Während Israel international immer wieder für seine Präsenz in den sogenannten besetzten Gebieten verurteilt wird, ist es genau diese Präsenz, die den 7. Oktober im Westjordanland verhindert hat. In Gaza fehlte diese Kontrollstruktur – mit tödlichen Konsequenzen.
Von Helena Bauernfeind.
Die Diskussion um die sogenannten besetzten Gebiete – insbesondere das Westjordanland (Judäa und Samaria) – wird international oft unter falschen Annahmen geführt. Die Kernthese vieler Kritiker lautet: Würde Israel sich vollständig zurückziehen, käme der Frieden. Doch diese These ist nicht nur empirisch widerlegt – sie wurde am 7. Oktober 2023 auf grausamste Weise zerstört.
Denn Gaza, aus dem sich Israel 2005 vollständig zurückgezogen hat – inklusive Räumung sämtlicher Siedlungen und Militäreinrichtungen –, wurde nicht zum Modell eines friedlichen palästinensischen Staates. Es wurde zu einer Terrorfestung der Hamas. Israel überließ den Gazastreifen den Palästinensern in der Hoffnung, sie würden ihn zu einem Ort des Aufbaus machen. Stattdessen wurden die verlassenen Gewächshäuser zerstört, iranische Raketen hineingeschmuggelt, Tunnelsysteme gegraben und Kinder in Camps zu „Märtyrern“ ausgebildet.
Und am 7. Oktober 2023 kulminierte dieser Hass in einem Pogrom: Über 1.200 Menschen wurden in Israel ermordet – Babys, Frauen, alte Menschen, ganze Familien. Nicht im Westjordanland. Nicht in einem umstrittenen Grenzgebiet. Sondern in Kibbuzim, auf einem Musikfestival – tief im anerkannten Staatsgebiet Israels. In einem Gebiet, das keine „Besatzung“ kannte. Dort, wo der Schin Bet eben nicht vor Ort war, um solche Massaker rechtzeitig zu verhindern.
Auch in Hebron, Nablus oder Dschenin
Diese schreckliche Realität führt eine unbequeme Wahrheit vor Augen: Nicht die Grenzen sind das Problem, sondern die Ideologie, die auf Vernichtung statt Koexistenz setzt. Und diese Ideologie ist nicht auf Gaza beschränkt. Auch in Hebron, Nablus oder Dschenin existieren dieselben Netzwerke – mit dem Unterschied, dass Israel dort noch in der Lage ist, rechtzeitig zu reagieren. Gerade weil es Präsenz zeigt. Gerade weil es den Schin Bet hat. Gerade weil es dort keine völlige Autonomisierung wie in Gaza zugelassen hat.
Ein Rückzug Israels aus dem Westjordanland unter derzeitigen Bedingungen wäre nicht Frieden durch Rückgabe – es wäre die Wiederholung des Desasters von Gaza in strategisch noch gefährlicherem Terrain: mitten im Herzen des Landes, wenige Kilometer von Jerusalem, Tel Aviv oder dem Ben-Gurion-Flughafen entfernt.
Die tragische Ironie: Während Israel international immer wieder für seine Präsenz in den sogenannten besetzten Gebieten verurteilt wird, ist es genau diese Präsenz, die den 7. Oktober im Westjordanland verhindert hat. In Gaza fehlte diese Kontrollstruktur – mit tödlichen Konsequenzen.
Frieden braucht Partner, nicht nur Landkarten. Und solange Organisationen wie die Hamas, der Islamische Dschihad oder ihre Derivate in Judäa und Samaria aktiv sind, ist die Forderung nach einem vollständigen Rückzug Israels aus Sicherheitslogik nicht nur naiv – sie ist gefährlich.
Keine Wiederholung von Gaza
Die Verteidigung Israels ist nicht Ausdruck eines imperialen Anspruchs – sondern bitteres Ergebnis historischer Erfahrung. Wer aus Hebron heute einen zweiten Gazastreifen macht, muss sich fragen lassen, ob er bereit ist, auch einen zweiten 7. Oktober in Kauf zu nehmen.
Israel strebt keinen ewigen militärischen Ausnahmezustand – aber es kann und darf die Verantwortung für seine Sicherheit nicht auf ein Vakuum übertragen. In Gaza ist dieses Vakuum mit Blut gefüllt worden. In Hebron wurde es gerade noch verhindert.
Wer also über „Besatzung“ redet, muss auch über Verantwortung reden. Und über Wahrheit. Und über den 7. Oktober. Denn Gaza war frei – und genau darin lag das Problem.
Helena Bauernfeind, geb. 1970, aufgewachsen im Frankfurter Raum, lebt seit 1992 in Israel und schreibt seit dem 7. Oktober 2023 ein Online-Tagebuch auf FB.
„Die Verteidigung Israels ist nicht Ausdruck eines imperialen Anspruchs“. Vgl. :„Wir werden den jüdischen israelischen Staat hier auf diesem Boden errichten“, verkündete Verteidigungsminister Israel Katz am Freitag bei einem Besuch im Norden des Westjordanlandes…Mit dieser „historischen Entscheidung“ werde Israel die Kontrolle über „Judäa und Samaria“ – das sind die biblischen Namen für das palästinensische Westjordanland – stärken und den „historischen Anspruch auf das Land von Israel verankern“(Quelle tagesspiegel de , 30.05.2025). Selbsterklärend …
Bitte machen Sie sich nicht den Begriff des „Palästinensers“ in dieser Art zu eigen. Das zementiert nur den vollständigen Anspruch jener Araber auf das Gebiet des ehemaligen Mandatsgebietes und unterschlägt das andere knappe Drittel der Bewohner, die Jischuv, Christen und Drusen…
Ariel Sharon hat sich schon etwas dabei gedacht, als er den Gaza-Streifen samt den Messerstechern, Bombenbastlern, Prekariern und Vielgebährenden abgestoßen und das Westjordan-Land ausgemauert hat. Die Juden WOLLEN aus sehr nachvollziehbaren Gründen diese Gebiete nicht annektieren – denn dann müssten sie die dortige arabische Bevölkerung entweder völkerrechtswidrig deportieren, oder, noch schlimmer, einbürgern und als vollwertige Staatsbürger behandeln. Dieses Dauerprovisorium der Nicht-Lösung ist vielleicht tatsächlich das Beste für die Juden. Es setzt aber voraus, dass man die Grenzen hermetisch abriegelt und schützt. Wenn man sich vor Augen hält, dass die Sicherheitskräfte ganze Führungsriegen der Iraner, der Hizbollah und der Hamas liquidieren, Spreng-Handys verteilen und über jeden Hauch im Feindesland Bescheid wissen können, ist es doch ziemlich merkwürdig, wie blind, unvorbereitet und untätig sie im Oktober 2023 waren!