August Bebel soll mal gesagt haben, der Antisemitismus sei „der Sozialismus der dummen Kerls“. Die „dummen Kerls“ von heute sind feingeistige Akademiker, die ein Massenmordversprechen zum Friedensangebot umdeuten.
Die Geschichte hat sich vor einem halben Jahr zugetragen, ist also nicht mehr taufrisch. Aber sie ist auch nicht veraltet, denn sie könnte jederzeit wieder passieren. Sie ahnen vermutlich, worum es geht – einmal mehr um Antisemitismus im Milieu der gebildeten Stände.
Am 10. Mai 2024 gab Ralf Michaels, Verfasser eines 2002 erschienenen Buches über „Sachzuordnung durch Kaufvertrag“ und seit 2019 Direktor des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg, dem Deutschlandfunk ein Interview darüber, wie Universitäten „mit den Protesten und Demonstrationen gegen Israel umgehen“ sollten. Die Fragen stellte Thomas Armbrüster, ein langjähriger Mitarbeiter des Deutschlandfunks. Sie können das Interview hier in voller Länge nachlesen, ich will Sie nur auf zwei Stellen hinweisen, die besondere Aufmerksamkeit verdienen.
Man werde dem Sachverhalt nicht gerecht, sagt Ralf Michaels, wenn man alle „Israel-bezogenen Parolen“ als „antisemitisch und als gefährlich für Juden“ ansehe. Wenn jemand Free Palestine ruft, „dann kann man dazu so stehen oder so, aber Free Palestine bezieht sich zunächst einmal nicht auf Juden in Deutschland“. Es gebe, wie in den USA, auch in Deutschland „jüdische Studierende, die… hier gegen die israelische Politik“ protestieren, deren Rechte man „berücksichtigen“ müsse. „Es ist also, wie immer in solchen Fragen, eine schwierige Abwägungsfrage.“
Man kann dazu so oder so stehen, wie es der Direktor des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht tut, weil alles eine Abwägungsfrage ist; wenn aber junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund sich vor dem Auswärtigen Amt einfinden, um ein Palästina „from the River to the Sea…“ zu fordern, dann gibt es kein „so oder so“ mehr, sondern nur noch so; es sei denn, man ist Experte für ausländisches und internationales Privatrecht und wird vom DLF um eine Stellungnahme zur Lage rund um Gaza gebeten, wo derzeit um die richtige Auslegung ausländischen und internationalen Privatrechts gerungen wird.
Was wirklich hinter dem Spruch steckt
Es kommt aber noch besser. Auf die Frage des Interviewers, was hinter diesem Spruch steht, ob man „implizieren“ könnte, „dass viele, die das rufen, meinen, Israel soll weg…, und alle Israelis sollen das Land verlassen“, antwortet der Direktor des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht, es sei „nicht richtig, dass das unbedingt hinter dem Spruch steht“. Die Parole From the River to the Sea „kommt zunächst einmal aus dem Parteiprogramm der israelischen Likud-Partei, ist dann aufgegriffen worden von palästinensischen Organisationen und dann später von der Hamas“. Es könnte sein, „dass einige, die den Spruch rufen, damit tatsächlich meinen, dass Israel abgeschafft werden soll“. Den „einigen“ stünden allerdings „viele“ gegenüber, „die damit meinen, dass Demokratie und Gleichberechtigung in dem ganzen Land erfolgen soll“. Allerdings gebe es „so eine komische Art in Deutschland einer Fremdzuschreibung, wo wir also besser wissen, was die Protestierenden wirklich meinen mit ihren Sprüchen, als die Protestierenden selbst“.
