Der Beauftragte für jüdisches Leben im Saarland und gegen Antisemitismus nimmt als Moderator an einem Tribunal teil, in dem Israel wegen „Völkermords“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ angeklagt wird. Er macht es, um Eskalationen und Solidarisierungseffekte zu verhindern.
Am 9. Juli fand in den Räumen der Universität des Saarlandes in Saarbrücken eine Veranstaltung statt, zu der u.a. amnesty international und die Gruppe Students4palestine eingeladen hatten. Vorgestellt wurden Berichte zur Lage in den palästinensischen Gebieten, vor allem in Gaza, wo Israel einen „Völkermord“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ begehen würde. So las man es auf Flugblättern, die auf dem Uni-Gelände verteilt wurden.
Zu den Personen, die aktiv an der Versammlung teilnahmen, gehörte auch ein Saarländer, den der Landtag mit einer delikaten Mission betraut hatte: Prof. Dr. Roland Rixecker, Beauftragter für jüdisches Leben im Saarland und gegen Antisemitismus. Ob man ihn eingeladen oder er den Job „freiwillig“ übernommen hatte, ist belanglos; seine Anwesenheit wäre für die Veranstalter auch dann ein Seriositätsgewinn gewesen, wenn er kein Wort gesagt hätte.
Der Beauftragte für jüdisches Leben im Saarland und gegen Antisemitismus nahm also an einem Tribunal teil, in dem Israel wegen „Völkermords“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ angeklagt wurde. Wenn das mal kein Geschmäckle hat, etwa so, als würde ein Vertreter der Black-Lives-Matter-Bewegung bei einer Versammlung des Ku-Klux-Klans mitmachen. Eine Presseanfrage unseres Kollegen Benny Weinthal, wie es dazu kommen konnte, beantwortete Prof. Dr. Roland Rixecker mit folgender Stellungnahme:
Sehr geehrter Herr Weinthal,
vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich habe am 09.07. der dringlichen Bitte des Präsidenten der Universität des Saarlandes entsprochen, eine Veranstaltung zu „moderieren“, zu der von Gruppen des linken politischen Spektrums und einer pro-palästinensischen Studierendengruppe eingeladen worden war. Der Präsident der Universität, der mit anderen Mitgliedern des Präsidiums der Universität anwesend war, hatte die Sorge, dass es zu einer Eskalation und zu Solidarisierungseffekten sowie zu antisemitischen Geschehnissen kommen könnte. Da ich Mitglied der Rechtswissenschaftlichen Fakultät bin und an diesem Abend kein anderes Mitglied der Universität dafür zur Verfügung stand, habe ich mich dieser Bitte nicht verschließen können. Auf der Veranstaltung ist in der Tat ein Amnesty International Bericht vorgestellt worden zum Vorwurf des angeblichen Völkermordes in Gaza.
Ich habe den etwa 50 Zuhörerinnen und Zuhörern gegenüber zu Beginn klargestellt, dass ich die Formulierungen, „Festellungen“ und Forderungen der Einladenden nicht billige, im Gegenteil. Ferner habe ich mich nach dem Vortrag der Vertreterin von AI unmissverständlich gegen deren Feststellungen und Begründungen gewandt, die belegen sollten, dass es eine genozidale Absicht der israelischen Regierung gebe, und dass internationale Gerichte einen Genozid festgestellt haben sollen. Auch dabei bin ich von einem Völkerrechtslehrer der Universität unterstützt worden. Ich will nicht verschweigen, dass ich auch mein Mitempfinden mit dem Leid unschuldiger ziviler Opfer in Gaza zum Ausdruck gebracht habe, allerdings gleichzeitig ausdrücklich auf das Leid unschuldiger ziviler Opfer der Terrororganisation HAMAS hingewiesen habe.
Die Synagogengemeinde Saar war von meiner Teilnahme selbstverständlich vorab unterrichtet worden. Ich habe von ihr keinen Widerspruch gehört.
Ich bedauere sehr, dass Versuche einer redlichen und kritischen Debatte im universitären Raum, die seitens der Universität und meinerseits von dem Motiv getragen waren, Eskalationen und Solidarisierungseffekte zu verhindern, durch Personen, die offenbar gar nicht anwesend gewesen sind, beanstandet werden. Ich füge an, dass ich nicht glaube, dass dies der guten Sache dient. Meine tief empfundene Freundschaft israelischen Bürgerinnen und Bürgern gegenüber beeinträchtigt das allerdings nicht.
