Das Selbstbestimmungsgesetz und die FDP

Nach der FDP-Logik der Selbstbestimmung von Geschlecht wäre man auf dem Standesamt eine Frau und in der Sauna ein Mann. Fakt wird sein: Wir alle sind dann samt Saunabesitzer vor Gericht, weil wir angeblich misgendern. Wann genau haben die Liberalen eigentlich ihren Verstand verloren?

Gerade hat die Bundesregierung eine Einigung beim geplanten Selbstbestimmungsgesetz erzielt. Bereits im Januar hatte Justizminister Marco Buschmann in einem Zeit-Interview zum geplanten Selbstbestimmungsgesetz gesagt:

„Wir haben wahrgenommen, dass es Sorgen gibt, die sich auf die Rechtsfolgen des Geschlechtswechsels beziehen. Dabei geht es hier in Wahrheit in erster Linie um das Verhältnis zwischen Bürger und Staat – um die Änderung eines Eintrags in einem staatlichen Register. Wir werden klarstellen, was das bedeutet. Die Anrede in einem behördlichen Schreiben muss beispielsweise die geschlechtliche Identität, die ein Mensch für sich gewählt hat, respektieren und akzeptieren. Aber die Betreiberin einer Frauensauna soll auch künftig sagen können: Ich will hier dem Schutz der Intimsphäre meiner Kundinnen Rechnung tragen und knüpfe daher an die äußere Erscheinung eines Menschen an. Die Betreiber dürfen dann beispielsweise nicht dem Risiko einer Klage nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ausgesetzt sein. Das müssen wir sauber regeln. Das ist technisch anspruchsvoll und muss gründlich erarbeitet sein.“

Nach dieser Logik der Selbstbestimmung von Geschlecht ist man bei der FDP also dann auf dem Standesamt eine Frau und in der Sauna ein Mann. Fakt wird sein: Wir alle sind dann samt Saunabesitzer vor Gericht, weil wir angeblich misgendern. Wann genau haben die Liberalen eigentlich ihren Verstand verloren?

Ein Exkurs in die Realität, um zu verstehen, wie die FDP ihr Selbstbestimmungsgesetz versucht durchzubringen. In verteilten Rollen: Marco Buschmann, der FDP-Justizminister, dem als Adjutant Jens Brandenburg, MdB und parlamentarischer Staatssekretär im Bildungs- und Forschungsministerium, zur Seite springt. Dieser hatte am 7. Januar Folgendes getweetet, nachdem oberes Sauna-Zitat von Buschmann durch die Transfrau und Aktivistin Julia Monro mit Kommentaren wie „Staatlicher Check des Genitalbereichs?“ und „Verschwörungsmythen am rechten Rand abschöpfen“ als nicht transfreundlich genug diskreditiert worden war:

„Verbreitet jetzt bitte selbst keine Verschwörungstheorien. Kein Sinneswandel und auch keine staatliche Leibesvisitation. Es geht um die selbstbestimmte Selbstauskunft beim Standesamt. Für Saunen etc gilt wie auch heute schon das Hausrecht. Auch das betonen wir seit Jahren.“

Schizophrene Splitting-Strategie

Ich greife das Zitat von Buschmann im Interview mit der ZEIT und den Tweet von Brandenburg auf, um zu zeigen, wie Nebelkerzen geworfen werden, um das Selbstbestimmungsgesetz zu verteidigen oder auch jene zu überzeugen, mitzuziehen, die zu Recht dagegen sind.

Man hat inzwischen auch im Ministerium von Marco Buschmann begriffen, dass dieses Gesetz Probleme aufwerfen wird, überall dort, wo geschützte Frauenräume bislang klar nur von Bio-Frauen benutzt werden können. (Das Problem des Frauen-Sports wird immer noch ignoriert). Nun versucht man sich in einer schizophrenen Splitting-Strategie, so als könne man zwei Geschlechter je nach Lebenssituation juristisch zulassen. Frei nach dem Motto, der Sauna-Besitzer habe ja noch das Hausrecht, sprich, er habe ja selbst noch das Recht, festzulegen, wer seine Frauensauna betritt. Das ist die Theorie.

