Katharina Szabo / 13.12.2014 / 21:28 / 14 / Seite ausdrucken

Das Volk und die Mischpoke

Eine Einordnung politischer Landschaften in Rechts und Links fiel früher, im Gegensatz zu heute, sehr leicht. Auf der rechten Seite des Spektrums befanden sich Hitler und die Nationalsozialisten. Im Großen und Ganzen bekämpfte man von dort aus die Juden, den Kapitalismus, Amerika und die Bolschewiken, Christen, Demokraten und alle Arten von Freigeistern.

Am anderen, dem linken Ende des Spektrums, waren Stalin und die Kommunisten angesiedelt. Hier schrieb man sich die Beseitigung des Kapitalismus und des Christentums auf die Fahnen, verabscheute Amerika und die jüdischen Zionisten, erstickte demokratische Bewegungen im Keim und schickte Freigeister nach Sibirien. Beide Seiten waren sich angesichts einer diametral auseinanderliegenden politischen Ausrichtung in tiefem Abscheu verbunden.

Als politisch interessierter Mensch musste man sich nur für die eine oder andere Seite entscheiden, und war dann entweder Kommunist oder aber Nationalsozialist. Heute ist alles viel komplizierter.

Täglich warnen besorgte Vertreter aus Politik und Medien die Bevölkerung davor, in die Fänge der Nazis zu geraten. Was das heutzutage aber genau ist, ein Nazi oder Nationalsozialist, vor was sich die Menschen also konkret hüten sollen, kann niemand so genau erklären. Die Vermutung, es würde sich um eine Warnung handeln, die NPD zu wählen scheint angesichts eines regelmäßig mehr als mager ausfallenden Wahlerfolges dieser Partei ausgeschlossen.

Auch muss man tatsächliche Verehrer Hitlers im Deutschland des Jahres 2014 suchen wie die Nadel im Heuhaufen. Die Zahl der Reichsbürger, die behaupten, immer noch im Herrschaftsgebiet der Nationalsozialisten zu leben und die Existenz der demokratischen Bundesrepublik Deutschland bestreiten, soll sich auf ungefähr 300 Personen belaufen. Bundesweit. Was ist das also, ein Nazi?

Das ist doch klar, würden Vertreter aller politischer Parteien dieser Tage antworten. Nazis, das sind die Demonstranten von Pegida, die Woche für Woche zu Tausenden gegen eine Islamisierung des Abendlandes demonstrieren. „Nazis in Nadelstreifen“ nannte Nordrhein Westfalens Innenminister Ralf Jäger, SPD, die Protestierer gar, welche Anfang der Woche in Dresden aufmarschierten.

Nun ist die Islamisierung Dresdens wohl ebenso unwahrscheinlich wie der Untergang der Welt in Stuttgart, der von hysterischen Demonstranten dort einst behauptet wurde, als eine Modernisierung des Bahnhofes anstand. Was macht die einen aber zu Nazis, die anderen zu besorgten Bürgern, die lediglich ihr Recht auf Meinungsbekundung wahrnehmen? Vermutlich ist es hilfreich zur Beantwortung der Frage den größten Nazi aller Zeiten, Adolf Hitler, selbst heranzuziehen.

Man kann nicht gerade behaupten, Hitler sei ein Feind des Islamismus gewesen. Tatsächlich verbanden ihn und den Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, palästinensischer Nationalist und glühender Antisemit, angesichts des gemeinsamen Zieles - Ausrottung aller Juden auf diesem Planeten - eine von gegenseitiger Achtung und tiefem Respekt geprägte Freundschaft.

Mit Menschen in einen Topf geworfen zu werden, die gegen den Islamismus demonstrieren, hätte Hitler wohl vor Empörung schäumen lassen. Sympathischer wäre ihm vielleicht Cem Özdemir gewesen, der die islamkritischen Demonstranten verächtlich als ‚Mischpoke‘ beschimpft hatte. Eine Wortwahl, für die sich auch Josef Goebbels entschied, der nach dem der Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte begeistert in sein Tagebuch schrieb: „Ich diktiere einen scharfen Aufsatz gegen die Greuelhetze der Juden. Schon seine Ankündigung lässt die ganze Mischpoke zusammenknicken. Man muss solche Methoden anwenden.“

Völlig verzweifeln würde Hitler wohl angesichts des Umstands, dass sich einige der Demonstranten mit Russland solidarisieren. Lediglich die Verteufelung Amerikas, die ebenfalls betrieben wird, hätte Hitler mit Wohlwollen erfüllt. Antiamerikanismus ist jedoch kein Alleinstellungsmerkmal der Nazis, so dass eine Teilnahme Hitlers an einer Pegida-Demonstration eher unwahrscheinlich erscheint.

Vorstellbar wäre hingegen Hitlers Teilnahme an den Aufmärschen muslimischer Migranten diesen Sommer gewesen, die “Juden ins Gas!” gerufen hatten hatten.