Habe ich Ihnen zu viel versprochen? Ich denke, nein. Spinnt man den von dem Fachmann für ausländisches und internationales Privatrecht initiierten Gedanken weiter, mit der Parole „Free Palestine” sei gemeint, „dass Demokratie und Gleichberechtigung in dem ganzen Land erfolgen soll“, stellt sich die Hamas-Operation vom 7. Oktober 2023 ganz anders da. Kein Blutbad, kein Pogrom, keine Generalprobe für die Befreiung Palästinas from the river to the sea, sondern ein Angebot an die israelische Seite, sich zusammenzusetzen, um über die Verwirklichung von „Demokratie und Gleichberechtigung in dem ganzen Land“ zu verhandeln. Leider wurde die Botschaft von den Israelis falsch verstanden, und auch in Deutschland kam es zu einer seltsamen „Fremdzuschreibung“, die sich darüber hinwegsetzte, „was die Protestierenden wirklich meinen mit ihren Sprüchen“.
August Bebel soll mal gesagt haben, der Antisemitismus sei „der Sozialismus der dummen Kerls“. Die „dummen Kerls“ von heute sind feingeistige Akademiker und penibel differenzierende Intellektuelle, die ein Massenmordversprechen so lange hin- und herwenden, bis es sich wie ein Friedensangebot anhört, frei von jeder „Fremdzuschreibung“.
Auslöschung bedeutet nicht unbedingt Auslöschung
Bleiben Sie bitte noch einen Moment dran, die Geschichte ist noch nicht auserzählt. Kaum hatte sich das Interview versendet, meldete die Berliner Journalistin Miriam Hollstein mit einem Post auf X Bedenken an:
„Ziemlich erschütterndes Interview mit Prof. Ralf Michaels, Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht. Er behauptet, ‚From the river to the sea…‘ bedeute nicht die Auslöschung Israels…“
Und jetzt kommt die Pointe, auf die Sie so lange gewartet haben. Miriam Hollsteins Anmerkung zu dem Interview mit Ralf Michaels rief den Lord Voldemort des deutschen Feuilletons auf den Plan, Patrick Bahners. Egal, ob er ein waschechter Antisemit ist oder nur ein Problem mit Juden hat, konnte er der Versuchung nicht widerstehen, Miriam Hollstein zu erklären, was es bedeutet, wenn jemand die „Auslöschung Israels“ herbeiredet. „Es bedeutet ja auch nicht notwendig die ‚Auslöschung‘ Israels. Es bedeutet zunächst nur, dass ein sog. freies Palästina an die Stelle des heutigen Staates Israel treten soll. ‚Auslöschung‘ suggeriert gewalttätige, sogar genozidale Mittel.“
Lustig, nicht wahr? „Auslöschung“ bedeutet „nicht notwendig“ die physische Vernichtung eines Landes und seiner Bewohner und schon gar nicht den Einsatz „genozidaler Mittel“.
Es soll nur ein „sog. freies Palästina an die Stelle des heutigen Israel“ treten, ganz gewaltlos im Wege einer Volksabstimmung unter Aufsicht der OSZE. Zur Erinnerung: Auch die „Endlösung der Judenfrage“ war „nicht notwendig“ auf die „Auslöschung“ des jüdischen Volkes angelegt. Es gab auch andere Optionen. Madagaskar, Uganda und Birobidschan, ein Siedlungsprojekt im äußersten Osten der Sowjetunion. Dass es dann doch Auschwitz, Majdanek und Sobibor wurde, war bedauerlich, aber nicht absehbar.
Umso wichtiger, dass sensible deutsche Vorausdenker sich jetzt schon Gedanken über eine humanitäre Lösung der Palästinafrage machen.
Henryk M. Broder ist einer der Herausgeber der Achse des Guten.

Ich sage mal, Sozialismus – egal ob national oder international – und Antisemitismus sind die gleichen dummen Kerls.
Sophistereien von Sophisten
Ach gut, übrigens gingen die Fußballkrawalle in Amsterdam eindeutig von randalierenden Maccabifans aus. Selbst einige Hauptstrommedien haben sich schon für die Fakenews über „antijüdische Pogrome“ entschuldigt. Fehlanzeige bei der „Achse“.
