Von Dr. Udo Brockmeier.
Wer im Leitantrag „E-04: Energiewende 2.0: Nutzen statt Abwürgen“ des Grünen-Vorstands für die Bundesdelegiertenkonferenz der Partei Ende November 2025 das Wort „Elektrostaat“ liest, kann sich allein phonetisch der Wirkung nicht entziehen. Wenngleich es um die bekannte energiewirtschaftspolitische Fiktion der „all electric society“ geht, frappiert die Wortwahl. Unweigerlich fällt einem Lenins „Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“ ein. Aber auch ohne das gelingt es kaum, in sich hineinzuhorchen, ohne dass „Elektrostaat“ Assoziationen zwischen Technokratie und Überwachung weckt. Was ist da los? Wollte man bloß den Anglizismus vermeiden, wollte man sich fortschrittlich und hart geben, sich semantisch anlehnen an die bekannte musikalische Stilrichtung oder war es schlechterdings das nicht vertraut sein mit energiewirtschaftlichen Begriffen? Aber warum dann die Verknüpfung mit der staatsrechtlichen Begrifflichkeit?
Ein Exkurs in die energiewirtschaftliche Realität des Jahres 2025 stellt auch grüne Politiker vor ein Dilemma. Die Betonung eines Durchbruchs für die Erneuerbaren Energien gelingt nur bei einer Verengung des Blicks auf die Stromwirtschaft. Hier stammt inzwischen mehr als 50 Prozent der Stromerzeugung aus Erneuerbaren. Strom macht aber nur grob 20 Prozent des bundesdeutschen Gesamt-Energieverbrauches aus. Zu dieser im Ergebnis also 10 Prozent Deckung des Endenergieverbrauchs aus den Erneuerbaren der Stromwirtschaft gesellen sich noch einmal knapp 10 Prozent vor allem aus den biogenen Beimengungen im Kraftstoff (E5 und E10) und den biogenen Anteilen der Wärmeerzeugung in Müllverbrennungsanlagen. Mehr als 80 Prozent des Endenergieverbrauches Deutschlands (weltweit sieht es ähnlich aus) stammt auch im Jahre 2025 aus fossilen Quellen, vor allem Öl.
Ein weiter Weg also für Konzepte einer rein strombasierten und zudem auf Erneuerbaren Energien ohne Kernenergie fußenden Energieversorgung. Da liegt es nahe, die Bedarfslücke nicht durch Erhöhung des Angebots, sondern durch Bedarfssenkung politisch schließen zu wollen. Hilfreich, aber bislang nicht ausreichend sind dabei Wirtschaftskrisen. Dies hat sowohl die Finanzkrise als auch die Pandemie gezeigt, und das zeigt sich aktuell durch die fortschreitende Deindustrialisierung Deutschlands.
Als weitere Hebel grüner Ordnungspolitik verbleiben Eingriffe in die Energiewirtschaft. Dazu gehören aus mitunter wenig bekannten technischen Gründen u.a. das Verbrenner-Verbot und das Heizungs-Gesetz. In beiden sollen vermeintlich ineffiziente technische Aggregate, die fossile Brennstoffe in Nutzenergie umsetzen, durch effizientere elektrische Aggregate ersetzt werden. In beiden findet aber aus thermodynamischen Gründen vor allem eine Verschiebung des Arbeitspunktes der besten Effizienz statt.
Da finden Elektro und Staat zusammen
Bei einem Kraftfahrzeug steigt die benötigte Antriebsleistung durch den Windwiderstand mit der dritten Potenz der Geschwindigkeit. Die Leistungscharakteristik eines Verbrennungsmotors wirkt diesem Bedarfsanstieg dadurch entgegen, dass seine Effizienz mit höherer Leistung deutlich steigt. Ein Elektromotor dagegen hat eine flache Leistungscharakteristik und kompensiert den Anstieg des Windwiderstands mit steigender Geschwindigkeit nicht durch Effizienzanstieg. Dies hat zur Folge, dass der Fahrer eines E-Autos mit steigender Geschwindigkeit einen deutlich stärkeren Anstieg seines Stromverbrauchs feststellt als der Fahrer eines Verbrenners den Anstieg seines Kraftstoffverbrauchs. Der E-Auto-Fahrer fährt mit einer Art wirtschaftlichem Tempolimit.
