Im Wettlauf um den Niedergang der Volksparteien liegt die SPD in Führung. Mit aller Kraft stürmt sie voran, so Kopf-los, wie es die CDU zu werden droht. Wetten kann man darauf, ob die Aufholjagd noch drei Monate oder drei Jahre dauert. Mehr nicht. Die Geschichte hat ihr Urteil gefällt. Sie ist über die Volksparteien hinweggegangen.
Zu verfolgen bleibt die Agonie: der letzte Akt. Für den Zuschauer entbehrt das nicht einer gewissen Spannung. Unterhaltsam ist die Aufführung allemal, mitunter zum Lachen schräg, obwohl es sich doch um ein Trauerspiel handelt. Seinem Ende mag man nicht gerade mit Bangen, aber doch mit Wehmut entgegensehen.
Immerhin liegen hier politische Organisationen auf dem Sterbebett, ohne deren prägenden Einfluss die Demokratie bisher nicht vorstellbar war. Beide, Sozial- wie Christdemokraten, haben nach dem Zusammenruch des Dritten Reiches verantwortungsvoll zum Aufbau einer pluralistischen Gesellschaft beigetragen. Die Bürger durften ihnen vertrauen. Nach zwölf Jahren ideologischen Terrors konnten die Deutschen wieder zu ihrer Meinung stehen, sich politisch frei entscheiden, schwarz, rot, auch gelb und später sogar grün wählen.
Niemand wurde diffamiert oder ausgegrenzt, weil er sich an der Wahlurne für die „Falschen“ entschieden hatte. Verbote drohten indes, wo sich politische Kräfte gegen die bürgerliche Gesellschaft formierten, gegen das Grundgesetz und die darin verbriefte Freiheit der Wirtschaft sowie der Meinung. Für die KPD mit ihren Vorstellungen von einer „Diktatur des Proletariats“ war kein Platz im Parteienspektrum der demokratisch aufstrebenden Bundesrepublik.
Dienstleister an der Macht
Nicht zuletzt auf dem Respekt vor der Überzeugung des Einzelnen gründete die Macht der großen Parteien. Wie sehr sie auch immer streiten mochten, gemeinschaftlich stärkten sie das Selbstbewusstsein der Bürger mit ihrem Einsatz für die Grundrechte. Gegenseitig hielten sie sich in Schach und sorgten so für die Verfestigung demokratischer Verhältnisse.
Die Historiker werden das den Volksparteien immer zugutehalten. Damit haben sie sich um Deutschland verdient gemacht. Ebenso unbestreitbar ist freilich auch, dass sie unterdessen den Verführungen der Macht erlegen sind. Auf dem hohen Ross der Herrschaft haben sie ihren Arbeitgeber, das Volk, aus dem Blick verloren. Fixiert auf sich selbst sind die einst führenden Parteien politisch erblindet. Aus den einstigen Dienstleistern der Gesellschaft wurden Obrigkeiten, die den Bürgern vorgeben, was sie zu tun oder zu lassen haben, was sie für richtig oder falsch halten sollen.
Befangen in der Vorstellung eigener Unfehlbarkeit und mehr noch in dem Wahn, dass das Land ohne sie verloren wäre, halten die Volksparteien ihre internen Angelegenheiten für die wichtigsten der Welt. Was immer sie tun, gleich, ob sich AKK dazu versteigt, den Syrienkonflikt lösen zu wollen, oder ob man uns weismachen möchte, mit dem Umstieg der Deutschen vom Auto auf das Fahrrad ließe sich eine globale Klimakatastrophe abwenden, stets geht es darum, sich vor dem Bürger aufzuplustern.
The Show must go on, damit es in den Kassen der Parteien klingelt. Nur fehlt es mittlerweile durchweg an Darstellern, die ihre Rollen überzeugend ausfüllen könnten, sofern sich überhaupt noch welche für die Besetzung finden. Die SPD amüsiert uns seit Monaten mit einem Casting für den Parteivorsitz, während sich an der Spitze der CDU eine bedauernswerte Frau bis zur Peinlichkeit überfordert.
Kopflos abwärts
Längst rekrutiert sich das Personal der Parteien aus der Inzucht ihrer Apparate. Statt der Exzellenz potenziert sich die Unfähigkeit. Kopflos im wörtlichen wie im übertragenen Sinne trudeln die Volksparteien abwärts. So wie sie einst mit ihrer Stärke überzeugten, verschrecken sie heute mit ihrem Taumel. Den Wählern wird angst und bange, sie laufen in Scharen davon.
Das Desaster und seine Ursachen liegen auf der Hand. Allein die Verlassenen können nicht verstehen, wie es ihnen geschieht. Geistig verschanzt in der Welt von gestern, sind sie dem Untergang ausgeliefert, nicht in der Lage, das Steuer herumzureißen. Wenn sie es versuchen, kommt dabei nicht mehr heraus als das eingeübte Ritual der Postenschacherei unter Knalltüten. TV-Unterhaltung für den Abend.
Alles hat seine Zeit. Auch die Volksparteien haben ihre gehabt. Sie war so groß, dass man es den Anführern kaum verübeln kann, wenn sie davon nicht lassen wollen, weiter vor sich hin zu wursteln. Auch Ludwig XVI. glaubte ja noch auf dem Weg zum Schafott, dass ihm die verlorene Macht mit Gottes Gnaden verliehen worden sei. Honecker und Mielke konnten sich bis zum Ende nicht erklären, warum ihre DDR abgesoffen ist.
