Manfred Haferburg / 05.11.2023 / 12:00 / Foto: Achgut.com / 45 / Seite ausdrucken

Das Riesenkabel zum Riesenakku

Jüngst feierten deutsche Journalisten einen „Riesenakku“ als Durchbruch für die Energiewende, obwohl ein Nachrechnen höchstens einen Riesen-Flop ergibt. Jetzt ist es ein „Riesenkabel“, das den „Energiewende-Turbo“ bringen soll.

Vor einer Woche berichtete die Achse über eine Jubelmeldung des FOCUS-Online: 

Hurra, er ist endlich da, der Durchbruch für das Speicherproblem der Energiewende: der „Riesenakku“ der Gemeinde Diespeck. FOCUS Online jubelt: „Superakku“ kann trotz Dunkelflaute 10.000 Haushalte mit Strom versorgen“. Man muss zu Ende lesen, um herauszufinden, dass er das allerdings nur für eine Stunde kann. FOCUS: „Mit 24 Megawattstunden kann der Superakku sogar 2,4 Millionen Handys laden“. 13 Millionen Euro hat der Spaß gekostet. 13 Millionen fürs Handy laden während der Dunkelflaute? Um Deutschland durch eine echte, eher kleine Dunkelflaute von einer Woche zu bringen, benötigte man ungefähr 50.000 solche Batteriespeicher, die etwa 650 Milliarden Euro kosten würden. Für diese Summe könnte man 50 große Kernkraftwerke bauen. (Link zum Fundstück)

Leider ist dem Autor dabei ein dummer Rechenfehler unterlaufen. Ein aufmerksamer Leser rechnete nämlich nach und fand heraus:

Jahresstromverbrauch Deutschland 2022: 490 TWh
Stromverbrauch pro Woche (/52): 9.423 GWh
Benötigte Anzahl Speicher der Klasse 24 MWh (= 0.024  GWh): 9.432 / 0,024 = 392.628

Es sind also nicht 50.000, sondern fast 400.000 Riesenbatterien für eine Woche Dunkelflaute nötig. Das wäre dann der Investitionswert einer Flotte von 400 großen Kernkraftwerken. Die könnten ganz Europa mit Strom versorgen. Der Rechenfehler ist aber insofern von wenig Belang, dass weder 50 noch 400 Kernkraftwerke gebaut werden können, genauso wenig wie 400.000 Riesenbatterien. 

Ohne Riesen geht es wohl nicht

Jetzt setzt der Focus in seinem Enthusiasmus noch einen drauf: „Riesenkabel zu den Briten soll Deutschland den Energiewende-Turbo bringen“. Offensichtlich wollen die Energiewender vom Focus die Riesenbatterie an ein Riesenkabel ankoppeln. Ohne Riesen geht es wohl nicht. „Interkonnektoren“ und gigantische Kabel: Deutschland und Großbritannien wollen ihre Energie-Partnerschaft vertiefen. Die Verbindung könnte die Energiewende für beide Seiten beschleunigen. Und auch eine Zusammenarbeit beim schwierigen Thema Wasserstoff ist geplant. Eine Zusammenarbeit bei Windparks in der Nordsee über sogenannte hybride Interkonnektoren soll künftig substanzielle „grüne“ Strom- und Wasserstoffimporte generieren, hieß es… Laut Habeck könnten bis zu 1,5 Millionen Haushalte mit „zuverlässiger, erschwinglicher und sauberer“ Energie versorgt werden.“

Da passt folgende Meldung des Spiegel vom September ins Bild: „Britische Ausschreibung für Offshore-Windparks endet ohne Gebot. Bis 2050 will Großbritannien seine Stromproduktion auf hoher See nahezu verdreifachen. Doch bei einer Ausschreibung für subventionierte Windparks fand sich kein einziger Bieter. Schuld soll die Inflation sein. Das bestätigte die Regierung in London nach Ablauf des Bewerbungszeitraums am Freitag“.

Und als kleine Ergänzung von der taz: „Neues Atomkraftwerk in Großbritannien: Atomkraft doch bitte? Großbritannien plant ein zweites AKW der neuen Generation – nur ein paar Hundert Kilometer Luftlinie von Deutschland entfernt.

Zum schwierigen Thema Wasserstoff werde ich mich in einem gesonderten Beitrag auslassen. Doch zum Thema „Riesen“: Ein neues Kernkraftwerk in Großbritannien vom Typ EPR kann vier Millionen Haushalte versorgen. Sollte ich da nicht besser auf der Achse titeln: „Großbritannien plant mehrere Riesenkernkraftwerke“.

