Vera Lengsfeld / 12.04.2015 / 16:29 / 61 / Seite ausdrucken

Demokratie und Toleranz? Nicht in Zwickau!

Die gänzlich unbegründete Denunziation einer obskuren antidemokratischen Splittergruppe reicht aus, um von der Rednerliste der “Tage für Demokratie und Toleranz” geschmissen zu werden. Jedenfalls in Zwickau.

Hier meine Reaktion:

An Bündnis für Demokratie und Toleranz der Zwickauer Region

Sie haben mich während meines Osterurlaubs mit meinen Enkeln am 10. April ohne Rücksprache für die lang geplante, vertraglich festgesetzte Eröffnungsrede anlässlich der diesjährigen Tage der Demokratie und Toleranz in der Zwickauer Region am 13. April öffentlich ausgeladen. Die Zwickauer Tage 2015 stehen ja aus gegebenem Anlass ganz im Zeichen des 25ten Jahrestages der Friedlichen Revolution und der deutschen Einheit. Und dieses Thema sollte auch im Zentrum meines Vortrags stehen; es ist ein Thema zu dem ich als aktive Bürgerrechtlerin unbestritten einiges zu sagen habe.

Sie baten mich um Verständnis für die Ausladung wenige Tage vor der Veranstaltung.Nein, Verständnis für Ihre brutale Expressausladung kann ich beim besten Willen nicht aufbringen. Noch weniger, da diese überhastete Ausladung offenbar auf Grund einer üblen, unbegründeten Denunziation erfolgte.

Sie führen mit dieser Ausladung Ihr eigenes Veranstaltungsmotto ad absurdum. Denunziation statt Demokratie und Ausgrenzung statt Toleranz. Aus „aktuellem Anlass“ hätten Sie sich getroffen, um die Gestaltung der Eröffnungsveranstaltung zu „beraten“ teilen Sie mir mit.  Nun, wie ich der Presse entnehme, war der Anlass offenbar die Veröffentlichung einer in Berlin basierten, eher gesichtslosen Aktivistengruppe namens Grass Lifter, deren substanzlose Verleumdungen, „Nachfragen zur Demokratie in Zwickau“ vom 8. April eigentlich hätten bewirken müssen, dass man dieses Schreiben, bildlich gesprochen, mit spitzen Fingern in den Papierkorb entsorgt.

Da steht doch tatsächlich, ich würde in „obskuren Blogs“ für mein „Verständnis“ für Pegida „gefeiert“. Das heißt klar, nicht für etwas das ich getan oder geäußert hätte, soll ich ausgeladen werden, sondern dafür, was nicht spezifizierte Dritte über mich geäußert haben sollen!

Anders als die Grass Lifter-Denunzianten treibe ich mich grundsätzlich nicht auf obskuren Blogs herum. Was ich zu sagen habe, setze ich auf die Achse des Guten, deren Autorin ich bin. Auch mein Beitrag, den ich anlässlich einer Veranstaltung der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung auf Anfrage zu Pegida gehalten habe, steht dort seit vielen Wochen.
Kernpunkt meines Artikels ist, dass ich auch heute noch mit Rosa Luxemburg der tiefen Überzeugung bin, dass Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden ist. Wenn ich Meinungen falsch oder gefährlich finde, dann bekämpfe ich sie mit offenem Visier und mit den besseren Argumenten, niemals mit Denunziationen und Verboten.
Ich frage: Gilt dieser Luxemburg-Satz nicht in der Zwickauer Region?

Oder wie steht es bei Ihnen als Organisatoren einer hoch subventionierten Veranstaltung zu Demokratie und Toleranz mit der Akzeptanz unseres Grundgesetzes, speziell Art 3/3, und 5?

Grass Lifter behauptet weiter, ich hätte Rassistinnen verteidigt.  Ich frage: Wo? Wann? Belege? Gibt es nicht.

Sie setzen aber noch eins drauf, indem sie behaupten, die von mir „bekundeten Meinungen und Erkenntnisse“ stünden im Widerspruch zum vom „Bündnis praktizierten Arbeitsauftrag“.
Nun bin ich in der Tat in Zweifel geraten, wie Sie ihren Arbeitsauftrag definieren. Doch nicht, indem Sie Demokratie und Toleranz nur in den von selbsternannten Gesinnungsschnüfflern gezogenen engen Grenzen dulden wollen?

