Ein altes Problem mit neuen Zahlen: In Berlin braucht jeder zweite neue Polizeianwärter Deutsch-Förderunterricht.
Wer deutscher Polizeibeamter werden will, der muss normalerweise deutscher Staatsangehöriger sein. Und eigentlich sollte ein deutscher Staatsangehöriger auch die deutsche Sprache beherrschen. Insofern klingt die folgende Zahl, von der Nius heute Morgen berichtet, einigermaßen erschütternd:
„Von 240 Nachwuchskräften der Berliner Polizei, die ihre Ausbildung im Frühjahr 2025 begonnen haben, benötigen 132 Deutsch-Förderunterricht. Das teilte die Berliner Polizei auf Anfrage von NIUS mit. Insgesamt benötigen somit 55 Prozent der beginnenden Polizeischüler eine Förderung in Deutsch.“
Das sei aber nur im ersten Semester so, habe es von der Polizei geheißen. Der Anteil der Erstsemester, die entsprechende Nachhilfe benötigen würden, liege anfangs regelmäßig etwa bei 50 Prozent, verringere sich jedoch mit jedem Halbjahr. Als mögliche Gründe für die Notwendigkeit der Nachhilfe habe die Berliner Polizei u.a. „abnehmende schriftsprachliche Kompetenzen“, aber auch „die Heterogenität in den Klassen“ angegeben.
Wie erwähnt, ist das Problem alles andere als neu. Im November 2018 berichtete beispielsweise der Spiegel:
„An der Polizeiakademie werden fast 2500 junge Nachwuchspolizisten von 230 Lehrern und Dozenten ausgebildet. Sehr viele haben einen Migrationshintergrund.
Zuletzt häuften sich die Probleme an der Polizeischule. Im Juni hatte Sonderermittler Joseph Strobl kritisiert: ‚Hier müssen die Alarmglocken schrillen.‘ Viele Schüler hätten ‚unterdurchschnittliche‘ Deutschkenntnisse mit ‚großen Defiziten‘. Strobl empfahl ein Maßnahmenbündel, darunter mehr Lehrer und mehr Deutschunterricht.“
„Sehr viele“ haben also einen sogenannten Migrationshintergrund. Und wie viele? Der Mediendienst Integration hat vor drei Jahren einige diesbezügliche Zahlen aus verschiedenen Bundesländern zusammengetragen. Berlin ist - wenig verwunderlich - hier Spitzenreiter: 37 Prozent aller neu eingestellten Polizeianwärter kommen aus Einwanderer-Familien. Unter den Bewerbern sind es sogar 43 Prozent.
Bei solchen Zahlen können sich manche Klischees über deutsche Polizisten auflösen. Wenn beispielsweise von „rassistischen Übergriffen“ aus den Reihen der Polizei die Rede ist, muss es nicht mehr der weiße Täter sein, der ein nichtweißes Opfer schlecht behandelt. Darauf hatte wiederum Nius hingewiesen:
„Erst kürzlich waren Berliner Polizeischüler in die Schlagzeilen geraten. Ein 20-jähriger Anwärter auf den Polizeidienst soll einen Familienvater erst rassistisch beleidigt haben, bevor er auf ihn eingeschlagen haben soll. Der entsprechende Polizeischüler soll türkischer Abstammung gewesen sein.
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