Annette Heinisch / 20.03.2021 / 06:00 / 114 / Seite ausdrucken

Das Tribunal (Teil 2)

(Teil 1 können Sie hier lesen)

Sehr nachdenklich fuhr ich nach Hause. Drei Gedanken beschäftigten mich: Erstens, dass niemand die entscheidenden Fragen gestellt hatte. Zweitens die Erkenntnis, dass unsere westlichen Gesellschaften auf Sand gebaut sind, weil ihr Fundament, nämlich ein säkularer Staat, eine Illusion ist. Drittens – was folgt daraus?

Niemand hatte das Tribunal hinterfragt. Als Angeklagte war ich in der Position der Ohnmacht, hätte es also nicht wirksam tun können. „Lahme Verteidigung“ wäre der Eindruck gewesen. Die Steuerung in solchen Situationen haben die Machthaber, also Ankläger und Richter. Sie bestimmen das Stück, das gespielt wird, und die Tonart. Daher kommt der Spruch „Der Fisch stinkt vom Kopf her“. Von diesen aber fragte nicht einer, ob ein solches Tribunal berechtigt sei. Dass die Masse aufgepeitscht wird, um den Stab über jemanden zu brechen, scheint mittlerweile normal zu sein. Wie viele Stufen der Kultur und Zivilisation muss man heruntergepurzelt sein, um das für normal zu halten?

„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.“ Mit diesen Worten beginnt „Der Process" von Franz Kafka. Es sind berühmte Worte des 1915 geschriebenen Romans, der als wohl bedeutendstes Werk des 20. Jahrhunderts gilt. Es wird die Untersuchung des Verbrechens geschildert, bei welcher die Zuschauermenge in zwei Gruppen geteilt ist, die Linken und die Rechten. Als Josef K. bemerkt, dass der Richter der Menge Zeichen gibt, sieht er sich umstellt. Bis zum Schluss weiß niemand, was Josef K. eigentlich vorgeworfen wird. Dennoch wird er hingerichtet. „Wie ein Hund, sagte er, es war, als sollte die Scham ihn überleben.“ Das sind zugleich die letzten Sätze des Romans, der viele Interpretationen ermöglicht. Eine davon ist, dass Kafka die kommenden fatalen Entwicklungen antizipierte. Die Scham überlebte tatsächlich.

Entfernt mich!

Ich hatte nichts Böses getan. Aber es half mir nichts, denn die Herrschenden haben ihre eigene Ethik. Danach bin ich böse. Also gibt es ein Tribunal, denn ich gehöre entfernt. Das Verhaltensmuster ist identisch, es wiederholt sich.

Was mir an diesem Abend aber erst so richtig bewusst wurde und seitdem ernsthaft an mir nagt, ist die Erkenntnis, dass es sich wirklich um Glaubensfragen handelt. „Das glaube ich nicht“ war der Kernsatz. Er war völlig ernst gemeint. Die Divergenz unserer Glaubensgrundsätze war das Problem.

Die Nähe politischer Ideologien zu religiösen Sekten hatte ich schon früher bemerkt. Beim Thema Klimawandel ist die Ähnlichkeit zu Endzeitsekten mittlerweile vielen aufgefallen. Auch deshalb hatte ich über Gustave Le Bon geschrieben, der in seinem Grundlagenwerk „Psychologie der Massen“ ausdrücklich darauf hinweist, dass die Ideen der Massen stets religiöse Züge annehmen. Er räumte ganz explizit mit dem Irrtum auf, dass man nur dann religiös sei, wenn man eine Gottheit anbetet. Religiös ist man immer dann, wenn man sich einem Wertesystem unterordnet, das als Maßstab des Handelns und Denkens dient. Konkret nannte er den Sozialismus. 

Le Bon behauptet sogar, dass eine Ideologie die Masse überhaupt nur dann bewegt, wenn sie religiös ist, sonst entfalte sie keine Wirkung. Daher könne eine Masse nicht durch Vernunft gelenkt werden, sondern die Vernunft müsste erkennen, dass es nur mit einer Religion funktioniere.