Sicher wird es noch eine Weile dauern, bis die Letzten bei SPD und CDU das Licht ausmachen. Dass die Volksparteien aber nochmals aufsteigen könnten wie Phönix aus der Asche, dürfte dann doch eher ein Wunschtraum verzweifelter Funktionäre sein. Wer so tief im Sumpf überholter Organisationen steckt, kann sich nicht am eigenen Schopf herausziehen. Die Geschichte entsorgt, wofür sie keine Verwendung mehr hat. Untergehen wird Deutschland deshalb ganz bestimmt nicht.

Ein Tiefensee, der wie auf Droge freudig-exaltiert am Wahlabend einen weiteren beschämenden Tief-Punkt seiner SPD im Gute-Laune-Thomas -Gottschalk-Ton verkauft, oder ein ebenso kleiner wie ehrgeiziger Scholz, der sich beim ewigen noch -linker-rücken bis hin zu den SED-Abkömmlingen als Kanzler einer DDR-2.0-Koalition für Deutschland empfiehlt, oder eine so machtbesessene wie überforderte Kanzlerin, die Kompetenz und demokratische Strukturen durch Propaganda und Agitation per Staatsfunk und linker Einheitspresse ersetzt...... Könnte weiterschreiben bis zum nächsten Morgen-GRAUEN, die Liste ist unsäglich lang. "Längst rekrutiert sich das Personal der Parteien aus der Inzucht ihrer Apparate." Genau so ist es, werter Herr Rietzschel, und genau so sehen auch mittlerweile die Protagonisten der Altparteienlandschaft aus. DAS LAND WÄHLT RECHTS, nicht weil es sich die Rechten anschaut, sondern WEIL es tagtäglich die linke Einheitspartei sieht und hört, wie sie vor sich hin dilettiert, Schwachsinn und Unkosten produziert, der uns bei der beginnenden Wirtschaftlsflaute bald um die Ohren fliegen wird. Und es wird täglich schlimmer, denn der Weg in die falsche Richtung wird a l t e r n a t i v l o s erzwungen.
In der „Blütezeit“ der Volksparteien gab es auch ein breites Spektrum von Zeitungen und Magazinen, die das Walten der Parteien kontrovers begleitet haben. Heute sehe ich eine GroKo der medialen Affirmation und Apologese. Auch die Medien der „alten“ Bundesrepublik erledigen sich gerade selber.
Zitat: Untergehen wird Deutschland deshalb ganz bestimmt nicht. Wenn Sie Deutschland geografisch meinen, kann ich Ihnen nicht widersprechen. Das könnte nur passieren, wenn der Meeresspiegel um 500 m steigen würde. Wenn Sie Deutschland allerdings als Gesellschaftsform meinen, dann muss ich Ihnen heftig widersprechen. Dieses Deutschland ist bereits in großer Gefahr, unterzugehen. Die Mechanismen sind anhand anderer untergegangener Gesellschaften alle schon beschrieben. Ein sehr erhellendes Buch dazu stammt von Jared Diamond: "Kollaps - Warum Gesellschaften überleben oder untergehen". Darin sind die Daten und Fakten untergegangener Gesellschaften und die Ursachen für den Niedergang bestens beschrieben. Die Parallelität zu unseren heutigen Verhältnissen hier in Deutschland ist frappierend und höchst beunruhigend.
Die verstehen nicht? Die haben sehr gut verstanden: Der Bundestag soll laut dem Etatentwurf für das Jahr 2020 mehr als eine Milliarden Euro kosten. Das macht es zum bisher teuersten Parlamentsjahr der deutschen Geschichte. Der größte Anteil des Geldes werde für Personalausgaben ausgezahlt. Das liege vor allem an dem Wachstum des Parlaments selbst: Seit 2017 zählt der Bundestag 709 Abgeordnete. Deutschland leistet sich mit dem Bundestag in Berlin das zweitgrößte Abgeordnetenhaus der Welt, nur die Volksrepublik China hat mehr Parlamentarier. Die deutschen Länderparlamente sind bei den Kosten noch nicht eingerechnet.
Dieser Analyse ist nichts hinzuzufügen. Interessant wird es sein, zu welchen Mitteln die Untergehenden greifen werden, ob diese es wirklich bis zur letztendlichen Unterdrückung, sprich offenen Diktatur, treiben und wie der Arbeitgeber dieser "Elite" damit umgehen wird, falls es denn so weit kommt.
Mit Prophetien sollte man zurückhaltend sein, was für das Klima gilt, gilt auch hier. Aber es ist unbestreitbar, dass Eigenschaften, die Menschen dazu bringen, macht an sich zu reißen, als da sind geltungssucht an erster Stelle und fehlende eigenreflexion nebst selbstueberschaetzung, also narzissmus vor allem, genau dieselben sind, die sie unfähig machen zu begreifen, dass die macht verloren geht. In der Geschichte jedenfalls finden sich dafür so viele Beispiele, dass kein Zufall am Werk sein kann. Man koennte hier auch von der Ironie der Macht sprechen. Oder anders: das Schwert des damokles hält der mächtige in Wahrheit in der Hand. Er selbst ist der Faden und das Schwert, das ihn faellen wird. Caesar konnte nur deshalb ermordet werden, weil er nicht fähig war zu glauben, dass ihm das passieren koennte, als einziger sah er die Verschwörung nicht, die jeder andere sah. E tu brute! Das ist ein Ausspruch des erstaunens, der überraschung. Niemand außer gaius Julius war aber überrascht.
Das Desaster ist hausgemacht im Komödienstadel der geballten Inkompetenz. Sie verstehen ja schon nicht, was sie tun. Wie sollen sie da erst verstehen, wie ihnen geschieht?