Von Brendan O’Neill.
„Das zionistische Regime schmilzt vor den Augen der Welt“, jubelte Ayatollah Khamenei nach dem Pogrom der Hamas am 7. Oktober 2023 und prophezeite den Untergang Israels. Seine Aussage fand ein Echo in den zahlreichen israelfeindlichen Kreisen, bei den pro-palästinensischen Demonstrationen und unter den Aktivisten, die den Slogan „From the river to the sea“ zur Kampfparole erhoben. Linke Hitzköpfe waren sich einig, dass die Invasion Israels durch die Stellvertreter des Irans eine gewisse Berechtigung habe, da sie den Kampf gegen den Imperialismus beschleunigen würde.
Nun, im Jahr 2026 – etwas mehr als zwei Jahre später – ist das Einzige, was „vor den Augen der Welt schmilzt“, die Islamische Republik selbst. All die schrecklichen Dinge, von denen Khamenei dachte, dass sie Israel widerfahren würden, sind in Wirklichkeit seinem eigenen Regime widerfahren. Israel sei „in eine Sackgasse geraten“, aus der es „nicht mehr herauskomme“, prahlte er. Lustigerweise befindet er sich wahrscheinlich gerade jetzt buchstäblich in einem Korridor oder in einem schäbigen Zimmer, in dem er sich vor der unerbittlichen Wut der glorreichen iranischen Revolte versteckt.
Die Islamische Republik dachte, sie hätte am 7. Oktober 2023 das Todesurteil für Israel unterschrieben – doch vielleicht hat sie damit ihr eigenes unterschrieben. Zunehmend entsteht der Eindruck, dass dieser Karneval der rassistischen Gewalt nicht nur der schlimmste Akt der Schädigung der Juden seit dem Holocaust war, sondern auch der schlimmste Akt der Selbstschädigung, den radikale Islamisten je begangen haben. Einer nach dem anderen wurden diejenigen dezimiert, die ihn verübt oder unterstützt haben: die Hamas, die Hisbollah und die Houthis. Und nun steht der Nutznießer ihrer Barbarei am Rande der Vergessenheit – ein Opfer seiner eigenen Hybris und seines Hasses.
Es lohnt sich, an das existenzielle Gejohle des Regimes nach dem 7. Oktober zu erinnern. Es sei ein „großer Schlag für Israel“, sagte Khamenei. Der Angriff vom 7. Oktober werde einen „schwarzen Fleck“ auf dem „zionistischen Gebilde“ hinterlassen, meinte Hamas-Führer Khaled Meshaal. „Der Sieg ist nah”, sagte er. Doch die Niederlage ist näher gerückt. Jeder, der voreilig auf dem Grab des jüdischen Staates getanzt hat, muss miterleben, wie seine eigenen Bewegungen und Ideologien von den Rückwirkungen seines bösartigen Vorgehens gegen die Juden aufgefressen wurden.
Verschwendungssucht des Regimes im Krieg gegen die Juden
Die Hamas wurde abgewürgt. Ihre Führer, darunter Yahya Sinwar, der Hauptverantwortliche für den 7. Oktober, sind tot. Die Armee der Antisemiten ist vielleicht nicht am Ende, aber sie ist dezimiert. Sie hat nach ihrer ‚Degradierung‘ durch die IDF „beträchtliche Verluste“ erlitten, sowohl beim Personal als auch bei ihren finanziellen Mitteln. Der Hisbollah ist es sogar noch schlechter ergangen. Sie schloss sich nach dem 7. Oktober der bigotten Hamas an und ließ Raketen auf Nordisrael niederregnen, um „das zionistische Gebilde zu zerstören“. Das Einzige, was sie zerstört hat, war sie selbst.
Die Ermordung ihres geistigen Führers Hassan Nasrallah durch Israel versetzte ihr einen tödlichen Schlag. Im selben Monat – September 2024 – schaltete Israel mit einem Schlag in Beirut praktisch die gesamte Kommandostruktur der Hisbollah aus. Die außergewöhnliche Pager-Operation, bei der Tausende von Pagern und Walkie-Talkies gleichzeitig in den Hosentaschen der Hisbollah-Schläger explodierten, brachte der Miliz eine weitere Demütigung ein. Operation „Grim Beeper" wurde sie genannt. Zurzeit ist die libanesische Regierung dabei, die Hisbollah zu entwaffnen. Was für ein Segen für die Menschheit: die Islamische Republik in den Seilen, während eine ihrer grausamsten Milizen kleinlaut ihre Waffen abgibt.
