Ich bin vielleicht gegenüber wilden Raubtieren nicht sensibel genug, aber ich muss gestehen, dass ich vor dem Jahr 2000 den Wolf im deutschen Wald nicht vermisst hatte. Er galt hierzulande als ausgerottet. Vielerorts in Deutschland wurde dem letzten gesichteten Wolf sogar ein Denkmal gesetzt, quasi als Ehrung für das gefürchtete Raubtier, das endgültig zur Strecke gebracht schien. Im Süden von Leipzig, an einem Waldweg ins benachbarte Markkleeberg, erklärt ein solcher Gedenkstein, es hätte den letzten heimischen Wolf in der Region im Jahre 1720 gegeben. 295 Jahre später, im Jahr 2015, meldete die regionale Presse die erste Sichtung wiederangesiedelter Wölfe in Markkleeberg. Mir ist im heimischen Wald noch kein freilebender Wolf begegnet, und ich kann auf eine solche Begegnung auch weiterhin problemlos verzichten. Dass mit Geld und dem Einsatz einer steigenden Zahl von Mitarbeitern in Deutschland ein „Wolfsmanagement“ betrieben wird, um dem wilden Tier die Ansiedlung und Ausbreitung in diesem großteils nicht ganz so wilden Land zu erleichtern, hielt ich lange Zeit einfach für eine nett gemeinte Marotte eines reichen Landes.
Und natürlich wuchsen Eigeninteressen. Um so erfolgreicher die Wolfsmanager waren, desto mehr wuchs auch ihre Zahl, denn mehr Wölfe brauchen selbstverständlich auch mehr Management. Da reicht es nicht, zu sagen: „Jetzt sind sie halt da“. Auch an der Haltung zu diesem Tier musste gearbeitet werden. Wuchsen die Kinder früherer Generationen mit dem Bild vom „bösen Wolf“ auf, sollten die Bewohner im neuen Deutschland und im EU-Europa lernen, in dem Raubtier stattdessen den „guten Wolf“ zu erkennen.
Der Wolf – also eine Art, die grundsätzlich nicht vom Aussterben bedroht ist – sollte seinen Lebensraum wieder dort bekommen, wo er einst von den Menschen früherer Generationen vertrieben wurde. Die taten das, weil die sich und ihr Vieh ungern den gierigen Raubtieren aussetzen wollten. Wie egoistisch und herzlos. Jetzt ist der Wolf gesetzlich vor der Bejagung geschützt und muss seither die Begegnung mit den Menschen nicht fürchten, außer die nähern sich ihm motorisiert auf der Straße.
EU-Plattform für Großraubtiere
Um den Wolf kümmerten sich Politiker auf höchster Ebene, schließlich nahm sich in der EU die Europäische Kommission höchstselbst der Tiere an. Ihre Zuwendung blieb zudem nicht auf den Wolf beschränkt, sondern schloss auch andere Raubtiere mit ein, die sich frühere Generationen noch vom Leibe halten wollten. Im Juni 2014 wurde aus Brüssel eine Pressemitteilung mit dem schönen Titel „Kommission eröffnet neue Plattform zur Beilegung sozialer Konflikte um Großraubtiere“ versandt. Dort hieß es:
„Nach einer langen Phase, in der sich der Bestand dieser Arten fortlaufend verringert hatte, nimmt ihre Zahl nun wieder zu, aber die Koexistenz mit den Menschen ist mitunter problematisch. In dem Bemühen, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme zu lösen, die zuweilen mit der Wiederausbreitung der Wildtiere einhergehen, hat die Europäische Kommission nun eine Plattform eingerichtet, auf der Landwirte und Naturschützer, Jäger, Landbesitzer und Wissenschaftler bewährte Verfahren und ihre Ideen darüber austauschen können, wie Menschen und Großraubtiere innerhalb des gleichen Raums am besten miteinander auskommen können.
Die EU-Plattform zum Zusammenleben von Menschen und Großraubtieren wird den konstruktiven Dialog zwischen den wichtigsten Interessengruppen auf europäischer Ebene fördern.“
Seither kann also auf dieser Ebene im „konstruktiven Dialog“ das „Zusammenleben von Menschen und Großraubtieren“ immer wieder neu ausgehandelt werden. Konkret heißt das vor allem, zu regeln, wie der Steuerzahler für die Schäden zahlt, die der vom Wolfsmanagement wiederangesiedelte Wolf bei Schäfern und Landwirten anrichtet. Auch diese Schadensregulierung muss natürlich verwaltet werden.
