Das Problem heißt FDP

Ich verstehe ausdrücklich jeden, der sich – von konservativ-liberaler Seite – in Deutschland über Politik ärgert und es manchmal einfach nicht mehr aushalten kann. So geht es mir nämlich die ganze Zeit. Ich verstehe sogar, wenn sich der Ärger auf einen einzelnen Politiker richtet, von dem man sich vielleicht einmal sehr viel mehr erhofft hat, und dessen „Performance“ nicht annähernd die eigenen Erwartungen erfüllt.

Das gilt auch für den FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Christian Lindner. Er müsse weg, hieß es hier auf diesen Seiten, der Mann sei zu glatt, zu professionell, zu unglaubwürdig. Er sei verantwortlich, wenn die FDP es in aktuellen Umfragen gerade so auf 4 Prozent schafft.

Ja, natürlich ist der FDP-Vorsitzende für alles verantwortlich, was seine Partei angeht. Das steht außer Frage. Man kann auch das wohlabgewogene, in der Formulierung umsichtig abgefeilte Mitwirken von CL (die Abkürzung ist einfach praktisch) am allgemeinen Medienzirkus kritisieren.

Aber wenn man, gerade als Mitglied der FDP, einfach nur den Vorsitzenden weg haben will, und glauben macht, damit sei dann das Problem gelöst, dann zeigt man damit meiner Einschätzung nach nicht unbedingt, dass man die Situation gründlich durchdacht hat.

Und wenn man die AfD kurz als denkbare Alternative andiskutiert, um sie aber sofort wieder zu verwerfen, weil da Leute unterwegs seien, die irgendwie einen unanständigen Eindruck machen, dann kommt endgültig die Frage aller Fragen auf:

Ja was denn nun? Wie hätten Sie’s denn gern? Einerseits nicht wohlabgewogen und professionell, aber amateurhaft und manchmal ein wenig neben der Spur des politisch Gewohnten bitte auch nicht. Was bleibt da noch?

Er kann auch locker

Aber noch einmal: An sich verstehe ich den Ärger, und gerade weil ich ebenfalls auch Mitglied in der Partei Christian Lindners bin, ärgert mich die Performance der Partei um so mehr, weil auch ich mir mehr von ihr versprochen habe.

Auf der anderen Seite glaube ich, nein: bin ich völlig überzeugt, dass die Forderung „Lindner muss weg“ das Pferd exakt von der falschen Seite aufzäumt. In meinen Augen ist es so:

Nicht Lindner ist das Problem der FDP. Vielmehr: Die FDP ist das Problem von Lindner. Aber nicht nur die real existierende FDP, sondern der gesamte politisch-mediale Rahmen, innerhalb dessen sich Lindner bewegen muss, steht einer wirklich frei agierenden, bürgerlich-liberalen Kraft im Weg. Damit will ich den Parteivorsitzenden Lindner ganz sicher nicht aus der Verantwortung nehmen oder all sein Tun gutheißen.

Zur Person nur ganz knapp so viel: Ich schätze es sehr, wenn ein Politiker so professionell auftritt. Ja, es ist zweifelhaft, ob Politik überwiegend von reinen Berufspolitikern gemacht werden sollte. Aber wenn es schon Berufspolitiker sind, dann sollen sie ihren Job gefälligst professionell machen, nicht handgestrickt oder unbeholfen. Politik ist neben einer Selbstdarstellungs- auch eine Managementaufgabe, die Kommunikationsvermögen, Übersicht und Entscheidungskompetenz verlangt. Das kann Lindner, auch weil er weit überdurchschnittlich intelligent ist, offensichtlich. Er kann auch ironisch und selbstkritisch, was in der deutschen Politik einiges heißen will. Er kann auch locker, er klebt im öffentlichen Vortrag an keinem Manuskript, und er sieht die strategischen Linien hinter und über dem Tagesgeschäft.

Das alles qualifiziert ihn als Vorsitzenden, und dass er die Partei nach dem Debakel der vorletzten Bundestagswahl zusammengehalten und wieder nach vorn gebracht hat, ist eine mehr als beachtliche Leistung. Das heißt nicht, dass er nun nicht kritisiert werden dürfte, natürlich.