Und dann ist da noch das iranische Regime selbst. Es ist in ernsthafter Gefahr, dank der erstaunlich mutigen Männer und Frauen, die sich gegen es erheben. Diese Kämpfer für die Freiheit sind die brillanten Agenten des Mullahkampfs und beweisen der Welt, dass selbst die skrupellosesten Regime von denen, die sie unterdrücken, zur Rechenschaft gezogen werden können. Und doch war es die tödliche Torheit des 7. Oktober mit ihrer faschistischen Eitelkeit, die den Weg für die Regimekrise ebnete. Die obsessiven Schikanen der Mullahs gegen den jüdischen Staat haben die Geduld des iranischen Volkes bis an ihre Grenzen strapaziert.
Die Verschwendungssucht des Regimes im Krieg gegen die Juden machte Teile der iranischen Bevölkerung wütend. Während der Rial gegenüber dem US-Dollar immer weiter an Wert verlor, was große Not verursachte, gab das Regime weiterhin Milliarden für seine antisemitischen Stellvertreter aus. Schätzungen zufolge hat es seit 2012 20 Milliarden Dollar für die Hisbollah und die Hamas ausgegeben. Die Kosten der Raketenangriffe auf Israel sind für den Iran – und vor allem für das iranische Volk – außergewöhnlich hoch. So kostete das Sperrfeuer ballistischer Raketen, das das Regime am 1. Oktober 2024 an nur einem Tag auf Israel abfeuerte, den Iran atemberaubende 2,3 Milliarden Dollar. Das ist sechsmal so viel, wie es Israel kostete, die Raketen abzuwehren.
Die Islamo-Linke will, dass das iranische Regime überlebt
Der Zwölftagekrieg zwischen dem Iran und Israel im Juni des vergangenen Jahres hat dem Iran erhebliche Kosten verursacht. Als Vergeltung für die iranischen Angriffe griff Israel wichtige Infrastrukturen in 27 iranischen Provinzen an, darunter Flughäfen, Öl- und Gasdepots sowie die nukleare Infrastruktur. Die Kosten für den Iran gingen in die Milliarden. Auch der iranische Gegenschlag auf Israel kostete Milliarden. Der Zwölftagekrieg belastete „die ohnehin schon angeschlagene iranische Wirtschaft enorm“, wie ein Beobachter es ausdrückte. Und das in einem Land, in dem rund 80 Prozent der Bevölkerung „die tägliche Zufuhr von 2100 Kalorien nicht erreichen”.
Die kosmische Abneigung der Mullahs gegen den jüdischen Staat traf das iranische Volk hart. Die Ladenbesitzer und Studenten im Iran mussten mit ansehen, wie ihr Geld an Wert verlor, während die Theokraten Milliarden an die reichen Rassisten schickten, die die Hamas und Hisbollah anführen. Kein Wunder, dass einer der Schlachtrufe auf den Straßen lautet: „Weder Gaza noch Libanon, mein Leben für den Iran!“ Kurz gesagt: Keine verschwenderische, boshafte Kriegstreiberei mehr dort drüben – konzentriert euch stattdessen auf hier!
Nach dem Zwölftagekrieg prognostizierten westliche Linke, dass Israels Schläge gegen den Iran das iranische Volk dazu bringen würden, sich hinter die Mullahs zu stellen. Das Gegenteil war jedoch der Fall. Millionen von Menschen sind von der verschwenderischen Falschheit des Regimes angewidert und fordern nun offen, dass es „Gaza und Libanon“ vergisst. Was für eine außergewöhnliche Situation: Die privilegierten Kufiya-Klassen des Westens sehnen sich nach weiteren Angriffen auf den jüdischen Staat, während die iranischen Rebellen „Genug!“ sagen. Unsere eigene Islamo-Linke will instinktiv, dass das iranische Regime überlebt – in dem katastrophal törichten Glauben, es stelle ein Gegengewicht zum Westen, zum Kapitalismus und zu Israel dar. Die iranischen Demonstranten hingegen wollen es sterben sehen, da sie zutreffenderweise überzeugt sind, dass es ein Gegengewicht zu ihrer eigenen Freiheit und zur Vernunft selbst darstellt.
Einige Pseudolinke behaupten, die „zionistische Lobby“ stecke hinter dem Aufstand im Iran. Es zeugt von ihrer eigenen orientalistischen Bigotterie, dass sie die Aufständischen so leichtfertig ihrer Handlungsfähigkeit berauben und zu willfährigen Werkzeugen der Juden machen. Während der 7. Oktober die Frage nach der Zukunft des Irans in den Vordergrund gerückt hat, ist es in Wahrheit das iranische Volk, das diese Frage beantworten wird. Und Millionen sagen: „Nie wieder Islamismus, nie wieder Theokratie, nie wieder Krieg in Gaza und im Libanon“. Sie wollen, dass der Iran das islamofaschistische Experiment hinter sich lässt und wieder seinen Platz unter den großen Zivilisationen einnimmt. Das wollen alle guten Menschen.