Schäfer und Landwirte waren und sind zumeist trotzdem nicht zufrieden. Viele von ihnen würden die Wölfe gern wieder jagen dürfen, um den Schaden von vornherein zu vermeiden, den sie stattdessen vielleicht ersetzt bekommen. Und dabei handelt es sich nicht nur um materiellen Schaden, sondern auch um das Leben von Tieren. Aber deren Leben ist halt nicht so viel wert wie das der willkommen geheißenen Wölfe.
Ansonsten, so hieß es in der quasi amtlichen Mär vom guten Wolf, dass von selbigem für die Menschen keine Gefahr von Angriffen ausginge. Wem kein direkter Raubtierschaden droht, weil er oder sie mit dem Landleben allenfalls aus der Ausflügler-Perspektive in Berührung kommt, sah sich weiterhin nicht bemüßigt, grundlegende Zweifel an der deutschen und EU-Wolfspolitik anzumelden.
Teure Bewährung
Einen kurzen Dämpfer bekam diese Sicherheit jüngst bekanntlich dadurch, dass ein Wolf eine Frau in Hamburg, quasi mitten in der Stadt, angefallen und verletzt hatte. Doch Politiker und Medien gaben sich alle Mühe, zu erklären, dass dies alles gar nicht so schlimm gewesen wäre. Es sei schließlich der erste Wolfsangriff auf einen Menschen seit dessen Wiederansiedlung gewesen. Die angegriffene Frau habe sich dem Tier gegenüber nur nicht richtig verhalten, und der Wolf war vom städtischen Treiben verunsichert und verängstigt, hieß es. Daraus eine Gefahr für den Menschen durch den Wolf abzuleiten, wäre vollkommen falsch, ließen sich Wolfsexperten vernehmen.
Der zwischenzeitlich in einer Wildtierstation festgehaltene Wolf ist bekanntlich inzwischen auch ganz offiziell freigesprochen worden. Er habe sich in dem Einkaufszentrum, in das er sich verlaufen hätte, bedroht gefühlt und deshalb aggressiv reagiert, hieß es. Inzwischen wäre er wieder im Wald, weit außerhalb der großen Stadt. Wen das noch nicht beruhigte, den ließen die Behörden wissen, dass dieser Wolf auch unter ständiger Beobachtung stünde und nicht mehr unerkannt in die Großstadt laufen könne.
Das mag jetzt alle besänftigen, die den bissigen Wolf fürchten, aber an dieser Stelle habe ich mich als Wolfs-Ignorant gefragt, was das Ganze denn kostet? Können wir uns als gar nicht mehr so reiches Land den Aufwand einer Bewährungsstrafe für einen aggressiven Wolf noch leisten? Und wenn sich in diesen Zeiten der Spargedanke im Hirn erst einmal eingenistet hat, kommt natürlich sofort die Frage auf, wie viel denn dieser ganze Wolfswiederansiedlungszirkus überhaupt kostet. Zwar werden dort sicher keine Milliardenbeträge verballert, aber in den heutigen Zeiten will eine Gesundheitsreform-Kommission den Versicherten selbst Leistungen aus dem Katalog streichen, bei denen sich allenfalls ein paar hunderttausend Euro einsparen lassen.
Der teure Appetit der angesiedelten Raubtiere
Also um wieviel Geld geht es und für wie viele Wölfe?
„Nach letzten Daten lebten im Monitoringjahr 2024/2025 in Deutschland circa 219 Rudel, 43 Wolfspaare und 14 territoriale Einzeltiere.“
So steht es auf einer Seite des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Eine Gesamtzahl der Wolfskosten findet man dort nicht. Das ist wahrscheinlich angesichts verschiedener Kostenträger im Wolfsmanagement auch gar nicht so leicht zusammenzurechnen. Aber hier findet sich immerhin eine Summe der durch den Wolf angerichteten Schäden und die Höhe der Aufwendungen, um das überlebende Nutzvieh vor Wolfsangriffen zu schützen.
