Gastautor / 19.04.2019 / 06:25 / Foto: Nikolai Nikolajewitsch / 53 / Seite ausdrucken

Das Stigma des Gottesmordes

Von Hyam Maccoby.

Hyam Maccoby verdanken wir eine der innovativsten wissenschaftlichen Interpretationen zur Ideen- und Wirkungsgeschichte des Christentums. Die damit eng verknüpfte Theorie des Antisemitismus ist deutlich belastbarer als beispielsweise die schwachbrüstigen Ansätze des Antisemitismusbeauftragten Michael Blume. Maccoby ist im deutschsprachigen Raum kaum rezipiert worden, was u.a. am unglücklichen Publikationsort der ersten Übersetzungen, dem Ahriman-Verlag des Alt-SDSlers und Sektierers Fritz Erik Hoevels, liegen mag. Dem renommierten Hentrich & Hentrich Verlag gebührt das Verdienst, Maccobys A Pariah People: The Anthropology of Antisemitism (1996) nun in deutscher Übersetzung verfügbar gemacht zu haben. Achgut.com bringt Auszüge, passend zur Karwoche:

Die Evangelien sind so geschickt und dramatisch konstruiert, dass sie die jüdische Schuld unterstreichen. Gleichzeitig betonen die Evangelien auch die Unvermeidbarkeit des Todes Jesu als Mittel der Erlösung für die Welt. Zusammen geben diese zwei Faktoren den Juden die Rolle der Heiligen Henker, dazu verurteilt, durch ihre eigene Verdammung die Erlösung herbeizuführen.

Jüdische Schuld wird auf vielen subtilen Wegen vermittelt. Wie wir gesehen haben, wirkt die Gestalt des Judas Ischariot symbolisch, um den Verrat der Juden allgemein an einem der ihren darzustellen. „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11). Alle Gruppen des jüdischen Volkes werden als feindselig gegenüber Jesus dargestellt, und wenn sie ihn zeitweilig unterstützen (wie am Palmsonntag), dann vergrößert dies nur ihre Schuld, weil ihr folgender Entzug der Unterstützung ein Element des Verrats hinzufügt. Einige Juden freilich unterstützen Jesus, nämlich seine nächsten Anhänger, die Apostel. Aber sogar sie zeigen einen Mangel an Loyalität und Verständnis (…). Wie wir gesehen haben, vervollständigt die Verunglimpfung der Pharisäer die Schande des jüdischen Volkes und seiner Überlieferung. Manchmal werden die Juden nur als blind und dumm geschildert und nicht als bösartig. Diese Haltung ist das Erbe der Gnosis mit ihrer Ansicht von den Juden und dem Judentum als irdisch und ungeistig. Häufiger wird aber ein Ton angeschlagen, der den Juden den boshaften, sinnlosen Wunsch unterstellt, Jesus aus teuflischem Hass auf das Gute zu töten.

Oft wird die Entschuldigung vorgetragen, dass die Evangelien sich nicht ausdrücklich gegen die Juden richten, sondern nur gegen das Böse im Menschen, für das die Juden damals zufällig standen. Oft ist zu hören: „Wenn wir dort gewesen wären, hätten wir das Gleiche getan.“ Diese Behauptung ist aus vielen Gründen falsch. Allein die Tatsache, dass die früheren schriftlichen Zeugnisse des Neuen Testaments den Juden nicht die Schuld zuweist, beweist, dass die antijüdische Ausrichtung der Evangelien eine bewusste Entscheidung war. Anstatt die Römer zu beschuldigen, die tatsächlich die Kreuzigung des Juden Jesus (und von tausenden anderen Juden, die als umstürzlerisch betrachtet wurden) durchführten, wurde die verständliche, wenngleich feige Entscheidung getroffen, die gesamte Schuld den Juden zu geben, einem Volk, das sich damals im tiefsten Elend der Niederlage befand. Es war eine ungefährliche Entscheidung, weil von einem hilflosen Volk keine Vergeltung zu erwarten war. Den Römern dagegen konnte man nicht gefahrlos die Schuld zuschieben, und die paulinischen Christen fürchteten zu recht, dass jede Andeutung von Schuld in Richtung Rom sie in römischen Augen in das gleiche rebellische Lager wie die Juden stecken würde. Dennoch ist es wirklich bemerkenswert, wie es den Evangelien gelingt, die Römer angesichts der Relikte der historischen Tatsachen, die selbst sie nicht verwischen konnten, von jeglicher Schuld reinzuwaschen.(…)