Mit freundlichem Gruß
Prof. Dr. Roland Rixecker
Man muss Schlimmes tun, um noch Schlimmeres zu verhüten
Wir haben es hier mit einem Motiv zu tun, das schon mindestens zweimal in der deutschen Geschichte eine wichtige Rolle gespielt hat. Manchmal muss man Schlimmes tun, um noch Schlimmeres zu verhüten. Jedes zweite NSDAP-Mitglied trat der Partei bei, um sie von Innen zu unterwandern, Widerstandsnester zu bilden und den Opfern des Regimes beizustehen. Gleiches gilt für die Mitgliedschaft der SED. Der Übergang von der NSDAP zur SED war in vielen Fällen nur eine Formalie, die Fortsetzung des gleichen Traums unter veränderten Bedingungen. Und heute?
Heute übernimmt ein in allen Abwassern des Opportunismus gebadeter Antisemitismus-Beauftragter auf die „dringliche Bitte“ seines Vorgesetzten die „Moderation“ eines antisemitischen Spektakels, damit es nicht „zu antisemitischen Geschehnissen“ kommt. Diesen Witz kann man nur noch mit der Geschichte des Elternmörders toppen, der vor Gericht um mildernde Umstände bittet, weil er jetzt Vollwaise ist. Oder die eines Pyromanen, der Feuer legt, um anderen zuvor zu kommen. Im vorliegenden Fall war es der ubiquitäre Personalmangel, der dazu geführt hat, dass an diesem Abend kein anderes Mitglied der Universität dafür zur Verfügung stand, so dass Prof. Dr. Roland Rixecker sich opfern und einspringen musste. Er handelte in einer Art von Befehlsnotstand. Wer weiß, wie der Abend ohne seinen proaktiven Einsatz geendet hätte. Vielleicht mit einem Fackelzug zum Büro des Rektors? Oder einem Pogrom?
Das Schreiben des „Moderators“ wider Willen endet mit einer kryptischen Warnung und der Versicherung, seine tief empfundene Freundschaft israelischen Bürgerinnen und Bürgern gegenüber bleibe von alledem unberührt.
Da haben die Israelis noch mal Glück gehabt. Wenn einem so viel Gutes wird beschert, das ist schon mehr als einen Asbach Uralt wert.
Henryk M. Broder ist einer der Herausgeber der Achse des Guten.

@Karsten Dörre
„Ich sehe keinen Fauxpas. Wenn eine Univeranstaltung durch Moderation nicht zu linken oder rechten Ideologieausbrüchen ausartet, ist alles richtig gemacht worden.“
Der Ankündigungstext ist frei verfügbar und weist die Veranstaltung als linken Ideologieausbruch aus. Aber gut, dass Sie noch eine Univeranstaltung nebst hypothetischem rechtem Ausbruch hinzudifferenziert haben. Blinder noch als der, der nicht sehen kann, ist der, der nicht sehen will.
Gibts auch schon einen Beauftragten für die Amish People in Kreuzberg? Dessen Wirken wäre vermutlich genau so vielversprechend.
Demnächst wird man der Jüdischen Allgemeine ebenfalls einen Antisemitismus-Beauftragten an die Seite stellen.
