Dirk Maxeiner / 08.08.2016 / 06:28 / 10 / Seite ausdrucken

Das Märchen mit den drei Planeten: Heute ist Welt-Misanthropen-Tag

Heute am 8. August sind angeblich die gesamten nachhaltig nutzbaren Ressourcen der Erde für dieses Jahr verbraucht.  Das verkünden heute vor dem Brandenburger Tor  in Berlin die Organisationen INKOTA, Germanwatch, BUNDjugend, FairBindung, KATE, PowerShift, Naturschutzjugend (NAJU) und GRÜNE JUGEND. 1,6 Erden bräuchte die Weltbevölkerung derzeit, um den weltweiten Bedarf an Rohstoffen, Ackerland, Wasser und Wäldern nachhaltig zu decken. „Würden alle Länder weltweit so wirtschaften wie Deutschland, wären sogar 3,1 Erden notwendig“, sagt Julia Otten von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.

Das sind die gleichen Leute, die uns seit über 40 Jahren erzählen, Rohstoffe wie Nickel, Kupfer oder Erdöl gingen morgen unerbittlich zu Ende - doch die Welt erlebt im Moment beispielsweise mal wieder eine Ölschwemme, verbunden mit einem heftigen Preisverfall. Es ist immer der gleiche Irrtum: Rohstoffe gehen nicht zu Ende, sondern sie werden durch andere Rohstoffe oder neue Ideen ersetzt. Europas Wälder waren schon viel weiter abgeholzt als heute - dann kam die Dampfmaschine und die Kohle, die den Rohstoff Holz ersetzten. Und so weiter und so fort.

Mit Verlaub: Der heutige „Earth Overshoot Day“ ist Quatsch. Und zwar uralter Quatsch. Aber schauen Sie zur Sicherheit mal aus dem Fenster und prüfen, ob die Erde noch da ist oder schon weggefrühstückt. Wenn sie in ein großes schwarzes Loch blicken, dann hab ich nichts gesagt. Wenn die Aussicht die gleiche wie immer ist, dann stimmt etwas mit der Rechnung nicht. Es ist genauer gesagt auch überhaupt keine Rechnung, sondern eine Weltanschauung, die den Mensch nicht als Problemlöser, sondern stets nur als Problemverursacher kennt.

So kursiert in umweltbewegten Kreisen folgender „Öko-Witz“: „Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine: ‚Du siehst aber schlecht aus. Fehlt dir was?’ Sagt der Zweite: ‚Ach mir geht’s gar nicht gut. Ich habe homo sapiens.’ Tröstet ihn der andere: ‚Mach dir keine Sorgen, das geht schnell vorbei’.“ Es macht denen, die darüber lachen können, offenbar Spaß, den Menschen zu verachten und ihm das Ende zu wünschen.

Unmenschliches zur Rettung des Planeten

Solche Aussagen haben eine Tradition. Alexander King, einer der Gründer des „Club of Rome“ und Initiator der Studie „Die Grenzen des Wachstums“, meinte einst zum Thema der Malariabekämpfung: „Mein Problem ist, dass es die Überbevölkerung verstärkt.“ Der Biologe Paul R. Ehrlich veröffentlichte 1968 sein berühmtes Buch mit dem Titel „The Population Bomb“ („Die Bevölkerungsbombe“), dessen Geist heute noch weht.  Das Titelbild zeigt eine Bombe mit Zündschnur kurz vor der Explosion. Ehrlich beklagte darin die rasante Zunahme der Kinderzahl und sagte voraus, dass die Hälfte der Menschheit verhungern würde.

Ehrlich stellt das Bevölkerungswachstum als eine unmittelbar bevorstehende Katastrophe dar. Er verlangte, die Familienplanung als erfolglose, individualistische Form der Geburtenkontrolle durch eine übergreifende Bevölkerungskontrolle abzulösen. So sollte sich die Zahl der Menschen nach einem kontrollierten Massensterben „die-back“ (!!!) bei etwa zwei Milliarden einpendeln. „Nötigung? Vielleicht, aber zum Wohle der Genötigten“, rechtfertigte Ehrlich seine Vorschläge, schließlich gehe es um das schiere „Überleben“ der Menschheit auf einem begrenzten Globus.

Wer nun glaubt, dass solche totalitären Zukunftsfantasien heutzutage zu einem gesellschaftlichen und medialen Aufschrei führen würden, täuscht sich. Unter einem anderen Etikett feiert Paul R. Ehrlich Auferstehung. Das mag ein Aufsatz verdeutlichen, den die Wissenschaftszeitschrift „Climatic Change“ veröffentlichte. Jedes Baby, so die Forscher, werde Treibhausgase produzieren und damit zum Klimawandel und in der Folge zur Schädigung der Gesellschaft beitragen. Für Industrieländer taxieren sie die Kosten eines kleinen Klima-Schädlings auf 28.200 Dollar, in einem Entwicklungsland auf 4.400 Dollar.