Was die FDP verschweigt: Man plant ja, um den Saunabesitzer praktisch dennoch in die Knie zu zwingen, mehrere Gesetze parallel:

1. Das Deadnaming-Gesetz, das es jedem von uns verbietet, auszusprechen, dass wir sehen können und wissen, dass vor uns keineswegs eine Frau, sondern ein Mann steht oder umgekehrt (damit soll die Nennung des ursprünglichen Vornamens einer geschlechtsumgewandelten Person strafbar gemacht werden, Anm. d. Red.).

2. Man will genauso das Merkmal „sexuelle Identität“ parallel im Grundgesetz im Antidiskriminierungs-Artikel mit unterbringen (Niemand soll aufgrund seines Geschlechtes, Religion etc. diskriminiert werden, jetzt dann auch geschlechtliche und sexuelle Identität). Ähnliche Bestrebungen, dies in Antdiskriminierungsgesetze zu implementieren, sind weltweit zu beobachten, auch bei der EU. Wenn das kommt, ist der Sauna-Besitzer erledigt und kann zumachen.

3. Schon jetzt stehen ohne diese Gesetze bereits Menschen am Pranger und auch vor Gericht, die auf die biologische Definition von Geschlecht beharren – glaubt irgendjemand, dass der Saunabesitzer eine Chance hätte, wenn er verklagt wird, weil er eine Transfrau nicht als Frau anerkennt und alle „Diskriminierung“ rufen?

4. Und ja, sie werden klagen. Weltweit ist es schon jetzt zu beobachten, wie bereits heute Musterklagen geführt werden. Nur drei Beispiele: In den USA ein Frauenhaus, das fast schließen musste, weil eine Transfrau sich ins Bettenlager der Biofrauen einklagen wollte. Drei Jahre Prozess, nur knapp gewonnen. Anklage lautete Transphobie.

Ebenfalls in den USA: Systematische Massenklage gegen ein Dutzend Waxing-Studios (Enthaarung im Intimbereich!) Um es bildlich auszudrücken: Eine Transfrau versucht zu erzwingen, dass ihr echte Frauen die Eier enthaaren mit dem Argument, sie und ihr „weiblicher“ Penis seien auch eine Frau. England: Sexualstraftäter wechseln ihr Geschlecht und beanspruchen, im Frauengefängnis untergebracht zu werden. Es kommt zu Vergewaltigungen in Frauengefängnissen.

Man kann nicht zwei Geschlechter haben, man hat nur eines. Egal was man sein will. Die Lösung ist nicht, dass die Hälfte der Weltbevölkerung einen Schritt zurücktritt, weil ein paar Männer gerne Frauen wären. Während andere Länder die absurde „Selbstbestimmung“ von Geschlecht inzwischen versuchen rückabzuwickeln und die entstandenen Probleme in den Griff zu bekommen, will Deutschland erst einmal alle Fehler der anderen wiederholen und das Kind in den Brunnen werfen.

Das muss aufhören und zwar jetzt.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Birgit Kelles Facebookseite.

 

Birgit Kellegeb. 1975, arbeitet als freie Journalistin und Autorin, darunter für die Weltwoche und den Focus. Ihre Bücher „Dann mach doch die Bluse zu“, „Muttertier“, „GenderGaga“ und „Noch normal? Das lässt sich gendern!“ wurden zu Bestsellern.

Foto: Kerstin Pukall

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Leserpost

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Michael Stoll / 28.03.2023

“Wann genau haben die Liberalen eigentlich ihren Verstand verloren?” Auf den ersten Blick köstlich, auf den Zweiten ist das eine interessante Frage. Ich wüsste gern die Antwort. Weiß es jemand?

Fritz kolb / 28.03.2023

Degeneriertes Denken, degenerierte Politik. Die Rutschbahn nach unten wird immer steiler, die Idioten jubeln, der Commonsense bleibt auf der Strecke. Entweder kommt es bald zu einem General-Aufstand der Normalen, also derjenigen, für die es nur Menschen mit und Menschen ohne gibt, oder unser Werte-System kippt endgültig. Ich befürchte Letzteres.