„Die Anzahl von verwundeten und getöteten Tieren ist von 40 Tieren im Jahr 2006 auf rund 4.300 Tiere bei rd. 1.100 Übergriffen im Jahr 2024 angestiegen. Ein Großteil der Wolfübergriffe erfolgte auf Schafe und Ziegen. Die Ausgaben für Herdenschutzmaßnahmen in Deutschland beliefen sich 2024 auf rund 23.4 Mio. Euro. Die Ausgleichzahlungen für Nutztierübergriffe beliefen sich 2024 auf rund 780.400 Euro.“
Also allein der Appetit des mit hohem Schutzstatus angesiedelten Raubtiers aufs heimische Nutztier verursacht jährliche Kosten in Höhe von mehr als 24 Millionen Euro. Verglichen mit der Höhe deutscher „Sondervermögens“-Schulden ist das natürlich ein Trinkgeld, dennoch ist es Steuergeld, das sich auch zum Wohle der Menschen einsetzen ließe. Und die deutsche Artenvielfalt ist teilweise jahrhundertelang ohne den Wolf ausgekommen. Zudem gibt es in anderen Weltgegenden Wölfe in großer Zahl, zumal sie dort auch weitaus problemloser artgerecht leben können als in einem dichtbesiedelten Industrieland mitten in Europa.
Aber bevor hier ein solches Fazit gezogen wird, gibt es noch einen Blick auf die weiteren Kosten, die der staatlich geförderte Wolf verursacht. Nur als ein Beispiel seien hier ein paar aktuelle Zahlen aus Sachsen angeführt. Das Landwirtschaftsministerium im Freistaat hatte seine Wolfskosten für das Jahr 2025 zusammengerechnet und publiziert.
Zunächst sind hier die sächsischen Vergleichszahlen zu den obigen vom Bundesministerium veröffentlichten Ausgaben. Die Ausgleichszahlungen, die vom Bund mit jährlich 780.400 Euro angegeben werden, schlagen allein in Sachsen mit 151.900 Euro im Jahr 2025 zu Buche. Bei der „Förderung präventiver Herdenschutz“ (Angabe Bundeslandwirtschaftsministerium. 23,4 Millionen) sind es in Sachsen 729.600 Euro.
Sehnsucht nach der Märchenwelt
Die Sachsen weisen aber auch noch andere Kosten aus: Für „Wissenschaftliche Begleitung/ Management“ wurden 2025 allein im Freistaat 831.000 Euro fällig, für „Öffentlichkeitsarbeit/Umweltbildung“ immerhin noch einmal 374.600 Euro. Diese Kosten werden in den anderen Bundesländern sicher auch anfallen. Um all das zusammenzurechnen, was die Steuerzahler insgesamt zur Förderung der Wolfsansiedlung und -ausbreitung aufzubringen haben, müsste man zunächst auch alle Haushaltstitel und Fördermittelkanäle kennen, die dem neuen deutschen Wolf zugutekommen. Das ließe sich selbstverständlich recherchieren, aber ich hoffe, Sie sehen mir nach, dass ich mir das an dieser Stelle erspare.
Denn das Fazit ändert sich dadurch nicht. Ein reiches Land, dessen Bürger rundum mit alldem gut versorgt sind, was zur staatlichen Daseinsfürsorge gehört, darf seine Steuerzahler dafür vielleicht in Anspruch nehmen. Ein Land in der Krise, das an der Erfüllung elementarer Staatsaufgaben für seine Bürger spart, darf das nicht. Und das gilt auch, wenn es noch weitaus bedeutendere Kostenfaktoren als die Wolfsansiedlung gibt, die man sich dringend sparen sollte, weil sie dem Gemeinwesen keinen Nutzen bringen, sondern Schaden zufügen. Leider leben zu viele Deutsche – ob mit „gutem“ oder „bösen Wolf“ – nur allzu gern in einer Märchenwelt. Sie hängen an ihr so sehr, dass sie nicht nur dem „Es war einmal …“, sondern auch jedem „Es wird einmal …“ glauben wollen.

Ach Herr Grimm (Vorname Ise ?),
natürlich kann bzw. konnte man auf den Wolf verzichten – aber wo ist da die Grenze ? Man kann auch auf den Luchs verzichten, auf den Steinadler, auf Habichte und andere „Raubvögel“. Aber wollen wir das ? Und sicher können die Inder auch auf Tiger verzichten und Botswana auf Elefanten usw., usw. . Viele Tiere richten Schaden an, aber sollte man sie deswegen gleich in Gänze abschaffen – besser wäre doch eine vernünftige Regulierung sprich gegebenenfalls kontrollierte Bejagung.
