Thilo Schneider / 12.02.2021 / 14:30 / Foto: Timo Raab / 51 / Seite ausdrucken

Den Umpa-Lumpas

In unseren an politischen Absurditäten wahrlich nicht armen Zeiten steht tatsächlich immer noch jeden Tag ein neuer Politiker auf, der nach nächtelangem Herumwälzen, was dem Bürger wohl auf dem Herzen liegen könnte, eine neue Pointe gebiert.

Erneut hat es die an „originellen“ Charakteren gewiss nicht armen Grünen erwischt. Nachdem Frau Beate Müller-Gemmeke gerne den Kalender arbeitnehmerfreundlicher korrigiert hätte (wir erinnern uns, als wäre es erst am Dienstag gewesen), macht aktuell Tareq Alaows einen – darf ich es sagen? – regelrecht bahnradebrechenden Vorschlag.  Aber gemach. „Tareq wer?“, fragen Sie jetzt vielleicht zu unrecht, daher ein kurzer Exkurs: Tareq Alaows kam mit dem großen syrischen Flüchtlingstreck von 2015 in Deutschland an und fand sich plötzlich in einer Turnhalle in Bochum wieder. Noch einmal: in einer Turnhalle. In Bochum. Das war sehr enttäuschend und traumatisch für den damals 25-Jährigen. Ich als Nichtsportler kann das aus dem Schulsport nachvollziehen. Turnhallen riechen eklig. Bochum auch.

Weil aber Tareq Alaows pfiffig ist und ziemlich schnell mitbekommen hat, wie der politische Hase in Deutschland läuft, hat er, kaum war der Rucksack ausgepackt, aus Dankbarkeit und Freude die Gruppe „Refugee Strike Bochum“ (keine Band oder Baseballmannschaft, sondern ein politischer Verein) mitbegründet und durfte ab 2018 die ersten Seebrücke-Demos mitorganisieren. Tareq Alaows hat in Syrien Jura studiert (also, syrisches Jura, kein deutsches, was man eben so unter „Jura“ in einem diktatorischen Staat versteht) und er hat, laut eigenen Aussagen, dort humanitäre Nothilfe geleistet und Menschenrechtsverletzungen dokumentiert. Irgendwo.

Aus diesem Grunde hat Tareq Alaows auch eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis, die er, laut Eigenzitat, „aufgrund besonderer Integrationsleistung“ erhielt. Den Grünen in Oberhausen und Dinslaken (keine Ahnung, ob es da Turnhallen gibt) hat das so gut gefallen, dass sie Tareq Alaows als Direktkandidaten für die Bundestagswahl nominiert haben. Und bevor jemand fragt: Nein, Tareq Alaows ist noch kein deutscher Staatsbürger, das will er zwar noch werden, aber nicht unbedingt bleiben. Wenigstens aber am Wahltag will er die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Sagt er. Sollte er auch. Sonst kann er nämlich seinen Plan nicht gegen ein unbarmherziges, Nichtdeutsche diskriminierendes Wahlrecht durchsetzen. Sobald Tareq Alaows aber für die Grünen im Bundestag maunzt, möchte er „die Stimme derer sein, die hier in Deutschland als Geflüchtete leben“. Es gehe ihm um „Partizipation und um einen neuen Blick im Parlament. Die Leute, die bisher über die Migrations- und Flüchtlingspolitik entschieden haben, wissen nicht, wie man sich fühlt, wenn man fliehen muss“, und „diese Perspektive“ will er in den Bundestag bringen. Als ob er das besser als die grüne Bundesheulboje mit der Angela-Merkel-Gedächtnisfrisur könnte. Die hat ja auch Fluchterfahrung vor der eigenen Bevölkerung. Zu recht.

Neue Inschrift: „Allen, die nun mal da sind“

„Und wie will er das machen, der Tareq?“, fragen Sie jetzt sicher. Da hat sich Tareq Alaows, der weiß, wie man sich Freunde und Wähler macht, etwas besonders Originelles einfallen lassen: Die Inschrift „Dem deutschen Volke“ am Reichstag (die die im Reichstag Sitzenden sowieso nur noch einen feuchten Kehricht schert) will Tareq Alaows in „für alle Menschen, die in Deutschland leben“ umwandeln. Was wahrscheinlich technisch sogar machbar ist, wenn man entweder den Giebel verbreitert oder eine kleinere Schrift wählt. Oder in „Allen, die nun mal da sind“ umformuliert.