Aber das Problem heißt nicht eigentlich Lindner, sondern das Problem heißt FDP. Die FDP ist im engeren Sinne keine Programmpartei. Sie ist eigentlich eine weltanschaulich unabhängige, nur dem aufgeklärten Denken, der Rechtsstaatlichkeit und der individuellen Freiheit verpflichtete Gruppierung. (Was in gewisser Weise schon eine ganze Menge wäre.) Eigentlich.

Richtungskämpfe gibt es auch in der FDP

Praktisch und faktisch ist die FDP aber mindestens zwei Gruppierungen, und diese Gruppierungen widerspiegeln den Grundkonflikt unserer gegenwärtigen politischen Gesamtlage: auf der einen Seite die grünlinken Weltverbesserer, die Globalisierer, die überzeugten Europäer (im Sinne der EU!), die – wenn man so will – „Modernisten“, die an Fortschritt glauben und die Dinge irgendwie „voran bringen“ wollen. Auf der anderen Seite diejenigen, die keinen grünen Nanny-Staat wollen, die den Menschen im Lande möglichst viel Spielraum lassen wollen, die nicht auf planwirtschaftliche und Umverteilungs-Politik setzen, sondern auf Privatinitiative, Unternehmungsgeist und technologische Lösungen physikalischer Probleme.

Diese zweite Gruppierung, oder jedenfalls diese politische Grundhaltung, ist nach meiner bescheidenen Einschätzung die eigentliche individuelle politische Heimat von Christian Lindner. Mit klaren Akzenten in dieser Richtung hat er den Wahlkampf um den Landtag NRW 2017 höchst erfolgreich gerade auch ausdrücklich gegen die NRW-Grünen in ihrer naiven und tölpelhaft umgesetzten Staatsgläubigkeit geführt und damit das Sprungbrett für Berlin gebaut. Dort hat er, was nicht vergessen werden sollte, den unseligen Jamaika-Gesprächen ein Ende gesetzt, weil er seine FDP nicht zu einem mißliebigen Steigbügelhalter einer grünlich orientierten Kanzlerin Merkel machen lassen wollte.

Und genau mit dieser Entscheidung – einer allseits überraschenden und mutigen Entscheidung – hat Lindner den Grundkonflikt in seiner Partei aufbrechen lassen, denn die letztlich im grünlinken Mainstream mitschwimmenden Modernisten hätten sich vermutlich nur zu gern im Regierungshandeln arrangiert. Womit sie dem grassierenden Vorurteil gegen die FDP, ihr komme es letztlich nur darauf an, an der Macht teilzuhaben, ohne große Rücksicht auf Inhalte, natürlich entsprochen hätten.

Ist die FDP, ist Christian Lindner für soviel Geradlinigkeit, soviel liberale Eigenständigkeit gegen den grünlichen Mainstream im Lande belohnt worden? Natürlich nicht. Seitdem geht es der FDP wie vor Jahren unter ihrem damaligen Vorkämpfer Guido Westerwelle, nachdem der es gewagt hatte, sich klar und eindeutig dem grünrotlinken Denken von 90 Prozent der Medienleute in den Weg zu stellen, sich spöttisch über „Gutmenschen“ zu äußern und Zeichen spätrömischer Dekadenz zu erkennen.

Hysterische Abgrenzung

Was kann ein FDP-Vorsitzender in so einer Gesamtlage tun? Er kann nur versuchen, die grundlegende Konfliktlinie irgendwie zu überspielen, die Denkrichtungen in der Partei unter einem Hut zu behalten. Das heißt im Ergebnis: immer mal eigene Akzente gegen den grünlinken Mainstream setzen, aber andererseits doch in dessen Reichweite bleiben. Gelegentlich Hinweise geben, die sachlich fast unabweisbar sind, aber leider fast so ähnlich klingen wie Hinweise von AfD-Seite, gegenüber der man sich schon fast hysterisch abgrenzt, denn man will ja doch auch „zu den Guten“ gehören.

Das sieht sich das Publikum, sofern es davon überhaupt viel mitbekommt, aus der Entfernung an und fragt sich ebenfalls die Frage aller Fragen: Ja was denn nun? Der Versuch von Christian Lindner, notgedrungen den beschriebenen schmalen Pfad halbwegs mittig zwischen grünlinkem Mainstream und kräftiger freiheitlich-bürgerlicher Opposition zu beschreiten, ist an sich schon schwierig genug. Und dann kommen noch all die teilweise ungenierten Debattenbeiträge aus der Partei bzw. von hochmögenden Funktionsträgern, bei denen man sich fragt, warum die nicht eigentlich längst bei den Grünen mitmachen.