Zwar wollen die Massen die Worte der Gottheit und Religion, von denen sie so lange beherrscht wurden, nicht mehr hören, aber zu keiner Zeit sah man sie so viele Bildwerke und Altäre errichten, wie seit einem Jahrhundert.“, so schrieb Le Bon schon 1895.

Politik als Spielplatz religiöser Sektierer

Wenn aber Le Bon recht hat, was ich für überwiegend wahrscheinlich halte, dann trägt das Fundament der westlichen Gesellschaften nicht. Die Trennung von Kirche und Staat setzt zwingend voraus, dass beide vorhanden, verschieden und ergo trennbar sind. Noch mehr, die Trennung muss vollzogen sein. Die Vernichtung der Bedeutung der Religion, bei uns im Wesentlichen des Christentums, hat paradoxe Wirkung. Nicht der Vernunft wurde zum Sieg verholfen, sondern die Politik wurde unmittelbar zum Spielplatz religiöser Sektierer. Dann aber ist der Staat nicht säkular. Und er ist absolut, alles vereinigt sich in einer – seiner – Hand.  In dem Spiel des Lebens sind wir Stufen der Zivilisation zurück gerutscht Richtung Anfang.

Le Bon führte weiter aus, dass die Institutionen die Macht nicht begrenzen könnten, sondern diese seien umgekehrt Ausfluss der Grundstimmungen im Volk. Dies scheint zu stimmen, denn das Recht hat nicht nur in den letzten Dekaden, sondern auch im letzten Jahrhundert als Korrektiv versagt. Genau betrachtet, sind legendäre Schauprozesse sogar älter und geradezu fundamental für die jüdisch-christliche Entwicklung. Sie entsprangen Situationen, in denen der Glaube vom Staat usurpiert wurde.

Jesus kritisierte die enge Kollaboration der jüdischen Eliten mit der römischen Staatsmacht, ebenso wie Martin Luther die finanziell lukrative Verquickung der katholischen Kirche mit den Herrschenden. Auch heute wieder ist die christliche Kirche finanziell abhängig und agiert als verlängerter Arm der Staatsmacht. Nicht anders und insoweit nicht besser als früher ist die Wissenschaft ebenso abhängig vom Staat. Nichts hat sich geändert oder wesentlich verbessert, alles, was zu recht an der Religion kritisiert wurde, nicht zuletzt der fehlende wissenschaftliche Diskurs, ist heute genauso problematisch wie in längst vergangen geglaubten Zeiten.

Der Staat als Herr statt Diener

Wird der Staat zur Kirche, ist er nicht säkular. Eigentlich einfach. Staatsgläubigkeit mit all ihren zahlreichen, Konfessionen ähnelnden Erscheinungsformen, seien sie rot, grün oder identitär, zerstört das Fundament der westlichen Gesellschaften. Der Staat kann nur dann säkular sein, wenn die Bürger sozusagen anderweitig fromm sind. Glauben sie an den Staat, geht es um Religion und Kirche. Dann ist das Gegenteil von dem erreicht, was das Ziel des Westfälischen Friedens und der späteren Aufklärung war. 

Man hat die absolutistische Monarchie beseitigt und den König geköpft, aber die Grundstimmung der Masse ändert sich nicht so schnell. Ist sie seit Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden Unterwerfung gewöhnt, dann wird der Staat immer zum Herrn und nicht zum Diener der Bürger werden, ganz gleich in welcher Regierungsform. Dass dies das absolute Gegenteil des Menschenbildes des Grundgesetzes ist, ist dann völlig egal. 

Unterstellt, die derzeitigen politisch-ideologischen Entwicklungen sind als Glaubenskämpfe zu bewerten, dann steht uns nichts Gutes bevor. Der Dreißigjährige Krieg begann als Glaubenskrieg – an diesem Punkt mochte ich nicht weiterdenken. Der Gedanke war zu furchtbar. 