Was für ein Heuli… Im Konflikt zwischen Mensch und Natur hat die Natur schon ziemlich lange und ziemlich umfangreich zurückstecken müssen. Menschen und deren Nutztiere machen mitlerweile doch 95% der Biomasse in Form von Säugetieren aus, und wir schaffen es mitlerweile sogar noch, selbst in Naturschutzgebieten Insektenpopulationen, die die ganze Biosphäre im Gleichgewicht halten, um bis zu 80% ihrer Biomasse zu dezimieren. Und jetzt heult da noch so ein Schreiberling über den Schaden, den einige hundert Raubtiere anrichten. WTD?! Fakt ist, dass Deutschland überbevölkert ist, und die Bevölkerung sich dankenswerterweise dazu entschieden hat, ihre eigene Zahl zu reduzieren, indem sie zu wenige Kinder bekommt, um die Bevölkerungszahl stabil zu halten. Das ist eine gute Entwicklung. Den freiwerdenden Platz sollte man weder mit noch mehr Nutzvieh noch mit vermehrungsfreudigen Drittweltlern füllen, sondern mit der Natur, die vor der Bevölkerungsexplosion da war. Mehr Wölfe, weniger Drittweltler, und vor allem weniger Buuhuuhuu.
Es gab viele Gründe, den Wolf aus Europa zu verjagen. Nutztierschutz für den menschlichen Eigenbedarf und Habitatverteidigung sowie Wildtierkonkurrenzbejagung. Dass man seit einigen Jahren auf Wildromantiktrip ist, zeigt den Zerfall zivilisatorischer Errungenschaften. Ich warte auf die Umschreibung des bekannten Märchen in „Der Wolf und das böse Rotkäppchen“, in dem die grausamen Menschen (von Kind über Jäger bis Großmutter) den naturnahen Wolf malträtieren und verenden lassen.
Meine Hypothese: Je mehr der Wolf die Angst vor dem Menschen verliert, desto eher wird er sich menschliche Beute holen. Bei einem Forsthaus in Brbg fand ich ein Warnschild: Wegen Wölfen solle man im Wald keine kleinen Kinder unbeaufsichtigt lassen…. Irgendwann wird es soweit sein, das halte ich für ziemlich sicher.
Der Wolf ist Teil einer Territorial-Strategie um Naturräume besetzen und ausbeuten zu können. Ein praktisches Problem stellt er nicht dar. Der Bestand in einem der am dichtesten besiedelten Flächenländer wird durch den Verkehr reguliert. Die Schäden für die kommerzielle Tierhaltung sind im nationalen Rahmen überschaubar, und existentielle Bedrohungen sind nicht wirklich existentiell, solange die angeblich Bedrohten lieber nach Vater Staat rufen als selbst zu handeln. Langfristig besteht der grösste Konflikt mit der Jägerschaft, da deren Geschäftsmodell durch starke Änderungen bei der Zahl der durch den Wolf bejagten Tiere (Schalwild etc) in Gefahr ist. Siehe Fläming, wo 20 Jahre Wolf den Jagdwildbestand um 80% dezimiert haben. Im Hintergrund dieses Konfliktes stehen aber Interessengruppen, für die der Tierschutz nur Vehikel ist.
Und weil das mit den 4beinern so toll funktionierte, wurde das Ansiedlungsprgramm dann auf 2beinige erweitert. Die Kollateralschäden sind nur unwesentlich größer, wenn man deren Managern glauben schenken darf. Die Abwehrmaßnahmen ähneln sich auch. Hilfreich ist lautes Schreien und immer eine Armlänge Abstand. # Hätte ich jetzt nicht schreiben dürfen? Pardon, sowas würde ich ja auch nie sagen.
Das einzige Raubtier, dass der Natur massiven Schaden zufügt, ist die Hauskatze. Weit mehr als alle Wildtiere zusammengenommen. Fast alle Bodenbrüter, Kleinreptilien und sogar Spatzen wurden von Hauskatzen ausgerottet. Und die Zahl der Hauskatzen steigt immer weiter. Da sollte Naturschutz ansetzen. Der Wolf ist ein Produkt der Bundeswehr, sie hätten ihn auf den Truppenübungsplätzen belassen sollen, draussen werden sowieso 90% von Autos totgefahren. Mich stört er nicht, die Wölfe denen wir bisher begegnet sind, waren jedenfalls alles andere als schreckliche Monster. Es sind Hunde. Abgesehen davon haben Wölfe bei den Agrarbauern durchaus Freunde. Logisch, denn der Wolf holt die Wildschweine aus den Feldern. Die Russen haben übrigens eine sehr pragmatische Lösung für ihre Wölfe. Sie haben einfach 2 Rassen erfunden. Eine Rasse ist der europäische Wolf, er kann geschossen werden bis zu Ural. Hintern Ural lebt der (frei erfundene) russische Wolf. Da geniesst er strengen Naturschutz.