Über die Verfassungsgerichts-Entscheidung, die übereilte Beschlussfassung des Heizungsgesetzes zu untersagen, kann man sich als Zeichen eines kleinen Sieges der Vernunft durchaus freuen, doch mehr als ein kleines Zeichen ist es noch nicht. Die Grünen werden nicht aufgeben.
Das Bundesverfassungsgericht bremst die Bundesregierung, weil diese möglicherweise die Rechte des Parlaments missachtet – das gab es schon lange nicht mehr und das gibt es anscheinend nun endlich wieder. Nach einer höchstrichterlichen Entscheidung im Eilverfahren, die erst am späten Mittwochabend bekanntgegeben wurde, muss die für morgen im Bundestag geplante zweite und dritte Lesung des umstrittenen Gebäudeenergiegesetzes abgesagt werden. Es gibt nun keinen Beschluss vor der Sommerpause.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann hatte den Antrag auf eine einstweilige Anordnung gestellt. Die Verfassungsrichter sollten dem Bundestag die abschließende Beratung und Abstimmung über das Gesetz untersagen, wenn der Entwurf den Abgeordneten nicht mindestens 14 Tage vorher schriftlich vorliegt. Dem ist der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts nun fast in letzter Minute gefolgt. Das ist zweifellos die einzig richtige Entscheidung, dennoch hat die Bundesregierung offenbar nicht damit gerechnet.
Selbstredend ist es ein Unding, so kurz vor der Sommerpause noch ein so stark in das Leben der Bürger eingreifendes Gesetz im Eiltempo durchs Parlament zu treiben. Aber was interessiert die Bundesregierung noch das Parlament, wenn die Koalitionsmehrheit im Prinzip steht? Dass einschneidende umstrittene Gesetze erst zum letztmöglichen Zeitpunkt vor der Sommerpause den Bundestag passieren, damit der Unmut der Bürger in den Ferien dem gnädigen Vergessen weichen kann, ist ja nicht neu. Dennoch war der Druck, mit dem die vormundschaftlichen Heizungsregeln durch den Bundestag getrieben werden sollten, in diesem Fall fast beispiellos. Der zur ersten Lesung offiziell eingebrachte Gesetzentwurf war zu diesem Zeitpunkt längst obsolet, das wussten die Abgeordneten, die darüber debattierten, doch sie wussten nicht, was in der geänderten Vorlage stehen würde. Das parlamentarische Verfahren lief bereits, als die Regierungsfraktionen noch über den Gesetzestext verhandelten, der tatsächlich zur Beschlussfassung vorgelegt werden sollte.
Die Expertenanhörung und die Ausschusssitzungen wurden noch stärker als je zuvor zu reinen Formalitäten degradiert. Experten wie Abgeordnete hatten quasi nur ein Wochenende bis zur ersten Ausschuss-Anhörung Zeit, um den fertigen Gesetzentwurf zu lesen und zu bewerten. Als die Anhörung am Montag lief, war der Öffentlichkeit bereits mitgeteilt worden, dass das Gesetz noch am Freitag beschlossen werden würde, dabei hatten es die Koalitionäre zu diesem Zeitpunkt offiziell noch nicht einmal auf die Tagesordnung der 116. Sitzung des Deutschen Bundestages gesetzt. Das hätte besser so bleiben sollen, doch dann platzierte man es erwartungsgemäß für 15.25 Uhr als vorletzten Tagesordnungspunkt für den morgigen Freitag. Das muss nun wohl rückgängig gemacht werden.
„Ein weiterer Katalysator für die AfD“
Die Ampelkoalition wurde bei einer Gesetzgebung ausgebremst, die sie selbst als Aufführung einer eigenwillige Machtprobe inszeniert hat. Das Bild für die Öffentlichkeit: Grün setzt sich durch, die SPD ist ohnehin eher auf der Seite der Ideologen, und die FDP durfte zwischenzeitlich ein wenig den bürgerlichen Bedenkenträger spielen, um dann doch wieder weitgehend den rotgrünen ideologischen Vorgaben in Sachen „Klimaschutz" zu folgen. Die sich immer noch liberal nennende Partei steht wohl wieder einmal als am stärksten blamiert da.
Am wenigsten fassen können es wahrscheinlich die Grünen, denn sie sind nennenswerten Widerspruch eigentlich nicht mehr gewöhnt. Vor allem nicht, wenn es um vormundschaftliche Vorhaben geht, die sie mit dem "Klimaschutz" begründen. Ihre Vertreter gehörten deshalb auch nicht zu den ersten Politikern, die sich noch in der Nacht zum Verfassungsgerichtsbeschluss äußerten.
CDU-Fraktionschef Friedrich Merz sah sich – kaum verwunderlich – als Sieger und freute sich über die „schwere Niederlage für die Bundesregierung von Olaf Scholz". „Dem unsäglichen Umgang der Bundesregierung mit dem Parlament und der Öffentlichkeit wurde nun ein Riegel vorgeschoben", wird der CDU-Vorsitzende von der dpa zitiert. Das ist zwar richtig, nur sollte er sich an dieser Stelle vielleicht auch daran erinnern, wie die Bundesregierungen seiner Amtsvorgängerin Angela Merkel mit dem Parlament und der Öffentlichkeit umgegangen sind, insbesondere in den Jahren des Corona-Ausnahmezustands.