Denn daran besteht kaum ein Zweifel: Was der große Europapolitiker Lambsdorff, der große Sozialpolitiker Vogel oder die ganz groß antipopulistische Naumann-Stiftung vertreten, das liegt voll im Mainstream und ist von grünlinks nicht substanziell, sondern nur graduell zu unterscheiden, sozusagen auf Fußnoten-Niveau.

Und wenn der Vorsitzende Christian Lindner dann wagt, Schuleschwänzen für das Weltklima kritisch aufzuspießen und auf technologische Lösungen für energiepolitische Fragen zu setzen, dann schäumt ihm die ganze grünlinke Empörung mitten ins Gesicht, und er wird von seiner eigenen „Parteijugend“ gedrängt, doch bitte beim klimapolitischen Aktivismus ganz vorn mitzumachen.

Linksradikales Geschrei verängstigt auch FDP-Funktionäre

Man muss sich dabei auch vor Augen führen, dass unsere modernen Volksvertreter längst in den „Sozialen Medien“ angekommen sind, oder mit anderen Worten: Sie mögen gelegentlich auch noch bei einer Kreisversammlung mit ein paar Dutzend „normaler Menschen“ zusammenkommen, zwischen Rechtsanwalt, PR-Berater und engagierten Rentnern, aber ihr Hauptpublikum sind fast eher die linksradikalen Aktivisten auf „twitter“, denen man mit „fortschrittlichen“ Positionen nie weit genug gehen kann.

In dieser Gesamtlage bewegt sich der FDP-Parteivorsitzende, und all seine Intelligenz, sein persönlicher Charme oder seine Wortgewandtheit nutzen ihm dabei nur in Maßen. Vermutlich ahnt er, dass die FDP als „Grüne, aber auch ein bisschen freiheitlich“ keine große Marktlücke für sich hat. Oder ganz klar: So eine Partei braucht eigentlich niemand. Anderseits ahnt er nicht nur, sondern hat es nachdrücklich erfahren, dass jeder Hauch von – tatsächlicher oder andichtbarer – Annäherung an die (als populistisch diffamierte) grundlegende Kritik an der Merkelpolitik die FDP in schwerstes Gewässer bringt.

Diesen Konflikt kann niemand lösen. Ich auch nicht – denn was würde man selber an Lindners Stelle tun? Eine Spaltung der Partei riskieren, indem man sich klar gegen den grünlinken Mainstream positioniert? So eine große Bewegung ist die FDP nicht, dass man mit der Hälfte des Vereins noch irgendwo einen Blumentopf gewinnen könnte.

Wie gesagt, die FPD ist eigentlich keine Programmpartei. Aber das Bedürfnis nach Haltung, Bekenntnis und Gutmenschentum ist nun einmal auch bei großen Teilen ihrer Funktionsträger angekommen. Wäre die FDP tatsächlich, wie ihr von einigen immerzu hämisch oder verzweifelt vorgeworfen wird, nur ein Club von Honoratioren, die einfach nur etwas mitregieren wollen, bestenfalls in einem technokratisch-unideologischen Sinn lösungsorientiert, dann könnte ein charismatisch-professioneller Spitzenmann wie Christian Lindner durchaus Erfolge erzielen, denn dann wäre es nur ein Wettbewerb um kompetentes Auftreten und keine Konkurrenz, wer am lautesten moralisiert und sich aufs schönste empört.

Aber selbst wenn Herr Lambsdorff auf das Twittern verzichtet und die Naumann-Stiftung auf kulturmarxistische Peinlichkeiten: Es sieht so aus, als lebten wir inzwischen in einer Epoche der Entscheidung, der klaren Positionierung: Entweder man unterstützt die grünlinken Weltverbesserer, und zwar gefälligst mit Haut und Haar, oder man tritt dem einschlägigen politmedialen Aktivistenkomplex mutig entgegen, wie es die AfD in Deutschland grundsätzlich tut – und „Populisten“ in vielen Ländern. Wobei eine gewisse Ironie darin liegt, dass Leute wie Trump oder Boris Johnson oder unser charmanter österreichischer Nachbar Kurz im Grunde gar nichts Radikales wollen, außer eben keine radikale (linke) Politik aufgezwungen zu bekommen.