[Hinweis der Redaktion: Der Artikel, auf den sich der Autor bezieht, wurde später korrigiert, weil eine Sprecherin gegenüber der WELT angemerkt habe , dass sich die Interview-Aussage von Alaows „Es soll dort [im Bundestag] nicht mehr heißen ‚Dem Deutschen Volke‘ – sondern ‘Für alle Menschen, die in Deutschland leben‘.“ nicht auf die Inschrift bezogen hätte.]

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ein Politiker muss immer irgendwo „ein Bäumchen anzünden“, wenn er bekannt werden möchte. Ein paar Erwähnungen hier und da bringen dann nicht nur in Dinslakener Turnhallen Stimmen und Stimmung. Tareq, der Bis-zur-Wahl-Deutsche, hat das schon richtig erkannt. Und – beinharte Achse-Leser müssen jetzt sehr stark sein – er hat damit sogar recht. Der Bundestag – bis auf die braunen Teufel der AfD – versteht sich schon lange nicht mehr als Vertreter des deutschen Volkes, sondern als eine Art Vorstufe und Wegbereiter einer europäischen oder sogar Weltregierung. Das „deutsche Volk“, das bekanntlich auch keine eigene Kultur hat, wird hier nur noch als eine Ansammlung von lustigen Umpa-Lumpas verstanden, die den weltweiblichen Zinnober über ihre Steuergelder finanzieren – wenn man sie denn überhaupt arbeiten lässt. Dann legen sie los, die 60 Millionen Zwerge (ungefähr 20 Millionen entfallen auf „Sonstige“ mit ganz eigenen Befindlichkeiten).

Und mal ganz im Ernst und unter uns Pastorinnentöchtern: Müssen wir uns wirklich noch Deutschland nennen? Ist das noch zeitgemäß? Es leben hier so viele Nationalitäten und Nationalisten auf engstem Raum zusammen, hat das noch etwas mit Deutschland zu tun? Oder mit deutscher Kultur? Wäre es tatsächlich nicht konsequent, die Bundesrepublik Deutschland benennt sich in „Internationale Ruhe- und Wohlfühloase“ oder, nur für Tareq Alaows, „Syrien 2.0“ oder, noch konsequenter, in „Niemandsland“ um? Dann könnten wir tatsächlich auch den Spruch auf dem Reichstag anpassen: „Allen und Keinem“. Oder „Hinz und Kunz“. Oder „Krethi und Plethi“. Damit wäre es dann klar. Alternativ könnten wir den Graben um den Reichstag, den wir in „Alaowsschanze“ umbenennen, auch etwas tiefer als den durch die Gesellschaft machen – und dann kommt keiner der Abgeordneten mehr heraus.

Von daher, Tareq, viel Erfolg! Du schaffst das schon, dass es hier so schön wie in Syrien wird und jeder seine individuelle Fluchterfahrung bekommt! Ich drücke beide Daumen. Vorzugsweise aus irgendeiner Turnhalle im Ausland. Muss ja nicht gleich Donezk sein.

(Weitere Flucht-Erfahrungen des Autors unter www.politticker.de)  

Korrektur 13.02.2021

Dieser Beitrag bezieht sich auf einen Welt-Artikel, der die Aussage des syrischen Grünen-Kandidaten zur Reichstags-Inschrift offenbar falsch wiedergegeben hat. Die Welt hat sich haben sich mittlerweile jedoch selbst korrigiert:

Hinweis: In einer früheren Version hieß es, Tareq Alaows wolle die Inschrift auf dem Bundestag ändern. WELT gegenüber sagte eine Sprecherin, dass die Interview-Aussage von Alaows „Es soll dort [im Bundestag] nicht mehr heißen ‚Dem Deutschen Volke‘ – sondern ‘Für alle Menschen, die in Deutschland leben‘,“ sich nicht auf die Inschrift bezieht.

Von Thilo Schneider ist soeben in der Achgut-Edition erschienen: The Dark Side of the Mittelschicht, Achgut-Edition, 224 Seiten, 22 Euro.

