Präsident Trump ist ein Befürworter der Kernenergie. Aus zwei Gründen: China droht die USA zu überholen, wenn keine neuen Kraftwerke gebaut werden. Schon das ist ein Unding für Trump. Die USA sollen die absolute Nummer eins auf dem Gebiet der Rechentechnik bleiben. Dafür findet ein gigantisches Ausbauprogramm für Rechenzentren statt. Diese brauchen aber etliche Megawatt elektrische Leistung zusätzlich – und zwar rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche. Wetterabhängige Energie scheidet deshalb aus. Erdgas und Kohle könnten zwar kurz- und mittelfristig einspringen, sind aber langfristig zu teuer.
Das US-Unternehmen Westinghouse ist der Vater der überwiegenden Zahl von Druckwasserreaktoren weltweit. Deren neuestes Modell ist der AP1000. Sieben Reaktoren – davon nur zwei in den USA – sind weltweit bereits sehr erfolgreich in Betrieb. 13 als Lizenz in China in Bau mit bemerkenswerten Baukosten von unter 2.500 USD/KWel und Bauzeiten von 56 Monaten. Weitere etwa 20 Reaktoren in fortgeschrittener Planung. Also ein solides Fundament auch für einen weiteren Ausbau in den USA.
Das war nicht immer so. Die Reaktoren Vogtle 3 und 4 sind völlig aus dem Ruder gelaufen. Astronomische Bauzeiten von zehn Jahren mit entsprechend explodierten Kosten. 2017 erstickte Westinghouse fast daran (Chapter 11 bankruptcy). Da Westinghouse ansonsten ein solides und teilweise hochprofitables Unternehmen war, wurde es von Brookfield Asset Management übernommen. Brookfield ist ein Private-Equity-Unternehmen. Es ist eine eher kleine Kapitalbeteiligungsgesellschaft (rund 14 Milliarden US-Dollar).
Da langsam das Neubaugeschäft wieder anläuft, verkaufte Brookfield 49 Prozent an das ebenfalls kanadische Bergbauunternehmen Cameco. Cameco ist einer der weltweit größten Uranproduzenten, der Uranabbau, Uranverarbeitung und den Handel mit Uranprodukten betreibt. Durch die Beteiligung an Westinghouse entstand ein integrierter Kernenergie-Konzern, wie er vergleichbar nur in Frankreich und Russland besteht. Wahrscheinlich ist das der Grund für die Aktivitäten von Trump.
Für Deutschland delikat in diesem Zusammenhang ist, dass Telekom und die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland etc.) zusammen mit Brookfield eine Bewerbung für eine „AI Gigafactory“ in Europa stellen. Entscheidend wird die Unterstützung der EU für eine ausreichende und dauerhafte Stromversorgung sein. Wie und wo die wohl entstehen wird?
Börsengang und Einstieg Japans
Soweit frei zugängliche Informationen zeigen, sieht der Plan von Trump einen Börsengang von Westinghouse vor, wenn die Verwaltung bis Januar 2029 eine endgültige Investitionsentscheidung durchsetzt und der Gesamtwert von Westinghouse auf mindestens 30 Milliarden US-Dollar steigt. Die US-Regierung könnte dann bis zu 20 Prozent der Aktien für ihre finanziellen „Bemühungen“ erhalten. Allerdings ist noch unklar, wie die angepeilten 80 Milliarden US-Dollar für mindestens zehn Reaktoren aufgetrieben werden können. Das Handelsministerium, heißt es vage, soll dazu beitragen, den Bau der neuen Reaktoren in den USA mit mindestens 80 Milliarden Dollar zu erleichtern. Das ist schon ungewöhnlich, da eigentlich das Energieministerium zuständig sein sollte. Gerüchte besagen, dass das Geld aus Japan kommen soll.
Im Juli 2025 kündigte Präsident Trump ein wegweisendes Wirtschafts- und Handelsabkommen mit Japan an, in dem Japan zustimmte, 550 Milliarden Dollar in amerikanische Industrien zu investieren und (dafür) einen (geringeren) Basiszollsatz von 15 Prozent erhalten soll. Bis zu 332 Milliarden US-Dollar sollen von Japan zur Unterstützung der kritischen Energieinfrastruktur in den Vereinigten Staaten investiert werden. Einschließlich des Baus von AP1000 durch Westinghouse und kleinen modularen Reaktoren (SMRs) in Partnerschaft mit GE Vernova und Hitachi.
Allerdings gibt es noch ersthafte Bedenken für eine japanische Investition in dieser Form. Bis die japanische Regierung 80 Milliarden US-Dollar in einen Topf von etwa zehn Reaktoren eines bestimmten Typs legt, sind noch eine Menge Fragen zu klären:
- Über wen sollen die Gelder fließen (Energie- oder Handelsministerium)?
- Gibt es noch andere Kosten?
