Von Benjamin Mudlack.
Der Handel mit sogenannten CO2-"Verschmutzungsrechten" wird als "marktwirtschaftlich" gefeiert, ist im Ergebnis aber nichts anderes als Umverteilung und Ressourcen-Verschwendung im Namen eines neuen Glaubens.
Das Wort „Ablasshandel“ ist im Zusammenhang mit den sogenannten CO2- Emissionsberechtigungen (CO2-Zertifikate) in kritischen Kreisen sehr oft gefallen. Es drängt sich also der Vergleich mit dem Ablasshandel der katholischen Kirche auf. Gehen wir den Dingen auf den Grund:
Der Historiker Dr. Georg Habenicht hat durch seine Nördlinger Quellenfunde unser Wissen zum spätmittelalterlichen Ablass erheblich erweitert. Bemerkenswert für unseren Zusammenhang ist allerdings Habenichts monetäre Sichtweise auf die Dinge. Denn laut Habenicht funktionierte das päpstliche Ablasssystem wie ein Kreditinstitut: Als fiktiver „Deckungsstock“ diente der sogenannte „Gnadenschatz“ der Kirche, den der Papst dank seiner Schlüsselgewalt jederzeit aufschließen konnte, um die katholische Christenheit freigebig mit Gnade zu bedenken. Gnade war für den römisch-katholischen Christgläubigen deshalb existenziell, weil durch sie die Leidensfrist im Fegefeuer verkürzt werden konnte. Erst wenn die Schuld dort abgebüßt war, konnte der Gläubige in den Himmel gelangen.
„Das Fegefeuer war zwar nicht die Hölle, aber ebenfalls ein Ort, der nach Pech und Schwefel roch“, so Habenicht. Je mehr Gnade der Gläubige vom Papst zugesprochen bekam, desto mehr Schuld wurde ihm erlassen. Diesen Nachlass an Leidenszeit im Fegefeuer nannten die Menschen Ablass.
In der Frühzeit, als das „Fiat-Gnadensystem“ („Es werde Gnade!“) noch in den Kinderschuhen steckte, agierte Rom nach Art einer standortgebundenen Zentralbank. Wer Gnade aus dem Gnadenschatz der Kirche erhalten wollte, musste dazu in die Ewige Stadt kommen. Nach und nach ging die Kurie allerdings dazu über, das Recht, Gnade von leichter Hand zu schöpfen, Institutionen auch außerhalb Roms zu übertragen. Europaweit erhielten einzelne Städte, hohe Repräsentanten und Konvente die Lizenz, FIATGNADE unters Volk zu bringen. Sie wurden in diesem Sinne sozusagen zu den „Geschäftsbanken“ des Vatikans, Gnadenemittent letzter Instanz blieb die Zentrale in Rom.
Als folgenschwer erwies sich die Praxis, flüchtige Papstgnade in Gestalt von Beicht- oder Ablassderivaten zu verbriefen, sogenannten Beicht- beziehungsweise Ablassbriefen. Denn ein solcher Ablassbrief konnte nun erstmals – und zwar auf unbegrenzte Zeitdauer – flüchtige, verbal zugesprochene Gnade speichern. Mit dem verbrieften Ablass erwarb sein Besitzer gewissermaßen „Buchgnade“, die er – wann immer er wollte – in Realgnade einlösen konnte. Der Eintauschvorgang ist, rein abstrakt betrachtet, dem Einlösen einer Staatsanleihe in Geld vergleichbar. Wenn man so will, brachte die Papstkirche „Gnadenschatzanleihen“ im großen Stil in Umlauf. Seit Erfindung des Papiers und vor allem des Buchdrucks ging das quasi problemlos vonstatten. Die ersten Massenauflagen betreffen Ablässe!
Dynamisiert durch den Buchdruck strömte am Vorabend der Reformation Gnade in Form von Gnadenschatzanleihen unkontrolliert und massenhaft in das System. Als Folge der ungeheuren Ausweitung der Gnadenmenge bildete sich eine Blase, die Luther mit seinen Thesen schließlich zum Platzen brachte. Der Kollaps der Papstkirche erfolgte daraufhin unvermittelt und mit ungeheurer Wucht.