Umgekehrt gilt für Wärmepumpen im Vergleich zu Gasheizungen: Der Wirkungsgrad moderner Gas-Brennwert-Thermen ist nahezu unabhängig von der angeforderten Leistung. Sie arbeiten bei geforderter Raumtemperatur von 22°C gleich effizient wie bei einer geforderten Raumtemperatur von 18°C. Anders die Wärmepumpe: Ihr Wirkungsgrad, die sogenannte Jahresarbeitszahl, verschlechtert sich massiv bei Anforderung höherer Raumtemperaturen. Auch hier führt die Elektrifizierung zu einer neu gearteten, technisch inhärenten Verbrauchsschranke.
Dazu passt dann auch der flächendeckende roll-out der sogenannten „smart meter“. Das sind Zähler mit denen der aktuelle Verbrauch gemessen, überwacht und aktiv begrenzt werden kann. Er stellt das technische Instrumentarium dar, das Laden von E-Autos und das Betreiben der Wärmepumpe dereinst im berechtigten Interesse der Netzstabilität zu regeln.
Und hier treffen sich zumindest auf einer technischen Ebene die Begrifflichkeiten Elektro und Staat. Die ausschließliche Ausprägung einer Energiewirtschaft als Stromwirtschaft jedenfalls eröffnen dem Staat neue Dimensionen regulatorischen Eingriffs. Vielleicht war es diese Aussicht, die dazu beitrug, dass der Begriff „Elektrostaat“ Eingang in die Vorlagen des grünen Parteitages fand.
Dr. Udo Brockmeier forschte und lehrte nach dem Studium des Maschinenbaus an der Ruhr-Universität Bochum in der Zeit von 1983 bis 1996. Er promovierte mit einer Arbeit zur theoretischen Strömungsmechanik und habilitierte sich 1995 im Bereich der Energietechnik mit einer Arbeit zur nuklearen Sicherheit. Im Jahr 1996 wechselte er in die Energiewirtschaft. Von 2002 bis 2020 war er dort in Vorstandsfunktion tätig, zuletzt als Vorstandsvorsitzender. Heute arbeitet er beratend.
@A. Ostrovsky, „Das bedeutet faktisch, dass Datenverkehr, der innerhalb Deutschlands oder der EU stattfinden sollte, über internationale Leitungen und Server außerhalb der EU, z.B. in den USA, geleitet wird.“ -- Ich denke, da hat sich die KI etwas ungenau ausgedrückt. Der Datenverkehr wird nicht über US-Server geleitet, das wäre schon allein wegen der Lichtgeschwindigkeit (plus Verzögerung in Routern) zu träge. Man kann die Antwortzeiten ja selbst im Browser überprüfen. Korrekt ist natürlich, dass potentiell die Cloudflare-Server – oder auch die Google-Server, die Microsoft-Server, die Werbe-Server etc. – die auf deutschem oder EU-Grund stehen, die über sie laufenden Daten und Metadaten mitschneiden und zwischenspeichern könnten, und ggf. auf Anfrage, oder auch vorsorglich, als Kopie in die USA übertragen könnten. Die Meisten tangiert das alles eher peripher. Man stellt eh‚ freiwillig alles in die Cloud, ist doch viel praktischer.
Exakt, und die erweiterten regulatorischen Möglichkeiten bringen wiederum erweiterte Macht und damit Schröpfungsmöglichkeiten für die Regulatoren, also die casta. Ein paar neue Pöstchen für Freunde, Vettern, Schwägerinnen oder diversen Transanhang, höhere Labergagen beim nächsten Galadiner der Weimer Media Group oder anderen großen Branchenzwergen dieser Art. Und der Absatz der Freunde und Verwandten bei der Firma Flatterstrom Gesellschaft mit unbegrenzter Steuerzahlerhaftung muß natürlich auch gesichert und vor effektiverer Konkurrenz bewahrt werden. Derweil geht es mit der Wirtschaft weiter munter den Bach runter und eines schönen Tages werden dann tüchtigere Staaten den maroden Deutschlandbetrieb abwickeln und die verwertbare Restsubstanz übernehmen. Nach allem vielleicht nicht die schlechteste Perspektive.
Es ist uninteressant, wie hoch die Heiztemperatur eingestellt ist. Entscheidend ist der Wärmeverlust durch die Hülle des Hauses (Wände, Türen, Fenster) pro Zeiteinheit. Es ist deshalb uninteressant, weil eine Temperaturdifferenz ausgeglichen werden muss und die Energiemenge um Wasser (oder jedes andere Wärmeträgermedium) um x Grad zu erwärmen, unabhängig davon ist, ob das Wasser von 31 auf 32 Grad oder von 61 auf 62 Grad erwärmt werden muss. Das nennt sich spezifische Wärme des Wassers.