Zu Hause angekommen, erzählte ich meinem Mann von dem Abend und versuchte, meinen Kummer im Wein zu ertränken. In den nächsten Tagen schrieb ich die Geschichte auf, um sie aus dem Kopf zu bekommen, aber auch, damit die Erinnerung nicht die Tatsachen verändert. Der Vorfall ließ aber meine Gedanken nicht los.

Dann kam Corona 

Ohne dass sie etwas Böses getan hatten oder eine Gefahr für andere waren, wurde Millionen Menschen die Freiheit genommen. Es gab keinen Prozess und keinen Richter, Verordnungen reichten. Wie ein Hund wurden sie an die Leine genommen, die nach Belieben gestrafft wurde und wird. Kaltherzig ließ man Sterbende allein, Einsame, Kranke und auch das Wohlergehen von Kindern kümmerte nicht. Die Vulnerablen wurden nicht geschützt, aber Existenzen vernichtet. Nichts, was Spaß machte oder auch nur von Ferne an Kultur erinnerte, ist erlaubt. Arbeitsdrohnen gleich muss die Bevölkerung schuften, aber Vergnügungen und Hochkultur sind den Jakobinern ein Dorn im Auge. Ihre Herrschaft kennt weder Güte noch Weisheit. Im Gegenteil, kalt und anmaßend richten sie über Leben und Tod, damals wie heute.

Wieder einmal ist das Verhaltensmuster identisch.

Was könnte ein Ausweg sein? Immer neue Parteien, die ihre Vorstellung von der Welt anderen aufzwingen wollen? Eher nicht. 

Der einzig gangbare Weg ist zu versuchen, Religionsfreiheit zu gewähren. Hier kann man auf einen bekannten Lösungsansatz zurückgreifen, der in der Vergangenheit funktioniert hat. Verhaltensmuster kann man auch im Positiven kopieren.

Die Menschen sind verschieden, es wäre weder gütig noch weise, jemandem, der Halt braucht, diesen zu nehmen. Umgekehrt ist es ebenso wenig gütig oder weise, Menschen, die ihre Freiheit wie die Luft zum Atmen brauchen, diese abzuschnüren. Es gibt daher unterschiedliche Anforderungen an den Staat, die sich in entsprechenden Glaubensgrundsätzen widerspiegeln. Niemand darf diese auf Kosten anderer durchsetzen. Daher bedarf es unterschiedlicher Angebote, die den jeweiligen Bedürfnissen gerecht werden. 

Die Staatsgläubigen auf dem Weg zur Erlösung

Der Staat heutigen Formats ähnelt mehr einem Versicherungsunternehmen als einem Staat traditionellen Zuschnitts. Nicht mehr die Basisdienstleistungen wie Sicherheit und Ordnung stehen im Vordergrund, sondern Absicherung gegen Risiken. Zusätzlich vermittelt er Staatsgläubigen neben dem moralischen Kompass die Chance, durch gemeinschaftliche Handlungen so etwas wie spirituelle Erlösung zu erfahren. Christen haben bekanntlich einen eigenen moralischen Kompass und können Erlösung nur durch eigene Handlungen, die auf freier Entscheidung beruhen, erlangen.

Versicherungsunternehmen bieten für gewöhnlich unterschiedliche Tarife an, vom günstigen Basis- über Standard-Tarif bis hin zum „Rundum-Sorglos-Paket“. Es ist sicherlich nicht trivial, diesen Gedanken auf ein Staatswesen zu übertragen. Der Gedanke erscheint zunächst fremd, fast schon verrückt. Möglich und machbar ist es aber durchaus. Für sämtliche versicherungsähnlichen Leistungen des Staates jedenfalls ist es sogar recht einfach möglich. Traditionelle Dienstleistungen wären der Basis-Tarif, wer mehr staatliche Dienstleistungen möchte, muss entsprechende dazu buchen. Warum nicht? Dann lebt jeder in seiner Gemeinschaft entsprechend seinen Vorstellungen und lässt andere ihren eigenen Weg gehen. Das gemeinsame Fundament wären dann die Basisdienstleistungen, für die alle zusammen einstehen.

