Rainer Bonhorst / 09.03.2021 / 15:00 / Foto: Graham / 86 / Seite ausdrucken

Der Buckingham-Palast bebt, die Welt bebt mit 

Was ist vom britischen Empire, in dem die Sonne nie unterging, geblieben? Der Palast. Nicht nur, dass die zweite Elizabeth immer noch Staatsoberhaupt von 15 ehemaligen Kolonien ist. Spürbarer noch: Wenn der Palast bebt, bebt die Welt mit. Mediale Schockwellen breiten sich über den Globus aus. Während aber die Palastbewohner ernsthaft erschüttert sind, ist das Beben, das um die Welt geht, ein lustvolles Beben. Unter wohligen Schauern erlebt man mit, dass es hinter den Palastmauern, in der Welt der Überprivilegierten, offenbar genauso viel Müll gibt wie bei Hempels unterm Sofa.

Diese globale Wirkung hat nur das englische Königshaus. Nichts gegen Holland, Belgien, Norwegen und Schweden – wen juckt es schon, wenn dort bei Königs etwas nicht stimmt? Selbst Juan Carlos, der Retter der spanischen Demokratie, hat sich nach Korruptionsvorwürfen vergleichsweise still aus seinem Land in die Vereinigten Arabischen Emirate davonmachen können.

Und dann die bürgerlichen Staatsoberhäupter. Wen interessiert es außerhalb von Paris, dass Ex-Präsident Nicolas Sarkozy jetzt ein verurteilter Straftäter ist? Und was ist mit unserem Präsidenten? Ja, wo ist er denn? Er führt ein weithin unbemerktes Dasein. Selbst ein saftiger Skandal würde daran nichts ändern.

Aber die englische Königsfamilie! Als seinerzeit der achte Eduard abdankte, um seine Amerikanerin Wallis Simpson zu heiraten, steckte hinter dem weltweiten Aufsehen noch die Wucht eines Weltreichs. Als Diana sich von Charles trennte, endete die globale Enttäuschung in einer tödlichen Tragödie mit der entsprechenden globalen Trauer. Und jetzt also Harry und Meghan. Die Geschichte der britischen Palastskandale wiederholt sich, um Karl Marx zu zitieren, diesmal als Farce.

Ist es ein Abgrund an Rassismus?

Was hat die Armen aus dem Palast vertrieben? In früheren Zeiten, als der Sexismus-Vorwurf noch nicht so locker vom Hocker geschleudert wurde, hätte man die Frage so stellen können: War es womöglich Stutenbissigkeit? Könnte es sein, dass Kate und Meghan, die sich ja bemerkenswert ähnlich sehen, nicht in Schwägerinnen-Liebe zueinander entbrannt sind? Könnte es sein, dass es im Palast auch männliche „Stuten“ gibt, die mit bissiger Eifersucht ihren Status verteidigen? Könnte es andere Intrigen am Hof gegeben haben? Intrigen an einem Königshof? Wer hätte das gedacht! 

Und dann die Rassenfrage, die Meghan im Interview mit Oprah Winfrey in den Raum gestellt hat. Das ist der Totschlag-Vorwurf dieser Tage. Könnte es sein, dass es im Palast, diesem überexklusiven, von pinkfarbenen Menschen gefüllten Gebäude, hier und da rassistische Anwandlungen gibt? Wen würde das wundern. Auch wenn es noch gar nicht so lange her ist, dass die Hochzeit der beiden in England als wunderbar bunt gefeiert wurde.

Ist es nett, wenn ein Palastbewohner (die Queen und Prinz Philip sollen es nicht gewesen sein) die Thekenfrage stellt: „Mal sehen, wie dunkel die Hautfarbe des Kindes wird“? Nein, nett ist das nicht. Ist es ein Abgrund an Rassismus? Naja, da heute jede blöde Bemerkung gleich ein Abgrund an Rassismus ist, kommt er beim interessierten Publikum wohl so an. Man hat inzwischen ja verlernt, die Kirche im Dorf zu lassen.

