„Hass, Hetze und Desinformation“ entdecken jetzt auch willige Bibliotheken für sich. Auch hier gibt es „Trusted Flagger“, die gut und böse unterscheiden wollen. Motto: „Wir zensieren nicht, wir warnen Sie nur“.
Buchhändler sind Unternehmer und haben das Recht, zu verkaufen oder anzupreisen, was sie wollen. Die Marktgesetze gelten allerdings weiterhin, und „go woke, go broke“ könnte auch den ein oder anderen Buchhändler einholen.
Eine andere Sache ist es mit Bibliotheken, die öffentliche Einrichtungen sind und gemäß dem Gesetz zur Informations- und Forschungsfreiheit im Rahmen der Möglichkeiten alles, was es zu einem Thema gibt, verfügbar machen müssen. Schließlich sind Bibliotheken öffentlich finanziert und gilt hier kein Recht wie bei Unternehmern, persönliche Vorzüge einfließen zu lassen.
Auf der Seite des deutschen Bibliothekverbandes (DBV) liest sich das hehre Ideal der Informationsfreiheit so: „Bibliotheken fördern die informationelle Grundversorgung aller Bürger*innen mit ihrem überparteilichen und qualitätsgeprüften Medien- und Informationsangebot und leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Meinungsbildung, zu einem demokratischen Gemeinwesen sowie zur politischen Willensbildung.“
Allerdings ist das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, die „informationelle Grundversorgung“, die zur Meinungsbildung und Willensbildung beiträgt, längst nicht mehr frei von Beeinflussung in die „richtige“ Richtung. Das gilt dann auch für die Bibliothekare.(Siehe hier den Achgut-Beitrag „Bücherverbannung für die Demokratie“ von Uwe Jochum).
„Dies ist ein Werk mit umstrittenem Inhalt“
Nicht nur werden bestimmte Bücher gar nicht erst angeschafft, da sie „nicht hilfreich“ sind. In Bestandsbüchern kleben nun auch - wie bei Tabakprodukten - Warnhinweise. Konkreter Fall, auf den Norbert Häring in seinem Blog "Geld und Mehr" aufmerksam machte, ist die Stadtbibliothek Münster, (allerdings dürfte sie nicht die einzige sein), wo es heißt:
„Dies ist ein Werk mit umstrittenem Inhalt. Der Inhalt dieses Werks ist unter Umständen nicht mit den Grundsätzen einer demokratischen Gesellschaft vereinbar. Dieses Exemplar wird aufgrund der Zensur-, Meinungs- und Informationsfreiheit zur Verfügung gestellt.“
Dem Leser wird im Prinzip gesagt: Eigentlich würden wir solche Bücher lieber verbannen, aber nun gibt es offiziell leider keine Zensur, und wir müssen es verfügbar stellen. Wenn du das schon lesen musst, dann setzte dir den Soufleur ins Ohr, der dir immer wieder sagt: „Glaube es nicht, es ist falsch und schädlich.“
Was sind denn die „Grundsätze einer demokratischen Gesellschaft“, die in der Warnung erwähnt werden? Der Bibliotheksbesucher, der den betreffenden Aufkleber sah, fragte genauer nach und wollte schriftlich wissen, warum bestimmte Bücher solche Aufkleber haben. Von der Bibliothek erhielt er zur Antwort, dass man zwar
„auch der Meinungsfreiheit verpflichtet sei“... „allerdings haben auch öffentliche Bibliotheken einen Bildungsauftrag einzuhalten, der sich darauf bezieht inhaltlich Stellung zu nehmen, wenn Quellen in Büchern nicht nachweislich korrekt recherchiert sind, (…) bzw. wenn Bücher gefälschte Fakten und Thesen verbreiten (vorrangig im medizinischen Bereich bei umstrittenen Behandlungsmethoden).“
Das Buch, um das es sich handelt, wird leider nicht genannt, aber nun geht es gar nicht mehr vage um „Grundsätze einer demokratischen Gesellschaft“, sondern um fehlerhafte Recherche, gefälschte Fakten (Anmerkung des Autors: gefälschte Fakten sind ein Oxymoron, denn wenn es Fakten sind, können sie nicht gefälscht sein).
