
Ich stimme fast allem zu was im Beitrag geschrieben ist und denke trotzdem dass “Lügenpresse” zu Recht Unwort des Jahres ist. Gerade WEIL die Kritik an der Objektivität der deutschen Presse durchaus berechtigt ist, müsste sie sehr viel weniger plump formuliert werden. Pauschale Verunglimpfungen verhindern eher eine Verbesserung als dass sie sie fördern: Keine konkrete Forderung die die Presse erfüllen soll aber dafür eine lehrbuchreife Steilvorlage für Diffamierungskampagnen.
Sehr geehrter Herr Röhl, ich glaube, Sie irren sich. Die Umwortwahl zeigt schon eine gewisse Weitsicht. Was hätte sich denn noch als Kandidat angeboten? Schande für Deutschland z.B. oder Mischpoke, widerlich und Rattenfänger. Islamfeindlich und rechtsradikal, Idioten und Dumme, Rassisten und Nazis in Nadelstreifen. Die Jury hatte einfach zu viele Möglichkeiten. Also wurde kurzerhand der Gegenpol gekürt: Lügenpresse als Zeichen der Abwehr zu einer beinahe faschistoiden Kampf- und Kriegsrhetorik. Das weist sehr klar darauf hin, dass man dieser überheblichen und gesinnungsdiktatorischen Einpeitscherei nur auf derselben Ebene begegnen kann. Wie hieß es letztens: Noch nie ist das deutsche Volk derartig beschimpft worden… Klemperer wäre aus dem Kopfschütteln nicht heraus gekommen.
In Demokratien sollte die Mehrheit durch die mandierten Bürger vertreten werden, und nicht die mandierten Bürger der Mehrheit verkünden, was die Mehrheit vertreten möge.
Die von Cem Özdemir für die Pegida Demonstranten benutzte Bezeichnung “Mischpoke” ist offensichtlich nicht belastet genug.
Sehr geehrter Herr Röhr, stimme Ihnen zu bis auf die - immer noch verbreitete - Einschätzung des DLF. Bitte unterziehen Sie sich einmal der Mühe, unter der Woche z. B. nur von 07:30 bis 11:00 reinzuhören. Sie werden in mehrfacher Hinsicht erschüttert sein.
Ein Tipp die gute alte journalistische Recherche betreffend: Machen Sie mal eine Reise in die ost-deutsche Provinz, am besten ins tiefste Brandenburg oder Sachsen. Vielleicht kann man das von der Steuer absetzen. Ist jedenfalls richtig Arbeit. Dort dominieren rechtsradikale Jugendliche und junge Erwachsene nämlich nicht nur den öffentlichen Raum (mit Pöbeleien gegen jeden, der nicht bio-deutsch aussieht oder nicht blond genug guckt), dort ist bei den intelligenteren Trendscouts auch eine Sprache vorzufinden, die eher auf Julius Streicher als auf Karl Kraus zurückgeht. Man kann es herrlich erfrischend und Anti-PC finden, wenn Nazi-Denke und Nazi-Vokabular fröhliche Urständ feiern. Man kann es aber auch als Zeichen einer Trendwende betrachten. Genau darauf macht die Wahl des Unworts des Jahres aufmerksam, völlig zu Recht. Die Rehabilitierung von völkischem Denken und kollektivistischem Staatsverständnis finde ich als Journalistin, als Mensch und als BioBiedermeier-Verweigerin einfach nur eines: beschissen.
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