
@Crowdinvestor, wenn ihnen kein physikalisches Wunder einfällt, werden sie an Kohle-, Erdgas- oder Atomstrom nicht vorbeikommen. Der “Zappelstrom” der Drachen ist nämlich auch nichts anderes als Windenergie, und damit bei Windstille oder Windarmut nicht ausreichend verfügbar, ebenso wie der Windradstrom dann nicht ausreichend zur Verfügung steht. Nochmal: Die Idee, diese Drachen würden eine fundamental andere oder wesentlich ertragreichere Energiequelle anzapfen als die Windräder, ist falsch. Und was ihre Verherrlichung von “dezentral” angeht… schauen Sie sich mal die Windräder in Ihrer Nähe an, wenn wie jetzt sturmähnliche Verhältnisse herrschen. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, daß sie sie blockiert/gestoppt vorfinden. Um die Generatoren/Mechanik usw. nicht zu beschädigen, müssten sie aber erst ab ca. Windstärke 9 - 10 gestoppt werden. Gestoppt wird aber regelmäßig schon viel früher. Grund? Es gibt bei starkem Wind ZU VIEL Energie, diese kann nicht schnell genug abtransportiert werden, da die Netzinfrastruktur fehlt oder nicht auf die hohen Kapazitäten ausgelegt ist. “Dezentral” klingt vielleicht erstmal gut, hat aber nun mal bei Windanlagen den Nebeneffekt, daß ein ENORMER Aufwand für die Errichtung von neuen Netzen IN DEN LETZTEN WINKEL getrieben werden muß, in dem eine “dezentrale” Wind-Anlage steht. Sollen Windräder bei Starkwind nicht abgeschaltet werden, weil zuviel Strom anfällt, müssen die NEUEN Leitungen zu JEDER Windkraftanlage im Land auf die hohen Strommengen einer Sturmwetterlage ausgerichtet sein… mit anderen Worten auf eine Stromsituation, die übers Jahr vielleicht in einem Prozent der Gesamtzeit vorliegt. Ob man dies als ökonomischen Wahnsinn bewertet, kann jeder für sich entscheiden. Viele Bürger aber wehren sich gegen den Netzausbau allgemein, denn so groß ist die Liebe zum “Dezentralen” dann doch nicht, daß man deswegen neue Stromleitungen im Blickfeld akzeptiert. @Chrusciel, wie oft gibt es Gewitter? Wie oft gibt es in diesen hierzulande doch eher seltenen Gewittern einen Blitzschlag? Der fließende Strom mag groß sein, aber wie lange fließt er? Wieviele Milisekunden? Kann eine Energie wirklich einen Beitrag zur stetigen, verlässlichen Stromversorgung leisten, die nur alle Jubeljahre abgreifbar ist (den ganzen Winter über praktisch überhaupt nicht), und selbst dann auch nur für Millisekunden? Ideen gibt es viele. Denkt man nur kurz nach, am besten ohne die rosarote Sonnenbrille, erledigen sich die meisten ganz von alleine.
Sehr geehrter Herr Röhl, wir beide könnten jetzt aus den Jahrbüchern seit 1879 grandiose Erfindungen beschreiben und zitieren. Die genauso irre sind und niemals vernünftigerweise realisiert wurden wie der Quatsch von Enerkite. Vielen Dank für Ihre Analyse peter luetgendorf
Jetzt hab’ ich in Ihrem Text nach Argumenten gegen Enerkite gesucht, und eigentlich nur Argumente gegen Windkraft gefunden. Wenn Ihnen kein physikalisches Wunder einfällt, werden sie an dezentralem Zappelstrom aus Wind und Sonne nicht vorbeikommen. Oder wie stellen Sie sich die Energieversorgung in 100 Jahren vor? Mit Kohlkraft am Ostseestrand vor Berlin? Atomstrom ist schon auf dem Rückzug, für Bioenergie alleine fehlt die Fläche, und Wasserkraft ist ausgereizt. Ich bin zuversichtlich, dass den Menschen noch genug einfallen wird, um ungefährliche Energie zu erzeugen. Enerkite scheint mir da auf einen guten Weg. Apropos: mich persönlich würd ein Drachen in weiter Höhe weniger stören als ein dreimal so großes Rotorblatt mit Betonturm.
