Peter Grimm / 13.11.2017 / 15:06 / 13 / Seite ausdrucken

Denunzieren heißt jetzt Zivilcourage

Vor etwa einem Jahr versuchte ein Mitarbeiter der Werbeagentur Scholz & Friends, die "Achse des Guten" kaputt zu machen. Er hat es nicht geschafft. Aufgrund einer denunziatorischen Boykott-Aktion, die sich vorgeblich gegen rechts richtete, tatsächlich aber auf das kritische Bürgertum zielte, verloren wir zwar fast alle Werbekunden. Dank der ideellen und finanziellen Unterstützung unserer Leser wächst und gedeiht Achgut.com aber weiter. Es war nicht der einzige Angriff auf die Meinungsfreiheit im vergangenen Jahr. Eine Bilanz zeigt: Man kann sich wehren und man ist nicht allein.

Das Muster ist grundsätzlich nicht neu. Zuerst denunziert man jemanden als „rechts“, wohl wissend, dass dies heutzutage meist sofort als rechtsradikal oder rechtsextrem verstanden wird. Ist dieses Stigma in der Welt, ist jedwede Ausgrenzung akzeptabel. So tat es vor einem Jahr Gerald Hensel, damals „Executive Strategy Director Digital“ der Werbeagentur Scholz & Friends. Mit dem Ansehen der Agentur im Rücken – sie zählt neben namhaften Unternehmen auch die Bundesregierung und EU-Institutionen zu ihren Kunden – begann er die Kampagne „Kein Geld für rechts“.

Seine Idee: Mit einem Werbeboykott sollte vermeintlich rechten Blogs die finanzielle Basis entzogen werden. Allerdings waren es zuerst dezidiert liberale Seiten, wie die "Achse des Guten" oder "Tichys Einblick", die der Werbeprofi angegriffen hat. Er wusste genau: Wenn er Unternehmen und Agenturen vor vermeintlich rechten Webseiten warnt, werden die Werbekunden nicht lange Inhalte prüfen, sondern mit einem Klick die Reklame sperren, um Ärger zu vermeiden. Es trat das ein, was Hensel erwartet hatte: Die Werbeeinnahmen der "Achse des Guten" brachen dramatisch ein. Die Existenz von Achgut.com stand in Frage.

Doch was dann geschah, folgte nicht mehr Hensels Drehbuch. Die "Achse" machte die hinterhältigen Boykottaufrufe öffentlich und erhielt unerwartet viel Zuspruch und Unterstützung. Die Empörung über den Versuch, auf diese Weise unabhängige Stimmen zum Schweigen zu bringen, war groß. So groß, dass der Initiator der Kampagne für Scholz & Friends nicht mehr zu halten war. Hensel musste die Agentur verlassen und stilisiert sich seitdem als Opfer im „Kampf gegen rechts“. Ein Jahr später ist er nach wie vor aktiv, in einer neuen Agentur und mit einer neuen Initiative. In seinem Sinne gibt es jetzt auch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz des Heiko Maas, mit dem Betreiber sozialer Netzwerke zur Löschung angezeigter Inhalte angehalten werden.

Die "Achse" leidet immer noch unter dem Wegfall der meisten Werbeeinnahmen, doch die Leser sichern mit ihren Patenschaften die weitere Existenz. Das wird auch weiterhin nötig sein. Das Klima für die Meinungsfreiheit wird derzeit rauer, aber gegen diesen Klimawandel kann man etwas tun.

Eine Auflistung der bisherigen Beiträge zu diesem Thema mit vielen zusätzlichen Informationen lesen Sie hier:

Dossier Denunzianten-Gate

Lesen Sie zum selben Themenkreis auch:

Dossier: Zensur 4.0

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Edgar Timm / 14.11.2017

Ich werde noch heute die nächste Zahlung leisten - macht weiter so!