In den Evangelien ist Rom sorgfältig entlastet

In den Evangelien (…) ist Rom sorgfältig entlastet. Pilatus, der römische Statthalter, wird als höchst unwillig, Jesus hinrichten zu lassen, geschildert. Es wird sogar betont, dass er ahnungslos gewesen sei, welche Gefahr für Rom von Jesus Anspruch, König der Juden zu sein, ausging. Im Johannesevangelium (Joh 19,12–15) stellt er vielmehr Jesus den Juden mit den Worten vor: „Da ist euer König!“ Er muss sich von den Juden sagen lassen: „Wenn du ihn freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich als König ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf “, als ob man einem römischen Präfekten sagen müsse, jeder, der Anspruch auf den jüdischen Thron erhebe, müsse wegen Rebellion gekreuzigt werden. Die Juden rufen aus: „Weg mit ihm, kreuzige ihn!“, worauf der unglaubliche Dialog folgt: „Pilatus aber sagte zu ihnen: Euren König soll ich kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser.“ Das Bild des Pilatus (aus anderen Quellen als Schlächter bekannt) als eines politisch Unschuldigen wird nur von der Unwahrscheinlichkeit übertroffen, dass Pilatus, anders als die groben weltlichen Juden, anerkennt, dass Jesus, als er sich als König bezeichnet, meint, sein Königtum sei nicht von dieser Welt.

Zuvor in derselben Szene, als Pilatus erklärt hatte, „Ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen“, hatten die Juden (die Szene wechselt zwischen „die Juden“ und „die Hohepriester“ in einer Weise ab, dass alle Juden von den höchsten bis zu den geringsten eingeschlossen sind) ihren angeblich wahren Grund für ihren Wunsch, Jesus aus dem Weg zu räumen, aufgedeckt. „Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben, weil er sich als Sohn Gottes ausgegeben hat.“ Also sieht das vollständige Drehbuch so aus: Die Juden wollen Jesus aus religiösen Gründen töten, weil sein Anspruch auf Göttlichkeit „blasphemisch“ sei; sie erfinden deshalb einen politischen Grund, um ihn bei den Römern zu denunzieren, obgleich sie sehr wohl wissen, dass Jesus keine politischen Ziele hat. Pilatus, der weiß, dass Jesus unpolitisch ist, beugt sich dem falschen jüdischen Vorwurf, Jesus sei eine politische Bedrohung, während er ehrfürchtig davon überzeugt ist, Jesus sei tatsächlich Gottes Sohn. Dieses ganze Szenario manipuliert die historischen Fakten, dass Jesus in der Tat eine Bedrohung für die römische Besatzungsmacht war, da er Anspruch auf den jüdischen Thron erhob, und dass die Römer, zusammen mit ein paar jüdischen Quislingen, ihn mit ihrer üblichen Bestrafung für Umsturzversuch mit der Kreuzigung aus dem Weg räumten. Das Gesamtergebnis der Manipulation durch die Evangelien ist, dass die Römer als unschuldige Opfer einer jüdischen List dastehen. Eine unwahrscheinlichere Verdrehung historischer Fakten ist kaum vorstellbar.

Zusätzlich zur Verharmlosung von Pilatus werden die Römer durchgängig in einem vorteilhaften Licht gezeigt. Der Erste, der die Göttlichkeit Jesus eingesteht, ist der römische Zenturio, der ihn sterben sieht und sagt: „Wahrhaftig, das war Gottes Sohn“ (Mt 27,54Mk 15,39, aber bei Lukas 23,47 sagt der Zenturio nur: „Das war wirklich ein gerechter Mensch“; offenbar sperrt sich Lukas gegen die Rohheit der Übertragung religiöser Erkenntnis und Autorität von den Juden auf die Römer). Ausgerechnet der Mensch, der die Kreuzigung beaufsichtigt, wird wegen seiner Verehrung des Gekreuzigten von der Schuld entlastet. Nirgendwo in den Evangelien sehen wir die Römer als grausame Unterdrücker eines brutal unterworfenen und ausgebeuteten Volkes.

