Redaktion / 06.12.2022 / 07:00 / Foto: Achgut.com / 10 / Seite ausdrucken

Der Achgut-Adventskalender (6): Nikolaus

Weihnachten“ von Kurt Tucholsky (1919)

Nikolaus der Gute
kommt mit einer Rute,
greift in seinen vollen Sack –
dir ein Päckchen – mir ein Pack.

Ruth Maria kriegt ein Buch
und ein Baumwolltaschentuch,

Noske einen Ehrensäbel
und ein Buch vom alten Bebel,
sozusagen zur Erheiterung,
zur Gelehrsamkeitserweiterung.

Marloh kriegt ein Kaiserbild
und nen blanken Ehrenschild.

Oberst Reinhard kriegt zum Hohn
die gesetzliche Pension.

Tante Lo, die, wie ihr wisst,
immer, immer müde ist,
kriegt von mir ein dickes Kissen.

Und auch hinter die Kulissen
kommt der gute Weihnachtsmann,
nimmt sich mancher Leute an,
schenkt da einen ganzen Sack guten alten Kunstgeschmack.

Schenkt der Orska alle Rollen
Wedekinder, kesse Bollen –
(Hosenrollen mag sie nicht:
dabei sieht man nur Gesicht …).

Der kriegt eine Bauerntruhe,
Fräulein Hippel neue Schuhe,
jener hält die liebste Hand –

Und das Land? Und das Land?

Bitt ich dich, so sehr ich kann:
Schenk ihm Ruhe – lieber Weihnachtsmann!

Foto: Achgut.com

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Arne Ausländer / 06.12.2022

@Werner Arning & Robert Krischik: Die Coca-Cola-Werbekampagne, die das heutige Bild des Weihnachtsmann geprägt hat, fand m.W. erst in den 1920ern statt, also erst nachdem Tucholsky dieses Gedicht geschrieben hatte. Die Unschärfe bei der Unterscheidung zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann findet sich in älteren Texten häufiger. Und der Weihnachtsmann heißt ja im Englischen bis heute “Santa Claus”, also Sankt Nikolaus. Da wurden also - wie so oft - volkstümliche Traditionen munter vermischt und verschoben. Mit eigentlichem Glauben hat das wenig zu tun, weder mit christlichem noch mit alt-heidnischem. Die Feinheiten zu St. Niklaus und Weihnachtsmann überlasse ich daher den Erforschern der modernen Volkskunde.

Ilona Grimm / 06.12.2022

Den nachstehenden Text habe ich soeben (13.30 Uhr) von einem lieben Menschen zugeschickt bekommen: → Eine wohlhabende Dame, die in ihren späteren Jahren zum christlichen Glauben gefunden hatte, ging von ihrer Enkelin begleitet auf einer Geschäftsstraße spazieren. Als ein Bettler sie ansprach, hörte die Frau seiner Geschichte geduldig zu. Dann nahm sie einen Geldschein aus ihrer Handtasche und legte ihn in seine Hand. An der nächsten Straßenecke stand ein Freiwilliger der Heilsarmee und die alte Dame ließ eine Spende in den Kessel fallen. Ihr Enkelkind schaute sie voller Neugier an und sagte: »Großmama, du musst schon viel verloren haben, seit du Christin geworden bist, oder?«»Ja, meine Liebe«, sagte die alte Dame, »das habe ich wohl. Ich habe mein aufbrausendes Wesen verloren, meine Gewohnheit, andere zu kritisieren, und meine Neigung, meine Freizeit mit nichtigen sozialen Anlässen zu verbringen und mit Vergnügungen, die nichts bedeuten. Ich habe auch einen Geist der Habgier und der Selbstsucht verloren. Ja, bestimmt, ich habe sehr viel verloren! – Aber was ich gewonnen habe, ist unschätzbar: einen tiefen Frieden; Kraft im Gebet; einen Freund, der immer bei mir ist, der mich kennt, liebt und beschützt; persönliche Erfüllung und einen Lebensinhalt, von dem ich nicht einmal wusste, dass er existierte; Glaube, der mir keinen Raum für Angst lässt; eine Verheißung von einem wunderbaren Himmlischen Heim, wenn es für mich mit diesem irdischen vorbei ist – und noch viel mehr! Ja, ich bin glücklich über das, was ich verloren habe; und was ich gewonnen habe ist von unschätzbarem Wert!« ← Allen Lesern einen im eigentlichen Sinne gesegneten Advent!