Aber das waren schließlich keine Nazis. Sehr schwierig, das Ganze.

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Leserpost

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Gunter Grigo / 15.12.2014

Es ist nicht nachvollziehbar - und auch denkbar unabgebracht -  in der aktuellen Diskussion sich Gedanken darüber zu machen wie Adolf Hitler die Dinge gesehen hat oder jetzt sehen würde. Wenig hilfreich sind auch Angriffe oder aggressive Reaktionen auf Angriffe. Es gilt den Ball flach zu halten damit kein Flächenbrand entsteht, denn das kann in der jetzigen Zeit sehr schnell passieren und da ist Hetze - egal auf welcher Seite man sich befindet - nur Brand stiftend. Geschichte wiederholt sich - weil die Menschen nichts daraus lernen. Auch unsere kann sich wiederholen. Erlauben Sie mir in Ihre historischen Betrachtungen darauf hin zu weisen, dass die Bedingungen für die Wiederholung momentan bedenklich gut/ähnlich sind. Die Wirtschaftslage und -aussicht ist düster, die Volksseele brodelt langasam, ein Feindbild ist gefunden. Und genau so soll es sein. Offensichtlich geht die Rechnung derjeniger auf, die ihr perfides Spiel bislang so erfolgreich betreiben durften und weiter betreiben dürfen. Vor allem deshalb, weil sie nicht erkannt werden, sondern es gelngt die berechtigte Wut und den Unmut der Menschen auf andere ab zu lenken. Gemeint sind damit diejenigen, die unsere Finanzmärkte und damit die Welt an den Rand des Abgrundes getrieben haben, die weiter zocken und die Märkte weiter liberalisieren. Obwohl wir verstanden haben und gewarnt sein sollten lassen wir sie weiter gewähren und gehen statt dessen auf andere und aufeinander los, lassen uns ablenken, entzweisen und erleichtern damit das Spiel. Alles grün und gut? - was soll das? Da wird auf Fehler und Pannen im ökologischen Lebenversuch hingewiesen. Wo man aber Hühnern aus reiner Profitgier Altöl füttert und uns Sägespäne und Plastik vorsetzt und alles versucht uns irgendwie hinters Licht zu führen (Light-Produkte, Kennzeichungen Pferdefleisch in Lasagne etc.) wäre wesentlich nützlicher. Ich bewundere Kampfesgeist und -mut. Man darf aber dabei nicht aufhören zu hinterfragen wofür man kämpft. Ich will weder Bauernopfer noch Erfüllungsgehilfe sein. Unsere aktuellen Feinde sind nicht andere Kulturen und Religionen, sondern Politiker die sich weltweit auf die Seite der Wirtschaft und des Kapitals geschlagen haben. Die nicht mehr den Menschen und Gesellschaften dienen, sondern den Konzernen zu denen sie nach getaner Vorbereitung wechseln. Wer den falschen Feind angreift ist mitverantwortlich für den Sieg des wirklichen und hat sich damit - unbewusst - zu seinem Komplizen gemacht. 

Hans-Peter Hammer / 14.12.2014

Schwierig? Eigentlich nicht! Kurt Schumacher (ausgerechnet!) sagte einmal: “Kommunisten sind nur rotlackierte Faschisten!” Der italienische Schriftsteller Ignazio Silone soll gesagt haben: ” Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.” Das macht die Sache einfach, weshalb ich formuliere: Ob Rot, Grün, (Grün), Lila oder Braun, unter der Farbe tobt der gleiche Geist!

Karl Krähling / 14.12.2014

Paranoia und Glauben sind unheilbare Krankheiten. Da können sie zehnmal erklären, dass Hitler tot und der Krieg aus und verloren ist. Die einen hoffen auf seine Wiederkehr und die anderen wollen das mit all ihrer Macht verhindern.

Henryk R. Chrusciel / 14.12.2014

Mohammed Amin al-Husseini war eigentlich kein palästinensischer Nationalist. Damals gab es noch keine Palästinenser in der heutigen Bedeutung. Als Palästinenser bezeichneten sich in Palästina lebende Juden. Erst unter Arafat, dem Ägypter, wurde das Volk der Palästinenser erfunden, das allerdings in Palästina lebende oder geborene Juden ausschließt, sich also rassistisch definiert. Der Großmufti war also ein muslimischer arabischer Nationalist. Ich bin mir jetzt aber gar nicht mehr so sicher, ob in heutigen Zeiten der Großmufti noch als glühender Antisemit bezeichnet werden darf. Verletzt das nicht religiöse Gefühle? Ist es nicht schon Volksverhetzung? Beschädigt es nicht die deutsch-arabischen Beziehungen? Spaltet es nicht die Gesellschaft und schürt Ressentiments? Falls Sie, Frau Szabo, verklagt werden sollten, bleiben Sie tapfer! In diesem Fall spende ich gern.