Praktisch die größte Schwierigkeit dürfte es sein, den missionarischen Eifer der Staatsgläubigen zu bremsen, deren alleinseligmachender Anspruch den des Papstes deutlich übersteigt. 

Es erscheint mir aller Mühe wert, dies ernsthaft zu versuchen. Denn wenn die Staatsgläubigkeit triumphieren sollte, wird dies ebenso katastrophal enden wie in der Vergangenheit. Das letzte Jahrhundert sollte Mahnung genug sein. Daher wäre es sinnvoll, diesmal auf Vorspulen zu drücken, den Krieg zu überspringen und gleich zum Frieden überzugehen. Das grundlegende Prinzip des Westfälischen Friedens ist allgemein gültig, es lautet Religionsfreiheit mit gleichberechtigtem Nebeneinander unterschiedlicher Religionen. Die moderne Variante garantiert dies auf der Basis unveräußerlicher Menschenrechte. 

Es wird Zeit, neue Wege zu gehen.

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netiquette:

Bernd Schreller / 20.03.2021

Religionsfreiheit kann es nur für Religionen geben, die ihre Religion als Angebot verstehen, nicht aber für Religionen mit Alleinherrschaftsanspruch, wie den Islam oder die Grün-Ideologie etc. Die wollen Andersdenkende vernichten.

Karola Sunck / 20.03.2021

@ Peer Doerrer, vielen Dank für Ihr Bekenntnis zur Alternative und einzigen Opposition hier im Lande. Auch ich bekenne mich mit meinem Namen zu dieser Partei und weiß , dass nur eine starke Opposition die gegenwärtigen Verhältnisse in Deutschland einigermaßen gerade rücken kann. Was von den ,,Freien Wählern``, die sich trotz gleichen politischen Programmen von der AfD abgrenzen, zu halten ist, sieht man in der Koalition mit der CSU in Bayern. Diese politische Gemeinschaft geht dort völlig unter. Kein Profil und trotz konservativer, vernunftbezogener Ansätzen in Ihrer Politik, sich dem Zeitgeist und den Mainstreammedien zu unterwerfen. Den Herrschenden kommt es sehr gelegen, dass sich die Kritiker ihrer verheerenden Politik gegenseitig die Butter vom Brot nehmen und sich nicht bündeln, um ihnen mehr Gegengewicht entgegen bringen zu können. Ach hier hat Merkel dieses Land und ihre Gesellschaft mit ihrer Bauernschläue gespalten. An die Intelligenz einer Alice Weidel kommt sie absolut nicht heran, sie hat nur eine besonders bösartige Art von Bauernschläue vorzuweisen, welche man ganz schnell durchschauen kann, wenn man sich ein bisschen eigenständiges Denken bewahrt hat. Was man bei der Mehrheit der Deutschen, zum Leidwesen aller, leider nicht mehr erkennen kann!