Roland Hübner / 28.03.2023

Der Ausweg wäre: man lässt sich im Standesamt als Regenwurm eintragen und ist somit bigeschlechtlich. Und Saunabesitzer könnten sich juristisch behelfen, indem sie erklären dass der Zutritt von Tieren aller Art (auch für Regenwürmer) nicht statthaft ist.  Auch der Ausschluss von Regenwürmern bei Frauen-Sportveranstaltungen wäre gesetzeskonform. Es bräuchte somit keine Gesetzesänderung.

Lilja Wiese / 28.03.2023

Dieser ganse(re) Trans- und Multisex-Hype ist mir unheimlich & macht mir Angst.  ergo bin ich transphob. (Außerdem ekelt mich diese Reduktion aufs rein Physische - ohne Geist undSeele - einfach nur an.)

Michael Hinz / 28.03.2023

#Gaslightning# auf höchstem Niveau. Eine Steigerung scheint nicht denkbar. Aber warten wir ab: #Wartet mal ab.#

Ludwig Luhmann / 28.03.2023

Das, was jetzt kommt, meine ich nicht ironisch!—- Apropos “Transphobie”: ICD-10 Code “F40.- Phobische Störungen - Info:“Eine Gruppe von Störungen, bei der Angst ausschließlich oder überwiegend durch eindeutig definierte, eigentlich ungefährliche Situationen hervorgerufen wird. In der Folge werden diese Situationen typischerweise vermieden oder mit Furcht ertragen. Die Befürchtungen des Patienten können sich auf Einzelsymptome wie Herzklopfen oder Schwächegefühl beziehen, häufig gemeinsam mit sekundären Ängsten vor dem Sterben, Kontrollverlust oder dem Gefühl, wahnsinnig zu werden. Allein die Vorstellung, dass die phobische Situation eintreten könnte, erzeugt meist schon Erwartungsangst. Phobische Angst tritt häufig gleichzeitig mit Depression auf. Ob zwei Diagnosen, phobische Störung und depressive Episode, erforderlich sind, richtet sich nach dem zeitlichen Verlauf beider Zustandsbilder und nach therapeutischen Erwägungen zum Zeitpunkt der Konsultation.”—- Wiki:“Angststörung ist ein Sammelbegriff für mit Angst verbundene psychische Störungen, deren gemeinsames Merkmal exzessive, übertriebene Angstreaktionen beim Fehlen einer wirklichen äußeren Bedrohung sind.Phobien (von altgriechisch φόβος phóbos „Flucht; Furcht, Schrecken“) sind dagegen auf konkrete Dinge ausgerichtet und an bestimmte auslösende Objekte, Situationen oder Räumlichkeiten gebunden (zum Beispiel Tiere, Menschen oder Platzmangel).”—-  Daraus muss man schließen, dass Transphobe an einer Angstörung leiden. Transphobe sind als keine Täter, sondern Opfer ihrer eigenen Ängste! Dasselbe gilt selbstverständlich auch für Islamophobe. Die sind eben krank und haben Angst vor dem Islam. Oder sind wir etwa schon so weit, dass es strafbar ist, vor jemandem oder vor etwas Angst zu haben? - Es gibt vermutlich “Ärzte” die Angst als invertierten Hass begreifen. Solche Ärzte:Innen haben wir in den letzten 3 Jahren weltweit beobachten können.  

Paul J. Meier / 28.03.2023

Wann genau sie ihrem Verstand verloren haben weiß ich auch nicht, aber spätestens dann, als sie den Koalitionsvertrag unterschrieben haben.

b. stein / 28.03.2023

und Beispiele zu welch absurden Geschichten dieses “alles ist möglich, alles ist erlaubt” treibt siehe Schottland, Polmont Prison. Sophie Eastwood, ehemals ein Mann namens David, verurteilt wegen Mordes zu lebenslanger Haft, darf nicht im Frauengefängnis sein und schwenkt um, identifiziert sich als Baby, will mit gewickelt und babylike bespaßt werden und Babynahrung essen. Das Händchenhalten und umsorgen nehmen die Wärter ernst, weil es keine Protokolle im Umgang mit Insassen die sich als Baby fühlen gibt, Die ganze Geschichte in der “dailymail.uk”

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