Übertragung der Schuld von den wahren Henkern auf die Juden

So steht die Behauptung, die Juden repräsentierten nur das menschliche Böse, im Widerspruch zu der Tatsache, dass die Evangelien eine absichtliche Übertragung der Schuld von den wahren Henkern Jesu, den Römern, auf die Juden betreiben. Die Behauptung selbst ist als eine Art Trost oder Zuspruch für die Juden gedacht, die bestürzt sind, sich als die Schurken in der Erzählung der Evangelien wiederzufinden: „Wir geben euch nicht wirklich die Schuld, weil jeder andere das Gleiche getan hätte.“ Diese Versöhnlichkeit wiederholt den angeblichen (nur Lukas bekannten) Ruf Jesu am Kreuz: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34). Man fühlt sich an den von der römisch-katholischen Kirche heiliggesprochenen Pater Kolbe erinnert, der jede Anklage gegen die Juden glaubte, auch die Ritualmordlegende, ihnen aber alles verzieh. Solche Frömmelei kann von den Verleumdungsopfern kaum willkommen geheißen werden. Falsche Beschuldigungen werden durch Vergebung nicht besser, noch kann Vergebung die Untersuchung ersetzen, ob der Angeklagte wirklich schuldig ist.

Manche Kommentatoren schlagen vor, dass selbst die gegen die Juden erhobene Anklage des Gottesmordes nicht wahr sei, die Juden sollten sich nicht darum kümmern, denn die Anklage sei nur symbolisch. „Die Juden“, die ständig in der Erzählung des Johannes auftreten, sollten nicht mit wirklichen Juden gleichgesetzt werden, da der Begriff nur für menschliche Sünder im Allgemeinen stünde, die in jeder historischen Epoche Christus leugnen und die deshalb als „geistig verantwortlich“ für seinen Tod betrachtet werden können. Ich frage mich, wie die Reaktion wäre, wenn man den Begriff „die Schwarzen“ für „die Juden“ einsetzen würde. Ich meine, dann würde offenkundig, dass die Verwendung jeder Menschengruppe als Symbol des Bösen untragbar ist. Damit wird das genaue Gegenteil des Beabsichtigten erreicht: Anstatt Leser zu beeinflussen, sich selbst die Schuld für Böses zu geben, beeinflusst es sie unweigerlich, die gesamte Schuld auf die Gruppe abzuwälzen, die in der Erzählung der Verleumdung ausgesetzt ist.

Ein eingefleischter Bösewicht wie Jago, in seiner ganzen Niedertracht auf der Bühne vorgeführt, wird vom Publikum ausgepfiffen und dient nicht dazu, die eigene Einstellung zu Niedertracht zu überprüfen. Selbst Jago ist kein so melodramatischer Bösewicht wie Judas Ischariot (der tatsächlich alle grundlos satanischen Schurken in der westlichen Literatur inspiriert hat), und wenn das „Wir-sind-alle-schuldig“-Argument nicht auf Judas angewendet wird (was anscheinend nicht der Fall ist), sollte es nicht als relevant für den kollektiven Judas, das jüdische Volk, betrachtet werden. Wenn die Evangelien die Leser wirklich anregen wollen, sich selbst die Schuld zu geben, haben sie sich die am wenigsten wirksame künstlerische Methode zu diesem Zweck zu eigen gemacht.

Ritualisierter Hass als Teil des Erlösungsprozesses

Noch wichtiger für die Dämonisierung der Juden und ihre spätere Rolle als eine Pariakaste im Christentum ist die Erhöhung ihres Verbrechens des Gottesmordes in den Rang eines erlösenden Ereignisses. Dies mag überraschend und paradox erscheinen. Viele Juden (einschließlich Disraeli) haben sich gefragt, warum sie von Christen nicht mit Dankbarkeit, sondern mit Hass betrachtet werden, da doch ihre angebliche Tötung Jesu die direkte Ursache christlicher Erlösung war. Aber man ist dann nicht mehr überrascht, wenn man die christliche Erzählung von der Erlösung mit ähnlichen Erzählungen vergleicht, etwa den Mythen von OsirisBaldur und anderen. Die Einstellung der Eingeweihten zum Tod ihres Erlösers muss von reinem Schmerz und Leid geprägt sein.

Es darf keine Beimischung von Befriedigung oder Freude bei dem Gedanken geben, dass dieser schreckliche Tod Erlösung bringt, ein Gedanke, der in der Zeit des Trauerns aus dem Geist verbannt wird. Wenn die gute Nachricht überbracht wird, dass die Auferstehung stattgefunden hat, kommt eine erstaunte Freude hinzu, die umso größer ist, als die Erlösung völlig unerwartet ist. Die Phänomenologie der Erlösung durch Opferung geht somit von gespaltenen Geisteszuständen aus, die getrennt gehalten werden müssen, damit sich nicht das ganze Erlösungsgeschehen auflöst. Den Eingeweihten wird dann bewusst, dass sie alles andere als die Empfänger einer unerwarteten Erlösung sind, sondern das ganze Drama selbst arrangiert haben. (…)

Es ist diese tragische Gespaltenheit, die den besonderen gegen die Juden gerichteten Hass erklärt. Wo das Opfer vom Menschen, nicht vom Gott, getötet wird, ist es von überragender Wichtigkeit, dass die Eingeweihten saubere Hände haben. Deshalb ist es notwendig, eine Person oder Klasse von Personen zu haben, der man die Schuld an der Bluttat zuschieben kann. Je mehr diese Person oder die Klasse von Personen aus Abscheu abgelehnt wird, desto stärker kann der Eingeweihte die Verantwortung für den abscheulichen Mord, der ihm Erlösung bringt, abstreiten. Somit wird Hass ritualisiert. Der Hass an sich wird Teil des Erlösungsprozesses.