Foto: Timo Raab

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Sebastian Laubinger / 12.02.2021

Ich muss kotzen. Sowas muss ich mit meinen Steuergeldern nicht nur finanzieren, nein, ich werde als “Nazi” gebrandmarkt, wenn ich meiner Empörung angemessenen Ausdruck verleihe, wohlgemerkt, ohne auch nur in Sichtweise eindeutiger Parolen zu geraten—sachliche Kritik ist bereits voll Nazi. Ich mache irgendwas falsch. LINKS sollte ich sein, dann dürfte ich pöbeln, räsonieren, anspucken angreifen, Häuser und Autos anzünden, Leuten ins Genick springen (buchstäblich), ich wäre der Held vom Erdbeerfeld—solange es gegen “rääächts” geht, ist schon lange alles erlaubt, inklusive Angriffe auf jüdische Mitbürger, die (wieder einmal) keine Lobby mehr haben, weil sie zahlenmäßig nicht stark genug sind (dazu kommt noch der übliche Neid von linksextremen Hirnamputierten, die dem Schmarotzer Marx so ziemlich alles glauben, was dieser geistige Furchenzieher, Nassauer und wüster Antisemit, je aufgeschrieben hat).

Dirk Jürgens / 12.02.2021

Wenn er zusammen mit Claudia Roth und der Chebli hinter einem Spruchband mit der Aufschrift “Deutschland, du mieses Stück Scheiße” hergelaufen ist und die Parole in sein Megaphon gebrüllt hat, kann man zu Recht sagen: Integration erfolgreich abgeschlossen.

Ferdinant Katz / 12.02.2021

Es wundert mich, das es so lange gedauert hat bis einer der Goldstückchen den Weg ins Elite-Schnorrertum der Republik gefunden hat. Nur Hand aufhalten und Asyl wimmern war dem guten Tareq nicht genug also hat er seinen Weg in die Politik gefunden- unter den restlichen Parasiten des Bundestages sollte er weder rethorisch noch optisch weiter auffallen. Mehr Geld für nichts ist ja schon länger das Credo dieses “hohen Hauses” Ich empfehle den Schriftzug aber beizubehalten- ihn aber um einen vergoldeten, strammen gereckten Mittelfinger zu ergänzen, das wäre ehrlich und konsequent.

Gregor Heinzel / 12.02.2021

Guten Abend zusammen. Alles wie immer auf A grandioser knackiger Artikel, Danke dafür. In den Kommentaren viel (sehr viel) wahres. Allein die Frage bleibt was Tun? Wenn in der Vergangenheit nicht schon Massiv betrogen wurde, sind wohl 80+% für das was hier passiert, nennt man dann Demokratie? Es ist tatsächlich zum heulen! Ich will einfach nicht glauben das meine biodeutschen (m/w/wtf) sich dass erhofft haben.

P. Wedder / 12.02.2021

Heute auf dem Parkplatz einen großen Schriftzug auf der Rückscheibe eines Autos gesehen: „Dick und Doof regiert uns“. Söder möchte ja mit den Grünen koalieren. Dem ist nichts hinzuzufügen

Martin Wessner / 12.02.2021

“Allem, was auf Gottes Erden kreucht und fleucht” Da fühlt sich jeder inkludiert, und so soll auch sein.

Claudia Maack / 12.02.2021

@Herr Bunkus, „Das Reich“ ist gut, da kann man „Das Reicht“ drübersprühen

Rainer Hanisch / 12.02.2021

Eigentlich ist die Frage, ob “wir” uns noch Deutschland nennen sollen oder dürfen, berechtigt! ‘Deutsch’ ist hier doch schon lange kaum noch etwas, außer der Dämlichkeit. Und Obrigkeitshörigkeit. Die werden die ‘Deutschen’ auch nie mehr los. Und das mit der ‘Weltregierung’ ist allerdings schon mal kräftig in die Hose gegangen! Mit einem Kanzler mit MiHiGru! Aber das weiß anscheinend keiner mehr in ‘Deutschland’? Oder sollte es einen neuen Versuch dazu geben? Wäre ja möglich, bei dem Geschwafel, was aus der EU-Ecke und der Bundes-Käseglocke so tönt.

Belo Zibé / 12.02.2021

Der Bundestag ist ja auch eine Turnhalle und was da alles rumturnt,..... Da riecht es zwar nicht nach Schweissmauken , dafür aber gefährlich nach Gedankenmethan.

Jochen Lindt / 12.02.2021

Niemand wird gezwungen den Mann zu wählen. Punkt.

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