Corinne Henker / 14.11.2017

Es geht noch weiter. Neuerdings werden sogar Preise für “Zivilcourage” an Denunzianten verliehen: in Berlin an eine 15-jährige, die ihre Klassenkameraden wegen rechter Gesinnung verpetzt und - heute auf WDR gehört - an einen jungen Mann, der einen anderen angezeigt hat, weil dieser (angetrunken?) den Hitlergruß gezeigt hat. Natürlich sollten radikale Übergriffe angezeigt und entsprechend der Gesetzeslage bestraft werden, aber muss man die Anzeigenden unbedingt auszeichnen? Und seit wann ist es Zivilcourage, dem Mainstream zu folgen? Sollte man nicht lieber diejenigen auszeichnen, die unter Einsatz des eigenen Lebens eingreifen, wenn z.B. eine “Gruppe von jungen Männern mit südländischem Aussehen” mal wieder versucht, ein junges Mädchen zu vergewaltigen oder einen Rentner zusammenschlägt? Das passiert ja mittlerweile fast täglich. Gibt es vielleicht nicht genügend Preise, um diejenigen, die hier echten Mut beweisen, auszuzeichnen? Oder liegt es doch nur daran, dass man gewisse Fakten lieber totschweigt, um sich weiterhin beruhigt dem “Kampf gegen Rechts” widmen zu können? Sollte es aber dann nicht lieber “Kampf gegen das Recht” heißen?

Rudolf George / 14.11.2017

Mich erschrecken diese Typen, die mit ihrer Mischung aus Gewissenlosigkeit und ideologischem Eifer Mielkesche Musterknaben geworden wären, wenn sie nur die Gelegenheit dazu gehabt hätten.

B.Kröger / 14.11.2017

Dass es Denunziantentum in Deutschland nach wie vor gibt, ist nicht wirklich überraschend. Erschütternd ist für mich aber die Tatsache, dass sich so viele Menschen in unserem Land einschüchtern lassen! Erst dieses Angstverhalten macht den Denunzianten stark.  In einem demokratischen Land darf das so nicht sein! Bitte mehr Mut, mehr Zivilcourage! Das gilt auch für die Anzeigenwerbung! Vielen Dank an die Redakteure der Achse und bitte weitermachen!

Leane Kamari / 14.11.2017

Ironie - durch die Hensel Aktivitäten wurde ich auf die Achse aufmerksam und bin nun eine treue Leserin und zahlende Patin. Der Schuß ging also nach hinten los :)

beat schaller / 14.11.2017

Hervorragender Bericht, einfach nicht nachvollziehbar für mich ist, dass ein solcher Wendehals und Schmutzfink dann, wenn bereits alles auf dem Kopf steht, immer noch (öffentliche) Plattformen findet, auf denen er weiter gegen andere Menschen hauen kann. Krass, dass er dafür noch bezahlt wird. Aber ich bin mir sicher, dass auch bei ihm der Krug zum Brunnen geht bis er bricht. Es gibt leider noch viel zu viele Steuergelder die ins Chaotentum fliessen, ohne dass die Bürger davon wirklich Kenntnis haben. Gut gibt es die Achse! Danke. b.schaller

B.Rilling / 14.11.2017

Von der DDR lernen, heißt Siegen lernen. Mich entsetzt es immer wieder, dass es sich hier immer mehr durchzusetzen scheint. Und wie auch schon damals, ist es nicht die pure politische Überzeugung, die die meisten Initiatoren und Denunzianten antreibt. Man verspricht sich durchaus auch einen Nutzen davon.

Hjalmar Kreutzer / 13.11.2017

Rechts sitzen aus der Blickrichtung des Parlamentspräsidenten demokratisch gewählte Abgeordnete einer meist konservativen Partei. Die Balance und gegenseitige Kontrolle und der immer wieder mit parlamentarischen Mitteln ausgetragene Streit zwischen Rechts und Links und letztendlich die Einigung sollten das Wesen einer parlamentarischen Demokratie ausmachen. Die einzelnen Positionen zu bestimmten gesellschaftlichen Fragen in den verschiedenen Parteiprogrammen machen die Definition schwierig: Was ist denn nun rechts oder links? Ist die AfD links, weil sie für Volksabstimmungen eintritt oder gegen TTIP ist? Warum empfindet keiner die Bezeichnung links als verunglimpfend, sondern nur die als rechts?

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