Die „Late Show with Stephen Colbert“ wird eingestellt – aus wirtschaftlichen Gründen, sagt CBS. Doch im linken Medienmilieu wittert man sofort finstere Mächte und Trump’sche Rachegelüste.
Es ist schon bemerkenswert, wie sehr sich ausgerechnet jene politischen Kräfte, die sich selbst für „aufgeklärt“, „wissenschaftlich“ und „rational“ halten, immer mehr in die Welt der Verschwörungstheorien hineinfantasieren. Früher war der Glaube an geheime Netzwerke und finstere Mächte ein Phänomen von kauzigen Außenseitern, aber heute ist er mit voller Wucht im medialen Mainstream angekommen. Ein besonders aktuelles und exemplarisches Beispiel ist die Reaktion auf die Absetzung von Stephen Colberts „Late Show“ durch CBS.
Am 17. Juli 2025 gab der Sender CBS offiziell bekannt, dass die „Late Show with Stephen Colbert“ im Mai 2026 eingestellt wird. Nicht nur Colbert, sondern das gesamte „Late Show“-Format wird beendet – ein Einschnitt, der zeigt, dass hier nicht die Person Colbert gezielt getroffen werden sollte, sondern dass es sich um eine grundsätzliche Entscheidung über das Format handelt. Der Sender hat zu seiner Entscheidung eine klare Begründung abgegeben, nämlich wirtschaftliche Gründe. Kein Politmanöver. Keine Repression. Keine Einflussnahme von außen. Die Zahlen sprechen für sich.
Die „Late Show“ hatte zuletzt zwar noch etwa 2,42 Millionen Zuschauer, war also nach wie vor Marktführer im schrumpfenden Late-Night-Sektor, aber das half finanziell nichts mehr. Die Show verursachte jährliche Verluste von rund 40 Millionen Dollar. Die Produktionskosten beliefen sich auf etwa 100 Millionen Dollar pro Jahr, deutlich zu viel für ein TV-Format mit rückläufiger Relevanz und Werbewirkung. Der gesamte Late-Night-Markt ist seit Jahren im Niedergang. Die Werbeeinnahmen dieser Sendungen haben sich zwischen 2018 und 2024 fast halbiert, von 439 Millionen Dollar auf rund 220 Millionen. Das klassische Fernsehpublikum ist weg, die jungen Zuschauer sind bei YouTube, TikTok und Instagram. Die alten Formate lohnen sich nicht mehr.
Die Show verzichtet auf den üblichen moralischen Zeigefinger
Eine bemerkenswerte Ausnahme im Niedergang des Late-Night-Talks bildet allerdings die Sendung „Gutfeld!“ auf dem Sender Fox News. Während die traditionellen Formate von Colbert, Kimmel oder Fallon an Relevanz und Zuschauerbindung verloren haben, feiert Gutfeld! überraschende Erfolge. Gastgeber der Sendung ist Greg Gutfeld, langjähriger Fox-Kommentator, Autor und ehemaliger Satiriker der Zeitschrift Maxim, der sich mit spöttischem Witz, politisch unkorrekter Schlagfertigkeit und einem unübersehbar libertären Grundton als neuer König der Late-Night etabliert hat.
Zu seinem festen Ensemble gehören unter anderem Tyrus, ein ehemaliger Wrestler und heutiger Kommentator, der mit stoischer Ruhe und lakonischer Direktheit auffällt, sowie Kat Timpf, eine libertäre Kolumnistin mit bissigem Humor und anarchischer Energie, die für pointierte Kommentare jenseits jeder parteipolitischen Gefälligkeit sorgt. Gemeinsam bilden sie eine unorthodoxe Runde, die sich deutlich vom moralisch aufgeladenen, woken Predigerstil der klassischen Late-Night-Formate abhebt.