Abgesehen davon, dass es die Aufgabe des Verlages bzw des Lektors ist, den Autor auf fehlerhafte Recherche hinzuweisen, wenn es denn solche gab, gibt es auch in der Medizin keine allgemeingültige Wahrheit für alle Zeiten, mehr noch, wie jede Wissenschaft lebt sie von der Herausforderung von gängigen Theorien. Ganz abgesehen davon, dass Bibliothekare nun wirklich nicht die Kenntnis haben, um medizinische Fragen beurteilen zu können. Auch hier wird das Buch nicht genannt, aber es liegt nahe, dass es sich um das Werk eines „Corona-Leugners“ handelte. Was die sogenannten "Experten" und "Faktenchecker" in der Corona-Zeit von sich gaben, fällt inzwischen unter der Last der Wirlichkeit zusammen wie ein Soufflé und wird Gegenstand zahlreicher Untersuchungen werden, angefangen in den USA.
Die oberste Zensurbehörde
Wie so oft blickt niemand mehr durch im Sumpf der NGOs, Vereine, Förderprogramme, Initiativen, Forschungsprojekte, staatlicher und halbstaatlicher Behörden und Bildungseinrichtungen, wer genau wem was anordnet oder empfiehlt. Für die Empfehlungen an die Bibliotheken, was auf den Index der bedenklichen Bücher kommt, ist ein „Berufsverband Information Bibliothek (BIB) e.V.“ verantwortlich, ein Zusammenschluss sämtlicher Beschäftigter in Bibliotheken und Informationseinrichtungen.
Speziell von Interesse ist hier ein „Projekt“ namens Medien an den Rändern. Schnell wird klar, dass es hier nicht um die Ränder geht, sondern nur den rechten Rand und dass „umstritten“ eines der vielen Kodewörter für unerwünscht, weil weltanschaulich rechts ist: „Medien an den Rändern“ thematisiert dabei nicht nur (politische) Literatur am rechten Rand, sondern greift generell Medien auf, die umstritten hinsichtlich ihrer Erwerbung sein können, vom Bilderbuch über das medizinische Sachbuch, von Musik-CDs bis zu religiös-esoterischen Publikationen.
Das Projekt hat verklausuliert die folgenden Ziele:
Das Gift und die Giftmischer zu identifizieren: Der konkrete Umgang mit „Medien an den Rändern“ bereitet immer wieder Probleme bei Beständen von (Öffentlichen) Bibliotheken. Eine Darlegung und auch eine Ausweitung der diesbezüglichen Fachdebatte sowie eine Einordnung von Titeln, ggf. aber auch von Autor:innen und Verlagen sollen daher als Hilfestellung bei dieser Thematik dienen… Sie (die Expert*innen) greifen Diskussionen auf, tragen Informationen und Rezensionen vorwiegend hier zusammen und geben Hinweise, wie man mit entsprechenden Medien in den Bibliotheken vor Ort umgehen kann. Ziel bleibt es, Themen, Autor:innen, Titel und Verlage zu problematisieren, den Bibliotheken die Kauf- bzw. Kontextualisierungsentscheidung zu überlassen.
Den Bibliothekaren beim Kampf gegen Rechts zu helfen ohne die Meinungsfreiheit allzu offensichtlich auszuhebeln: Bibliotheken stehen bei ihren Erwerbungsentscheidungen im Spannungsfeld zwischen der grundsätzlichen bibliothekarischen Berufsethik mit dem Gebot der Meinungs- und Informationsfreiheit und der Aufgabe, geprüfte Informationen und weltanschaulich vertretbare Inhalte in ihrem Medienbestand für die Bevölkerung anzubieten. Die Angebote der Bibliotheken stehen für Pluralismus und Weltoffenheit, sie spiegeln aber auch den (nachgefragten) Medienmarkt mit qualitativ unterschiedlichen Produkten wider.