Foto: Achgut.com

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Leserpost

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Geert Aufderhaydn / 05.11.2023

Das sind keine Idioten, sondern schlicht:  Auftragslügner. Wobei man unter “Auftrag” durchaus auch die Selbstzensurschere im eigenen Kopf subsumieren darf. Es gilt: wes Brot ich eß, des Lied ich sing.

Georg Dobler / 05.11.2023

Der Riesenakku wäre dann der Zehner-Wumms. Die, die gerade ankündigen, uns zu übernehmen, die werden dies schon noch hinkriegen. Sind ja alle recht intelligent.

Florian Bode / 05.11.2023

Muhaha, UK mit dem national grid werden Ha-Bücks Energiewende retten. Klaro, und Britisch Rail die DB. Susammen wassss susammen gehööörd. Habt ihr alle Lack gesoffen in den regierungsaffirmativen Redaktionen?

Dr.B.Große-Lordemann / 05.11.2023

“Laut Habeck könnten bis zu 1,5 Millionen Haushalte mit „zuverlässiger, erschwinglicher und sauberer“ Energie versorgt werden.“ Der Konjunktiv ist der Lieblingsmodus der Grünen ! Der Imperativ folgt, wenn’s eng wird!  “Duscht kalt , schützt das Klima!”

Leo Hohensee / 05.11.2023

Eine MÖGLICHE Entwicklung hin zu einer noch schadstoffärmeren Öl-, Gas- und Kohleverbrennung besteht! Aber das würde zeigen den großen Wert der fossilen Energien, man bräuchte weder kleine noch große Akkus - und auch nicht 50.000 oder 600.000 Stück davon. Kohle, Gas und Öl sind Energie und Speicher in einem !!!! Aufbewahrungstanks und die erforderliche Infrastruktur sind / ist bereits vorhanden. Das in der EU beschlossene 1,5°C-Ziel ist nichts als Mummenschanz bezogen sowohl auf die erfundene Ausgangstemperatur / Vergleichstemperatur als auch bezogen auf die Bewertung des CO2s. Wir sollen am Nasenring herumgeführt werden.

W. Renner / 05.11.2023

Nach dem Riesen Fracking Gas, dem Riesen Camping Gas aus Katar, dem Riesen Wasserstoff aus Namibia nun der Riesen Kabel Akku. Letzterer meines ersten Nokia Handys Anno Domini 1992 hielt bei normalem Gebrauch einen Tag, der des aktuellen iPhones eine halben. Riesenakkufortschritt. Demnächst wird uns dann der Riesenknoblauch aus Moldawien aus dem selbstgemachten Strommangel führen.

Leo Hohensee / 05.11.2023

@Jürgen Kreuzer - Sie schreiben : “Da fällt mir nur noch “Riesen-Idioten” ein . Das hat D nun davon, daß nur noch “unterbelichtete” Redakteure in den Redaktionen sitzen, die in Mathematik, Physik, Chemie, also den Naturwissenschaften, einen totalen Blackout hatten, oder in der Zeit bei FFF am Freitag demonstriert hatten.” - Zitatende Ne, ne, ne, Herr Kreutzer, die haben alle studiert -  irgendwas mit Medien. Mehrfachstudienplätze zu nennen, ist sehr beliebt und adelt die Vögel (vermeintlich). Die haben natürlich alle einen Abschluss— In der Politik ist der Nachweis einer abgeschlossenen Ausbildung ja nicht gefragt, auch nicht in führenden Positionen.  Aber Grundrechenarten .... - Kürzlich wurde bei WDR5 Radio Wolfgang Landmesser aus der eigenen „Wirtschaftsredaktion“ als Experte hinzugezogen und befragt. Es ging um die Prophezeiung von Habeck, dass 2024 die Teuerung von aktuell 5,xx % auf 2,6% sinken werde. Landmesser soll sagen was das für die Menschen bedeutet. Der Experte sagt, das bedeute, dass die Menschen zukünftig halt mehr Geld im Portmonee übrig behalten würden. Ich fasse es nicht. Am Stammtisch kann man solch einen Schrott erzählen. Wenn mein Geld also 2,6% weniger wert wird dann habe ich demnach mehr Geld im Portmonee bloß weil die Entwertung im Jahr davor noch höher war. Landauf landab nur noch Experten ????

Roland Völlmer / 05.11.2023

Als Ingenieur musste ich ein Semester Betriebswirtschaft durchmachen und die Prüfung bestehen. Ich bin dafür dass Journalisten ebenfalls ein Semester Dreisatzrechnen und Differential und Integralrechnung mit Prüfung, mindestens 10 Aufgaben und eine Stunde Zeit bestehen müssen. Dann würde man uns von diesen Jubelberichten verschonen.

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