@W. Weber: „Ich sehe es nicht so, dass man mit gewissen Menschen keinen Kontakt und keinen Meinungsaustausch pflegen sollte.“ Es geht hier – aus meiner Sicht – nicht darum, dass der Antisemitismusbeauftragte bei der Veranstaltung anwesend war, sondern dass er *offizieller Moderators* dieser Veranstaltung war. Ein großer Unterschied, denn dadurch hat er die Veranstaltung inkl. der Wortwahl der Ankündigung legitimiert (!!!). Denn es gab nur den Vortrag von Amnesty. Es war keine Podiumsdiskussion unter einem neutralen Titel, und in der Ankündigung wurden die Israelis „Faschist:innen“ genannt (und einiges mehr). Interessanterweise gibt es Uneinigkeit zwischen dem Antisemitismusbeauftragten und dem Verein Honestly Concerned, dem eine Audioaufzeichnung vorliegt, über die während der Veranstaltung gefallenen Äußerungen. (Vgl. meinen vorherigen Kommentar unten.) Wenn Herr Broder die Zeit und das Interesse hätte, sich die Aufzeichnung anzuhören und noch einen Artikel zu schreiben, würde ich sehr gerne wissen, inwieweit das tatsächlich Geäußerte und der Bericht des Antisemitismusbeauftragten über die Veranstaltung sich ggfs. widersprechen. Und noch zu Ihrem Kommentar: Ich rede auch viel mit Menschen, die gegensätzlicher Ansicht sind, wobei es allerdings Grenzen gibt. Wodurch ich im Lauf der Jahre sehr viel gelernt habe, u.a., dass man den Leuten tatsächlich erst einmal zuhören muss, um zu einer eigenständigen Einschätzung zu kommen. (Damit meine ich allerdings nicht Pro-Hamas-Leute.) Ich habe mir auch ein Gespräch zwischen U. Guérot und B. Höcke angeschaut (@ YT), obwohl ich in vielem nicht der Meinung von Frau Guérot bin, und Höcke furchtbar finde. Es war lohnenswert, da sie die AfD hier stellenweise sehr richtig eingeordnet und seziert hat (z.T. allerdings sowohl die AfD als auch Höcke zu sanft angegangen ist). Höcke wurde eingangs gefragt, ob er Demokrat sei, und er hat die Frage nicht beantwortet bzw. nur ausweichend reagiert. Honi soit qui mal y pense.
Klasse ! Der Professor- Doktor hat großes „ Mitempfinden mit den unschuldigen zivilen Opfern.“ ( der Juden ) Meint er die unschuldige, zivile Bevölkerung
von Gaza, die den barbarischen Massenmord an Israelischen Zivilisten frenetisch feierte? Oder wen meint er damit ? Kennt er welche persönlich ? Oder
hat er eine palästinensische Reinigungskraft zu Hause ? Fragen über Fragen …………
Seit Monaten sage ich jedem, der es hören will oder nicht: Natürlich darf Israel sich nicht gegen Terroristen wehren, die „Menschlichkeit“ nach deren Attacken muss gewahrt bleiben. Erst wenn in Israel kein Stein mehr auf dem anderen steht, der Wusch nach „From the River to …“ endlich in Erfüllung gegangen ist und vorsorglich alle Juden der Welt vernichtet wurden, dann, aber erst dann darf Israel zaghaft bei der UNO anfragen, ob es sich eventuell bielleicht wehren darf, natürlich im Rahmen der Menschlichkeit. Desweiteren sollten wir die Aufgabe bzw. die Benennung des ehrenwerten Professors im Wortlaut leicht abändern: Beauftragter gegenj jüdisches Leben im Saarland und für Antisemitismus. Das passt schon eher. Eine letzte Frage: Über wieviele Professoren, Dozenten und Dekane verfügt die Uni Saarbrücken, so dass nur der o. g. Herr zur Verfügung stand? Ist die Zahl der Lehrbeauftragten annähernd so groß wie die einer vierzügigen „Volksscule“ auf dem Dorf vor gefühlt 100 Jahren? Drei Lehrer (Klasse 1 bis 6) ein Hauptlehrer (Klasse 7 und 8)? Das passt anscheinend auch schon eher!
Mag sein, dass ich von gestern bin, wenn ich denke, dass eine Universität in erster Linie ein Ort der wissenschaftlichen Forschung und Lehre ist. Auffällig ist auch, dass solche Bewegungen, Vereine, Veranstaltungen immer wieder von Stidemten der „Geisteswissenschaften“ ausgehen; Studenten der MINT-Fächer und der Medizin/Zahnmedizin haben für solchen Quark schlicht keine Zeit, Juristen im Studium eigentlich auch nicht, all diese müssen „lernen, lernen und nochmals lernen“. (Soll Lenin beim Anblick von Ulbrichts Schulzeugnis gesagt haben, alter DDR-Witz.) Als Leitung einer Universität würde ich auf dem Campus Politkaspereien aus jeglicher Richtung, von AfD bis SED, untersagen. Auch der militante Islam hat dort nichts zu suchen, wie auch nirgendwo sonst in Europa.