Die Partei über Wasser halten

Aber die weltweite Koalition der linken Aktivisten und Globalisierer in ihrer massiven und schamlosen Propaganda beschreiben ihre radikalen Forderungen als so ungefähr das Mindeste, was man von einem anständigen Menschen erwarten könne, während der dem Aktivismus abholde Normalbürger unverfroren zum Rassisten, Faschisten oder sonst einem Unmenschen erklärt wird.

Zwischen diesen beiden Polen zerreibt sich die FDP. Würde Lindner aufgeben, würde ganz sicher niemand es schaffen, die grünlinke Teilgruppe ins bürgerliche Lager herüberzuziehen. Das schafft nicht einmal ein Kubicki, und der ist noch dazu weder mehrheitsfähig noch neigt er zu politischem Selbstmord. Wahrscheinlicher würde eine Nachfolgerin die grünlinke Neigung nur verstärken, aber damit ist niemandem gedient, nicht einmal rein parteitaktisch.

Also wie gesagt, ich kann das Problem nicht lösen. Aber Lindner davonzujagen, löst das Problem ganz sicher auch nicht, sondern würde es nur noch virulenter werden lassen, denn immerhin: Bisher scheint niemand sich das zuzutrauen, auf Lindners Sturz hinzuarbeiten und den Laden übernehmen zu wollen. Lindners Professionalität, seine individuelle Brillanz, seine Wortgewandtheit: Das könnte noch eine ganze Zeit lang das einzige sein, was die FDP überhaupt so halbwegs über Wasser hält.

 

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Wann wird die heilige Kuh Christian Lindner geschlachtet?

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Alexander Seiffert / 18.06.2020

Lindner leistet schon einiges (ja, man muss das Berufspolitiker-Dasein auch mal in dem Aspekt Arbeitsleistung sehen) und als Mitglied der FDP weiß ich wie groß das links-grüne Lager der aalglatten Windfähnchen in der Partei ist. Sie, Herr Alberts, meinen die JuLis (Junge Liberale) seien peinlich, weil sie von Lindner verlangten, seinen “Profis überlassen”-Spruch zu kassieren? Ich traf auf den JuLi-Veranstaltungen genügend Leute, die der Meinung waren, islamistischer Terror sei nur eine legitime Form des Protests von vielen. Seit dem wundert mich nichts mehr. “Ist die FDP, … für soviel Geradlinigkeit … gegen den grünlichen Mainstream im Lande belohnt worden? Natürlich nicht.” - Darauf einzugehen, warum das so ist wäre einen separaten Artikel wert. Wahrscheinlich ein ganze Buch. Die Gründe für den “medialen Fallout” für das Jamaika-Platzen liegen irgendwo zwischen Lindners Ex-Frau und der Tatsache, dass viele Journos wussten, dass 2017 der Stimmenzuwachs der AfD nur mit einer (medial geschonten) FDP zu stoppen war.

Moritz Baumann / 18.06.2020

Herr Alberts, Sie sprechen mir aus der Seele, was die zwei Gruppierungen in der FDP, die politische Position von CL und sein wortgewandtes Taktieren betrifft. Er ist darin erfolgreich, ein Auseinanderbrechen der Partei zu verhindern. Genau so sehe ich das auch. Das ist aber auch schon alles, was CL erreicht. Zu welchem Preis? Bedeutungslosigkeit und ein Weiter so. Das Problem der FDP sehe ich darin, dass sie ihre radikalen Kräfte nicht loswerden will. Denn viele der Modernisierer sind gar keine Liberalen. Das haben Sie ja auch festgestellt. Sie sind weit radikaler als die Sozialliberalen unter Helmut Schmidt. Sie haben in der FDP nichts verloren. Es handelt sich bei ihnen um Pseudoliberale, im Kern um Sozialisten, die sich einen liberalen Umhang umgelegt haben. Wortgewandtes Taktieren - man könnte es auch Appeasement nennen - bringt bei Pseudoliberalen nichts. Bei ihnen hilft nur das brutale Aussprechen der Wahrheit mit dem Risiko des Verlierens. Die FDP muss die radikalen Modernisierer loswerden, genauso wie die AfD ihre radikalen Kräfte loswerden muss. Bei der AfD hat man aber wenigstens das Gefühl, dass sie es versuchen. Bei der FDP dagegen ist man sich über die Sozialisten in den eigenen Reihen nicht im Klaren. Deshalb ist die FDP für mich unwählbar. Eine Partei bestehend aus den liberalen Kräften der FDP und den konservativ-liberalen Kräften der AfD wären Balsam für die geschundene konservativ-liberale Seele.