- Welche Energieversorger wollen konkret das Investment tätigen? Bisher herrscht noch keine Begeisterung für den Neubau von „Groß-Reaktoren“, was auch verständlich ist, nach den Erfahrungen mit Vogtle und Summers. Erst wenn alle Standortfragen bekannt sind, haben Entwickler, Eigentümer und Betreiber eine Chance, ihre eigenen Finanzströme zu strukturieren.
- Wer trägt etwaige Mehrkosten bei einer Überschreitung der geplanten Bauzeit? Verursacher können hier Gerichte und Behörden sein, was außerhalb des Einflusses der Investoren und Baufirmen liegt. Es ist eine „Versicherung“ dafür im Gespräch. Wie die aussehen kann und wie die Risikoprämien kalkuliert werden können, ist noch Neuland.
Es sind noch eine Menge Fragen zu klären und eine Menge Dinge zu verhandeln. Wahrscheinlich wird hier die US-Regierung weit mehr in die Verantwortung und Haftung gehen müssen als bisher beim Bau von Kernkraftwerken gewohnt. Die jahrzehntelange Fehlpolitik (Grenzwerte, Regulierung) fällt ihnen nun auf die Füße. Die USA laufen sonst Gefahr, technologisch und wirtschaftlich auf diesem Gebiet ins Hintertreffen zu geraten. Bauzeiten und Baukosten wie in China sind der heute gültige Maßstab.
Der zweite und der dritte Weg
Die Technologiekonzerne sind brennend an Kernenergie interessiert, scheuen aber die Milliarden Investitionen (Kapitalbindung) bei konventionellen Reaktoren. Insofern bilden „kleine“ Reaktoren eine Alternative. Amazon zum Beispiel unterstützt X-energy (mit Helium gekühlter Hochtemperaturreaktor) und Kairos (mit Salzschmelze gekühlter Kugelhaufenreaktor). TerraPower (natriumgekühlter schneller Reaktor) erhielt gerade die Genehmigung der Nuclear Regulatory Commission für seinen Umweltplan. Die Baustellenvorbereitung läuft bereits. X-energy mit Energy Northwest (Versorger und Betreiber) und Amazon (Rechenzentren) planen das Cascade Advanced Energy Center in Columbia River in der Nähe von Richland, Washington. Hier sollen drei bis zehn Reaktoren gebaut werden. Hier findet – angekurbelt durch die großen fünf Technologiekonzerne – ein echter Wettlauf für Reaktoren der Gen-IV statt. Im Moment ist es ein Hype, und es fließen Milliarden an spekulativem Kapital. Welche Reaktoren sich durchsetzen und welche Unternehmen gewinnen, wird sich in den nächsten fünf Jahren zeigen.
Um das Rennen noch richtig anzuheizen, hat Präsident Trump noch weitere Kleinstreaktoren ins Spiel gebracht. Hier zeichnet das Verteidigungsministerium verantwortlich. Es sollen Prototypen bis etwa 10 MWel für das Militär gebaut werden. Diese (ersten) Modelle werden in den nationalen Großforschungseinrichtungen gebaut und betrieben. Dadurch ist es möglich, langwierige Genehmigungsverfahren zu umschiffen. Sind sie erst mal fertig und funktionieren, erscheint eine Genehmigung für zivile Anwendungen entsprechend schnell und kostengünstig möglich. China und Russland machen es vor, und der Weltmarkt wartet nicht ewig.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Nuke-Klaus.
@Bernhard Freiling, „Was wäre einfacher als heute für jedes neugeborene Kind 1.000 € in einen Fonds einzulegen? Dessen Verwaltung so einem wie Warren Buffet anvertraut werden könnte. Der brächte es fertig, aus 1.000€ in 65 Jahren 600.000 zu machen.“ —
Da bin ich voll bei Ihnen. Das hätte man in den 80er Jahren tun sollen. Es gibt aber auch Fallstricke, z.B. startete die Rentenversicherung in Deutschland als so eine „Sparkasse“. Lief super bis zum ersten Weltkrieg. Da wurden dann die Ersparnisse geplündert. Nach dem ersten Weltkrieg hat die Hyperinflation die letzten Reste der Kasse auch noch entwertet. Die Rentenreform 1957 (Umlageverfahren) dürfte die Konsequenz dieser Lektionen gewesen sein. Leider hat man dabei nicht bedacht, dass das Umlageverfahren bei 1. Geburtenrückgang, 2. deutlich steigender Lebenserwartung, (sowie außer Konkurrenz, da nicht offiziell Teil der Rente, 3. noch extremer steigender Gesundheitskosten in hohem Alter) auch nicht ewig funktioniert.