Bei wirklichen Riten des Menschenopfers, wie sie in primitiven Zeiten und sporadisch in historischen Zeiten bis in die Gegenwart ausgeübt wurden, gab es eine rituelle Figur, die die Opferung ausführte und dann vom Stamm verflucht und in die Wüste verbannt wurde. In der hellenistischen Welt ist dieses antike Ritual der Erlösung zu Initiationskulten vergeistigt worden, in denen das Opfer symbolisch war, nämlich enthalten in einer Erzählung oder einem Mythos vom gewaltsamen Tod eines Gottmenschen, der von einer bösen, manchmal übernatürlichen Gestalt verraten worden war. Im Christentum ging es um den Tod einer historischen Gestalt, des Juden Jesus, der beanspruchte, der Messias zu sein, dessen Tod durch die Römer zum Opfertod mystifiziert worden war. Die Rolle des Heiligen Henkers ging deshalb ebenfalls an die historischen Gestalten über – die Juden. Sie wurden für diese Rolle ausgewählt, weil sich das paulinische Christentum vom jüdischen Kampf gegen Rom distanzierte.

Auszug aus: „Ein Pariavolk. Zur Anthropologie des Antisemitismus“ von Hyam Maccoby, 1. Auflage der deutschen Ausgabe 2019, Hentrich & Hentrich Verlag: Berlin/Leipzig (Original: A Pariah People. The Anthropology of Antisemitism, London: Constable and Company Limited 1996), hier bestellbar.

Hyam Maccoby (1924–2004) war Talmudphilologe, Bibliothekar am Leo Baeck College in London und zuletzt Professor für Judaistik an der Universität Leeds. Er erforschte die Entstehung und historische Dynamik von Christentum und Judentum. Seine zentralen Werke Jesus der PharisäerDer Mythenschmied und Der Heilige Henker wurden auch außerhalb der akademischen Welt bekannt. Sein Theaterstück Die Disputation wurde in zahlreichen Städten der USA sehr erfolgreich aufgeführt.

Den zweiten Teil dieser Beitragsfolge finden Sie hier.

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Sanne Weisner / 19.04.2019

Jesus ist eine literarische Figur und Judas freilich auch. Aber Judas ist als Jünger Jesu nicht jüdischer als alle anderen auch (einschließlich Petrus) und wenn es eine religiös untermauerte Hinwendung zu einer jüdischen Schuld gibt, dann ist es Kaiphas. Rom ist nur dahingehend entlastet, dass es Kaiphas ist, der sie hier zu eigenen Zwecken instrumentalisiert. Sicher ist da auch ein Narrativ dabei. Aber es geht hier nicht um DIE Juden ansich sondern um das Establishment, dass sich lieber mit den fremdländischen und vor allem fremdreligiösen Besatzern als etwa dem einfachen Volk gemein machte. Die Besatzer sind dabei plottechnisch egal (wenns gepasst hätte wären auch Aliens gegangen), es geht darum, die neue Lehre von dem alten Jerusalemer Klerikal Hebräertum (Juden gab es damals noch garnicht, nur eine Region namens Judäa) abzugrenzen. Alles was später zum Antisemitismus wurde liegt daher auch nicht im Anfang des Christentums sondern ist erst deutlich später entstanden, als das Christentum schon eine missionierende und Europa dominierende Amtskirche war und die in Europa lebenden Juden sich nicht missionieren lassen wollten und/oder (noch schlimmer für die Christen und die Kirche), sich in den von Muslimen eroberten Gebieten lieber mit den neuen Herren arrangierten als etwa eine christliche Reconquista zu unterstützen. Hier ist dann auch wieder die Verbindung zu Kaiphas und dann auch Judas. Die ersten Pogrome fallen dann auch eher in diese Zeit als etwa in die Zeit von Konstantin, Chlodwig oder Otto III.