Markus Michaelis / 20.03.2021

Selbstverständlich handelt es sich um Glaubensfragen. Das Problem heute ist, dass das staatstragende Bildungsbürgertum es eben NICHT mehr für Glaubensfragen hält, sondern für eine Frage objektiver Wahrheiten. So kommt es dann zu grotesken Situtationen, in denen Standpunkte nicht mehr verteidigt werden, weil man sich dafür entschieden hat, sondern weil man sie als “wahr” deklariert. Aus sehr gutem Grund lautet §1 unseres GG aber NICHT: “das Staatsziel ist die Wahrheit zu erkennen und umzusetzen”, eben weil es so eine Wahrheit nicht gibt. Demokratie beschäftigt sich genau damit die verschiedenen frei gewählten Weltsichten und Ziele einem Entscheidungsprozess zuzuführen. Hätte die Anklägerin in diesem Fall wahrheitsgemäß gesagt: “Ich will das so sehen, ich stehe für eine Gruppe, die das auch so sieht, wenn das GG unserer Auffassung widerspricht, wollen wir, dass das GG anders interpretiert oder notfalls geändert wird (wie 1992 oder so auch zum Asyl)”, wären wir sofort im demokratischen Diskursraum und die Anklägerin könnte im Rahmen unserer Demokratie versuchen ihre Sicht durchzusetzen. Sie müsste aber automatisch anerkennen, dass die Autorin (mit anderen Gruppen) sich für andere Glaubensansätze enstschieden hat. Daneben gibt es natürlich noch ein paar Wahrheiten wie dass die Anklägerin nicht alle Menschen vertritt, eine deutliche Mehrheit das Welt- und Menschenbild der Anklägerin radikal ablehnen würde (eine triviale Aussage, gilt für alle Ansichten, weil die Menschen recht bunt und widersprüchlich denken), und vieles mehr. Aber all diese Wahrheiten haben wie alle Wahrheiten prinzipiell nicht die Position Glaubensfragen anzugreifen, wie etwa dass man die Grenzen für alle Menschen (oder alle armen Menschen, oder ...) öffnen will. Das sind eben Glaubens- und Entscheidungsfragen.

Sheldon Cooper / 20.03.2021

@lutzgerke Hierzu einige physikalische und astronomische Einwände. Es ist in der Tat nach den Experimenten von Michelson-Morley und Kennedy-Thorndyke so, daß die Lichtgeschwindigkeit unabhängig von der Bewegungsgeschwindigkeit des Beobachter ist. Was Ihr Beispiel mit Pluto angeht, so sind darin einige Fehler vorhanden. Erstens wird in der Astronomie die Position eines Planeten relativ zu den Fixsternen gemessen. Und die ändert sich mit der Drehung der Erde nicht. Daher gibt es kein Paradoxon. Die tatsache, daß die Lichtgeschwindigkeit endlich ist, ist aber schon länger bekannt (Olaf Roemer).

Kay R. Ströhmer / 20.03.2021

Hallo Frau Heinisch, der zweite Teil ist noch besser als der erste, weil er über die reine Bestandsaufnahme hinaus in die Analyse geht und den wichtigen Aspekt der sogenannten “Staats"gläubigkeit beleuchtet. Tatsächlich handelt es sich allerdings, wenn man es schärfer fasst, um Politikgläubigkeit. Das eigentliche Problem dann wiederum ist der Politikansatz. Politik, die einen Ausschließlichkeitsanspruch postuliert, verträgt sich nicht mit dem Konzept einer pluralistischen Gesellschaft. Hierzulande benennt das Grundgesetz die Parteien als Mittel, an der Gestaltung von Politik mitzuwirken. Daraus hat sich zum - wie sich nun deutlich zeigt - Unglück des Staates eine Situation entwickelt, in der eine ganz kleine Gruppe von Karrieristen ohne wirksame Kontrolle über das Schicksal des Landes und des Volkes verfügen kann. Solange die - so ursprünglich gar nicht gewollte - Vormachtsstellung der Parteien nicht abgeschafft wird, kann es nicht besser werden. Ich verstehe ihren Appell, neue Wege zu beschreiten, also dahingehend, die Menschen dafür zu begeistern, sich aus der Knechtschaft der Parteien zu befreien und die Mittel zur Gestaltung von Politik weiterzuentwickeln.

