Ein Schatten liegt seit längerem über dem deutschen Qualitätsjournalismus. Der sich bekanntlich – von manchen Trägern ausdrücklich erwünscht – zu großen Teilen als Haltungsjournalismus (HJ) aufgestellt hat. Bei dem Schatten handelt es sich um das unbequeme Vermächtnis eines Mannes, der in seinem journalistischen Leben durchaus nicht ohne Haltung war, sich aber bemühte, mit derselben seinen Adressaten nicht ins Gesicht zu springen.
Die Rede ist von dem 1995 verstorbenen TV-Moderator Hanns Joachim Friedrichs, der von 1985 bis 1991 die ARD-Tagesthemen leitete. Friederichs wird gern zur Bildschirmlegende verklärt, vor allem seitens seiner früheren Arbeitgeber. Als Leuchtturm journalistischer Integrität und Professionalität, der inzwischen bereits zwei Generationen von Medienmachern als leuchtendes Vorbild gereicht wurde.
Sein Image strahlt all das aus, was zumal Staatsfunkhäuptlinge mit heiligem Ernst für ihre Anstalten reklamieren, nämlich Abgeklärtheit, Ausgewogenheit, Fairness. Nach ihm ist ein Medienpreis benannt, von dem noch die Rede sein wird. Vorher ein paar Worte über „Hajo“ Friedrichs und wie er die Welt sah.
Also, with due respect: Ein Titan der Investigation war dieser Mann nicht, ebensowenig ein Sprachvirtuose. Friedrichs, Jahrgang 1927, hatte ab 1949 einige Jahre für die BBC gearbeitet, bevor er beim damaligen NWDR in Köln andockte, als Korrespondent, Reporter und Moderator eines Lokalmagazins. Später wechselte er zum ZDF, wurde Heute-Moderator, dann Sportchef. 1985 ging zurück zur ARD und bekam den Job seines Lebens. Als Tagesthemen-Anker erwarb der silberhaarige, unaufgeregte, bei Interviews stets gut vorbereitete Journalist eine Glotzen-Credibility, die durch fast alle politischen Lager ging.
Das Medienphänomen Friedrichs bestand darin, dass man ihm einfach abnahm, was er sagte. Er verkörperte die ehrliche Haut – den Vermittler, der informieren, nicht agitieren will. Gewiss, es waren andere Zeiten damals. Die Eiferer hatten noch nicht viel zu sagen in den Medien. Im Staatsfunk waren sie größtenteils noch eingehegt in linke Reservate wie Panorama, Monitor, Report. Es waren noch nicht alle auf Kampf gegen alles gebürstet, das rechts von SPD und CDU stand.
Sympathiebär des braven deutschen Nachrichtenempfängers
Mit seiner telegenen, weltmännischen Aura wurde Friedrichs rasch zum Sympathiebären des braven deutschen Nachrichtenempfängers. Als er vom Schirm abtrat, wurde er alsbald vermisst, obschon sein Wirken gar nicht so lange gewährt hatte – schon 1991 schied er freiwillig von den Tagesthemen.
Wie nun lautete sein Credo, das den (nach meiner Erinnerung seit Mitte der Nuller-Jahre pilzartig aus dem Boden schießenden) Haltungsjournos dermaßen auf den Zeiger geht? Der Satz findet sich in einem Interview des Spiegel, welches kurz vor Friedrichs’ Tod entstand. Er lautet:
„Das hab’ ich in meinen fünf Jahren bei der BBC in London gelernt: Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein.“
Der Satz wird manchmal weitergehend so zitiert, als habe Friedrichs wörtlich postuliert, dies mache „einen guten Journalisten aus“. So hat er das im Interview nicht generalisiert. Da aber „Mister Tagesthemen“ bis auf den heutigen Tag als Exempel für wahren, guten Journalismus herhält, wird der Satz selbstredend als kategorischer Imperativ für Journos verstanden. Damit haben haltungsstramme Schreiber ein Problem.
Oh, gute Journalisten möchten sie schon sein. Gut in ihrem Sinne. Dem von Aktivisten, die mit einer für sie guten Sache nur zu gern in die Kiste hüpfen. Weil Friederichs’ Diktum aber genau andersrum geht, muss er umgeschrieben werden.
Seit einigen Jahren poppen im Netz immer mal wieder Betrachtungen von Haltungsinhabern auf, die sich an einer Korrektur des verdammten Spruchs versuchen. Er sei so gar nicht gefallen. Oder anders gemeint gewesen. Oder sonst irgendwas.