Grass Lifter: „Wenn wir Vera Lengsfeld richtig verstehen, werden „diese“ Bündnisse (welche?) als „Einheitsfront“ diffamiert“.So etwas nennt man im Fußball Eigentor. Denn mit der geforderten rabiaten Ausgrenzung einer Bürgerrechtlerin, die für ihr demokratisches Engagement, nicht nur Berufsverbot und Gefängnis in Kauf genommen hat, sondern mit dem Aachener und dem Scheidegger Friedenspreis, sowie dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde, demonstrieren die Grass Lifter, dass sie nur eine ihnen genehme Einheitsmeinung dulden wollen. Dann von sich als „die Toleranten“ zu sprechen, ist schon fast eine Slapsticknummer.

Richtig eklig werden die ‚Fragen zur Demokratie in Zwickau’ aber dadurch, dass sie durch die gleichzeitige Ansprache der NSU Affäre, mich indirekt damit in Zusammenhang bringen. Die Stasi nannte das „Zersetzungsmaßnahmen“. Falsche, aber glaubwürdige Gerüchte in die Welt zu setzen, um den Ruf und die Reputation der „Zielperson“ nachhaltig zu zerstören.
Sie sind vor diesen Denunziationen eingeknickt.

Schlimmer: Indem Sie auf die haltlosen Anschuldigungen einer erkennbar antidemokratischen Splittergruppe mit meiner Ausladung reagiert haben, beteiligen Sie sich an diesem üblen Spiel. Ja, Sie haben dem Ganzen damit den Anschein verliehen, es sei etwas dran!

Ihre undurchdachte und panische Entscheidung ist völlig ungerechtfertigt und entbehrt jeder Grundlage. Und dies von einem Gremium, das immerhin eine aktive SPD-Parlamentarierin enthält, deren Parteivorsitzender Gabriel auf jener Veranstaltung der Landeszentrale über eine Stunde mit Pegida- Vertretern diskutiert hat.

Sie wissen schon, dass ich 15 Jahre lang als Mitglied des Deutschen Bundestages aktiv für die Demokratie in diesem Land gearbeitet habe? Wenn auch nicht für die SPD. Ein mit öffentlichen Geldern subventionierte Veranstaltung, die sich der Förderung von Demokratie und Toleranz verpflichtet, darf, wie jeder Parlamentarier weiß, niemals in den Verdacht geraten, politisch missliebige Meinungen aus dem demokratischen Spektrum zu unterdrücken. Denn dies ist eine Verkehrung des demokratischen Prinzips.

Demokratie lebt von Rede und Gegenrede, Austausch und Abwägung von Argumenten. Denunziation, Ausgrenzung und Verbote sind Gift für eine offene Gesellschaft. Wer sie fordert, wie Gras Lifter, ist kein Freund von Demokratie und offener Gesellschaft. Wie soll es von hier aus weitergehen? Ich fordere Sie auf, Ihre vollkommen ungerechtfertigte, rufschädigende Entscheidung zu widerrufen. 
Ich bin jedenfalls weiterhin bereit nach Zwickau zu kommen.

Wenn Sie, ihre verletzende und diskriminierende Entscheidung nicht revidieren wollen, kann ich Ihnen versichern, dass ich die von Ihnen vorgetragenen ‚Anschuldigungen’ politisch nicht auf mir sitzen lassen werde.

Mit freundlichen Grüßen,

Vera Lengsfeld

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Leserpost

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Andreas Koch / 12.04.2015

Guter Text, sehr Aussage stark! Ihre Rede hätte sicher viele Leute zum Nachdenken angeregt! Leider ist dies bei der derzeitigen politischen Lage nicht erwünscht! Alles was momentan an Demokratie in Deutschland versucht wird, wirf von unseren korrupten verlogenen und vor Arroganz strotzenden Politikern unterbunden! Leider!

Günter Werkmeister / 12.04.2015

Sehr geehrte Frau Lengsfeld, habe ein gewisses Verständnis für ihre Enttäuschung über die Ausladung zu dieser obskuren Veranstaltung. Die Erfahrung mit diesen Organisationen und Stiftungen aller Art besagen, das sie alle systemnah sind und keine Systemkritik zulassen, bzw. die Kritiker regelmäßig in die rechte Ecke stellen. Ich halte dieses System nicht für demokratisch. Das beginnt beim Wahlsystem und manifestiert sich bei der generellen Verweigerung jeglicher Form direkter Demokratie. Es ist leider so, wie Rico Albrecht von der Wissensmanufaktur formuliert hat, Zitat:“In der kapitalistischen Wirtschaftsordnung dient die Demokratie nur der Unterhaltung.” Es geht eher in Richtung einer Diktatur der Bankster und des Kapitals. Erinnert sei nur an diese überflüssigen geplanten Geheimabkommen TTIP, TISA und CETA. Unter dem Vorwand der Globalisierung ist es nichts weiter wie die Amerikanisierung der Weltwirtschaft zum Ausbau der Weltherrschaft. Wir werden ohne Rüchsicht vergiftet mit Chemtrails und Quecksilber in Impfungen, um uns dauerhaft krank zu halten zum Nutzen der Pharmafia. Man sollte sich immer daran erinnern, dass wir kein souveräner Staat sind, sondern nur Vasall der USA. Mit freundlichen Grüßen           G.W.