T. Rager / 19.04.2019

Wer mit der Kreuzigung Christi Antisemitismus begründen will, interpretiert die Bibel sehr einseitig. Die Geschichte spielte sich im jüdischen Kosmos ab, und das brachte es nun einmal mit sich, dass Täter UND OPFER Juden waren. Dass bei jenen, die die Hinrichtung forderten, einfach von “den Juden” die Rede ist, deute ich so, dass hier auf die breite Masse Bezug genommen wird. Aber in welchem Volk ist es nicht so, dass sich die Massen leicht gegen einen Störenfried wie Jesus aufbringen lassen? Menschen wie Maria, Maria von Magdala, Josef von Arimathäa oder Nikodemus sind überall die Ausnahme. Auf welche Texte bezieht sich Hyam Maccoby, wenn er schreibt, dass ursprünglich nicht von “Juden” die Rede war? Nach meiner Kenntnis wurden die Evangelien nie umgeschrieben. Und wie plausibel ist die Erklärung, dass man sich mit den Römern gut stellen wollte? Bekanntlich wurden die Christen während Jahrhunderten im Römischen Reich verfolgt.

Gertraude Wenz / 19.04.2019

Das Neue Testament enthält viele sogenannte “Unworte”, zu denen auch das “Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!” gehört. Ein Satz, den die Juden nie gesagt haben, der eine reine Erfindung des Evangelisten ist mit massiven Folgen für das geschundene Volk der Juden, wie ein jeder weiß.  Ich kann es nur immer wieder empfehlen, das brillant geschriebene Buch “Der Jesuswahn” vom studierten Theologen Heinz-Werner Kubitza. Der etwas reißerische Titel sollte niemanden abschrecken. Ein fundiertes Buch zum Thema, trotz der anspruchsvollen Thematik köstlich, aber wissenschaftlich fundiert geschrieben. Sie werden die Bibel und das Christentum mit anderen Augen sehen! Unbedingt lesen!

Christof Marx / 19.04.2019

Der Autor hat offensichtlich nichts vom Neuen Testament und den Evangelien verstanden, so wie diejenigen “Christen” die antisemitisch sind. Der Autor war wohl voreingenommenen, anders lässt sich eine solche Fehlinterpretation der Evangelien nicht erklären. Habe selten solch falsche Interpretationen der Evangelien gelesen. Antisemitismus steht im Widerspruch zu echtem christlichen glauben.

Ester Burke / 19.04.2019

Wie könnte ich - die ich den Juden Jesus Christus glaube -  nicht AUCH jüdisch sein ?  I.d.R. beginne ich meinen Tag mit einem Wort aus dem Alten und aus dem Neuen Testament. Und wie ein Hammer trifft mich zuweilen die Schönheit der Sprache und die Wucht der Aussagen.  Wie könnte man leben ohne den Trost der Psalmen und der Verheißungen. “Weiß nit , wo komm ich her, weiß nit, wo geh ich hin - mich wunderts, dass ich fröhlich bin.”  Tragisch ist die irdische / menschliche Existenz in ihrer Stoffgebundenheit : um zu leben, müssen wir zerstören (essen), gleichzeitig fangen wir mit unserem 1. Atemzug an zu sterben…  Und schuldig werden wir, weil wir die Fähigkeit haben,  zwischen gut und böse zu wählen, und uns zuweilen (auch ohne Not, frei ) für das Böse entscheiden. (“Sünde” ?) Es fällt schwer, in dieser Schöpfung einen “Sinn” zu sehen - warum sind wir (das irdische Leben /die Evolution) mit so viel Schmerz und Elend konstruiert ? Warum gibt es das Negative (so es denn einen “Gott” gäbe )? Vielleicht hängt unsere Möglichkeit des Erkennens davon ab, dass wir Gegensätze brauchen : ohne Dunkel kein Hell , ohne Trauer keine Freude, ohne Schmerz kein Glück ?  Dualität ? Angewiesen auf einen Bezug (“ein Wesen, das mir gleich sei…”)  Yin & Yang, Tag und Nacht, das Eigene, Vertraute und das Fremde,  Aufnehmen und Abgeben ? Wir sind m.E. darauf angewiesen, diese schicksalhaften Kreisläufe transzendieren zu können - durch eine Macht, die unsere Tragik auffängt und verwandelt : Religion.  Das Kreuz : ältestes Symbol der Menschheit (irgendwo hörte ich, die Steinzeit hätte im Kreuz das Sonnenrad gesehen : Jahreskreislauf wohl) , Lebensbaum / Erkenntnisbaum ,  Brücke über die menschlichen Abgründe , zum Leben :  das Karfreitagsgeschehen und damit verbunden Ostern -  kann Kraftquelle und Kompass sein.

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