Gar nicht erst so tun, als sei man objektiv
Journalismus ohne Haltung ginge gar nicht, erklären die Barfußtruppen des HJ. Der Journo müsse die Ereignisse der Welt „erklären und einordnen“. Da hört man die Nachtigall vernehmlich trapsen. Medien, die von ihren Kunden aufsässiges Feedback erhalten, welches sich auf Friedrichs beruft, ziehen nonchalant eine neue Exegese seines Spruchs aus dem Hut. Und tschüss.
Na klar doch, Journalisten müssten sich verbünden! „Für Menschen, die ausgenutzt und betrogen werden“, erklärt die ewige Fernseh-Adabei Maria von Welser. Friedrichs habe seinen berühmt-berüchtigten Satz nie gesagt, behauptet der linksradikale Publizist Robert Misik. Beweis: „Denn es ist ein abgrundtief blöder Satz.“
Was nicht wenige „bürgerliche“ Medienmacher gern sanktioniert hätten, ist die offene Kumpanei etwa mit Sozialindustriellen, De-Industriealisierern, Menschenschleppern, Antifa-Schlägern. Eine Fraternisierung, wie sie die „Taz“ routinemäßig auslebt. Der verfluchte Satz des Herrn Friedrichs stört da gewaltig. Deshalb wird in diversen Foren, auf Podien, Branchentreffen, Symposien versucht, ihn zu untergraben, zu relativieren, zu delegitimieren.
Ein beliebtes Argument lautet, Objektivität im Journalismus sei doch sowieso unmöglich, weil schon die Auswahl zur Veröffentlichung oder die Platzierung einer Meldung eine subjektive Entscheidung sei. Deshalb brauche man gar nicht erst so tun, als sei man objektiv.
Der Punkt ist natürlich Marke Strohmann. Kein Mensch mit Restverstand verlangt ausgerechnet Medien Unvoreingenommenheit ab. Es geht allein um ein bisschen weniger an Verlogenheit, Parteilichkeit, Lückenjournalismus. Man ist ja bescheiden geworden. Jeder weiß, dass ein Hajo Friedrichs nie mehr in die TV-Tüte kommt. Aber muss man deshalb gleich einen wie Claus Kleber ertragen?
Frauenquote – demnächst vermutlich auch bei Lottogewinnern
Ein zweiter, neuerdings immer offener genannter Punkt betrifft die Moral. Nicht wahr, eine NGO zu gründen, muss doch jeder richtig finden? Nur liegt die Sache mit den angeblich Benachteiligten, die gemäß der Freifrau von Welser „ausgenutzt und betrogen werden“ und mit denen sich der heutige, moralisch nobilitierte Journo gemein machen müsse, ganz im Auge des Betrachters. Allein eine relative Marginalie wie die Frauenquote – demnächst vermutlich auch bei Lottogewinnern – wird vom Publikum krass unterschiedlich bewertet.
Den populistischen Dreh erhält die Demontage von Friedrichs’ Spruch, wenn man absurde Alternativen aufbaut. Etwa mit dem Buzzword „Kinderpornografie“. Das Wort hat Dirk Koch, ein langjähriger Spiegel-Schaffender:
„Was heißt denn, ‚sich gemein machen‘? Wer engagiert für Frieden, für Abrüstung, für Gleichberechtigung, für Klimaschutz, gegen Armut, gegen Ausländerfeindlichkeit, gegen Kinderpornographie, gegen Turbokapitalismus schreibt und filmt, selbstverständlich mit Argumenten und Gegenargumenten, macht er sich dann gemein?“
Knallkomisch werden die Abrissarbeiten am Denkmal Hajo F., sieht man sich Gewinner des nach ihm benannten Preises an. Im Jahr 2018 erhielt Anja Reschke, Leiterin des NDR-Magazins Panorama, die Auszeichnung. Das war ungefähr so, als habe der „Weiße Ring“ einen Preis für Verbrechensprävention einem Serieneinbrecher zuerkannt.
Weil Reschke wohl schwante, dass hier der Bock zur Gärtnerin promoviert wurde, nahm sie den Preis zwar an, rubelte seine Botschaft aber beherzt um. Seit Jahren würde ihr und ihren Kollegen der Friedrichs-Satz um die Ohren „geklatscht“, klagte sie. Ihr persönlich würden „Manipulation, Parteilichkeit, Propaganda“ vorgeworfen. Also sprach die Frontfrau eines Magazins, das vordringlich auf die Shortlist für den „Karl-Eduard von Schnitzler-Preis“ gehörte, sollte ein solcher mal – vielleicht nach der nächsten Bundestagswahl – gestiftet werden.