Als Beispiele für „umstrittene Bücher“ werden unter anderen genannt und diskutiert, die Zusammenfassung der Hauptkritikpunkte in Klammern:
Corona Fehlalarm? – Zahlen, Daten, Hintergründe: ein Buch von Dr. Karina Reiss und Dr. Sucharit Bhakdi (stellt Maskenpflicht infrage, polemisiert, lässt gegenüber dem „angesehen und bekannten Charite-Forscher“ Dr. Drosten den nötigen Respekt vermissen, kritisiert die Regierung, Medienschaffende und Forscher, ist einseitig)
Die Debatte um Akif Pirincci (rechtsradikal, islamfeindlich, homophob)
Krasavice, Katja: Bitch Bibel (sexistisch, sexualisiert Frauen, jugendgefährdend)
Henok Worku „Jung sterben" (homophob, radikal-christlich, religiös exklusiv). (Eigentlich ist der vollständige Titel „Jung sterben. Warum es sich lohnt, für Christus zu leben“).
Flo Osrainik: Das Corona-Dossier (Verschwörungstheorien, Querdenker, regierungskritisch, „antisemitische Chiffres“ im Begleitwort).
Auch wenn es zweifellos Bücher gibt, die man objektiv als wertlos oder sogar schädlich bezeichnen kann, und das möglicherweise auch für ein oder mehrere der aufgeführten Bücher gelten mag, ist an der Selektion klar, wohin die Reise geht: Abgesehen von „Bitch Bible“ geht es hier um das, was dem woken Zeitgeist widerspricht. Besonders oft wird Kritik an den Corona-Maßnahmen als bedenklich eingestuft.
Selbstverständlich ist nur „demokratiegefährdend“, was als „rechts gelesen“ wird. Neben den üblichen rechten Ausschlussbegriffen wie „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“, „Rassismus“, „Homophobie“, „Misogynie“ und dergleichen sind das gerne auch „Verschwörungstheorien“ zu Corona, Globalisierung und Ukrainekrieg.
Sebastian Biehl, Jahrgang 1974, arbeitet als Nachrichtenredakteur für die Achse des Guten und lebt, nach vielen Jahren im Ausland, seit 2019 mit seiner Familie in Berlin. Vor Kurzem erschien von ihm „Ein Volk sucht seinen Platz. Die Geschichte von Orania und dem Freiheitsstreben der Afrikaaner.“ Dieses kann hier oder hier bestellt werden.

Ich glaube nicht, dass die parteipolitische Vereinnahmung einer steuerfinanzierten staatlichen Einrichtung eine „Beeinflussung“ darstellt. Was hier stattfindet ist eine rechtswidrige und unmoralische Aneignung öffentlicher und gemeinsam finanzierter Güter durch Interessensgruppen und wurde – soweit sie politisch motiviert ist – zeitweise als Gleichschaltung bezeichnet. Kein Angestellter der Bürger – und sei er auch Bibliothekar – hat das Recht, seine politische Meinung in Bücher zu schmieren, die ihm nicht gehören und auch nicht für ihn bestimmt sind. Das Aufdrängen sektiererischer Weltsichten und deren Dogmen ist übergriffig, respektlos, schamlos und anmaßend. Wer so arbeitet, erfüllt seine Aufgabe nicht und ist zu entlassen. Möge er seine eigene Bibliothek mit eigenem Geld eröffnen. Dort (und nur dort) kann er dann sein Unwesen treiben; so viel er will. Keine öffentliche Stelle leitet die Bürger an. Die Bürger leiten den Staat und seine Bediensteten an, aber nicht umgekehrt. Das steuergetränkte Fußvolk arbeitet für den Bürger in dessen Einrichtungen und nicht am Bürger in den Einrichtungen, die der öffentlich Bedienstete irrig für seine hält.
