Im Strafgesetzbuch von Deutschland gibt es §130 StGB, der auch als Volksverhetzungparagraph bezeichnet wird. Jan Böhmermann sollte sich den mal zu Gemüte führen. Oder erst denken und dann schießen. Aber das kann er wohl nicht.
„Sandra Maischberger lädt Nazis in ihre Talkshow ein, damit Nazis nach der Machtergreifung Sandra Maischberger auch ihre Talkshow einladen.“
Das schrieb Jan Böhmermann am Vormittag, des 21. Juni 2023 auf Twitter. In dem Satz fehlt eine Präposition, nämlich die Dativpräposition „in“ zwischen „auch“ und „ihre“. Das ist allerdings nicht das einzige, was in diesem Satz fehlt. Es fehlt auch eine konkrete Erklärung, wen der ZDF-Hofnarr denn in der letzten Folge von Maischberger als Nazi ausgemacht hat.
Folgende Gäste waren am 21. Juni 2023 bei Sandra Maischberger zu Gast und kommen daher in Betracht, für Jan Böhmermann ein Nazi zu sein: der Journalist Giovanni di Lorenzo, die Moderatorin Pinar Atalay, der Verleger Wolfram Weimer, der Politiker Tino Chrupalla und der Politiker Christian Dürr. Mindestens eine von diesen Personen ist laut Jan Böhmermann ein Nazi. Wer ist der Nazi?
Es ist nicht das erste Mal, dass Jan Böhmermann Nazis sieht und darüber auf Twitter schreibt. Am 3. September 2017 schrieb er zum Beispiel dies auf Twitter: „Nur noch 3 Wochen, 21 Tage, bis zum ersten Mal seit Kriegsende wieder die Nazis im deutschen Parlament sitzen. Eine unverzeihliche Schande.“
Es fällt bei dieser Behauptung auf, dass er nicht erklärte, es würden Menschen ins Parlament einziehen, die so seien wie Nazis, nein, er sprach ganz konkret davon, dass „die Nazis“ in das Parlament einziehen würden. So konkret er grammatisch war, so schwammig war er semantisch, denn wieder erklärte er nicht, wen er meinte.
Zwischen 1949 und 2017 keine Nazis im Deutschen Bundestag?
Dafür erklärte Jan Böhmermann im Jahr 2017 deutlich und unmissverständlich, dass zwischen 1949 und 2017 keine Nazis im Deutschen Bundestag gesessen hätten, denn er sprach von den ersten Nazis seit Kriegsende. Das stimmt jedoch nicht!
Von 1949 bis 1960 war die Deutsche Partei (DP) an der Bundesregierung beteiligt, und viele Mitglieder der DP waren vorher Mitglieder der NSDAP gewesen, zum Beispiel Richard Langeheine und Hans-Christoph Seebohm. Letzterer war von 1949 bis 1966 Bundesminister für Verkehr. Bis 1960 war er Mitglied der DP, dann wechselte er zur CDU. Im Jahr 1941 wurde er Vorsitzender des von ihm mitgegründeten Aufsichtsrats Egerländer Bergbau AG, die als „Auffanggesellschaft“ eigens zur Übernahme „arisierten“ Eigentums gegründet wurde und sich bis zu deren Verkauf in Reichsbesitz befand. Ab 1949 erklärte er, das Grundgesetz sei den Deutschen von den Alliierten aufgezwungen worden. Er sprach zudem von einer Sozialdemokratie mit „asiatischen Wurzeln“, die nicht zum Deutschtum führen könnten.
Auch in anderen Parteien gab es ehemalige Mitglieder der NSDAP. Der bekannteste unter ihnen ist der CDU-Politiker Kurt Georg Kiesinger. Er wurde im Jahr 1966 von der CDU und der SPD zum dritten Bundeskanzler der Bundesrepublik gewählt. Im Jahr 1933 trat er der NSDAP bei und arbeitete ab 1940 als Angestellter im Auswärtigen Amt der Nazis. In dieser Funktion war er für das Reichspropagandaministerium direkt für die Beeinflussung des ausländischen Rundfunks verantwortlich. Um auf diese nationalsozialistische Vergangenheit hinzuweisen, initiierte die Journalistin Beate Klarsfeld damals eine Kampagne mit verschiedenen öffentlichen Aktionen. Am 2. April 1968 rief sie im Bonner Bundestag von der Besuchertribüne „Nazi, tritt zurück!“ Während des CDU-Parteitags in Berlin am 7. November 1968 bestieg Klarsfeld das Podium der Berliner Kongresshalle, ohrfeigte Kiesinger und rief: „Nazi, Nazi, Nazi!“
Böhmermann leugnet die Nazivergangenheit der Bundesrepublik
Indem Jan Böhmermann im Jahr 2017 behauptete, in der Zeit, wo Kiesinger Kanzler war, aber auch in den Jahren darauf, hätte es keinen Nazi im deutschen Parlament gegeben, leugnete er den Fakt, dass es sehr wohl Nazis im Parlament der Bundesrepublik gab.