Thomas Brox / 20.03.2021

Der heutige Staat ist alles andere als ein Versicherungsunternehmen. Bevor es bei einer Versicherung eine definierte Leistung gibt, muss vorher definiert eingezahlt werden. ++ Die Analyse vergisst etwas ganz wichtiges. Der ideologische Überbau ist nur die eine Hälfte, die andere, wichtigere Hälfte ist der Bauch (cui bono). Schon seit Urzeiten nutzen “Priesterkasten” - Priester ist hier in einem allgemeinen Sinn zu verstehen - irgendwelche Religionen oder Ideologien um ihre parasitäre Existenz durch Ausbeutung der Gesellschaft zu sichern. Im bürokratischen Wohlfahrtsstaat ist die moderne Form der Priesterschaft der Staatsapparat: Der Überbau ist das säkulare sozialistische Paradigma anstelle einer transzendenten Religion (wobei die transzendenten Religionen letztendlich stärker sind). Die moderne Staatsgläubigkeit hat banale Ursachen. Erstens ist der Staatsapparat riesig, zweitens ist der vom “Staat” gepamperte Sozialbereich riesig, drittens wirkt - wie schon seit Urzeiten - die ideologische Indoktrination der “Priesterschaft” (und ihrer Hilfstruppen), und viertens werden Häretiker - wie schon seit Urzeiten - zum Schweigen gebracht. Staatsapparat und Sozialbereich vertreten natürlich ihre elementaren Interessen. ++ Innerhalb transzendenter Religionen waren sicherlich große Bevölkerungsteile ehrlich gläubig, auch Teile der Priesterschaft waren ehrlich gläubig und wertschöpfend tätig (z.B. viele Mönchsorden) - aber eben nur Teile. Im bürokratischen Wohlfahrtsstaat ist das total umgekippt, und zwar von oben bis unten. ++ Bevor man artifizielle idealistische Analysen tätig, sollte man zuerst auf die banalen ökonomischen Bedingungen achten (nein, ich bin kein Marxist). ++ Ich kann jedem nur empfehlen sich mit der Geschichte der UdSSR auseinanderzusetzen, insbesondere dem Stalinismus. Man kann hierbei klar sehen, wie eine neue “Priesterschaft” die Herrschaft übernommen hat - knallhart und realistisch auf ihr eigenes Wohl bedacht, ungeachtet der verlogenen Sprüche.

Silas Loy / 20.03.2021

Der letzte König von Sachsen, Friedrich August III., soll 1918 bei seiner erzwungenen Abdankung gesagt haben: “Macht doch Euern Dreck alleene!”. Leute wie Lieschen Urgestein sind damit aber überfordert. Sie können nicht Souverän, sie können nicht selbstständig richtig und falsch unterscheiden, sie können den Aufwand dafür gar nicht leisten, man kann sie für dumm und dämlicher verkaufen. Mit Schleifchen drum, sie werden sich tief bewegt bedanken. Ihre grosse Klappe ist nicht Erkenntnisgewinn geschuldet, sondern ordinärem Geltungstrieb. Und wenn dann sogar der Erzbischof von Köln mit einem Schlepperboot an seiner Seite eine Predigt hält und sich implizit für den willkürlichen Bruch des Grungesetzes, Asylmissbrauch und die illegale Migration ausspricht, was soll denn das überforderte Urgesteinchen dann noch wollen? Mit Religion hat das nicht viel zu tun, sondern mit Charakter und Kompetenz. Ein gewisses Gegenbesipiel wäre z.B. Antje Hermenau. - Sehr geehrte Frau Heinisch, diese verhuschten Ehrenamtlichen sind nicht Ihre Gewichtsklasse. Die kann man -ob man will oder nicht- eben nur beschränkt für voll nehmen. Alles andere ist Realitätverweigerung. Es bleibt nur die Seelsorge, der Abgang oder das Martyrium. Und das war schon immer so.