Aber die rassistischen Leiden der Afroamerikanerin Meghan (weißer Vater, schwarze Mutter) halten sich in Grenzen. In ähnlichen Grenzen wie die rassistischen Leiden der Talkshow-Königin Oprah. Die eine erfreut sich immerhin des schönen Titels Herzogin von Sussex, die andere ist Amerikas First Lady der Medien. Wer hat schon die Möglichkeit, sich als missverstandene Duchess einer Show-Königin zu präsentieren? Es ist nicht ganz leicht, daraus ein Bild der Unterdrückung und des Teint-Leidens zu basteln. Nur der arme Harry kann einem ein bisschen leid tun. Seine Versetzung aus dem Zentrum britischen Traditionslebens in das absurde Kalifornien ist ein Wechselbad, das man erst mal verkraften muss.

Wen juckt das eigentlich?

Kommen wir zur Gretchenfrage: Wen juckt das eigentlich? Zugegeben: Es juckt einen schon. Nennen wir es Voyeurismus, nennen wir es Neugier, nennen wir es zutiefst menschliches Interesse. Der Unterhaltungswert der Royals ist nun mal global. Aber das ist es auch schon. Die Wellen, die da geschlagen werden, haben keine tiefere Bedeutung. So groß die weltweite Faszination mit dem britischen Königshaus ist, so gleichgültig ist es, ob der Palast wackelt oder ob im Palast ein paar Knie schlottern. Wenn man genau hinschaut, ist die Queen auch nur eine Art Frank-Walter Steinmeier. Das Sagen haben Boris Johnson und Angela Merkel.

Hier tut sich allerdings eine interessante Parallele auf. So wie die Queen interessanter ist als unser schlichter Präsident, so hat auch Boris Johnson einen vielfach höheren Unterhaltungswert als Angela Merkel. Wen würde Oprah Winfrey als Interview-Partner einladen? Boris, den Spannenden, oder Angela, die Mächtige? Vielleicht beide.

Bis dahin werden sich Harry und Meghan in ihrem kalifornischen Palast von den Wunden zu erholen versuchen, die ihnen im Londoner Palast zugefügt wurden. Ist eine Retourkutsche aus dem Königshaus zu erwarten? Wird ein Tsunami aus London in Richtung Kalifornien rollen? Wenn ja, wann? Die Welt hält gespannt den Atem an, auch wenn absolut nichts Weltbewegendes geschieht. 

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Peter Sticherling / 09.03.2021

Also, wenn die Mutter eine Schwarze ist und der Vater ein Weißer, dann darf man schon gespannt sein, welche Hautfarbe das gemeinsame Kind haben wird. In der überwiegenden Mehrheit setzt sich bei dieser Konstellation die dunkle Hautfarbe durch. Wer kommt da auf die Idee, das , auch laute,  Nachdenken darüber könnte „rassistisch“ sein? Und wenn das Kind dann wider Erwarten weiß ist, was dann? Den liebenden Eltern dürfte die Hsutfarbe ihres Kindes absolut gleichgültig zu sein, im Wortsinne. Wenn nun aber dieses „weiße“ Kind selbst schwanger wird und zwar von einem weißen Mann, darf man dann, um Rassismus zu vermeiden, nicht, schon gar nicht laut,  danach fragen, welche Hautfarbe das noch Ungeborene haben wird? Es kann gar nicht anders sein als dass auch Meghan und Harry sich diese Frage gestellt haben. Ergo: Das angekündigte Interview und die darin von Meghan geäußerte Anklage, sie habe so stark und, unsäglich unter dem Rassismus gelitten, der ihr mit dieser ganz normalen und berechtigten Frage am Königshofe entgegen gebrandet sei, ist nur Show.  Und diese Show bringt Meghan Publicity und, nicht zu vergessen Geld. Erbärmlich in jeder Hinsicht ist die Rolle des Harry.

Bastian Kurth / 09.03.2021

Diese ganze unappetitliche Geschichte hat zwei Urheber: ein geistig spärlich möblierter Prinz und eine Frau die weder Stil, Erziehung noch Anstand besitzt und selbst aus ihrer toten Oma noch Kapital schlagen würde. Also ein “wokes” Paar das versucht aus dem Trend Kapital zu schlagen, da passen sie doch eigentlich prima in die Zeit, könnten sogar im Bundestag Karriere machen, nur ist bei unseren Nullen weniger Glitzer drauf. :-)))

George Samsonis / 09.03.2021

Das Interview von Henry und seiner Ehefrau erinnert mich an den alten Spruch: Was schert es die dtsch. Eiche, wenn sich die Sau daran scheuert. Eicheen gibt es auch im Vereinigten Königreich. Das Interview ist der Anfang vom Ende der “Marke” Henry und Mäggen.