M. Citronella / 18.06.2020

Ich möchte mich als Politik-Interessierte Person, gerne den Ausführungen von Karl Schmidt, Peter Becker und Dr. Rene Brunsch anschließen. In diesen 3 Beiträgen ist alles zu der sogenannten liberalen Partei ( FDP ) gesagt und die Rolle die Christian Lindner darin spielt, ausgiebig dargestellt worden.

Olaf Neumann / 18.06.2020

Der Sturz Kemmerichs auf Befehl von Merkel ist und bleibt das eigentliche politische Vermächtnis des Christian Lindner, sein feiger, nur an der persönlichen Karriere orientierter Kotau vor dem linksliberalen Establishment. Dafür hat er einen Parteifreund über die Klinge springen lassen und seine ganze Partei gleich mit. DAS und nicht Kemmerichs Wahl mit Stimmen der AfD war “unverzeihlich”. Lindner hat fertig, er ist nur noch eine Karikatur seiner selbst - und den besseren Herrenausstatter hat längst Heiko Maas. Philipp Rößler, einer wie Lindner, gleiche Generation und Denkweise, hat das am Ende schließlich eingesehen und ist ganz aus der Politik ausgestiegen. Genau das muss Lindner nun tun, und er muss es bald tun, wenn die FD? 2021 noch den Hauch einer Chance haben will.

Dr.H.Böttger / 18.06.2020

Lindner und Drehofer haben eine auffällige Ähnlichkeit bei ihren hingelegten Sturzflügen . Beide haben auf unterschiedliche Weise und nicht koordiniert Widerborstigket gegen Merkel simuliert, nicht aus moralischen Gründen oder Charakterstärke, aber jeweils in einem Akt der Verzweiflung als letzten Versuch. Beide sind an Merkel hoffnungslos gescheitert und durch die Linkshetzer mit Hass und Hohn bestraft worden. Drehofer sowieso als langjähriger Buhmann gejagt und Linder musste sich z.B. von einer zuckend geifernden Slomka und ähnlichem Gelichter verhören lassen, “wieso er sich weigert Verantwortung zu übernehmen?”.  Die gesamte giftrot und giftgrüne Mischpoke in Politik und Medien sah sich um ihren handgreiflich nahen Erfolg gebracht. Merkel hat es bestens überstanden, Drehofer wie Lindner sind jeder endgültig gebrochen und nur noch als Bettvorleger zu gebrauchen. Beflissene Lakaien, die alles befohlene apportieren, wenn es nur niedrig und gemein ist. Drehofer hat sich endgültig aufgegeben, könnte sein, dass Lindner noch auf eine Zeit nach Merkel hofft.

E. Müsch / 18.06.2020

Als liberal im Sinne von Bürgerrechten und Freiheit habe ich die FDP nie wahrgenommen, mit Ausnahme von Herrn Baum vor Jahrzehnten. Wenn als liberal dann nur wirtschaftsliberal (GrafLampsdorff und Konsorten). Deregulierungen zu Gunsten von Privatunternehmen und für Privatisierung von Staatsaufgaben zu Gunsten von Versicherungs- und Finanzkonzerne. Niebel hat ja sogar die Entwicklunghilfe privatisiert.  Ansonsten ist die FDP eine Klientelpartei für wenige Unternehmenssparten- Hoteliers Zahnärtze etc. Das liberale Feigenblättchen diente nur dazu Wähler zu täuschen um über die 5% zu kommen. Nur in einem Punkt kann ich dem Autor zustimmen; das Herr Lindner nicht in Merkels Links-Grünes Bett gesprungen ist, hätte ich Ihm und dieser Umfaller Partei nicht zugetraut, und das ehrt Herrn Lindner tatsächlich. Seine Nummer in Thüringen wo er den eigenen Mann fallen ließ, war hingegen schwach. Da hätte Ihm was anders einfallen müssen.