Es gab zum Beispiel Hasso Eccard von Manteuffel. Er war ein Mitglied des Deutschen Bundestages und gehörte ab 1949 erst der FDP an und später der DP. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war er Oberstleutnant und wurde noch vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion Bataillonskommandeur in der 7. Panzer-Division. Am 31. Dezember 1941 wurde er mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Nach Angaben des britischen Geheimdienstes nahm er 1950 Kontakte zu einer Vereinigung von Altnazis rund um den ehemaligen Gauleiter Karl Kaufmann auf, die die Bundesrepublik Deutschland unterwandern wollte.
Als die Grünen im Jahr 1983 in den Bundestag einzogen, wurde Werner Vogel über die Landesliste Nordrhein-Westfalen gewählt. In der Zeit des Nationalsozialismus war er bereits sehr früh ein aktives Mitglied der SA und wurde 1938 auch Mitglied der NSDAP, deren Mitgliedschaft er 1933 beantragt hatte. 1938 kam er als Beamter ins Berliner Reichsministerium des Inneren.
Hans Georg Schachtschabel wiederum war ein deutscher Politiker der SPD. Er gehörte von 1969 bis 1983 dem Deutschen Bundestag an. Im Jahr 1933 trat er der SA bei, 1935 der SS und 1937 der NSDAP. Der SPD-Politiker Karl August Fritz Schiller war von 1966 bis 1972 Bundesminister für Wirtschaft und von 1971 bis 1972 zusätzlich Bundesminister der Finanzen. Von 1933 bis 1938 war er Mitglied der SA. Am 1. Mai 1937 trat er in die NSDAP ein. Im Rahmen seines Studiums und seiner Lehrtätigkeit war Schiller zusätzlich Mitglied des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds, des NS-Rechtswahrerbunds und des NS-Dozentenbunds. Einer der letzten ehemaligen Mitglieder der NSDAP, der ebenfalls Mitglied des Bundestags war, war Friedrich Zimmermann, der bis 1991 für die CSU Bundesminister für Verkehr war.
Dies sind nur ein paar Beispiele der vielen, vielen (ehemaligen) Nazis, die nach 1949 im Bundestag saßen. Der erste Bundestag, dem nachweislich kein ehemaliges Mitglied der NSDAP mehr angehört, war der 14. Deutsche Bundestag, der sich durch die Bundestagswahl an 27. September 1998 konstituierte.
Volksverhetzung?
Obwohl seit 25 Jahren keine Nazis mehr im deutschen Parlament sitzen, sieht der Jan vom ZDF sie heute im deutschen Parlament und in Talkshows sitzen. Man fragt sich, ob die Nazis, die er sieht, auch Andere sehen können und wenn ja, um wen es sich bei diesen Nazis handeln soll.
Ich habe mir alle Mitglieder des aktuellen deutschen Bundestags und alle Gäste bei Maischberger vom 21. Juni 2023 angeschaut. Ich habe ein paar mehr oder weniger unappetitliche Personen gefunden, ich habe jedoch niemanden entdeckt, den ich als Nazi bezeichnen würde. Ich möchte sogar so weit gehen, dass die Behauptung, irgendeine dieser Personen sei ein Nazi, die barbarischen Taten der Nazis verharmlost und relativiert.
Das bringt mich dann allerdings auf das Strafgesetzbuch von Deutschland, denn dort gibt es §130 StGB, der auch als Volksverhetzungparagraph bezeichnet wird. Dort heißt es unter anderem:
„Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.“

Solche Leute wie Böhmermann sind schuld an der grassierenden Trivialisierung des Begriffs „Nazi“. Heute ist ja alles was nicht irgendwie linksgrün-woke gestrickt ist, schon voll nazi bzw. rechtsradikal. Und selbst der Verfassungsschutz macht da mit. Heutzutage wird man schon als Nazi beschimpft, wenn man als Familienbild Vater, Mutter und Kind hat. Oder einen funktionierenden Rechtsstaat „ganz toll“ finden würde. Und was ist das Ergebnis? Mehr und mehr hört man den Satz „Gut. Dann bin ich eben ein Nazi!“. Kein Problem mehr in Deutschland. Das „moralische Vernichten“ von Leuten und auch Parteien zieht einfach nicht mehr. Und die Medien spüren es. Die Zustimmung zur AfD wird weiter steigen, selbst wenn der Bundespräsident persönlich sie für die Reinkarnation der NSDAP erklären würde. Die Leute wissen inzwischen, dass das völliger Quatsch ist, oder es macht ihnen nichts mehr aus, – was schlimmer ist. Zur Erinnerung: Nazis, das waren früher, in der dunklen Zeit, Leute die kein Problem mit der quasi industriemäßig organisierten Ermordung von Millionen Juden hatten. Oder dem Erschießen oder dem Aufhängen an Schweinehaken von „Volksschädlingen“ oder Systemkritikern. Da ging es nicht nur um Singen von „Oh du schöner Westerwald“. Und jemanden in diesen Topf zu werfen, Herr Böhmermann, da bräuchte es verdammt gute Gründe. Und nicht nur Ihren Hass auf Andersdenkende!