Bernd Ackermann / 09.03.2021

Nun mal langsam, Herr Bonhorst, die unterschwellige Behauptung, dass die Engländer eine bessere Show abliefern als die Deutschen ist so nicht haltbar. Schließlich sind das da bei Königs alles Deutsche. Das ist auch der Grund warum die Queen (aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha) überhaupt noch funktioniert, obwohl sie schon gefühlte 140 Jahre alt ist. Könnte man in etwa mit PKWs vergleichen, britische Fahrzeuge waren (als es noch britische Autobauer gab) schon kaputt als sie vom Band liefen. Und natürlich Philip von Battenberg, der alte Rassist, der schon so manchen politisch unkorrekten Spruch rausgehauen hat und der Helmut Kohl als “Herr Reichskanzler” ansprach. Wie könnte die gemeinsame Brut besser sein? Kein Wunder, dass die alle rassistisch sind, so sind die Teutonen halt, fragen Sie mal die AAS. Harry ist natürlich außen vor, da soll ja Dianas Rittmeister Hand angelegt haben, wenn man dem glaubt was so im Goldenen Blatt steht.

Frances Johnson / 09.03.2021

Hinzu kommen zwei Dinge: Erstens styled frau sich als [sic] Disneys Kleine Meerjungfrau, eine Gestalt aus einem Märchen, das besagen will, das man manches nicht haben kann, vor allem nicht zwischen zwei verschiedenen Arten, einer mystischen und Homo sapiens. Da redet frau über Rassismus, macht sich aber vor aller Augen zu einer anderen Art, in diesem Fall aus dem Reich der Phantasie. Zweitens, gravierender, vergleicht man sein Dasein in dem für 2-3 Millionen renovierten Frogmore Cottage, Grade I listed Mansion, mit glänzenden Auftritten in einer Garderobe für über 1 Mio Britische Pfund mit dem Dasein von Leuten im Lockdown, also mit denen, die, wenn am schlimmsten getroffen, mit zwei Kindern auf max. 70 qm eingesperrt sind und vielleicht ihren Job verloren haben. Oprah Winfrey hat uns einen Gefallen getan: Sie hat den Vorhang weggezogen von zwei Heuchlern mit Selbstdarstellungsgen und einer grenzenlosen narzisstischen Naivität. Es gibt noch mehr davon da oben, besonders in Oprahs Nachbarschaft. Und da es davon eine ganze Reihe gibt, finde ich es durchaus interessant, noch interessanter als den angekündigten Rücktritt von Jogi Löw.

Dr. med. Markus Hahn / 09.03.2021

Es ist aber auch eine schöne Geschichte. Eine toxisch-manipulative und sehr ehrgeizige Frau schnappt nach den Sternen. Der Geschnappte wird gründlich vorgeführt und zur Prüfung seiner Loyalität im Rahmen eines Schauprozesses gegen die eigene Familie in Stellung gebracht. Die Zuschauer des Drama´s (wie bei solche toxischen Persönlichkeiten üblich) polarisieren sich in Hater und Follower. Den Weg säumen Blut, Schweiß und Tränen. Ach so, der geschnappte Stern wird am Ende verglühen, ich wette. ;-)

Claudius Pappe / 09.03.2021

Ist der Harry nicht der Sohn vom Charly ? Der Eine Klimaschützer, der Andere PoC-Opfer. Passt doch, beide leisten nichts, wollen die Welt belehren….....................So sind die Eliten…...........................nicht nur in der Bananenrepublik

S.Müller-Marek / 09.03.2021

Was bin ich froh, dass wir keine Monarchie in Deutschland haben. Kostet nur Geld und für was braucht man die überhaupt? Unser Land hat schon genug Menschen, die mit durchgefüttert werden. Ok, die Royals dieser Welt haben einen gewissen Unterhaltungseffekt, das hat “Eine schrecklich nette Familie” aber auch.

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