Der Satz werde seit Jahren „falsch zitiert“ oder „aus dem Zusammenhang gerissen“. Da Friedrichs praktischerweise tot ist, weiß Reschke auch, dass er „nicht einverstanden (wäre), dass er benutzt wird von bestimmten Gruppierungen, die damit ihre persönliche Sicht durchsetzen wollen, was Journalismus darf und was nicht.“
Sowas kann sich einer unmöglich ausdenken
Folgt was über den „Kampf für das Grundgesetz und die Menschenwürde“, kleiner hat man’s in Hamburg nicht. Man kann den ganzen Seim gefahrlos hier nachlesen. Anders als Covid-19 ist moralische Aufgeblasenheit nicht infektiös.
Hat die Jury aus der närrischen Kür was gelernt? Nicht doch. Der diesjährige Friedrichs-Preis, Ende November virtuell veröffentlicht, geht in einer Sonderkategorie an einen Panorama-Film über eine „Rettungsaktion der Sea-Watch 3“. Für den 44-Minüter, schon vorher mit Lametta des Öffi-affinen Grimme-Instituts behängt, taugt der Begriff Propaganda nicht wirklich. Denn das meiste, was Medienopfern an täglicher Propaganda zugemutet wird, ist subtiler gestrickt als diese klebrige Retterepos.
Der Dampfer Sea Watch 3, robust gesteuert von der im Panorama-Film heroisch inszenierten, inzwischen in bedrohte deutsche Wälder abgetauchten Kapitänin Carola Rackete, hatte übrigens drei Kriminelle an Bord. Die besaßen tatsächlich gute Gründe zur Flucht aus Nordafrika. Zu ihrem Pech wurden sie später in Italien identifiziert und wegen Kidnapping, Folter und Misshandlung von Migranten zu jeweils 20 Jahren Haft verurteilt.
Das, immerhin, meldete ein knappes Jahr nach Ausstrahlung der preisgekrönten Rettungsschmonzette auch Panorama auf seiner Website. Um sogleich dem Sprecher der „Hilfsorganisation“ Sea-Watch das Wort zu erteilen: „Wir haben die Pflicht zur Seenotrettung. Die Identifizierung geretteter Personen obliegt den Behörden.“ Das Urteil zeige aber, so der listige Nachschlag des Sprechers, „wie dramatisch die humanitäre Situation in Libyen ist“. Auf deutsch: Anker hoch!
Dieser Spin ist großartig. Sowas kann sich einer unmöglich ausdenken. Das muss in einem drinstecken.
Was Herr Friedrichs zu all dem gesagt hätte? Schwer einzuschätzen. Nur so viel: Von ihm gibt es eine weitere Erkenntnis, die freilich nicht sehr oft zitiert wird. Sie betrifft ein Gebiet, in dem sich der Moderator besonders gut auskannte, nämlich das System ARD.
Ein „Sündenfall“, so Friedrichs, sei die Beteiligung der Parteien bei der Gründung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gewesen. Diesen „fleischgewordenen Proporz“ werde man aus den Anstalten „nie wieder herauskriegen“.
Und damit zurück ins Tollhaus.

Wer einen Studienabschluss in einem wissenschaftlichen oder technischen Fach gemacht und sich diesen nicht erschummelt hat, weiß, wie man schreibt, ohne sich mit einer Sache gemein zu machen. Denn das ist Voraussetzung jeder Diplom- oder Doktorarbeit und auch jeder wissenschaftlichen Publikation. Man untersucht, wertet Quellen aus, fügt Informationen zusammen und zieht nachvollziehbare Schlüsse. Die Abwesenheit subjektiver Wertungen oder gar Gefühle ist das A und O einer solchen Arbeit, und es ist durchaus harte Arbeit, Informationen so objektiv aufzubereiten, dass andere sauber daran anknüpfen und darauf aufbauen können. Da diese Arbeitsweise Journalisten völlig fremd zu sein scheint, scheint man im Journalismus-Studium und in den Studiengängen "Irgendwas mit Medien" etwas anderes zu lehren. Mich würde mal interessieren, was das ist. Hans-Joachim Friedrichs musste objektive Berichterstattung anscheinend auch erst im Ausland bei der BBC lernen. Auch der Bürger sollte mit sauber recherchierten, objektiven Informationen versorgt werden, auf die er aufbauen kann. Zusätzliche Schwierigkeit für Journalisten ist, dass ihre Quellen oft Politiker sind, die selbst nicht objektiv sind und aktiv hinterfragt werden müssen. Hinzu kommt, wer als Presseorgan ein Exklusivinterview mit einem Minister haben will, muss ihm nach dem Mund reden. Merkel ist zudem an einer Spaltung der Gesellschaft gelegen, denn sie hat das Prinzip "Teile und herrsche" verstanden. Bringe die Bevölkerung dazu, sich gegeneinander zu wenden, und sie sieht keinen Grund mehr, ihr Staatsoberhaupt zu hinterfragen. Gute Journalisten sollten solche Manöver durchschauen.