Ilona Grimm / 06.12.2022

Das soll ein Adventskalender sein? Thema voll verfehlt! Aber sicher ganz im Sinne von unserer Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Gucken Sie mal bei der „Weltwoche“ rein, da gibt es auch einen Adventskalender. Erstens sehr nett anzusehen, zweitens interaktiv, so dass man selber die Türchen öffnen kann, und drittens den Sinn des Advents (Vorbereitung auf das Christfest = Jesu Geburtstag) erfassend und viertens sogar mit einem veritablen Pfarrer. Ganz locker und trotzdem unserer abendländischen Kultur gemäß. Atheistische Adventskalender haben wir das ganze Jahr über, jeden Tag. Advent heißt bekanntlich „Ankunft“. Aber was kommt hierzulande an? Wohin der Atheismus (Christenhass, Judenhass) führt, erleben wir alle hautnah, vielleicht näher denn je zuvor. Aber auch in diesem Fall ist das Gros des Volkes blind und taub. Und weigert sich, die Petersilie aus den Ohren und die Tomaten von den Augen zu nehmen.

Robert Krischik / 06.12.2022

Ich bin verwirrt, verwandelt sich der Nikolaus im Laufe des Gedichts zum Weihnachtsmann? Und wäre das eine Beförderung oder eine Degradierung?

WF Beck / 06.12.2022

In Schland kommt jeden Tag St. Nikolaus packt für alle Mühseligen und Geknechteten ein Päckchen aus, nur für Michels reicht’s nicht mehr, deshalb muß ein Wumms jetzt her. Der größte Weihnachtsmann im Land, ist hier als Bundeskanzler allseits bekannt. Die Verteilungsmillionen hat er Michel, vorab gestohlen. Das Geld das wächst ja hier auf Bäumen und Michel darf als Gutmensch träumen.

Werner Arning / 06.12.2022

Tucholsky vermischt in seinem Gedicht Weihnachen und Nikolaus. In katholischen Gegenden gab es früher zunächst den Nikolaus (am 6.) und dann am 24. das Christkind. Ich stellte mir das Christkind wie ein kleines Mädchen mit weißem Kleid vor. Sehen durfte es nur mein Vater. Wenn er dann mit ihm gesprochen hatte und es ihm die Geschenke überreicht hatte, läutete er mit einer Glocke. Bis dahin wurde im Stübchen gesungen. Nach dem Glockengeläut gab es allerdings kein Halten. Das Mädchen war dann immer schon wieder weg. Wahrscheinlich schon bei den Nachbarn. Der Weihnachtsmann hingegen sah aus wie der Bischof Nikolaus. Ich glaube, Coca Cola hat ihm zum Durchbruch verholfen.

Ralf.Michael / 06.12.2022

Nikolaus ? Echt jetzt ?  Der Afrokrainische oder der Ukrainische ? #ME_NOT

finn waidjuk / 06.12.2022

Soweit ich mich erinnere, wurde uns das Pack nicht vom Nikolaus beschert. Das verdanken wir einer Person aus der Uckermarck, die große Ähnlichkeit mit dem Sack von Knecht Ruprecht aufwies.

Michael Fasse / 06.12.2022

Ruhe finden? „So spricht der Herr zu seinem Volk: „Stellt euch an die Straßen, und erkundigt euch, welchen Weg eure Vorfahren (das sind die, die nach dem Zweiten Weltkrieg, als Deutschland über Jahrzehnte Ruhe hatte, noch in den Kirchen saßen!) gegangen sind. Fragt nach dem richtigen Weg, und dann beschreitet ihn. SO FINDET IHR RUHE für euer Leben. Aber ihr sagt: ›Nein, diesen Weg gehen wir nicht!‹“ (Jeremia 6,16) Und darum wird Deutschland keine Ruhe bekommen. Denn es fragt nicht mehr nach dem Willen Gottes. Im Gegenteil! Es tritt ihn sogar inzwischen mit der Einführung der Ehe für alle, sozusagen regierungsamtlich, mit Füßen.

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