Ilona Grimm / 20.03.2021

@Rainer Mewes: „Noch Fragen?“ – Nein, aber eine Ergänzung. In der Pressekonferenz nach dem gestrigen Corona-Impfgipfel machte das soziale Konstrukt auf dem Kanzlersessel, das gemeinhin „Mutti“ genannt wird, ab Minute 14,50 folgende erhellende Aussage: »Ich bezweifle, dass ein großer Schaden [für Astra Zeneca] entstand. Alle diese Impfstoffe haben eine bedingte Zulassung, im Laufe dieser bedingten Zulassung sammeln wir zum ersten Mal Erfahrung, was passiert, wenn dieser Impfstoff für Millionen von Menschen angewandt wird.«——Wenn wir es nicht schon vorher gewusst hätten, wüssten wir nun ganz genau und aus dem Munde der Gewichtigsten, dass wir nichts anderes als Laborratten in einem weltweiten Großversuch der Impfmafia und ihrer Wegbereiter sind. Die Alten voran, alle anderen danach. Schaumermal, wer überlebt. Die Kanzlerin würde sich übrigens mit Astra Zeneca impfen lassen, sagte sie erneut in dieser Pressekonferenz. „Wenn ich dran bin“. Wahrscheinlich würde sie auch Physikerin werden .... wenn ...

F. Jungeleit / 20.03.2021

Zum Thema Staat bitte „Unterwerfungstheorie“ googeln. Wenn in ferner Zukunft Archäologen unsere untergegangene Kultur erforschen - Grabungen durchführen und Fundstücke analysieren -, werden sie zu folgenden Schluss kommen - diese Kultur verehrte einen allmächtigen Gott. Er verlangte absoluten Glauben und Gehorsamkeit. Seine zahlreichen Diener, zeremoniell auf ihm eingeschworen, achteten akribisch und mit Härte auf die Einhaltung seiner Gebote. Frevler wurden öffentlich gebrandmarkt und bestraft. Als Gegenleistung für Gehorsam und Glauben versprach er Schutz. Für viele Gläubige war er seit Anbeginn der Zeit da. Ohne seinen Schutz und der seiner Hohepriester - die territoriale Macht besaßen und sich untereinander bekämpften -, ginge die Welt unter. So der feste kulturelle Glaube. Das Forschungsergebnis der Archäologen wird lauten: Dieser unerschütterliche Glaube verbunden mit blinden Gehorsam führte bereits im 19. / 20. Jahrhundert zu den fürchterlichsten Kriegen und irgendwann zum Niedergang dieser fanatischen Kulturepoche.

Klaus-Dieter Weng / 20.03.2021

( 2 )  Allein durch ihre Unterschrift unter die GEMEINSAME ERKLÄRUNG 2018, die ich ebenfalls unterschrieben habe, haben sie sich verdächtig gemacht, nicht auf Seiten der Erniedrigten und Beleidigten dieser Welt, denen schließlich unsere ganze Solidarität gelten muss, zu stehen, sondern auf Seiten derjenigen, die zurzeit als die Bösen (die Ketzer)  identifiziert werden. Wenn ich beispielsweise in der Klimafrage darauf hinweise, das es um das Jahr 1000 eine mittelalterliche Warmzeit gab, die die Landwirtschaft begünstigte und zu einem Bevölkerungswachstum führte, wird mir ebenfalls erwidert: DAS GLAUBE ICH NICHT! Wie viele meiner Mitkommentatoren hier, habe ich es aufgegeben, über diese Dinge zu diskutieren. Ich habe einfach keine Kraft mehr dazu. Aber wir sollten dennoch zur Wahl gehen (Recht auf Notwehr!). Die Wahlbeteiligung bei den LTW ist gefallen, was zur Folge hat, dass die Klimakirche (ich bestreite den Klimawandel nicht!) in BW bei einer Wahlbeteiligung von 63,8% 58 Sitze erreichte, obwohl sie von weniger Personen als fünf Jahre zuvor gewählt wurde ( 1.585.903). 2016 erreichten die Grünen bei einer höheren Wahlbeteiligung nur 47 Sitze,  damals wurden sie von 1.623.107 Personen gewählt. Wahlabstinenz kann also nicht die Lösung sein, es sei denn, man möchte, dass der Niedergang sich beschleunigt.

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