Impfpflicht für über 60-Jährige gescheitert. Man könnte von einem historischen Tag sprechen. Irgendwie ist es aber auch schade. Ich habe schon auf die Jagdszenen im Seniorenheim spekuliert, die die ganze Lächerlichkeit der Idee bildhaft gemacht hätten.
Soll man es ein parlamentarisches Wunder nennen? Kaum zu glauben, aber der Bundestag ist mehrheitlich der Stimme der Vernunft gefolgt und nicht den Stimmen der Rechthaber. Wolfgang Kubicki und Sahra Wagenknecht majorisieren gemeinsam im Verein der Bevormundungs-Gegner die Lauterscholz-Kombo, die auf Teufel komm raus mit dem Kopf durch die Wand wollte.
Man könnte von einem historischen Tag sprechen, von einer Sternstunde des Parlamentarismus, wenn die Sache nicht so läppisch gewesen wäre. Impfpflicht für über 60-Jährige. Auf diese Schnaps-Idee muss man erst einmal kommen. Und auch auf die, dafür unsere Außenministerin Annalena Baerbock von einer wichtigen Nato-Sitzung aus Brüssel in den Berliner Komödienstadl zurückzubeordern. Aber das ist die Logik der Schnapsidee. Der ersten folgt zwanghaft die zweite.
So sehr ich mich über den Sieg der Vernunft und über den Aufstand gegen die Fraktionsdisziplin freue: Irgendwie ist es auch schade. Ich habe schon ein bisschen auf die Jagdszenen im Seniorenheim spekuliert, die die ganze Lächerlichkeit der Idee bildhaft gemacht hätten. Oma im Schwitzkasten und Opa in Handschellen beim Abtransport durch die Polizei zur Impfstation. Dazu je zwei kräftige Krankenschwestern als Stabilisatoren der widerspenstigen Alten, damit der Impfarzt ihnen die Nadel verpassen kann. Oder auch die Überfüllung der Gefängnisse mit 90-Jährigen, die die Impfverweigerungs-Strafe nicht bezahlen können und folglich in Erzwingungshaft genommen werden müssen.
Das wäre ein Fest für Reporter geworden, ob schreibend, plaudernd, fotografierend oder filmend. Ach, es hat nicht sollen sein. Als Angehöriger der Zunft und als Betroffener des Senioren-Impfzwangs hätte ich ein doppeltes Vergnügen daran gehabt, wenn sich Olaf Scholz und Karl Lauterbach nicht so blamiert hätten. Haben sie aber. Als Staatsbürger habe ich natürlich die Pflicht, mich darüber zu freuen, dass sich wenigstens der Bundestag nicht in seiner Gesamtheit blamiert, sondern sogar bewährt hat.

Warum erwähnen Sie eigentlich nicht die herausragende Rede von Frau Dr. Weidel?
Passt irgendwie zu Ihnen.
Ja @Michael Hofmann das denke ich auch, wenngleich ich mich freue, dass der jetzige Gesetzesentwurf nicht angenommen wurde. Viele Christen haben dafür gebetet und ich habe mich in meinem Zynismus darauf eingestellt, bald Post über einen Bußgeldbescheid zu erhalten, da ich meiner Bürgerpflicht mich mit einer genverändernden potentiell giftigen Substanz nicht nachgekommen bin. Ich gestehe, meine Glaubensgeschwister waren hoffnungsfroher als ich und ich freue mich ehrlich darüber. Wenngleich ich genau wie Sie denke, dass eine Schwalbe keinen Sommer macht und wenn der Antichrist bald das Mahlzeichen fordert, nachdem er sich offenbart hat, dass es kein Mahlzeichenattest oder ähnliches mehr geben wird, weil die Bibel eben genau das vorhergesagt hat und sie sich erfüllen wird.
Die inhaltlich beste Rede kam von Alice Weidel. Knapp und treffend: Sarah Wagenknecht.
Herr Bonhorst , Sie unterschlagen die entscheidende Rolle der AfD in dieser Sache . Die AfD ist außerdem die einzige Partei , die gegen die „ einrichtungsbezogene Impfplicht angeht .
Vorsicht: Es ist noch lange nicht vorbei! Die CDU/CSU hat nicht gegen eine Impfpflicht generell gestimmt, sondern nur zum jetzigen Zeitpunkt und möchte, das vorher ein Impfregister geschaffen wird; im Herbst ändert sie ihre Position vielleicht wieder. Der Linken mit Ausnahme Wagenknecht und Gysi geht sowieso alles nicht weit genug, das ist denen wohl noch nicht stalinistisch genug. Lauterbach möchte einen neuen Anlauf nehmen. Scholz will das nicht, sondern stattdessen das „Infektionsschutzgesetz“ erneut verschärfen, sprich: Der Bevölkerung die Daumenschrauben freiheitseinschränkender „Maßnahmen“ wieder anziehen – „Schuld“ daran, daß ER so handeln muß, sind für ihn die „Impfverweigerer“ und die Union („Haltet den Dieb!“).
Die allgemeine Impfpflicht ist also nicht an einer Mehrheit der Impfpflichtgegner im Bundestag gescheitert, sondern an der Uneinigkeit ihrer Befürworter, die sich alle gegenseitig mit offensichtlich verfassungswidrigen Vorschlägen zu übertreffen versuchen. Selbst die Gruppe um Kubicki befürwortet weiter die „einrichtungsbezogene Impfpflicht“. Die einzigen, die sich gestern ohne wenn und aber gegen eine wie auch immer geartete Impfpflicht ausgesprochen haben, sind die Vertreter der Paria-Partei.
Gewonnen wurde gestern nur etwas Zeit bis zum Herbst, wenn die nächste Erkältungssaison beginnt, man die nächste angebliche Killer-Variante entdeckt hat und die Apokalyptiker wieder Konjunktur haben. Das ist das leider kurze Zeitfenster, um den Menschen wieder Vernunft beizubringen.
Schön, daß Sie Kubicki und Wagenknecht erwähnen. Der Name Weidel scheint aber bei Ihnen irgendwie auf dem Index zu stehen, insofern finde ich Ihren Einwurf zwar treffend, aber hasenfüßig und unehrlich.
Wir sollten uns hüten, diese Sache bzw. diese Abstimmung als läppisch zu bezeichnen nach dem Angriff auf unsere Organe durch den umstrittenen Gesundheitsminister Spahn erfolgt jetzt die nächste Übergriffigkeit auf unsere körperliche Unversehrtheit und auf unser Selbstbestimmungsrecht.
In Puncto Grundrechte geht es bergab. Die derzeitige Bundesministerin des Inneren Frau Faeser führt einen Kampf gegen Rechts und zwar nicht, weil sie auf dem linken Auge blind ist, sondern weil sie den unbeschadeten Schulterschluss mit Linksextremen wagen kann. Den Bock zum Gärtner gemacht und das Demonstrationsrecht sollen Regierungsgegner gefälligst zu Hause ausüben.
Grundrechte für die Opposition abschaffen und Pflichten nach Gutdünken und gegen die Verfassung für einzelne Bevölkerungsgruppen schaffen. Deutschland macht auch immer weniger eine Ausnahme bei der Praxis, dass der Verfassungsschutz nicht für die Verfassung arbeitet, sondern für die Regierungsparteien.