@Holger Kammel: Ich habe gerade mal nachgezählt – laut Wikipedia gibt es mittlerweile etwa 80 MPIs. Der Verein nennt sich „Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.“, also nicht nur Naturwissenschaften. Die Frage ist allerdings berechtigt, ob Jura (zwei Institute), „Erforschung von Gemeinschaftsgütern“, „Innovation und Wettbewerb“, „Sicherheit und Privatsphäre“, „Empirische Ästhetik“ (kein Witz!) – irgendetwas mit Wissenschaft zu tun haben (alles offizielle Titel von Instituten). Insgesamt werden in der MPG über 2,5 Mlliarden Euro umgesetzt (2021) – und die Kriterien für die Verwendung der Gelder sind mit „intransparent“ noch höflich umschrieben. Selbstverständlich gibt es dort gute, ehrliche und wesentliche Forschung, wie die 31 Nobelpreise seit 1954 zeigen, aber eben nicht nur…
Zitat:„August Bebel soll mal gesagt haben, der Antisemitismus sei “der Sozialismus der dummen Kerls„. Die “dummen Kerls„ von heute sind feingeistige Akademiker und penibel differenzierende Intellektuelle, die ein Massenmordversprechen so lange hin- und herwenden, bis es sich wie ein Friedensangebot anhört, frei von jeder “Fremdzuschreibung„.“ Intellektuelle sind nicht von Natur aus Schnellmerker. Im Gegenteil, Intellektuelle lernen ihr Wissen und ihre Intelligenz meist umfangreich an, was die Pipeline beim Denken deutlich verlängert, weil mehr Informationen zur Erkenntnisgewinnung herangezogen werden als bei Schnellmerkern. Das dumme ist: Die Empfänglichkeit für Manipulation wird dabei massiv erhöht. Denn je mehr (Fehl)information im Kopf aufgenommen werden kann weil der Kopf im Anlernen von Wissen trainiert ist, desto mehr wird sie Teil des Erkenntnisgewinns beim Durchdenken von Sachverhalten. Intellektualität geht also nicht unbedingt mit Schläue einher. Ein schlauer Mensch kommt sofort zu dem Ergebnis, dass ein international anerkannter Staat nicht einfach so in Frage zu stellen ist, denn wenn man damit anfängt, stellt man irgendwann jeden und damit auch den eigenen Staat infrage. Ein Intellektueller denkt erst mal lang und breit darüber nach, weil er immer alle verschiedenen Blickwinkel in seine Meinungsbildung einfließen lässt . Und genau da ist das Problem: Während ein schlauer Mensch niemals auf die Idee käme, seine Hand in kochendes Wasser zu tauchen, könnte ein Intellektueller ewig und drei Tage darüber nachdenken, ob es nicht doch eine Situation gäbe, in der das sinnvoll wäre. Insbesondere dann, wenn jemand neben ihm steht, der ihm das andauernd anrät. Wenn man Trotzki mit Stalin vergleicht, so war der Jude Trotzki ein Intellektueller, der Atheist Stalin ein Schlauer. Wer von beiden hat den inneren Zwist der Kommis gewonnen? Richtig: Stalin. Genau darum endet Sozialismus/Kommunismus immer in der Diktatur und die Juden haben immer den schwarzen Peter.
Da hat der Max in der Deutschen Wochenschau mal wieder planck gezogen. Der Slogan „Nieder mit dem Max Planck Institut“ würde nach Wochenschau Logik dann ja auch nicht seine Insassen betreffen, schliesslich wolle man ja ein gemeinsames Institut, mit denen die dort sind und die es platt machen wollen. Der Zwangsfunk bleibt dran.
Sieht so aus , als ob wir wieder an dem Punkt angelangt sind, der die Ausgangslage für Theodor Herzl darstellte. Assimilation funktioniert nicht. Damit hat er auh alles vorweggenommen hinsichtlich der Notwendigkeit Israels.