An die Stelle der "Bevölkerungsexplosion" ist die "Klimakatastrophe" getreten

Galt es in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts als ausgemacht, dass die Welt so viele Menschen niemals ernähren könne, so wird heute mit der gleichen Überzeugung argumentiert, die große Zahl der Menschen und ihr Ressourcenverbrauch würden das Klima ruinieren und den Planeten unbewohnbar machen.

Zum Glück sind die aufstrebenden asiatischen Länder längst selbstbewusst genug, um sich nicht mehr verrückt machen zu lassen. Statt in Hunger und Depression zu verfallen, entschlossen sich die bitterarmen asiatischen Länder in den Siebzigerjahren, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sie legten eine beispiellose Erfolgsgeschichte hin. Indien zählt heute über eine Milliarde Menschen und kann sie auch ernähren, China ebenfalls. Seit den Siebzigerjahren haben diese Länder keine großen Hungersnöte mehr heimgesucht, weil die landwirtschaftliche Produktivität viel schneller wuchs als die Bevölkerung.

Eine große Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Bildungshunger der Menschen in Asien (und nicht nur dort). „80 Prozent der Menschen auf der Welt können lesen und schreiben“, sagt der der Stockholmer Mediziner und Professor für internationale Gesundheit, Hans Rosling. “In Europa glauben die Leute laut Umfragen aber, dass 60 Prozent der Menschen Analphabeten sind. “ Vier Milliarden Menschen seien somit sehr viel weiter, als man sich das hierzulande vorstelle: „Viele Europäer haben einfach eine falsche Vorstellung, was im Rest der Welt vor sich geht. Sie sind schlicht ignorant.“ (Schauen Sie unbedingt sein oben eingeblendetes Video dazu an).

Brachialer Anti-Humanismus in Gestalt von Sorge um den Planeten

Seit Jahrhunderten beschäftigt die Wissenschaft sich mit der Frage: Wieviel Menschen kann der Planet Erde ernähren? Und bei der Antwort spielt bis heute der britische Geistliche und Ökonom Thomas Malthus eine große Rolle. Viele umweltbewegte und wohlmeinende Menschen argumentieren in seinem Sinne - ohne Malthus überhaupt zu kennen, geschweige denn, sich mit seinem problematischen Wirken beschäftigt zu haben. Was als fürsorglicher Vorschlag zum Umgang mit dem Planeten daher kommt, entpuppt sich bei näherer Analyse als brachialer Anti-Humanismus.

Zu seiner Zeit im 18. Jahrhundert sah Thomas Malthus sich von Armut und Hunger umgeben. Die Zahl der Slums um die großen Städte wie London und Manchester nahm erschreckend zu, die Angehörigen der Unterschicht stellten bis zu 70 Prozent der Stadtbewohner, über ein Drittel der Engländer waren unterernährt, die Verzweiflung produzierte Hungeraufstände. Malthus suchte nach den Ursachen und formulierte seine Gedanken 1798 in seinem „Essay on the Principle Population“( „Das Bevölkerungsgesetz“).

Seine Kernthese lautete stattdessen, dass Bevölkerungszahl und Nahrungsmittelproduktion sich naturgesetzlich auseinander bewegen. Während sich die Ernte allenfalls linear steigern lasse, vergrößere sich die Bevölkerungszahl exponentiell. Deshalb müssten viele Menschen an Hunger sterben, wenn es nicht gelinge, die Geburtenrate signifikant zu senken.  In einem ewigen Wechsel fordere die Natur ihren Tribut, die verarmten und geschwächten Menschen würden durch Hungersnöte und Seuchen dahingerafft, bis sich schließlich ein Zustand einstelle, an dem die Nahrungsmittel für die Überlebenden wieder ausreichten. Doch durch die industrielle Revolution verbesserte sich der Lebensstandard der Unterschichten nachhaltig – Malthus wurde komplett widerlegt. Beim ersten amerikanischen Zensus im Jahre 1790 lag die Zahl der Einwohner gerade mal bei 3,9 Millionen Menschen, heute leben dort 320 Millionen, und der Hunger ist genau wie in England, Frankreich oder Deutschland besiegt.

Deutschland ist siebenmal dichter besiedelt als Afrika

Auch im Weltmaßstab kann keine Rede davon sein, dass das Bevölkerungsgesetz von Thomas Thomas Malthus anwendbar ist. Zur Zeit der Geburt von Malthus lebten auf dem Planeten etwa 750 Millionen Menschen, heute sind es beinahe zehn Mal so viel. Und deren Lebenserwartung hat sich verdoppelt. In der Tat sind noch über 842 Millionen Menschen unterernährt, worunter man allerdings eher einen Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen versteht, als ein Defizit an Kalorien. Und auch das liegt nicht an der generellen Verfügbarkeit solcher Nahrung, sondern an ihrer Verteilung.