Ich gebe zu, ich war früher Dauergast in Buchläden und der Stadtbibliothek. Wie gesagt, früher. Natürlich lese ich nach wie vor Buchbesprechungen. Steht da: Ein wundervolles, ehrliches Buch, beschreibt so intensiv …, dann heißt es für mich: Finger weg! Und Filmrezensionen lese ich auch, d. h., jahrelanger Verzicht auf „neue“ Filme! Soll ich mir einen Film „antun“, der bei der Berlinale in höchsten Tönen gelobt wird oder das öde zehnte Sequel eines guten alten Films? Ich brauche keine Warnhinweise und „richtige“ Belehrungen bei Büchern oder alten Filmen, ich hasse „moderne, angepasste“ Textänderungen. Also, keine ebooks, keine Neuauflagen, nur meine alten, unverfälschten Bücher. Man kann heute schnell zum literarischen Asketen werden!
Demnächst kommt dann wohl die Feuerwehr wie in „Fahrenheit 451“.
Leute, man kann auch selbst Bücher kaufen. Dann kann niemand sie einem mehr wegnehmen.
@Edmund Müller: „Man könnte meinen, man will absichtlich die Bevölkerung verdummen.“, Ja… und na ja, für Berlin bin ich mir ziemlich sicher, dass die Zuständigen die die Vernichtung der technischen und naturwissenschaftlichen Bücher angeordnet haben, schlicht mit diesen Büchern nichts anfangen können. Diese Bücher sind für die so wertlos, wie den IS Kämpfern die Skulpturen von Palmyra. Oder doch der Einstieg zu „Fahrenheit 451“ ?
Aber die grausigen Schmöker von Robääääärt. dem Großschriftsteller, werden doch ganz bestimmt nicht verboten. Das beruhigt mich außerordentlich. Die sind politisch so korrekt, dass eigentlich jeder Haushalt mehrere Exemplare besitzen müsste. Man sollte die alten Bestände in den Bibliotheken sofort auf dem Scheiterhaufen entsorgen und die Regale mit Meisterwerken wie „Kleine Helden, große Abenteuer“ „befüllen.“ Da können nicht nur junge Leute fix was von lernen. Als nächstes sollten die grünen Genies – darunter auch alte Schlachtrösser wie Fischer und Trittin – Schriften herausgeben, wie man mit sehr kargen Stromzuteilungen auf Bezugschein (Ulrike Hermann von der taz) ein wunderbar erfülltes Leben führen kann; Auto weg, keine Flugreisen und durchgehend kalte Küche. Das alles gilt natürlich nur für Otto und Ottilie Normalverbraucher. Unsere „Majestäten“ leben auch weiter auf Kosten ihrer Untertanen wie die Maden im Speck. Und wer die Chuzpe besitzt, dagegen zu opponieren, wird wegen Majestätsbeleidigung angeklagt und zu mehrjähriger Haftstrafe bei Wasser und Insektennahrung verknackt. Und wenn sich Robääärt und Annalena mal so unters Volk mischen, um ihre Solidarität mit demselben zu beweisen, geht das so: „Du Robääärt, ich war vorhin in der Spree schwimmen. Mann, war das aber kalt. Ich habe das keine zwei Minuten ausgehalten.“ Robert: „Du musst dir einen wollenen Badeanzug kaufen. Der hält dich auch bei O Grad im Wasser noch für Stunden schnuckelig warm.“
Sagen wir mal, betreutes Lesen. Der Bibliothekar als Zensor. Spielt das wirklich noch eine Rolle? In meinem Umfeld, arabisch-türkische Monokultur, geht so gut wie niemand in eine Bibliothek, um Lesbares auszuleihen, hier werden Film- und Musikmedien nachgefragt mit stark abnehmender Tendenz. Ich selbst kaufe mir Bücher, meist gebraucht oder antiquarisch, über Amazon. Bibliotheken für den Normalverbraucher sind Auslaufmodelle. Schüler gucken Google. Auch den Buchhandlungen steht ihr Ende bevor. Somit läuft eine Zensur ins Leere.