinigt.
Gleichgewicht der Ignoranz
Der beschriebene Kernreaktor bestand aus Modulen, die im Werk gefertigt und zusammengesetzt worden waren. Er war also genau das, was heute unter dem Label „Small Modular Reactor (SMR)“ läuft, und dem man weltweit eine wichtige Rolle bei der zukünftigen Stromversorgung prophezeit.
Konnten die das vor 60 Jahren schon? Durften die das? Wer hatte dieses Wunderwerk gebaut? Es waren die Deutsche Babcock & Wilcox Dampfkessel Werke, ansässig in Oberhausen im Ruhrgebiet und Interatom aus Bensberg. Leitung des Projektes hatte besagter Erich Bagge, der seinerzeit bei Otto Hahn in Kernphysik promoviert hatte.
Es ist doch ganz erstaunlich, was geleistet werden kann, wenn man hochkarätigen Professionals freie Hand gibt. Heute, 60 Jahre später, werden Wirtschaft und Wissenschaft von Scheindoktoren, Küchenhilfen und Studienabbrechern gegängelt – und man braucht zur Reparatur einer vernachlässigten Brücke länger als zum Bau eines technischen Wunderwerks.
Der Beitrag erschien zuerst bei think-again.org.
Der Bestseller „Grün und Dumm“ des Autors und andere seiner Bücher sind bei Amazon erhältlich.
Im Achgut-Buchshop erhältlich:
„Atomenergie – jetzt aber richtig – Wie die ‚dümmste Energiepolitik der Welt‘ abgewendet werden kann“ von Klaus-Dieter Humpich und Manfred Haferburg, Achgut Edition 2024, hier bestellbar.

Beitragsbild: Friedrich Magnussen/Stadtarchiv Kiel CC BY-SA 3.0 de via Wikimedia Commons

Wer waren die Volksverhetzer die bewirkten, dass die „Otto Hahn“ mit Nuklearantrieb fast nirgends anlegen durfte. Die entsprechenden Schreiben müssen ja eine Unterschrift gehabt haben!
Der Hauptunterschied zu den militärischen Reaktoren der U-Boote kommt ein wenig kurz im Artikel.
Die KI erklärt mir gerade: Für internationale Halbleiterhersteller und Systemhäuser wird die EU durch ihre unberechenbare Gesetzgebung, mehrfach verspätet, dann aber völlig unausgegoren, diktatorisch und praxisfern, schlicht zu einem toxischen Markt mit unkalkulierbarem Investitionsrisiko.
Das ist das Aus. Das kann man mit Kampf gegen Rechts gar nicht wieder gut machen. Millionen Gutgläubige, die die Eskapaden eines französischen Kommisars zugunsten STM für „Verbraucherschuzt“ halten, gibt es sicher. Immerhin müssen die meisten ja vor sich selbst geschützt werden. Aber was werden die machen, wenn denen einfach niemand mehr etwas liefert? Und soll ich mir darüber das Hirn zermartern, oder sind wir da einfach mal gespannt?
PS: Wenn sich einfach niemand mehr für die EU-Direktiven interessiert, wird es faktisch niemand merken, wenn die die schlimmsten Eskapaden etwas abschwächen. Das braucht niemand.
Die Idee vom Jean Claude war ja: Wir beschließen etwas und wenn es dann keine Aufstande gibt …
Spätestens dann, wenn sich niemand mehr darum kümmert, was die beschließen, wird alles ganz easy. Dann gibt es keine Aufstände und dann können sie durchregieren, Stück für Stück. Bis sie komplett auf dem Trockenen sitzen. Hoffentlich ist es dann nicht nur trocken, sondern auch warm.