Hätte Merkel damals nicht ihre schützende Hand über Böhmermann gehalten, sondern ihn an Erdogan ausgeliefert, wäre Ruhe im Karton gewesen. Aber er wurde ja noch als Regierungswürstchen gebraucht (causae Strache, Schönbohm etc.). Tja, dann haben wir ihn eben noch, hartnäckig wie Fußpilz und ähnlich beliebt. Ich glaube aber, Fußpilz wird man schneller wieder los.
Regel Nr. 1: Wer anderen den „Nazi“ unterstellt/unterstellen will, ist meist selber einer („Projektion“!). Der ÖR-Systemling und oberste Gossenclown Böhmermann empfiehlt sich ein ums andere Mal, vorauseilend „loyal“.
Die Achse sollte eine neue Rubrik eröffnen : „ Ausgestoßene des Bundestages “ . Der Anfang ist oben gemacht . Ein verdienstvoller Beitrag zum landesweiten posthumen Kampf gegen Rechzz . Da winkt sogar ein Journalist>innen<Preis .
Herr Böhmermann ist so von sich und SEINER Wahrheit überzeugt, dass ihm gar nicht in den Sinn kommt, er könne vielleicht selbst ideologische Scheuklappen tragen. Daher ist ihm auch kein Vergleich zu blöde, keine Beleidigung zu niveaulos, als das er sie nicht, im Sinne seiner ideologischen Verblendung, einsetzten würde, natürlich alles für die „gute Sache“, als deren Repräsentant und Vorkämpfer er sich sieht. Ein gewisser Joseph Goebbels, genau wie Herr Böhmermann, ein Show-Talent, im, aus seiner Sicht, ebenfalls „besten Deutschland aller Zeiten“, würde heute über Herrn Böhmermann wohl sagen: „Großartiger Mann! Selbst ich, könnte Hass und Hetze nicht besser verbreiten!“
@Peter Woller: „Demokraten sprechen mit Demokraten, Demokraten wählen Demokraten. Demokratie wird von Demokraten gemacht.“. Das kann man so gelten lassen, es fehlt nur das so ein „Böhmerclown“ schlicht und einfach nicht zu den Demokraten gehört.
Ach, die gute Beate „Ohrfeige“ Klarsfeld! Dass sie selbst einem verbrecherischen Regime, dem der SED nämlich, zu Diensten war, scheint Sie nicht zu stören, Herr Buurmann? Zudem: die Ohrfeige hatte sie sich für damalige Verhältnisse für viel Geld erkauft, nachzulesen z.B. unter WELTonline vom 07.03.2012 unter dem Titel: „2000 D-Mark für die berühmteste deutsche Ohrfeige“: Die Zeitung schrieb dort außerdem: „Ob sich Klarsfeld allerdings mit Kiesinger die geeignete Person für diese Demonstration ausgesucht hatte, darf man bezweifeln. Laut einem Protokoll des berüchtigten Reichssicherheitshauptamtes soll Kiesinger beispielsweise “antijüdische Aktionen gehemmt und verhindert„ haben. Auch sind Aussagen ehemaliger Weggefährten überliefert, nach denen sich Kiesinger geradezu abfällig über Hitler geäußert haben soll. Trotz unbestrittener Verstrickung: Der verstockte Alt-Nazi, den Klarsfeld in ihm zu erkennen glaubte, war der Politiker gerade nicht.“ Die WELT merkte zu recht an: „Sie selbst hat es bislang nicht geschafft, ihr harsches Urteil über Kiesinger zu revidieren. Kritikwürdiger erscheint aber, dass sie sich auf ihrem ureigensten Terrain angreifbar macht: Die Nazi-Verstrickungen im anderen Deutschland, der DDR, waren für sie stets nur ein Randthema.“