Josef Rockinger / 14.12.2014

Es ist in der Tat zunehmend schwer, sich dieser Tage in dem heillosen Gewirr der politischen Weltanschauungen zurecht zu finden. Auch die Frage, wer Antisemit ist, oder ob eine politische Einstellung oder Handlung antisemitische Züge hat, ist oft Gegenstand hitziger Debatten mit verhärteten Fronten, in denen es nie zu einer Einigung kommt.  Deshalb habe auch ich mir angewöhnt, strittige Fragen dieser Art mittels eines einfach durchzuführenden Gedankenexperimentes, einer Art Lackmus-Test, der anstatt sauer oder basisch die Eigenschaften politisch links oder recht anzeigt, zu lösen. Ich versuche mir dann im Geiste auszumalen, bei Ereignissen, was wohl Hitler dazu gesagt und bei Meinungsverschiedenheiten, auf welcher Seite der Führer wohl gestanden hätte. Nehmen wir zum Beispiel den Nahost-Konflikt. Welche der Konfliktparteien würde Hitler wohl unterstützen, die Israelis oder die Palästinenser? Auf welcher Seite würde er stehen? Und wie hätte der Führer auf das “Gedicht” des ehemaligen Waffen-SS-Mitglieds Günter Grass “Mit letzter Tinte” reagiert, in dem der Literat dem Judenstaat einseitig vorwirft, den ohnehin brüchigen Weltfrieden zu gefährden? Würde der Führer Grass widersprechen, ihn dafür gar in ein Lager sperren, oder würde er ihm anerkennend auf die Schulter klopfen? Und was würde Hitler zur Internetseite von Jürgen Todenhöfer sagen? Würde er sie als unangemessen melden oder eher mit “gefällt mir” markieren?

Hubert Appenrodt / 14.12.2014

Auf jeden Fall gehöre ich zu der „Mischpoke mit den niederen Instinkten“ (Özdemir, inzwischen wohl auch Meinung vieler Achse-Autoren, herzlichen Glückwunsch zum Mitschwimmen im deutschen Hauptstrom der Verunglimpfer) und zu den „Rechtsextremisten in Nadelstreifen“ (Jäger, NRW, Sozialdemokrat) und zu den „nicht hilfreichen Chaoten“ (Gauck, seit Sommer 1990 Bürgerrechtler, seit alle Gefahren vorüber waren). Mich bringt in diesem Leben niemand dazu, Messerstecher, Schwulenhasser, Frauenunterdrücker, Kopftreter und -abschneider und ihren Islam gut zu finden. Das überlasse ich allen sozialdemokratischen Parteien in Deutschlands, andere gibt es inzwischen nicht, die AfD wird bald aufschließen, in Deutschland ist so etwas zwingend. Die Liebe zum Islam und zu den Islamisten, das überlasse ich weiterhin den katholischen Kardinälen und Bischöfen, der evangelischen Kirche, Brüssel und einigen Autoren der Achse hier und Achse-Gastschreibern. Ich habe die DDR überstanden, ich überstehe auch Euch.

Gottfried von Bouillon / 14.12.2014

Nationale oder internationale Sozialisten - ein kleiner Unterschied.

Thomas Fix / 14.12.2014

Denke, der Staatsschutz wird mit seinem vorgeschalteten informellen Antifantenpersonal alles versuchen,die Montagsspaziergänger zu verunglimpfen.Zumindest deuten die Ereignisse in Bayern darauf hin.

Julian S. Bielicki / 14.12.2014

Frau Szabo irrt sich, wenn sie schreibt, daß Stalin jüdische Zionisten (gab es noch andere, als jüdische?) verabscheute. Der Staat Israel konnte nach der Resolution 181 (II) der Vereinten Nationen, die von Stalin mit drei Stimmen befürwortet wurde, nämlich der Sowjetunion, Weißrußlands und der Ukraine, 1948 gegründet werden. Stalin hat Zionismus, die Grüdung des Staates Israel, befürwortet und unterstützt.

Werner Pfetzing / 13.12.2014

Hallo und vielen Dank, Frau Szabo, für Ihre Klarstellung. Zur Ergänzung:  Adolf Hitler über den Islam “Hätte bei Poitiers nicht Karl Martell gesiegt: Haben wir schon die jüdische Welt auf uns genommen - das Christentum ist so etwas Fades - hätten wir viel früher den Mohammedanismus übernommen, diese Lehre der Belohnung des Heldentums: der Kämpfer allein hat den siebenten Himmel ! Die Germanen hätten damit die Welt erobert, nur durch das Christentum sind wir davon (ab)gehalten worden.” Hitler’s Table Talk. Dieses überlieferte Zitat/Statement sollte man dem ignorant/bornierten Innenminister Jäger (NRW) gehörig um die Ohren pfeffern. Für mich gilt: Die Pseudo-Linken mit ihrer Sympathie für den Islam sind die wahren Nazis ! Mit freundlichen Grüssen Werner Pfetzing

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