„Ganz so wie Johann Wolfgang Goethe in der berühmten Papiergeldszene in Faust II die Assignaten als Papiergespenst der Gulden entzauberte, entlarvte Martin Luther den Ablass als Papiergespenst der Gnade. Am Ende war alles nur ein Spuk! Der Schein (= Ablasszettel) erwies sich am Ende als Schein (= Illusion, Täuschung), diagnostizierte Ulrich von Hutten ebenso scharfzüngig wie genialisch.“
Renaissance der Moralschuldverbriefung durch ein CO2-Umverteilungssystem
Seit einigen Jahren erleben wir nun eine Renaissance dieser Vorgänge, jedoch in einem etwas anderen Gewand und auf Basis anderer Umstände. Über die Jahre wurde das mittlerweile recht starke CO2-Narrativ aufgebaut. Der durch die Menschen verursachte CO2-Ausstoß soll maßgeblich für die Veränderung der Temperaturen verantwortlich sein, so die These. Ich persönlich habe weder die Expertise noch die Informationen, um die These und die damit verbundenen höchst dynamischen Prozesse unseres Planeten zu widerlegen oder zu belegen. Jedoch bin ich sehr, sehr kritisch und sehe im Hintergrund eher das Wirken gewaltiger wirtschaftlicher und politischer (freiheitseinschränkender) Interessen.
Zudem werde ich extrem kritisch, wenn in permanenter Wiederholungsschleife veröffentlicht wird, die Wissenschaft sei sich einig. Wissenschaft ist sich nie einig, sofern es um komplexe, historische Phänomene mit Rückkoppelungen geht, wie es das Erdklima ist – ansonsten ist es keine Wissenschaft! Überdies existiert eine immense Anzahl wissenschaftlicher Ausarbeitungen, welche gegen die CO2-These argumentieren. An der Stelle nehme ich gerne Bezug auf einen Artikel aus der Welt mit dem Titel „Die CO2-Theorie ist nur geniale Propaganda.“ In dem Artikel bezieht sich der Autor auf 800 wissenschaftliche Arbeiten, die gegen die CO2-Erzählung sprechen.
Es ist insofern höchst verwunderlich und sollte zum Nachdenken anregen, dass in den Leitmedien kein Bezug auf diese durchaus beachtliche Zahl kritischer Ausarbeitungen genommen wird. Wo ist die Diskursfähigkeit dieser einst so offenen Gesellschaft hin? Warum diffamiert man die CO2-Kritiker als „Leugner“ und bedient sich damit schwarzer Rhetorik, um nicht gewünschte Wissenschaftler „schachmatt“ zu setzen?
Sind hier psychologisch erfahrene Strategen am Werk, die sich fragwürdiger Methoden bedienen, um Wissenschaftler mit möglicherweise besseren Argumenten aus dem Rennen zu nehmen? Es geht nach meiner Beurteilung definitiv um das Thema Massenpsychologie, also darum, die Masse der Menschen zu beeinflussen, um gewisse Zwangsmaßnahmen („Heizhammer“, CO2-Zerfikate, Steuern, Umlagen usw.) verargumentieren zu können.
Augenscheinlich scheint ein großer Teil der Menschen diesem Narrativ zu folgen, und um den CO2-Ausstoß staatlich zu begrenzen, hat man die CO2-Zertifikate ins Leben gerufen. Wenn man sich schuldig macht, CO2 auszustoßen, dann sieht man sich dem Zwang ausgesetzt, diese Zertifikate erwerben zu müssen. So ist es möglich, sich dieser „Moralschuld“ zu entledigen.
Ab dem 1. Januar 2021 kam es zu einer mehr oder weniger (eher weniger) subtilen Steuererhöhung für die Verbraucher. An der Zapfsäule, beim Öl- und Gaspreis und bei den Stromkosten belastet die CO2-Steuererhöhung (CO2-Bepreisung) seither das Portemonnaie der privaten Haushalte. Transportkosten erhöhen sich logischerweise auch, und sämtliche Unternehmen schlagen die CO2-Kosten auf ihre Endpreise, und das belastet wiederum auch den Endverbraucher.
Die Industrie sieht sich indes einem erheblichen Standortnachteil ausgesetzt. Regulierung, Energiepreise, Lohnkosten, Lohnnebenkosten, Steuern und die Aufwendungen für die Bürokratieerfüllung nehmen hierzulande den globalen Spitzenplatz ein. Seit 2015 sind klare Abwanderungstendenzen der produzierenden Unternehmen zu beobachten. Die Dynamik hat nun nach dem Ukraine-Krieg zugenommen und die Deindustrialisierung ist in vollem Gange. Auch die Kosten für die CO2-Zertifikate schlagen in Form eines globalen Wettbewerbsnachteils zusätzlich zu Buche und belasten Unternehmen wie Privathaushalte. In China oder den USA werden die abwandernden Unternehmen mit offenen Armen empfangen. Mit den Unternehmen wandern Wertschöpfung und Wohlstand in die jeweiligen Länder.
