Henryk M. Broder / 10.06.2015 / 10:00 / 2 / Seite ausdrucken

Das Problem ist: Mach einem Bekloppten klar, dass er bekloppt ist.

Was ist nur los mit der FR? Hat sie sch jetzt auch auf die Seite der Israel-Lobby geschlagen? Die Berliner Professorin Monika Schwarz-Friesel erklärt in einem Interview das Phänomen des Antisemitismus, über den immer wieder gesagt wird, er sei “in der Mitte der Gesellschaft” angekommen. Unsinn, sagt MSF, der Antisemitismus war schon immer in der Mitte der Gesellschaft daheim. Sie hat Tausende von Briefen ausgewertet, die an die israelische Botschaft und den Zentralrat der Juden geschickt wurden. Das Ergebnis:

Unsere Untersuchung aller Briefe und E-Mails an den Zentralrat und die israelische Botschaft hat ergeben, dass nur je drei Prozent der Absender rechts- bzw. linksradikal sind. Etwa 14 Prozent kommen aus dem jeweiligen ideologischen Randmilieu, mehr als 65 Prozent hingegen aus der ‘Mitte der Gesellschaft’: sehr viele Hochgebildete, mit Name und Anschrift, mit Angabe des Berufs und akademischer Grade. Deren emotionales Bedürfnis, unter dem Deckmantel der sogenannten „Israelkritik“ judenfeindliches Gedankengut zu verbreiten, schiebt historische und sprachliche Hemmnisse beiseite. Gleichzeitig schwindet die Gegenwehr. http://www.fr-online.de/kultur/antisemitismus-in-deutschland-der-gebildete-antisemit,1472786,30899588.html

Als Beispiel für den Antisemitismus in den Medien nennt MSF “den Journalisten Jakob Augstein und seine Kolumnen”; einem “so gut gebildeten Mann sollte bekannt sein, dass Sätze wie ‘Orthodoxe Juden folgen dem Gesetz der Rache’ oder ‘Wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin dessen Willen’ uralten antisemitischen Stereotypen folgen”.

Ist ihm aber nicht. Ein Antisemit, dem bewusst wäre, dass er antisemitisches Zeug labert, wäre kein Antisemit. Der Antisemit denkt nicht, “es” denkt in ihm. Auch hier gilt der Satz von Dieter Bohlen: “Das Problem ist: Mach einem Bekloppten klar, dass er bekloppt ist.”

Der moderne Antisemit versteckt sich auch nicht in verdunkelten Hinterzimmern muffiger Lokalitäten, er geht in die Öffentlichkeit. Zum Beispiel zum Evangelischen Kirchentag, der sich im Laufe der Jahre zu einem Treffpunkt progressiver Antisemiten entwickelt hat, die Palästina befreien und den Weltfrieden retten wollen. Heuer war die Linke-Abgeordnete und Leichtmatrosin Anette Groth mit an Bord, eine glückselige Antisemitin, die ihre antijüdischen Vernichtungsphantasien im Kostüm der Israel-Kritik auslebt. Wir haben ihren Auftritt beim EKT in Stuttgart festgehalten und werden ihn demnächst dokumentieren.

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Ines Hiller / 10.06.2015

Wenn eine politische Ikone wie Frau Gesine Schwan, in einer Talk-Runde bei Günter Jauch die heutige Islamophobie mit der Judenhetze in Deutschland vor und während der Machtübernahme durch die Nazis gleich setzt - dann möchte man schreien. Mein Protestschreiben an den Moderator Jauch, dass diese Äußerung nicht nur historisch falsch und dumm sondern auch gefährlich ist und er die Pflicht gehabt hätte, da einzuschreiten blieb unbeantwortet. So schaut`s aus!!! Ines Hiller

Karl Schlunz / 10.06.2015

Mir reicht schon ein Treffen mit der größeren Familie, meist gebildete, ganz normale “nette” Leute, durch die Bank SPD/Grüne Wähler. Israel ist an allem schuld, Palästinenser sind unverstandene friedliebende Leute, mit denen es sofort Frieden gäbe, wenn die Israelis nur wollten. Kein Thema erhitzt die Gemüter so sehr wie Israel. Der aktivste “Israelkritiker” ist der mit dem höchsten akademischen Grad. Vertrete ich die Position Israels, wirds ungemütlich. Zweifellos trägt die klischeehafte und tendenziöse Berichterstattung der Massenmedien über Nahost oder auch die Einseitigkeit der UNO gegenüber Israel sehr zu dieser Haltung bei. Gemeinsam ist all diesen “Israelkritikern” nämlich ihre infantile Weltsicht, ihr Sheeple-Mindset, der in staatlichen bzw. überstaatlichen Organisationen und in den Massenmedien (auch hier natürlich besonders den staatlichen) eine Art väterliche Obrigkeit sieht, der man grundsätzlich vertraut. Diese Leute gründen ihr Selbstvertrauen nicht auf die eigene Intelligenz, sie vertrauen ihrer Mitgliedschaft bei einer scheinbaren oder tatsächlichen Mehrheit. Bildung bedeutet für sie Glauben, nicht Zweifeln. Und so funktioniert auch all ihre Argumentation. Ihre feste Burg ist stets der appeal to majority. Es sind einfach keine erwachsenen Menschen. 

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