„Gutfeld!“ erreicht immer öfter höhere Einschaltquoten als Colbert, was das Format zeitweise zur quotenstärksten Late-Night-Show Amerikas macht. Der Erfolg liegt nicht zuletzt darin begründet, dass Gutfeld eine Perspektive bedient, die im Comedy-Mainstream kaum noch vorkommt: konservativ, ironisch und selbstkritisch. Die Show verzichtet auf den üblichen moralischen Zeigefinger, verzichtet auf Pathos und setzt stattdessen auf bissige Pointen, unvorhersehbare Gäste und das, was dem Genre lange verloren gegangen war: echten Widerspruch und Humor, der sich nicht anbiedert.
Was macht nun der mediale Mainstream daraus?
„Gutfeld!“ ist eine politische Gegenreaktion auf Figuren wie Stephen Colbert. Während Colbert seine Show immer mehr wie Parteitage der Demokraten inszeniert hat, ist Gutfeld! chaotischer, ehrlicher, freier. Bei Colbert wurde Kamala Harris geradezu hofiert, und während der Corona-Zeit inszenierte Colbert in seiner Show teilweise absurde Balletteinlagen mit Tänzern, die als Spritzen verkleidet waren, um so für die Impfung zu werben. All dies sorgte dafür, dass immer mehr Zuschauer abschalteten.
CBS zog daher einen wirtschaftlichen Schlussstrich. Aber was macht nun der mediale Mainstream daraus? Eine Verschwörungstheorie! Kaum war die Nachricht öffentlich, machte eine Verschwörungserzählung die Runde, die so geht: Donald Trump habe CBS unter Druck gesetzt, um seinen lautstärksten Kritiker aus dem Programm zu werfen. Angeblich habe er hinter den Kulissen Druck gemacht, Geldflüsse gesteuert oder sei über dunkle Kanäle an der Entscheidung beteiligt gewesen. All dies solle Trump getan haben, weil Colbert ein paar Tage zuvor, am 14. Juli 2025, in seiner Sendung eine Vergleichszahlung von 16 Millionen Dollar, die CBS an Trump gezahlt hatte, öffentlich kritisiert hatte. Für viele Linke ist daher klar: Die Absetzung war kein Zufall, das war Trump!
Und so stehen nun große Namen der Demokraten an der Spitze der neuen Verschwörung. Sowohl die US-Senatorin Elizabeth Warren als auch der Kongressabgeordnete Adam Schiff vermuten politische Motive. Warren twitterte über „das gefährliche Einknicken vor faschistischem Druck“, und Schiff nannte es „ein Signal an alle Satiriker“.
„Trump will einen faschistischen Staat errichten!“
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Teile der Medien in völlig absurde Verschwörungsnarrative hineingesteigert haben.
„Trump ist ein russischer Agent!“ Das war eine Verschwörungstheorie, die ab 2016 über Jahre hinweg verbreitet wurde. Es wurde behauptet, Donald Trump habe mit Putin kollaboriert, um die Wahl zu gewinnen. Die Journalistin Rachel Maddow kündigte in nahezu jeder ihrer Sendungen den nahenden Beweis an („tick tick tick“). Der Beweis kam jedoch nie. Der Mueller-Bericht stellte 2019 ausdrücklich fest, dass keine strafrechtlich relevante Verschwörung nachgewiesen werden konnte. Dennoch hielt sich die Erzählung vom „Agenten Trump“ über Jahre hinweg. Auch in den öffentlich-rechtlichen deutschen Medien wurde sie munter weitergespielt.
„Trump will einen faschistischen Staat errichten!“ Diese Verschwörungstheorie wird überall gerne gespielt. Alexandria Ocasio-Cortez zum Beispiel fabulierte öffentlich von „Konzentrationslagern“ an der Grenze. Es gibt Fotos von ihr, wie sie tränenreich vor einem Grenzzaun steht. Die Inszenierung war perfekt, der Vergleich jedoch grotesk. Es war wieder eine reine Verschwörungstheorie.
