Alle politischen Verantwortungsträger geben sich betroffen, dass der jüngste islamistische Angriff nun ein Todesopfer gefordert hat und wollen ganz entschlossen vor allem die Frage umschiffen, ob dieser Mordanschlag auch etwas mit der Migrationspolitik der letzten Bundesregierungen zu tun haben könnte.
Der 29-jährige Polizist Rouven L. ist tot. Das war die bestürzende Nachricht am Sonntagabend. Getötet hat ihn offiziell der 25-jährige Afghane Suleiman A., der seit zehn Jahren in Deutschland lebt. Er hatte zuerst den Islamkritiker Michael Stürzenberger am Infostand seiner „Bewegung Pax Europa“ angegriffen, bevor er auf den jungen Polizisten einstach. Stürzenberger wurde bekanntlich schwer verletzt und es gab weitere vier Verletzte.
Der blutige Angriff erfuhr immerhin überregionale Aufmerksamkeit in den Medien, und auch die deutschen Spitzenpolitiker reagierten – sowohl direkt nach dem Anschlag als auch noch einmal, nachdem der Tod des jungen Polizisten bekannt wurde. Und in Mannheim gab und gibt es am Tatort Mahnwachen und Kundgebungen.
Vielen politischen Verantwortungsträgern geht es dabei erwartbar darum, dass nicht die „Falschen“ politisches Kapital aus diesem Angriff schlagen können. Auch verschiedenen Meinungsbildnern in deutschen Redaktionen ist das enorm wichtig. Am Sonntag gerade konnten sie eine Umfrage vermelden, nach der das AfD-Ergebnis einen Prozentpunkt Verlust auswies. Das könnte sich angesichts eines tödlichen islamistischen Anschlags eines Afghanen aber schnell ändern, deshalb finden die Aspekte des naheliegenden islamistischen Tatmotivs und die Herkunft des Täters allenfalls eine möglichst zurückhaltende Erwähnung.
Am Wochenende hieß es noch, die Ermittler hielten ein islamistisches Motiv für wahrscheinlich, am Montagmorgen wurde gern darauf verwiesen, es wäre noch nicht hinreichend geklärt. Und bei dem im afghanischen Herat geborenen Täter wird darauf verwiesen, dass er schon im Alter von 15 Jahren nach Deutschland kam.
Wer will daran erinnern?
Die Fragen, warum er nach Deutschland kam und wieso er auch in den zehn Jahren, die er hier im Lande lebt, seinen Hang zur Messergewalt entwickelte, bleiben. Und die Antworten dürften Teil einer verheerenden Bilanz dessen sein, was die letzten Bundesregierungen ihre Migrations- und Integrationspolitik nannten. Wer will daran erinnern – noch dazu kaum eine Woche vor einem Wahlsonntag?
Allerdings ist es vor diesem Wahlsonntag auch nicht angeraten, die Tat zu ignorieren. Das haben die Verantwortungsträger in diesem Falle offenbar verstanden. Und so reagieren sie zwar offiziell betroffen, aber nur mit den allgemeinsten Allgemeinplätzen, wie der Bundespräsident:
„Ich bin tief erschüttert über den Tod des Polizisten, der in Mannheim mutig eingriff, um Menschenleben zu schützen. Meine Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei seinen Angehörigen.
Mein Dank gilt allen Polizisten im Einsatz. Ich habe große Sorge angesichts der Verrohung der politischen Auseinandersetzung und der wachsenden Gewaltbereitschaft in unserem Land. So darf es nicht weitergehen. Gewalt gefährdet, was unsere Demokratie stark gemacht hat.“
Viele Journalistenkollegen hingegen sind bei solchen Taten auch im Relativieren geübt. Jesko Matthes hat an dieser Stelle bereits ein Beispiel aus der FAZ gewürdigt. In der taz wird dem Gewalt-Opfer, dass das erste Angriffsziel war, unterschwellig unterstellt, den Angriff provoziert zu haben:
„Doch man muss sich auch fragen, warum ein Extremist wie der angegriffene Michael Stürzenberger seit Jahren auf Marktplätzen der Republik seine Hasspropaganda gegen Muslime verbreiten darf. Nichts rechtfertigt den brutalen Anschlag auf ihn. Dennoch greift es zu kurz, ihn als bloßen „Islamkritiker“ zu bezeichnen, wie es manche jetzt tun.“
Das ist ungefähr auf dem Niveau, wie die Bemerkung zu einem Vergewaltigungsopfer, dass man ja nicht im Minirock unterwegs sein müsse. Mag die Islamkritik von Stürzenberger manchem Zuhörer zu radikal sein – er nimmt mit seinen Auftritten nichts weiter in Anspruch als seine Grundrechte.