Interessant ist zudem, dass beispielsweise ein deutsches stahlproduzierendes Unternehmen oder ein Automobilbauer (von Diesel- oder Benzinfahrzeugen) die Zertifikate erwerben müssen, während der Automobilkonkurrent Tesla als Hersteller von Elektrofahrzeugen Zertifikate gutgeschrieben bekommt und diese verkaufen kann. 1,6 Milliarden US-Dollar vereinnahmte Tesla so im Jahr 2020. Für das Geschäftsjahr 2020 wies das Unternehmen einen Gewinn von 721 Millionen US-Dollar aus. Ohne die Einnahmen aus den CO2-Zertifikaten hätten bei Tesla satte 891 Millionen US-Dollar Verlust in den Büchern gestanden.
Umverteilung und Wettbewerbsverzerrung durch CO2-Zertifikate
De facto handelt es sich bei der Installation der CO2-Zertifikate aus meiner Sicht um eine klare Wettbewerbsverzerrung, und zwar vornehmlich zu Lasten der „alten Industrien“ in Deutschland. Die Tatsache, dass Subventionen im Allgemeinen (Kaufprämie für ein Elektroauto) und CO2-Umverteilungsprozesse die Wirtschaftsrechnung negativ beeinträchtigen, ist ökonomisch betrachtet mehr als offensichtlich. In einer Marktwirtschaft sind Gewinne der Lohn dafür, die Bedürfnisse der Kunden befriedigt zu haben. Tesla hätte 2020 einen massiven Verlust eingefahren, wird aber quasi von der deutschen Automobilindustrie über die Zertifikate per gesetzlichem Zwang bezuschusst. Augenscheinlich spielen hier wirtschaftliche Interessen und Lobbyarbeit eine enorme Rolle. Ohnehin ist es als höchst bedenklich anzusehen, dass sich Großkonzerne und Staatslenker über das Weltwirtschaftsforum zusammenschließen und die grüne Revolution ausrufen, die im Ergebnis insbesondere den deutschen Mittelstand schädigt.
Die Tatsache, dass man die CO2-Papiere an der Börse handeln kann, macht sie keineswegs zu einem marktwirtschaftlichen Element. In einer Marktwirtschaft würde es diese „Finanzderivate“ aus Gründen der Leistungslosigkeit gar nicht geben.
Die CO2-Zertfikate stellen eine Mischung aus Subvention zugunsten der staatlich begünstigten „grünen Unternehmen“ und zusätzlicher Steuerbelastung dar. Der Produktivität und folglich dem Wohlstand des Landes ist nicht gedient. Im Gegenteil: Der Fokus auf marktwirtschaftliche Allokationsprozesse geht immer weiter verloren, und durch die Steuern fließt mehr Liquidität von der Effizienz (gut wirtschaftende Unternehmen und Privathaushalte) in die Ineffizienz (zum Staat). CO2-Zertifikate und auch die „Klimaverbotspolitik“ sind rein planwirtschaftliche Elemente. Dabei hat sich die Marktwirtschaft im Rahmen der Weiterentwicklung der Menschheit ganz klar und nachweislich als die effizienteste und ressourcenschonendste Form der Güterverteilung erwiesen.
Umwelt und Ressourcenschutz ist übrigens auch überhaupt nicht mit einer inflationären Geldmenge und einer künstlichen beziehungsweise zentral gesteuerten Zinsgestaltung vereinbar. Scheinbar hat das kein Protagonist der Umweltbewegung (beziehungsweise der betreffenden Institutionen) intellektuell durchdrungen oder durchdringen wollen.
Den zweiten Teil dieses Beitrages lesen Sie morgen: Beim Ablasshandel war es eine „Moralschuld“, die eine „Werteumverteilung“ begünstigt hat. Ähnlich ist die Angelegenheit bei den CO2-Zertifikaten einzustufen. Das macht die Menschen ärmer und schadet so auch der Umwelt.