CHRIS KUHN, sie haben gut hingehört ! Gerade bei der Reschke hört es sich so an, als würde sie als Erzieherin in einer KITA sprechen. Bei der Slomka kommt auch noch so eine "emphatische" Weinerlichkeit hinzu. So klingt halt die betreute Sprache für ein zu betreuendes Publikum! Professionell sind sie ja, die Medienerzieher, aber Karl-Eduard von Schnitzler war das ja auch. Aber für mich ist dieser Sprachduktus und seine Melodie nur ekelerregend und beleidigend.
@Dr Stefan Lehnhoff : Sehe ich ähnlich und doch anders. Der Begriff Journalist wird vom Verband sehr weit gefasst. Damit bin ich auch nicht einverstanden. Ein Moderator, der eine Nachricht nur vorliest und sie nicht selbst recherchiert hat, ist in meinen Augen gar kein Journalist bzw. arbeitet in dem Moment zumindest nicht als Journalist. Ob er sonst täglich journalistisch tätig ist, weiß man oft nicht. Ein Filmemacher oder "Dokumentarfilmer" kann nur dann für sich eine journalistische Arbeit reklamieren, wenn er journalistische Standards erfüllt hat und seine Arbeit nicht eine gezielte Botschaft ausweist, er keine politische Aussage machen will, er keine Partei ergreift. Alles andere nennt sich wahlweise eben nicht mehr Dokumentarfilm, sondern Propaganda, Aktivismus, Auftragsarbeit, etc. oder eben einfach Autorentätigkeit. Natürlich haben Journalisten Meinungen. Die können sie auch als solche publizieren, aber eben getrennt von der neutralen Berichterstattung, die allein journalistisch ist. Hier wird unter dem Deckmantel der Dokumentation und des Journalismus behauptet, man würde neutral Fakten benennen. Parteien, Jugendbewegungen und ÖRR, die heute auch gerne behaupten, sie würden auf die Wissenschaft hören und gleichzeitig eine politische Agenda verkünden, beweisen unmittelbar, dass sie genau das nicht tun - das Abwägen von Für und Wider, sondern das Selektieren von maximal genehmen Fakten unter Auslassung des Wider. Es werden immer verschiedene Tätigkeiten vermischt. Ein Restle, der überwiegend bis ausschließlich erklärt Meinung publiziert, ist überwiegend bis ausschließlich KEIN Journalist - sein Programm somit auch nicht journalistisch. Für ihn steht seine eigene Haltung und Botschaft im Vordergrund und nicht die Fakten, deren Für und Wider.
Sirius@ Bellt, es erstaunt mich, daß ein regelmäßiger Achse-Leser wie Sie, die Realitäten so schlecht einzuschätzen vermag. Es geht in Herrn Röhls Artikeln nicht um die letzten „Integren“ innerhalb der Berufsgruppen, sondern um die Neudefinition von Journalismus seitens der linken Meinungsmacher. Die sachliche Information als Voraussetzung für ein vernunftbasiertes Urteil wurde BEWUßT emotionalisiert. Über GEFÜHLE, abseits der Vernunft, versuchen Linke politische Botschaften zu transportieren. Widersprüche, Lügen, Fiktion werden benutzt, um eine gesellschaftliche Meinungshoheit zu platzieren. Das Ergebnis ist eine emotional geladene Gesellschaft in der Respekt, Toleranz, Vernunft und Meinungsvielfalt durch Meinungsunterdrückung, Beschimpfungen, Shitstorms und vielerlei Formen von Gewalt ersetzt werden. Die Würde des Menschen wird von einer emotionalen, infantilisierten Gesellschaft zu Tode getrampelt. Integrität ist bei Linken relativ, hängt immer vom Tagesnarrativ ab. Apropos, „ es wird sie immer geben“...., .Da muß ich Sie enttäuschen. Es wird nur noch SYSTEMIMMANENTE geben, Fragen Sie Herrn Stöttner, der kennt sich aus.