Wie lange hält Erinnerung?
Vielleicht kommt der passendste Beitrag zum Thema von der Berliner Zeitung, auch wenn der sich gar nicht mit dem Mannheimer Anschlag beschäftigt, sondern mit dem Schicksal eines Überlebenden des islamistischen Anschlags auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016. Dieser Mann kämpft seit fast acht Jahren um seine Behandlung und Opferentschädigung.
„Immer wieder treffen die Opfer vom Breitscheidplatz und ihre Angehörigen auf Politiker. Schmidt hat Briefe von Franziska Giffey, Angela Merkel, Wolfgang Schäuble, von Steinmeier. Alle bedanken sich für das Treffen mit ihm, aber teilen mit, dass sie wenig für ihn tun können. Bei einem Treffen mit Horst Seehofer, damals Innenminister, erzählt Schmidt, dass er keine Reha bekomme. Das ist Ende 2019. Danach bewilligt das Lageso den Antrag.
Im März 2021 kommt Schmidt für zwölf Wochen zur Reha in die Klinik am Waldschlösschen. Dreieinhalb Jahre nach dem Anschlag. Dort wird festgestellt, dass seine psychischen Störungen chronisch geworden sind. Zusammen mit Soldaten, die in Afghanistan waren, nimmt Schmidt an Gruppen- und Einzeltherapien teil, macht Qi Gong, Bogenschießen, Yoga. Am Ende geht es ihm deutlich besser. ‚Ich habe mich wieder gespürt‘, sagt er.
Die Klinik empfiehlt einen Mix aus ambulanter und stationärer Behandlung, bietet ihm eine baldige Wiederaufnahme an. Eine Soldatin erzählt ihm, dass sie schon in drei Monaten zurückkommen werde. Er stellt einen Antrag beim Lageso. Im April 2022 lehnt die Behörde die Wiederaufnahme ab.“
Seither muss er weiter kämpfen, die Zeitung hatte ihn zu einem Gerichtstermin begleitet.
Wie lange wird sich wohl die Erinnerung an den mörderischen Messerangriff in Mannheim halten? Wie lange an Rouven L.?
Peter Grimm ist Journalist, Autor von Texten, TV-Dokumentationen und Dokumentarfilmen und Redakteur bei Achgut.com.

@Josef Gärtner: Nur ein kleiner Ausschnitt. Auf „The Religion of Peace“ dot com, sehen Sie das ganze Ausmass.
So „ Erschüttert “ habe ich den Fränkie ( BuPrä ) bisher noch Nie erlebt……………………………………………….
Ich würde gerne noch einen Gedanken loswerden, der mich im Zusammenhang mit dem Terroranschlag von Mannheim beschäftigt: Manche spekulieren ja schon, der Attentäter Sulaiman Ataee könnte mit einem geschickten Strafverteidiger auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren, psychotische Zustände, etwa Stimmen, die ihn zu dieser Tat drängten, geltend machen. Das halte ich aus zwei Gründen für höchst problematisch: 1) Viele Menschen sind mit dem Unterschied zwischen klinischer und forensischer Psychiatrie vielleicht nicht vertraut: Man könnte es – etwas holzschnittartig – auf die Formel bringen: in der klinischen Psychiatrie landen die Psychotiker des implodierenden Typs, in der Forensik diejenigen des explodierenden, sprich: fremdschädigenden Typs. Meine Befürchtung ist konkret, dass sich durch die enorm gestiegene Gewaltkriminalität und die Zahl von Unterbringungen und Sicherungsverwahrungen in den Köpfen vieler unbelasteter Menschen das Vorurteil verstärkt, Psychotiker seien per se gefährlich. Damit würde also der Stigmatisierung einer sehr verwundbaren gesellschaftlichen Gruppe Vorschub geleistet. 2) Die Forensik, die heute schon hoffnungslos unterfinanziert und personell unterbesetzt ist, wird immer mehr zur unteren Schreibtischschublade, in die man alles einsortiert, was man nicht gerne anpackt, also eine Form politischer Prokrastination, mit vorhersagbaren katastrophalen Folgen.