Noch problematischer ist meine bis dato unbeantwortete Standardfrage, woher soll das Geld kommen? Wenn aus 1.000€ 600.000€ werden sollen, muss irgendjemand die 590.000€ abgeben. Wir reden hier von Umverteilung, neue Schulden dafür macht keinen Sinn. Das ist das Grundproblem: Geld wächst nicht auf Bäumen. Man müsste endlich verstehen, dass Geld nur eine Rechengröße ist, ohne eigenen Wert. Scheint aber sehr schwer verständlich zu sein.
@Ralf.Michael : >>Die nukleare Zukunft gehört dem „ SMR “, und wie auch bei „ AI / KI “ wird Deutschland hier nicht mitspielen können, weil ideologich verrannt und geistig tatsächlich implodiert ist.<< ## Das wollen Sie uns also unbedingt beweisen? Was genau? Ideologisch verrant?
Wenn die Zukunft nuklear wäre, gibt es keine Zukunft. Aber zum Glück begreift das dann keiner mehr, weil geistig tatsächlich implodiert. Es tut nicht weh, erst ganz am Schluss.
Reaktor für KI? Leute, man braucht noch Licht, Wärme, Straßenbahn, schnelle Züge. Und schön wären noch Zylinderblöcke aus Aluminium. Und das andere, was man gießen, schweißen, stampfen und fräsen muß.
@E. Sommer : >>Und Deutschland feiert Party, wenn ein KKW abgerissen wird, wenn Menschen illegal über die Grenze kommen, usw….
Noch klarer kann man den Irrsinn, der die deutsche Gesellschaft erfasst hat, auch nicht mehr darstellen.<<
## Sind wir nicht alle ein Bischen Bluna? Es ist genauso sinnlos, immer selbstanklagend die Peitsche auf den eigenen Rücken zu schlagen (und dabei alle anderen zu meinen, nur nicht sich selbst), wie mit Zeigerfingern auf Andere zu zeigen. Man müsste es besser machen. Zum Beispiel bei der Wahl, nicht immer die gesichert Irrsinnigen wählen. Die verstellen sich nämlich und man braucht etwas eigenen Verstand, um zu erkennen, was das für welche sind. Wer heimlich „alter Scheiß-Nazi“ zu jedem anständigen Menschen sagt, soll uns nicht belehren.
Kein Rechenzentrum für KI wird jemals in Europa gebaut. In Europa sind nur die Endpunkte der Content-Provider. Die KI kommt insbesondere NIEMALS ins Feindesland Deutschland. Schminkt euch diese albernen Neurosen ab.
Die nukleare Zukunft gehört dem „ SMR “, und wie auch bei „ AI / KI “ wird Deutschland hier nicht mitspielen können, weil ideologich verrannt und geistig tatsächlich implodiert ist. An der Realität kommt leider Keiner mehr vorbei :o((
Völlig unabhängig davon, was China, die USA oder sonstwer macht: Deutschland wird entweder von Idioten regiert, und da meine ich nicht Hahnes Idiotes, sondern veritable Idioten oder von sozialistischen Terminatoren. Die sich in den Kopf gesetzt haben, D wirtschaftlich zu ruinieren. # Es ist doch unglaublich, wieviel Geld heute rausgehauen wird, um „die Klimaerhitzung“ zu vermeiden. Die uns in ungefähr 50 Jahren ereilen soll. Dabei existiert die nur in Rechenmodellen, läßt sich an wie auch immer gewählten Fixpunkten mit den zugrunde gelegten Algorithmen nicht auf den Ausgangswert rückrechnen. Und trotzdem wird ein ganzes Volk als Geisel genommen um diesen Unfug durchzuziehen. Ganz im Gegensatz zur Rentenpolitik. Rente ist kein Rechenmodell. Die ist Realität. Und daß Neugeborene in 65 oder so Jahren Rentner werden ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Was wäre einfacher als heute für jedes neugeborene Kind 1.000 € in einen Fonds einzulegen? Dessen Verwaltung so einem wie Warren Buffet anvertraut werden könnte. Der brächte es fertig, aus 1.000€ in 65 Jahren 600.000 zu machen. Hat mir google ki errechnet. Und das würde sogar funktionieren, wenn „unterwegs“ sowas wie der 1929er Börsenkrach einträte. Hochwahrscheinlich wäre das deutsche Rentenproblem damit final gelöst. Auf jeden Fall mit einer größeren Wahrscheinlichkeit, als daß wir in 50 Jahren weggebruzzelt werden. Es würde die Regierung bei rd. 700.000 Geburten jährlich schlappe 700 Mio. € p.a. kosten. Angesichts dessen, was für „den Klimaschutz“ oder „die Migration“ ausgegeben wird, ist das ein Griff in die Portokasse. Aber: das ist ja gaaanz weit weg. Also lassen unsere Idioten/Terminatoren das lieber bleiben und widmen sich mit Hingabe der 15 Jahre früher einsetzenden Verschmurgelung Deutschlands. Wie nur wahre Idioten das nun mal so zu tun pflegen.