Die Presse als "Vierte Gewalt" erfüllt ihren eigentlichen systemischen Zweck nicht und nimmt nicht etwa eine kritische Position zu den Auswüchsen der amtierenden Regierung ein, sondern stellt sich auf ihre Seite, indem sie das fragwürdige politische Vorgehen der Führungskader andauernd rechtfertigt. Damit mutiert sie von der klassischen Funktion eines demokratischen Gegenpols zu einer propagandistischen Vorfront des Regierungsapparates. Jetzt kann man sich natürlich auf den Satz von Hanns Joachim Friedrichs berufen und das Optimum einer neutralen Berichterstattung einfordern. Aber: Ist das in Deutschland jemals so gewesen? Eigentlich nicht. Auch im Westen gab es kaum neutralen Journalismus. Den knallroten Haltungsjournalismus von heute gab es in den 70ern auch schon. Im Osten sowieso. Was damals jedoch anders war, es gab im Westen einen stramm konservativ-rechten medialen Gegenpol in TV und Presse. Der kommunistische "Sudelede" Karl-Eduard von Schnitzler hatte seinen rechts-konservativen Gegenpol in der Person des überaus frontalen Gerhard Löwenthal, der den Roten in Ost und West ordentlich den Marsch geblasen hat. Genau dieser stramm rechts-konservative Gegenpol ist seit dem Mauerfall in Presse und Medien nahezu komplett weggebrochen und nur noch die links-radikalen Marktschreier sind übrig geblieben, was dann zur enormen Schieflage nach links in der Berichterstattung geführt hat. Sollen Systeme stabil sein, braucht es dringend Gegenpole. Im Moment erfüllen eine handvoll Blogs im Netz diese Funktion. In Presse und TV ist rechts-konservatives Gedankengut jedoch unterrepräsentiert. Das muss man ändern. Wir brauchen (mindestens) einen rechts-konservativen TV Sender und rechts-konservative Journalisten, die ihre Meinung genauso vertreten, wie es auf der linken Seite schon immer der Fall war. Dann wird das Gleichgewicht wieder hergestellt werden und das selbstständige Ausbilden einer Meinung beim Bürger überhaupt erst möglich.
Ein „Sündenfall“, so Friedrichs, sei die Beteiligung der Parteien bei der Gründung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gewesen. Diesen „fleischgewordenen Proporz“ werde man aus den Anstalten „nie wieder herauskriegen“. Eine Erkenntnis, die der absoluten Wahrheit so nahe kommt. Diesen Sündenfall müssen wir auch noch durch Zwangsgebühren honorieren, die wie sich anbahnt in 2021 noch erhöht werden soll. Wofür eigentlich, für ein mieses Programm, welches man nur noch selten anhören und ansehen kann. Ein Stück fragwürdiger Demokratie.
Das Problem der modernen 2010er- und 2020er-Journalisten ist, dass sie sich eher als AKTIVISTEN verstehen und auch so handeln. Das bringt sie moralisch gelegentlich in die Bredouille, sodass sie sich zwar zum einen auf den integeren, ehrlichen und rechtschaffenen Journalisten HANNS JOACHIM FRIEDRICH berufen, zum anderen jedoch sich mit jeder aus ihrer Sicht "guten Sache" gemein machen, weil sie "die Guten" (eingetragenes Warenzeichen) sind. Und da alle anderen "rechts von SPD und CDU" (wie Sie richtig schreiben, ergänzend möchte ich aber noch anmerken, "eine sehr weit nach links gerückte CDU, bis zur eigenen Profil-Unkenntlichkeit") "böse" sein müssen (dieser Logik zufolge), halten sie es für notwendig, die Pfade journalistischer Tugenden gänzlich zu verlassen. Daher Aktivismus: HALTUNG statt reiner Information, BEWERTUNG statt nüchterner Analyse, MORALISCHE IMPERATIVE statt darauf zu vertrauen, dass die Empfänger der Informationen selbst genug intellektuelle Kompetenz haben, das ihnen Zugetragene zu beurteilen. Wie sagte es ein YOUTUBER: "Manche haben das Zeug zum Journalisten - bei anderen reicht es nur zum Presseausweis" (DER SCHATTENMACHER, 10.01.2020).