Brendan O’Neill ist der politische Chefautor von spiked und Gastgeber des spiked-Podcasts The Brendan O’Neill Show. Er ist Autor von A Heretic’s Manifesto: Essays on the Unsayable und Sie finden ihn auf Instagram: @burntoakboy. Mehr von Brendan O´Neill lesen Sie in dem aktuellen Buch „Grenzen und Spaltungen – Immigration nach Europa“.
Dieser Beitrag erschien zuerst in Novo-Argumente auf deutsch und zuvor britischen Magazin Spiked. Aus dem Englischen übersetzt von Sabine Beppler-Spahl.
Beitragsbild: Dashcam footage: No human authorship -https://www.timesofisrael.com/liveblog_entry/tv-police-probe-of-reim-massacre-shows-terrorists-didnt-know-about-party-in-advance/, Public Domain, via Wikimedia Commons
Möglicherweise war der 7. Oktober Netanjahus größter Fehler; denn der zog die Hälfte der Gaza-Grenzschützer entgegen Warnungen aus deren Kreisen wegen irgendwelcher Festivitäten ins Westjordanland ab. Derselbe Netanjahu hoffte zuvor, sich mit der Hamas und Saudi-Arabien ein Groß-Israel light beschaffen zu können. Das ist alles dokumentiert und halt dumm gelaufen.
Die Opfer der Hamas waren eine aus Überheblichkeit Tel Avivs nicht einkalkulierte Folge und sind auch mit den daraufhin aus reiner Rache in Gaza erwirkten zwanzigfach höheren Toten nicht kompensiert. Davon wird nämlich kein gemeuchelter israelischer Siedler oder Festivalbesucher wieder lebendig, und die betroffenen Familien dürften mehrheitlich kaum noch zu Bibis Fanclub gehören.
Der Hass auf Israel und die Juden ist nur einer von vielen Schattenaspekten dieses Regimes. Unter ihrer fundamentalistischen Ideologie haben auch zahlreiche Iraner selbst gelitten. Viele haben diesen Religionsfaschismus jedoch auch mitgetragen. Die Ideologie dahinter ist das eigentliche Problem. Es bleibt abzuwarten, wie viel vom Glauben an die Überlegenheit der eigenen Religion und dem Willen, ihn der ganzen Welt aufzuzwingen, nach dem Verschwinden des Mullah-Regimes noch übrig bleibt. Die saudi-arabischen Glaubenskrieger beispielsweise mögen zwar eleganter und geschmeidiger daherkommen…das macht sie aber nicht minder gefährlich.
Über den 7.10. wissen wir immer noch zu wenig. in israel wird recht offen über die seltsamen vorfälle berichtet. für mich stinkt da viel, es gab warnungen, es hat in dem winzigen land ewig gedauert, bis hilfe kam usw.usw.
soldaten berichten hochinteressantes, am besten mal in israelische zeitungen recherchieren, die medien funktionieren dort weit besser als hier.
ich habe noch kein urteil gefällt.
„Er hat sich niedergelegt wie ein Löwe und wie ein junger Löwe; wer will sich gegen ihn auflehnen? Gesegnet sei, der dich segnet, und verflucht, der dir flucht!“ – lautet Bileams Segensspruch über Israel. Doch auch der Iran ist ein Löwe, Lion and Sun.
Ich habe vor ein paar Tagen ein lustiges Video gesehen. Vor der Universität propagierte der Direktor per Megaphon „Tod für Amerika, Tod für Israel“ und es schallte zurück „Tod für Palästina“. Der Direktor versuchte es abermals aber immer die gleich Antwort kam zurück. An unseren Universitäten hätte er mehr Erfolg mit seinen Parolen.
Der Islam muss seit Jahrhunderten zurückgedrängt werden. Und das geht nur mit Gegen-Gewalt! Was ich von Islamisten halte, darf ich leider nicht schreiben… sonst Bademantel…
Vielleicht reagieren die linken Kräfte ausnahmsweise ja ganz pragmatisch. Alles soll so bleiben im Iran, weil ansonsten hunderttausende geisteskranke Narren beim Grüßonkel in der Villa Hammerschmidt politisches Asyl beantragen. Und es wohlmöglich auch bekommen. Eine sozialistische Krähe hackt der anderen kein Auge aus und der Marxismus stünde – auch finanziell – weit besser dar, wenn er für seine auf Erden offensichtlich nicht zu realisierende Irrlehre endlich Religionsstatus beantragen würde. Speziell seine deutschen Meßdiener sind an verbohrter Holzköpfigkeit nicht zu überbieten. Doch doch, Islam und Marxismus werden – wo, wenn nicht hier- eine große Zukunft haben.