H.Störk / 18.06.2020

Als 2013 der Mitgliederentscheid zur Euro-Rettung mit 44kommaetwas zu 55kommaeinbißchen ausging, hatte ich den Eindruck, daß die Flügel der FDP eher an die “Fundis” und “Realos” der Grünen erinnern: auf der einen Seite Menschen, für die Freiheit ein moralisches Grundprinzip ist, und die für Bürgerrechte und Marktwirtschaft eintreten, weil politische und wirtschaftliche Freiheit untrennbar zusammengehören - und auf der anderen Seite kühl kalkulierende Kosten-Nutzen-Optimierer, die Marktwirtschaft vor allem deswegen gut finden, weil sie wirtschaftliche vernünftig ist, und die in der FDP sind, weil die innerparteiliche Konkurrenz um Posten und Positionen nicht so groß ist. Leider sind es letztere, die die Außenwahrnehmung der Partei dominieren.

Charles Brûler / 18.06.2020

Die FDP hatte mehrmals ihre Chance. Jetzt sollte die AfD drann sein Warum immer wieder den gleichen Fehler machen? Es muss ein strukturelles Problem sein

Karl Schmidt / 18.06.2020

Man kann nicht liberal verkaufen wollen und gleichzeitig grüne Engstirnigkeit leben. Es ist ein Unterschied, ob man die AfD und ihre Anhänger als Bürger mit gleichen Rechten unterstützt oder ihnen politisch inhaltlich zustimmt. Den Unterschied kannte die alte FDP. Das Theater um den Bundestagsvizepräsidenten hätte sie z. B. nicht mitgemacht, denn es widerspricht ihrer DNA. Niemals wäre ein FDP-Vorsitzender auf die Idee gekommen, die SED hätte einen geeigneteren Kandidaten für das Amt eines Ministerpräsidenten als den eigenen Frontmann. Entschuldigung, aber so blöd darf man sich in diesen kritischen Zeiten nicht anstellen. Wer so kopflos agiert, sich vom politischen Gegner dirigieren lässt, übt keine Führung aus. Nichts hat der FDP mehr geschadet; dafür wird sie nun bestraft. Ich lasse auch die Ausrede des politischen Umfelds nicht gelten: Das stärkt man nur durch Anbiederung. So greift man keine Herrschaft an. Dafür muss man dann schon mal arbeiten, etwas aushalten und linke Strukturen gezielt beseitigen und durch rechtsbürgerliche ersetzen. Liberalität muss sich nicht rechtfertigen; sie muss selbstverständlich praktiziert werden, denn sie wird uns allen in der Verfassung garantiert. Auch das muss man mal (vor)leben, damit die Leute wieder Lust auf das Unangepasste bekommen. Die Blockflöten, zu denen auch die FDP gehört, sind inhaltlich schwach. Wenn Lindner bei Illner von einer “staatlichen Verantwortungsgemeinschaft” spricht, klingt er wie ein sozialistischer Apparatschik - und ist es in der Sache ja auch (vom inhaltslosen Stumpfsinn, der in solchen Formulierungen zum Ausdruck kommt, ganz zu schweigen). Wie peinlich und traurig. Für Liberale gibt es so viel Möglichkeiten, sich gerade in diesen Zeiten interessant zu machen, unverzichtbar zu erscheinen. Das Feld bleibt aber unbeackert, denn die AfD wird wohl eher CDU und rechte SPD beerben und die FDP hilft der radikalisierten Linken, bestärkt sie, hilft beim Ausbau ihrer Netzwerke.

Peter Becker / 18.06.2020

Hätte die FDP spätestens 2015 einen scharfen Schwenk Richtung konervativ/national-liberal hingelegt, wäre sie anstatt der AfD gewachsen. Alle Spatzen pfiffen es doch von den Dächern, dass sehr viele Menschen die Nase voll von den ganzen durchgeknallten Globalisten und Gutmenschen hatten, und dass rechts von der sozialdemokratisierten CDU ein riesiges Vakkum entstanden war. Sich stattdessen zwischen der CDU und dem Linksgrün-Block zu positionieren war politischer Selbstmord, wie man jetzt sieht. Unter Lindner wird es wohl keinen Weg aus dieser Sackgasse geben, nur eine innerparteiliche Revolution und die konsequente Verdrängung der linksgrün-liberalen könnte Rettung bedeuten. Aber da sind die MSM und die AfD vor.

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