Einen gewissen Unterhaltungswert hat es, dass Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki den vom Verfassungsgericht verfügten Stopp als „verdiente Quittung für die Grünen, die in dieses Verfahren einen unerklärlichen Druck hineingegeben haben" bezeichnet hat. Ist dem stellvertretenden Vorsitzenden der FDP nicht aufgefallen, dass seine Partei ebenso eine "verdiente Quittung" dafür bekommen hat, dass sie dem „unerklärlichen Druck" zuvor in den Koalitionsgesprächen einfach nachgab?
Im Hintergrund spielt noch eine ganz andere Quittung eine Rolle, nämlich die, mit der die Bürger derzeit in Wahlumfragen drohen. Kein Wunder, dass einer die Sprache darauf bringt, der im Herbst einer Wahl entgegensieht. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat nach dpa-Meldungen erklärt: Je fehleranfälliger das Verfahren und je problematischer die Gesetzesvorlagen seien, „desto mehr ist das ein weiterer Katalysator für die AfD".
In jedem Fall hätte ein morgen beschlossenes Heizungsgesetz der AfD sehr geholfen. Doch ihr nutzt nicht nur die überstürzte Eile in der Beschlussfassung. Ihr nutzt auch das weitere Festhalten an einer rein ideologischen „Klimarettungs"- und Energiepolitik ohne Rücksicht auf Wirtschaft und Wohlstand. Die wagt sich aber auch kaum jemand aus der CDU grundsätzlich infrage zu stellen – wohl aber mehr und mehr die Bürger, allein schon angesichts der Rekord-Energiepreise. Die Grünen wiederum werden von ihren Vorhaben nicht lassen.
Insofern kann man sich zwar über die Verfassungsgerichts-Entscheidung als Zeichen eines kleinen Sieges der Vernunft freuen, doch am Ende ist das Gesetzgebungsverfahren beim Heizungsgesetz nur eine kleine Spitze eines großen Eisbergs.
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„… doch dann platzierte man es erwartungsgemäß für 15.25 Uhr als vorletzten Tagesordnungspunkt für den morgigen Freitag. Das muss nun wohl rückgängig gemacht werden. …“ Herr Grimm – sind Sie etwa gerade auf dem Weg nach Südafrika?
Die CDU simuliert mal wieder Opposition.Bei wieviel Prozent der Gesetzesvorlagen der Regierung haben die nochmal zugestimmt?Zum Glück durchschauen das Baeumchen-Wechsle-Dich- Spiel mit fast identischen politischen Inhalten immer mehr Bürger.
Wieso Sommerpause? Man fährt doch nicht in den Urlaub wenn wichtige Dinge zu erledigen sind.
Die Arbeitsmoral dieser Leute ist unterirdisch, womit ich nicht Bergarbeiter beleidigen will.
Kennen Sie einen Landwirt der Sommerpausen macht? Um das Land hat man sich ganzjährig zu kümmern.
@M.-A. Schneider : >>So wie sich die Grünen und ihre Lemminge über das geltende Recht hinweg setzen, …<< Es gibt Leute, die mit Schlüsselworten ihre ideoologische Position bekannt geben müssen. Zu diesen Schlüsselworten gehören die Lemminge. Genauer heißt es richtig „… wie die Lemminge …“. Das ist deshalb lächerlich, weil es in einer Sprache geäußert wird, der deutschen, deren Sprecher zu 99,9% noch nie in der Wirklichkeit Lemminge gesehen haben. Damit sind die Lemminge,, oder genauer deren Verhalten, ungeeignet irgendwelche Erklärungen zu schaffen. Es ist die Anknüpfung an eine Luftnummer, einen Leerverkauf, ein hohles Dröhnen. Es charakterisiert aber die Sprecher. Danke! Bitte haben Sie Verständnis.
Das muss sofort rückgängig gemacht werden! Das Bundesverfassungsgericht ist offenbar von Klimaleugnern, Querdenkern und Reichsbürgern unterwandert! Sie wollen Deutschland in eine Klimahölle verwandeln, in der möglichste viele Migranten umkommen, während die reichen Bio-Kartoffeln in UNGEDÄMMTEN LUXUSVILLEN überleben! Ich fordere Hausdurchsuchungen – Frau Faeser, wann handeln sie endlich? ;-)
Aus Schaden wird man klug, so meint es der „Volksmund“, aber diese Katastrophenregierung will gar nicht klug werden, sie will ganz bewusst Schaden anrichten und versteckt sich heuchlerisch hinter verlogener Moral. Dabei hätte man nach den letzten Berliner Senatskoaltionen aus SPD, Grünen und Linken wissen „müssen“, dass verfassungswidrige Gesetze im Eiltempo durchgepeitscht wurden, die katastrophale Folgen auch deswegen haben, weil Ämter, Justiz, Interessenverbände und auch die Medien wie immer sofort mitmachen. Ich will gar nicht groß zurückgehen auf den Momper-Senat, der ab 1989 praktisch als verlängerter Arm der SED in Westberlin agierte, aber wenn man das alles Revue passieren lässt, was damals an Ungeheuerlichkeiten durchgeführt wurde und noch geplant war, dann muss man eigentlich allen Parteien attestieren, dass sie schwer verfassungswidrig und noch schlimmer agieren. Das Bundesverfassungsgericht residiert in einem Schloss und in solchen Gebäuden hat man noch nie viel mitbekommen.
Dieser Spuk ist erst vorbei, wenn diese unsäglichen Ampelparteien aus der Regierung gejagt wurden. Eine wesentliche Verbesserung durch die nächsten Wahlen erwarte ich aber noch nicht, weil aller Voraussicht nach die Grünen zusammen mit der Union wieder in der Regierung hocken werden.