Wolf Köbele / 12.04.2015

Derlei Vorkommnisse - nein, es sind keine Vorkommnisse, sondern planvolle Beseitigung aller mißliebigen Meinungen. Einige Lautstarke bestimmen darüber, was gesagt werden darf; wenn wir nicht dagegen aufbegehren, werden sie auch noch bestimmen, was gedacht werden darf. Das nennt sich dann “links”. Ich war jahrzehntelang für Gewerkschaften und SPD unterwegs (einige Jahre Juso-Sprecher eines Kreises) und bekenne: “Das haben wir nicht gewollt!” Leider haben wir offenbar den Weg für Gesinnungsterror freigemacht. “Linksautonome” Schlägertrupps standen damals nicht auf dem Programm (die RAF hatte immerhin politische Zielsetzungen), während heute Gewalt um der Gewalt willen ihre Schmutzspur von Dresden nach Frankfurt a.M. nach Leipzig und Bremen…. zieht. Gerade jetzt wäre die demokratische Debatte nötig, freilich nicht die, die sich selbst so nennt und durch die Ausladung von Vera Lengsfeld als ihr Gegenteil offenbart.

Roland Pons / 12.04.2015

Hallo Frau Lengsfeld, ich bin sehr erschüttert, wie mit Ihrem Engagement umgegangen wird. Das kann man so nicht akzeptieren. Allerdings fällt es mir schwer, Worte zu finden, mit denen ich bei dem Veranstalter, der Sie ausgeladen hat, ein Umdenken bewirken könnte. Nachdem Sie dargestellt haben, daß die Tage für Demokratie und Toleranz sehr stark von meinen/unseren Steuergeldern subventioniert werden, wäre evtl. ein guter Ansatzpunkt, sich dafür einzusetzen, daß die Subventionen gestrichen werden, da das eigentliche Ziel der Förderung offensichtlich verfehlt wird. Der Mensch reagiert oft erst dann, wenn es ums eigene Geld geht. Sehen Sie da eine Möglichkteit? Mit freundlichen Grüßen Roland Pons .

Dr. Holger Tubbesing / 12.04.2015

Kann ich alles gut verstehen und nachvollziehen was Sie da schreiben, Frau Lengsfeld! Mir selbst ist es vor Jahren (auf viel niedriger angesiedeltem Niveau) mal ähnlich ergangen. Anscheinend unverbesserliche altlinke Selbstverabsolutierung, ziemlich in DDR-Manier (2.0 reloaded).

Dr. Christoph Heger / 12.04.2015

Habe soeben folgende e-Post an die Veranstalter gesendet: “Sehr geehrte Frau Schubert, sehr geehrte Herren Killat und Zenner, der Internetseite http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/demokratie_und_toleranz_nicht_in_zwickau habe ich entnommen, welchen Bärendienst Sie Ihren „Tagen für Demokratie und Toleranz“ erwiesen haben, indem Sie die nun tatsächlich um beides verdiente Frau Vera Lengsfeld von dieser Tagung ausgeladen haben. Diese in Form und Begründung – der Denunziation seitens einer „Aktivistengruppe“ namens Grass Lifter – unannehmbare Ausladung kann jeder, dem an grundgesetzlichen Rechten wie der Freiheit der Meinungsäußerung gelegen ist, nur mit Unverständnis zur Kenntnis nehmen. Ich empfehle dringend, Demokratie und Toleranz dadurch zu schützen, daß Sie diese Ausladung versuchen rückgängig zu machen und künftig Denunziationen von irgendwelchen „Aktivistengruppen“ Ihrem Papierkorb schenken. Mit freundlichen Grüßen Christoph Heger”

Hartmut Schwab / 12.04.2015

Liebe Frau Lengsfeld, mit Ihrem Brief habe ich ein Problem. Es ist wie bei einer Pressekonferenz, wenn die fragenden Journalisten kein Mikrofon haben. Man hört nur die Antwort, aber nicht die Frage. Besser beurteilen könnte ich Ihren Brief, wenn Sie die Denunziation und Ihre Ausladung im Wortlaut beigefügt hätten. Vielleicht möchten Sie das noch nachholen? Mit freundlichen Grüßen Hartmut Schwab

Jürgen Mielke / 12.04.2015

Es wäre ja noch Zeit, die Ausladung zu revidieren und in eine erneute Einladung, verbunden mit einer Bitte um Entschuldigung, zu verwandeln. Jürgen Mielke, Dipl.-Ing., Reinbek

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