Otto Hahn Wiki:
„Stilllegung des Reaktors
Der Ausbau des Nuklearantriebs erfolgte im Hamburger Hafen. Der Druckbehälter und die Kernbrennstäbe wurden 1981 im Helmholtz-Zentrum Geesthacht eingelagert. Im Sommer 2010 wurden 52 Kernbrennstäbe von dort in das südfranzösische Kernforschungszentrum Cadarache transportiert. Von dort aus wurde das behandelte Nuklearmaterial im Dezember 2010 in das Zwischenlager Nord in Lubmin bei Greifswald überführt.[6]
Am 16. November 2016 beantragte das Helmholtz-Zentrum Geesthacht unter anderem die Zerlegung des Reaktordruckbehälters nach § 7 des Atomgesetzes.[7]“
Man sollte auch vielleicht nicht unerwähnt lassen, daß die Otto-Hahn keine großen Kanäle passieren durfte und in kaum einem Hafen gerne gesehen war. Sicher, das konnte man vor dem Bau natürlich nicht wissen.
Die EU-Kommission hat die Produktionsbedingungen der Bronzezeit wieder neu aufgelegt. Das merken Sie aber, wenn Sie wirklich etwas in der EU verkaufen wollen, das dem technischen Stand einer Hochtechnologie-Gesellschaft entspricht. In Brüssel, das sind Agrarier mit den größten Nachschattengewächsen, im schlimmsten Fall französische Gewächse. Das passt absolut nicht zu Industrie. Und die lassen den Gummiknüppel raushängen. Oder was meinen Sie. warum alles dicht macht?
Herr Hofmann-Reinecke, meine Anerkennung, dass sie – im Gegensatz zu so manchem Ihrer Nuklearexpertenkollegen auf den industriellen Aspekt der SMRs verweisen. Es gibt ja viele, die glauben, wenn die Reaktoren, ganz gegen die bisherigen Gigawatt-Wahn, kleiner wären, beispielsweise nur 330MW, hätte das die Wirkung, dass die Leute die Angst verlieren. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, der mittelmäßige (West-)Deutsche wäre wirklich aus so grobem Stoff gestrickt. Mir schaudert bei der Vorstellung. Aber Sie kommen ja auch nicht von der Mogelpackung los, wenn man Kern statt Atom sagt, …. Ich hatte vor 40 Jahren schon den Vedacht dass zu viele Sozialpädagogen ausgebildet werden. Aber damals glaubte ich auch noch, dass es lösbar ist. Inzwischen haben wir aber eine neue Situation, wir haben eine EU und ihre Direktiven, alle von Exxperten gemacht. Und da wird die späte Bronzezeit wieder erweckt. Beispiel: Sobald Sie heute in der EU ein beliebiges Gerät entwickeln wollen, das aus Kostengründen einen Microcontroller für 2,95€ enthält, der eine WiFi Schnittstelle hat, weil sie den großindustriellen Vorteil nutzen wollen, dass die Anpassung durch Software und nicht mehr durch handgefeilte Relaissteuerungen erfolgt, sind Sie als Hersteller des Geräts verpflichtet, für das CE, irrsinnigste neue Cybersecurity-Regeln aus dem Raubtierhaus zu implementieren, vom verschlüsselten Bootlader bis zu Over the air-Updates, obwohl sie niemals ein Update jemals bereitstellen wollen, weil das keinen Sinn hat. Wenn sie die Zehntausende teure Zertifizierung für eine Kleinserie von 100 Stück scheuen, sind Sie draußen. Dann können Sie noch an die ganze Welt verkaufen, nur nicht in die EU. Blöd nur, wenn sie etwas liefern wollen, was speziell auf die irrsinnigen Regularien der EU Rücksicht nimmt. Und Sie glauben, Sie könnten einen SMR von der Stange liefern, ohne Einzelstück-Zertifizierungen, die sich über Jahre hin ziehen und Hunderttausende gelbe Gickelinge fressen? Sie sind ein Theoretiker.
Unbestätigten Gerüchten zufolge soll der Chef der Grünen, Felix Banaszak, zwecks CO2-Einsparung jüngst mit dem Segelboot nach New York gesegelt sein, um während seines einwöchigen Aufenthalts – rein beruflich natürlich – u.a. Annalena Baerbock zu besuchen. Oder war es gar ein Ruderboot?