Beträgt der Energieverlust pro Stunde 1 kWh benötigt eine Gastherme mit einem Wirkungsgrad von 0,6 1,7 kWh Energie und eine WP mit einer AZ von 2 0,5 kWh. Die dabei verwendete Leistung ist insofern ohne Bedeutung, da der Betreiber die Energiemenge bezahlt und nicht die Leistung zur Bereitstellung der Energiemenge. Wenn man das Preisverhältnis von kWh Gas zu kWh Strom mit 1:3 ansetzt, ist die WP energetisch gleich teuer.
Die ganze Entwicklung geht erkennbar Richtung Orwell 84, „High-Rise“ oder auch „Brazil“ (fast prophetisch wirkende Dystopie-Filme bzw. Romane). Manchmal denkt man: bloß raus hier. Nur wohin? Und womit? Geld bekommst Du ja gar nicht mehr raus. Das ist bald 95 % „rein elektrisch“ und Konten, Depots oder „Wallets“ mit Inhalt lassen sich vom Behördenapparat jederzeit stillegen, dirigieren, enteignen bzw. anderweitig „resetten“. Bleibt mal wieder der liebe Gott. Es soll einen riesengroßen Vogel schicken, der lässt einen Riesenhaufen über den Apparaten des Grauens in Berlin und Brüssel fallen und ganz untendrin in dem Haufen sollen sich die Elektrostalinisten wiederfinden.
Die Sonne schickt keine Rechnung, stimmt. Was kostet, ist das Einsammeln der Sonnenenergie – das ist der Sonne wiederum egal, dafür nicht zuständig. Man spricht weder über die Energiedichte noch über die Bevölkerungsdichte. Zugleich forderte wer die Jüngeren auf, die demografischen Herausforderungen aktiv anzugehen: „Bekommt Kinder!“ Hier liegt H. W. Sinn genau falsch. Der Held. Warum? Kinder „bekommen“ ist das Armutsrisiko Nr. 1, weil ein Einkommen wegfällt, gewöhnlich muss der (unverständige) Kerl das dann alleine stemmen. Sterilisation wäre billiger … . Sagt er nichts, dann gibt es auch kein Geschrei der gebärwütigen Madame. Und die Zeiten sind nicht mehr so wie früher mal. Was Sinn offenbar nicht begreift: Die Jungen von heute sind die Alten von morgen. Beweis: Die „Babyboomer“, wegen denen das Tamtam „Rente“ derzeit läuft – wobei leicht errechenbär ist, wann die endlich tot sind, mithin ein überschaubär vorübergehendes Problem. Wer auf den Moslem mit seinen „Kinderehen“ setzt, dem kann ich auch nicht mehr helfen. Hätte Sinn recht, dann wäre der hyperfertile globale Süden der King … . So aber sagt uns ein Inder: focus:/politik/ausland/ajay-banga-in-hamburg-800-millionen-weitere-fluechtlinge-weltbank-chef-mit-duesterer-prognose_ – bitte mal lesen. Auch, schon klassisch: perlentaucher:/buch/gunnar-heinsohn/soehne-und-weltmacht und perlentaucher:/essay/ueber-den-zusammenhang-von-religion-demografie-und-migration.
Man bedenke zudem: DE ist doppelt so dicht besiedelt als alle seine Nachbarn außer BENELUX. Gucksdu wiki für jedes einzelne Land in Europa. Beginne damit: wikipedia/wiki/Deutschland und dann jeweils das nächste Land auf der Karte anklicken, o.k.? Zur Orientierung, in alle Himmelsrichtungen, nicht nur hin zum „Orient“.
Herr Brockmeier, in Bezug auf den Wärmepumpen-Schwachsinn weisen Sie dankenswerterweise darauf hin, wie ineffizient das Habeck-Aggregat wird, je höher die gewüschte Temperatur auf der Warmseite (also im Hausinnern) ist. Andererseits habe ich mir sagen lassen (ich bin kein Fachmann für Heizung/Klima/Lüftung), dass das grün-idiotische Ding auch umso ineffizienter arbeitet, je kälter es draußen ist: Mit anderen Worten, unterhalb von ca. 5°C Außentemperatur gibt es nicht mehr genügend Wärmeenergie, die man von draußen nach innen „pumpen“ könnte. Unterhalb dieser Temperatur heizt man dann mehr und mehr rein elektrisch, d.h. man könnte sich genauso gut einen Heizstrahler ins Zimmer stellen. Und wie unangenehm und teuer diese Methode ist, dürfte jeder selbst wissen.
Ein ausgezeichneter Artikel. Die Variante des bekannten Lenin-Zitats in grünem Denken möchte ich so formulieren: Sozialismus ist NGO-Macht plus Deindustrialisierung des ganzen Landes.