Wir müssen uns alle miteinander (ich schließe mich immer mit ein) in diesem Land ehrlich machen und eine ehrliche Bestandsaufnahme vornehmen. Und wenn wir Robert Habeck beim Wort nehmen: Ein Land, das einfach funktioniert, dann bleibt mit Sicherheit kaum noch Geld übrig für seine Heizungssperenzchen oder Svenjas Radwege, oder Entwicklungshilfe für Indien oder China. Das ähnelt in vielem der Arbeit, die Menschen an sich zu leisten haben, die aus der Psychiatrie nach Hause in ihr vertrautes Umfeld kommen und wieder Alltag lernen müssen.
Komisch, wenn ein Ausländer hierzulande von einer Gruppe Jungnazis totgeschlagen wird oder ein Krimineller im Knast sich selbst anzündet, woran die Aufsicht schuld sein soll, dann kann diese Deutschlandverräter-Regierung nicht schnell genug Hunderttausende von Steuergeld nach Afrika rüberschaufeln, so als „Wiedergutmachung“, oder besser Schweigegeld. Wenn aber Deutsche durch abgelehnte und abzuschiebende Asylanten fast umgebracht werden, dann lässt man die fürs Leben Gezeichneten im Regen stehen: „Haste halt Pech gehabt!“ Nach der eindeutigen Schuld bei sich selbst wird natürlich nicht gesucht. Ein anders gelagerter Fall (aber der Ablauf war derselbe) war der des französischen Polizisten in Lens, den Hooligans während der Fußball-WM in FR halbtot geschlagen haben – auch hier wurde üppig Schweigegeld an die Opferfamilie gezahlt.
Neueste Meldung: Bundespräsident zeigt sich tief erschüttert.
Als Polizist würde ich mir anhand der Berichterstattung der Qualitätsmedien und den verlogenen Statements der politischen Führung langsam Gedanken über meinen Stellenwert als Hüter dieser Ordnung machen.
So viel Geld kann man doch nicht dafür bekommen in dieser kognitiven Dissonanz zu leben, sich für das robuste Ergreifen von Mördern vielleicht verantworten zu müssen dabei sich lieber auf Ordner zu stürzen und so das eigene Leben zu riskieren.
Rentner, Behinderte und Frauen waren bei Corona eine andere Nummer, da muss die Ausbildung wohl den neuen Gegebenheiten angepasst werden.
Aufrichtiges Beileid gilt den Angehörigen des ermordeten Polizisten.
Komisch, wenn ein Ausländer hierzulande von einer Gruppe Jungnazis totgeschlagen wird oder ein Krimineller im Knast sich selbst anzündet, woran die Aufsicht schuld sein soll, dann kann diese Deutschlandverräter-Regierung nicht schnell genug Hunderttausende von Steuergeld nach Afrika rüberschaufeln, so als „Wiedergutmachung“, oder besser Schweigegeld. Wenn aber Deutsche durch abgelehnte und abzuschiebende Asylanten fast umgebracht werden, dann lässt man die fürs Leben Gezeichneten im Regen stehen: „Haste halt Pech gehabt!“ Nach der eindeutigen Schuld bei sich selbst wird natürlich nicht gesucht. Ein anders gelagerter Fall (aber der Ablauf war derselbe) war der des französischen Polizisten in Lens, den Hooligans während der Fußball-WM in FR halbtot geschlagen haben – auch hier wurde üppig Schweigegeld an die Opferfamilie gezahlt.