Benjamin Mudlack ist gelernter Bankkaufmann und hat an der Fachhochschule Dortmund das Diplom zum Wirtschaftsinformatiker erworben. Er ist Vorstandsmitglied der Atlas Initiative, Autor beim Ludwig von Mises Institut Deutschland, Mitglied der Friedrich August von Hayek Gesellschaft. Zudem betreibt Benjamin Mudlack den YouTube-Kanal „Der ökonomische IQ“ mit der Zielsetzung, möglichst vielen Menschen die österreichische Schule der Nationalökonomie anhand von tagesaktuellen Themen zugänglich zu machen. Er ist zudem Autor des im Lichtschlag Verlag erschienen Buches „Geld-Zeitenwende – vom Enteignungsgeld zurück zum gedeckten Geld“.
Fussnoten/Quellen:
Georg Habenicht: Ablass: Wertpapier der Gnade – wie es zur Reformation kommen musste. Petersberg 2020.
Georg Habenicht: 1521 – Europas erster Wertpapierkollaps. Petersberg 2022.
Freiheitsfunken Benjamin Mudlack „Der Staat und seine Entscheider als größte anzunehmende Klumpenrisiken“
Die Welt: „Die CO2-Theorie ist nur geniale Propaganda.“
Stern.de: Teslas geheime Geldmaschine: Der Gewinn kommt nicht aus dem Verkauf von Autos
Wenn die Politik etwas für die Umwält täte, dann gäbe es heute ein tolles Öffie Angebot, fast nur regionale Lebensmittel und kein Plastik im Meer.
Aber der Politik geht’s nur um die Abzocke ihrer Arbeitenden mit dem Co2 Schmäh und um die Umvolkung mittels sogenannter Klimaflüchtlinge bzw. Sozialtouristen, die unseren Wohlstand zu nichte machen und brav links wählen.
Der CO2-Ablasshandel wäre die ideale Voraussetzung für die Ansiedlung von Unternehmen, die Kernkraftwerke bauen. Als Empfänger der Ablasszahlungen (eine gewisse Intelligenz der Politiker vorausgesetzt) hätte diese Unternehmen einen großen Wettbewerbsvorteil in Deutschland.
Man könnte es auch einfach Betrug nennen.
im Ergebnis und trotz Luther hat der Ablasshandel funktioniert. Mit den Einnahmen daraus wurde der Petersdom gebaut, das teuerste Bauprojekt der Geschichte. Die Klimazertifikate funktionieren auch. Sie sichern die Weltherrschaft der Funktionärsklasse. Dass das Ganze sinnlos ist, spielt dabei keine Rolle.
Die Dummheit der Menschen bricht sich variationsreich immer wieder Bahn. Diese Zertifikate sind äußerst belustigend. Witzig ist vor allem, dass die Klimadompteur&innen; selber häufig noch nicht einmal ihr eigenes Körpergewicht regulieren können. – Was die Klimamodelle angeht, so erklären sie weder die Warmzeit vor und nach der vorletzten Jahrtausendwende noch die „kleine Eiszeit“ vor 200 Jahren. Auch die CO2-Konzentration im Jura, die bei 1000 – 2000 ppm gelegen haben soll, wobei die Evolution einen tollen Schub nahm und keine Meere kochten, wird mit ihnen nicht erklärt. – Eine naturwissenschaftliche Theorie sollte aber universell gelten, wie z.B. die Keplerschen Gesetze. Man stelle sich vor, Einstein hätte alle zwei Jahre gesagt: Oh, ich muss noch etwas an meiner Relativitätstheorie ändern und „verbessern“: Er hätte sich ja nirgends mehr blicken lassen können. Aber genauso gehen die tonangebenden Klimamodellierer vor. Das Klima ist ein zu komplexer physikalischer Prozess als dass man verlässliche Vorhersagen machen kann, zumal Einflussfaktoren plötzlich auftreten können, die alles verändern, wie ein Supervulkan. Das heißt natürlich nicht, dass die Klimaforschung eingestellt werden sollte. Sie sollte jedoch ehrlich und ergebnisoffen sein.
Der Autor hat offenbar die Funktion von CO2-Zertifikaten schon in der Grundlage nicht verstanden. Ein wirtschaftswissenschaftlicher Einführungskurs zum Thema „Externe Effekte“ würde schon helfen. Des Autors Idee, es handele sich um Ablasshandel, ist nur albern. – Das jetzige System der CO2-Zertifikate ist sicher, wie alles, verbesserungsbedürftig. Aber wer gegen die CO2-Zertifikate argumentiert (was man durchaus kann), sollte jedenfalls deren Grundgedanken verstehen und berücksichtigen.