Benny Peiser / 30.06.2007 / 13:02 / 0 / Seite ausdrucken

Das PIK und der Mythos von der Golfstrom-Eiszeit

Seit einigen Jahren beschwören deutsche und internationale Untergangspropheten die Gefahr einer Mini-Eiszeit, die Europa als Folge der globalen Erwärmung schon bald bevorstehen soll. Im Dezember 2005 veröffentlichte das Wissenschaftsmagazin Nature sogar einen Artikel englischer Klimaforscher, die behaupteten, der Zustrom warmer Golfstrommassen nach Europa habe sich seit 1950 um nahezu 30% verringert. http://news.nationalgeographic.com/news/2005/11/1130_051130_ice_age.html

Die sensationalle Meldung schlug ein wie eine Bombe. Sie führte zudem zu einer Kontroverse zwischen dem verantwortlichen Chefredakteur von Nature und dem von mir herausgegeben Wissenschaftsnetzwerk CCNet.
http://www.staff.livjm.ac.uk/spsbpeis/CCNet-02-12-05.htm

Im November vergangenen Jahres wurde schließlich offenbar, daß die von Nature publizierten Daten und Behauptungen fehlerhaft waren:

FEARS that a shutdown of ocean currents is about to plunge Europe into a mini ice age receded last week. New measurements have failed to show clear evidence that the current is weakening, and models of the North Atlantic show that a shutdown would not occur in the way oceanographers had expected. http://environment.newscientist.com/article/mg19225763.900.html

Diese Fakten wurden Mitte März von deutschen Meeresforschern bestätigt:

“Der Golfstrom im Nordatlantik zeigt trotz des Klimawandels bisher keine Abschwächungstendenzen. Das belegen Langzeitmessungen, die das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-Geomar veröffentlicht hat. Dem warmen Golfstrom verdankt Europa sein mildes Klima. Anders als erwartet, ergaben Strömungsmessungen am Ausgang der Labradorsee zwar große Schwankungen über Zeiträume von Wochen und Monaten, aber keine dramatischen langfristigen Trends, die auf eine Abnahme der Zirkulation hindeuteten.

“Bisher gehen nahezu alle Klimamodelle davon aus, dass sich der Golfstrom in Zukunft abschwächen werde”, hob Professor Claus Böning von IFM-Geomar hervor. Einige Forscher meinten, erste Anzeichen dafür in Messdaten erkennen zu können. “Dies wird aber nicht durch unsere Langzeitbeobachtungen bestätigt.” Bei den Messungen seit 1996 zeigten sich “im Nordatlantik zwar starke natürliche Schwankungen, aber es gibt keine Anzeichen für Abschwächungen”. http://www.zeit.de/news/artikel/2007/03/16/96109.xml

Die Absage der Klimakatastrophe war eine herbe Enttäuschung für die professionellen Untergangspropheten am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Was tun? Vielleicht bessere Beobachtungen anstellen oder die Datenlage nochmals prüfen? Ach was! Viel einfacher als genaue Beobachtungen ist eine Meinungsumfrage unter Gleichgesinnten, um das widerlegte und beerdigte Katastrophenszenario wiederaufleben zu lassen.

Und genau diese PR Strategie hat das PIK aus dem Hut gezaubert:

“Nach Erkenntnissen von Klimaforschern könnte schon in diesem Jahrhundert ein wichtiger Teil der Atlantischen Ozeanzirkulation abzubrechen beginnen. Dies hätte eine Reihe dramatischer Folgen, teilte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am Freitag mit. 

Es nannte einen Meeresspiegelanstieg um bis zu einem Meter im Nordatlantik oder auch eine Veränderung der weltweiten Niederschläge. Grundlage der Aussagen ist eine «Umfrage unter führenden Klimawissenschaftlern im Bereich Atlantischer Ozeandynamik», die das PIK gemeinsam mit der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh (USA) vorgenommen hat. Die Ergebnisse wurden den Angaben zufolge in der Juni-Ausgabe der Fachzeitschrift «Climatic Change» veröffentlicht….” http://www.co2-handel.de/article311_6034.html

So also steht es heute um die Klimaforschung: wenn man keine empirischen Fakten mehr zum Vorzeigen hat, veranstaltet man einfach eine Meinungsumfrage unter Kollegen - und Bingo - kommt genau zu dem erhofften Resultat.

Jenen Lesern hingegen, die mehr an wissenschaftlichen Erkenntnissen als an den persönlichen Meinungen von Klimapropheten interessiert sind, sei der Vortrag von Richard Seager über den Golfstrom Mythos empfohlen, den Seager vor einigen Tagen an der New York Academy of Sciences hielt. Enjoy!

“A few times a year the British media of all stripes goes into a tizzy of panic when one climate scientist or another states that there is a possibility that the North Atlantic ocean circulation, of which the Gulf Stream is a major part, will slow down in coming years or even stop. Whether the scientists statements are measured or inflammatory the media invariably warns that this will plunge Britain and Europe into a new ice age, pictures of the icy shores of Labrador are shown, created film of English Channel ferries making their way through sea ice are broadcast… And so the circus continues year after year.

The panic is based on a long held belief of the British, other Europeans, Americans and, indeed, much of the world’s population that the northward heat transport by the Gulf Stream is the reason why western Europe enjoys a mild climate, much milder than, say, that of eastern North America. This idea was actually originated by an American military man, Matthew Fontaine Maury, in the mid nineteenth century and has stuck since despite the absence of proof.

We now know this is a myth, the climatological equivalent of an urban legend….
http://www.ldeo.columbia.edu/res/div/ocp/gs/

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