Erik Lommatzsch, Gastautor / 14.10.2018 / 17:00 / 2 / Seite ausdrucken

„Dass Leute wie Sie wirklich mal ein Land geführt haben!”

Der Kinofilm „Das Leben der Anderen“ war, gemessen an der auch internationalen Verbreitung, der Anzahl der hervorgerufenen Debatten und der Preise äußerst erfolgreich. Auf den 2006 in den Kinos angelaufenen Film über das Wirken der Staatssicherheit in der DDR anhand einer konstruierten und konzentrierten Geschichte wird selbst jetzt, reichlich 12 Jahre danach, im Zusammenhang mit dem neuen Streifen des Regisseurs Florian Henckel von Donnersmarck, immer wieder verwiesen.

Lob gab es für die Atmosphäre, Kritik ob des „guten“ Stasi-Offiziers; man betrachtete die verdichtete Situation als didaktisches Meisterstück oder eben völlig verzeichnet und den Realitäten der zweiten deutschen Diktatur entrückt. Eine Szene jedoch, am Ende des Films, die kaum umstritten sein dürfte, insbesondere ein Satz, hat das Potenzial, zum Klassiker aufzusteigen. Überzeitlich und – in diesem Falle leider – zitabel, weil die Gegebenheiten sich wiederholen.

Es handelt sich um die Passage, in der der einst im Visier des Staatssicherheitsdienstes stehende Autor nach dem Untergang des SED-Regimes den ehemaligen Kulturminister (der auch zu dieser Zeit noch einsichtsfreie, feiste Systemfunktionär wird vom Schauspieler Thomas Thieme hervorragend verkörpert – im allumfassenden Wortsinn) in einem Theaterfoyer wiedertrifft und ihm gegenüber schließlich, selbst in diesem Moment noch etwas ungläubig, äußert: „Dass Leute wie Sie wirklich mal ein Land geführt haben!“

Dieser Satz dürfte in mittelbarer Zukunft häufig gedacht oder ausgesprochen werden, hoffentlich wirklich auch in der Zeitform „Perfekt“ (aber ich will da optimistisch sein).  Lediglich das Theaterfoyer – welches dem Ex-DDR-Minister zumindest noch einen Hauch Kulturaffinität bescheinigt – mag bei den meisten Adressaten als Handlungshintergrund nicht so recht ins Bild passen.

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Leserpost

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Wiebke Lenz / 14.10.2018

Ich erinnere schlicht an Lothar de Maizière, erster und letzter MP der DDR. Dies dürfte ausreichend sein.

Marcel Seiler / 14.10.2018

Das jetzt herrschende Parteiensystem bewirkt die Beförderung einer Masse von Inkompetenten in höchste Ämter. Die Inkompetenz hat zwei Aspekte: zum ersten die Unbildung und ein zu geringerer IQ (oder deutlicher: einfache Dummheit); zum zweiten eine Orientierung nicht an den Notwendigkeiten des Gemeinwesens, sondern die populistischen Orientierung an “Guttunwollen” und der eigenen Wiederwahl.

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