Eine wesentlich einfachere, ökologischere und ökonomischere Lösung, Drachen zur Herstellung von Elektrizität zu nutzen, erfand ein gewisser B. Franklin. Er wies nach, dass Drachen, die man in Gewittern steigen lässt, elektrische Energie über die Drachenschnur zu Boden leiten. Wir müssen nur riesige Drachen aus Metallfolie direkt an den Strommasten verankern, man braucht keine Generatoren und keine Transformatoren. Saubere Energie wird uns von der Natur geschenkt, die uns nicht einmal eine Rechnung schickt.
Die Behauptung, die Jahreswinderträge in 200-300 m Höhe lägen doppelt so hoch wie die in 100 m Höhe, einer ganz üblichen Höhe von heutigen Windkraftanlagen, scheint mir sehr übertrieben, um es mal milde zu formulieren. Es stimmt zwar, daß die Windgeschwindigkeit mit der Höhe stark zunimmt (nämlich logarithmisch), aber dies gilt nur für die sogenannte “Prantl-Schicht” (in diesem Zusammenhang ist damit nicht der Bereich gemeint, in dem man im Keller die alten Ausgaben der Süddeutschen lagert). Diese geht in etwa 80 Metern Höhe in die Ekman-Schicht über, in der der Windgeschwindigkeitenzuwachs in der Höhe aufgrund wegfallender Reibungseffekte weit geringer ist als in der Prantl-Schicht unter 80m. Moderne herkömmliche Windkraftanlagen ragen also schon über die Prantl-Schicht hinaus, und ein- oder zweihundert Meter höher ist die Windausbeute dann nur noch geringfügig besser. D.h. herrscht in 100m Höhe z.B. Windstille, sodaß die Energieausbeute praktisch bei 0 liegt, wird auch 100 oder 200 m höher nicht viel mehr Wind abzugreifen sein, die Energieausbeute nur unwesentlich höher sein. Eine doppelte Windausbeute zu postulieren erscheint mir hanebüchen. Man darf sich ja die vertikalen Windprofile (in der Ekman-Schicht) nicht so vorstellen wie etwa die Temperaturprofile, wo es durchaus mal so sein kann, daß es sehr unstete Verläufe geben kann, mit ausgesprochenen Grenzschichten mit hohen Temperaturgradienten. Der Luftbewegung ist immer Resultat von Luftdruckunterschieden, und die gleichen sich (oberhalb der Reibungsschicht) eben lokal ganz anders und schneller aus als Temperaturunterschiede zwischen verschiedenen Luftmassen. Es mag daher vorkommen, daß in 200m Höhe eine ganz andere Lufttemperatur herrscht als in 100m Höhe, aber es wird nicht vorkommen, daß in 200m Höhe eine ganz andere, viel höhere Luftgeschwindigkeit vorkommt als in 100m Höhe. Nicht durcheinanderbringen darf man das alles auch mit dem “Jetstream”, der eine Starkwindzone ist, deren energetische Anzapfung tatsächlich lohnenswert wäre… allerdings auch technisch völlig unmöglich, da die Höhe des Jetstreams zwischen 8 und 12 Kilometer liegt… eine Höhe, die von Flugkörpern so schnell nicht erreicht werden wird, die mit Drähten oder Türmen mit der Erde verbunden sind. Was aber nicht mit der Erde verbunden ist, wird im Jetstream schnell fortgeweht, und hat dann eine Windgeschwindigkeitendifferenz zum Jetstream von Null, und damit eine mögliche Energieausbeute desselben Werts. Die Drachen werden also keine Lösung sein, die dringend benötigte Energie dann liefern wird, wenn die Windräder keine oder zuwenig Energie liefern, nämlich bei Windarmut oder Windstille. Und man kann dann nur hoffen, daß sich zwischen 200 und 300m Höhe keine Lufttiere in größerer Anzahl bewegen, denn deren massenhafte Kollision mit den dort in großer Zahl für kleine Vögelköpchen völlig unberechenbar herumschwirrenden Drachen wäre wohl kaum zu vermeiden. Es ist auch nicht mit besonders großen Schwierigkeiten verbunden, Generatoren an der Spitze von herkömmlichen Windanlagen anzubringen. Wäre das tatsächlich ein größeres Problem, gäbe es schon längst Windrad-Lösungen, die die Rotation über Wellen an die Generatoren am Boden übertragen würden. Weil das aber kein Problem darstellt, die Generatoren in die Höhe zu bauen, ist der Generator am Boden bei der Drachenlösung kein besonders schlagkräftiges Argument für diese Lösung. Obwohl man den dringenden Wunsch der Entwickler, daß es so wäre, natürlich nachvollziehen kann.
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