Die älteste Verschwörungserzählung der Menschheit
Seit einigen Wochen feiert auch eine neue, ganz alte Verschwörungstheorie wieder fröhliche Urstände, nämlich die Behauptung, Trump sei unter heimlicher Kontrolle israelischer Kräfte. Diese Verschwörungstheorie kursiert besonders in akademisch-linken Kreisen. Dort wird behauptet, Trump sei Teil einer global-zionistischen Verschwörung, in der Israel die US-Politik kontrolliere. Eine Behauptung ohne jede Grundlage, aber sie lebt von denselben Mechanismen wie alle anderen: von einem Feindbild, einem dunklen Netzwerk, einer paranoiden Vorstellung von gesteuerter Macht. Es ist die älteste Verschwörungserzählung der Menschheit: der Antisemitismus, verpackt in neue Worte, aber gespeist aus dem alten Hass.
Die linken Medien werfen anderen gerne vor, an Verschwörungstheorien zu glauben, an „QAnon“, an Wahlfälschung und an Impfchips. Ja, es gibt in allen politischen Lagern durchgedrehte Theorien. Jedoch zu behaupten, Donald Trump würde die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika abschaffen wollen, um einen faschistischen Führerstaat zu etablieren, vermutlich sogar mit der Hilfe von geheimen jüdischen Kräften in Israel, ist zur Zeit die größte und absurdeste Verschwörungstheorie, die erzählt wird.
Sie wird auch von deutschen Medien erzählt, wo auf den Covern des Spiegels oder des Sterns gerne Karikaturen von Trump gezeigt werden, auf denen er die Freiheitsstatue köpft oder unter der Amerikafahne den Arm zum Hitlergruß hebt.
Gerd Buurmann. Als Theatermensch spielt, schreibt und inszeniert Gerd Buurmann in diversen freien Theatern von Köln bis Berlin. Er ist Schauspieler, Stand-Up Comedian und Kabarettist. Im Jahr 2007 erfand er die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Mit seinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und den von ihm entwickelten Begriffen des „Nathan-Komplex“ und des „Loreley-Komplex“ ist er in ganz Deutschland unterwegs. Seit April 2022 moderiert er den Podcast „Indubio“ der Achse des Guten. Sein Lebensmotto hat er von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!“
Beitragsbild: Montclair Film Fest - https://www.flickr.com/photos/77549586@N03/15660988730/, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Leider bleibt im Artikel unerwähnt, dass Trump selbst dieses Narrativ angeheizt hat – auf seiner Plattform Truth Social schrieb er: „“The word is, and it’s a strong word at that, Jimmy Kimmel is NEXT to go in the untalented Late Night Sweepstakes and, shortly thereafter, (Jimmy) Fallon will be gone. These are people with absolutely NO TALENT, who were paid Millions of Dollars for, in all cases, destroying what used to be GREAT Television. It’s really good to see them go, and I hope I played a major part in it!„ (vom 22. Juli 2025) Wenn er selbst sagt, er hoffe, er habe eine große Rolle bei dem Rausschmiß gespielt (inkl. der von ihm erhofften Einstellung der Sendungen von Jimmy Kimmel und Jimmy Fallon, deren Sendungen derzeit noch laufen) ist es kein Wunder, dass einige seiner Anhänger das unkritisch glauben.
So wie hier das CIA-Narrativ „Verschwörungstheorie“ benutzt wird, gab und gibt es in der Geschichte eigentlich keine Verschwörungen. Das ist nur Unsinn debiler Spinner. Also von der Ermordung Cesars bis zur Brandmauer keine Verschwörungen weit und breit. Das ist einfach Blödsinn. Geschichte besteht aus Verschwörungen. Wie zum Beispiel die von Obama, Clinton Russlandgeschichte, die überall auf der Welt ein Riesenthemaist besonders in den USA. Was ist in Gegensatz dazu diese Colbertstory, den kennt doch hier keine Sau.