Die Welt sieht heute folgendermaßen aus: Eine Milliarde Menschen leben in den wohlhabenden Industrieländern. Etwa zwei Milliarden Menschen in Afrika und den ländlichen Regionen Asiens leben in armen Verhältnissen. Die Kluft zwischen arm und reich füllen vier Milliarden Menschen in den Schwellenländern, also die Mehrheit der Weltbevölkerung. 1990 haben knapp 50 Prozent aller Menschen in bitterer Armut gelebt, heute sind es 22 Prozent. Selbst in Afrika ist der Anteil armer Menschen auf etwas weniger als 50 Prozent zurückgegangen.

Das Problem ist jedenfalls nicht die hohe Bevölkerungszahl, weder hinsichtlich der Welternährung noch hinsichtlich der Umweltsituation. Und dies gilt auch für das bis heute in der wirtschaftlichen Entwicklung zurück liegende Afrika. Die Populationsdichte von Afrika entspricht in etwa der USA, Deutschland ist siebenmal dichter besiedelt. Eine Verminderung der Menschenzahl schafft keinen Wohlstand. Doch Wohlstand ist überhaupt erst die Voraussetzung für das Entstehen eines Umweltbewusstseins. Wer um das Überleben kämpft, kann und wird auf die Natur keine Rücksicht nehmen.

"Eine herablassende Geisteshaltung, die für Europa typisch ist"

Menschen entkommen der Armut, sobald sie die Möglichkeiten haben, Wissen zu erwerben und über den Tag hinaus zu wirtschaften. Misanthropen stellen diese Einsicht auf den Kopf, wenn sie den Fortschritt zum Teil des Problems erklären. So wird Technikfeindlichkeit zur Menschenfeindlichkeit. Der bereits erwähnte schwedische Mediziner Hans Rosling vergleicht die Haltung gutmeinender Eliten mit der des Abenteurers aus der Comic-Reihe „Tim und Struppi“. „Der Abenteurer Tim ist für mich das Symbol eines netten Menschen, der im reichen, klugen Teil der Welt lebt, von wo er regelmäßig in als skurril unterentwickelt gezeichnete Länder aufbricht, um dort die Angelegenheiten zu regeln“, meint Rosling. „Tim steht für eine starre, etwas herablassende und Fortschritte ignorierende Geisteshaltung, die für Europa typisch ist.“ Wer sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt und möchte, dass arme Menschen eine Chance haben, ihrem Elend zu entkommen, der sollte sich entschieden gegen dieses Malthussche Denken wehren. Es hat der Welt nicht Gutes gebracht, sondern potentielle Probleme in echte Katastrophen verwandelt. Über zwei Jahrhunderte diente es dazu, Ausbeutung, Tyrannei und Völkermorde zu rechtfertigen.

Deshalb ist es wichtig zu erkennen, wenn diese alte Ideologie in neuer ökologischer Verkleidung wieder auflebt. Paul R. Ehrlich mit seiner „Bevölkerungsbombe“ zählten in Sechzigerjahren zu den geistigen Nachfolgern, der „Club of Rome“ mit seinen „Grenzen des Wachstums“ in den Siebzigerjahren. Aktuell wird der alte Wein in neuen Schläuchen beispielsweise von Harald Welzer und seiner Stiftung „Futurzwei“ offeriert.  Welzer lehnt mehr Effizienz, mehr ausgeklügelte Technik und mehr Wohlstand ab: „Es geht nicht um Erhöhung von Effizienz, sondern um Reduktion von Effizienz. Ganz schlicht und ergreifend...Solange ich das Kulturmodell beibehalte, nutzen mir die ganzen Innovationen gar nichts, sie tragen zum Beibehalten dieses falschen Prinzips bei.“

Weite Kreise der Wirtschaftselite haben das Widersprechen gegen solche regressiven Sprüche inzwischen verlernt und assimilieren sich lieber - teilweise mit Originalton Malthus: „Die Ressourcen der Erde sind endlich. Doch wir verbrauchen Rohstoffe schneller, als sie nachwachsen oder erneuert werden können“, gibt Kathrin Menges, Personalvorstand und Vorsitzende des „Sustainability Council“ des Chemiekonzerns Henkel, in einem Kommentar im „Handelsblatt“ zum besten, „wir belasten Klima, Luft, Meere und andere natürliche Systeme bis an ihre Grenzen – und darüber hinaus. Gleichzeitig nimmt die Bevölkerung in den Schwellenländern zu.“

Tokio, Seoul oder Singapur haben die ökologische Konversation bereits vollzogen

Der Mensch wird in dieser Denktradition vor allem als Zerstörer und Verbraucher wahrgenommen, nicht aber als kreativer Problemlöser. Das gegenwärtige Standardargument der Malthusianer  heißt: „Wenn alle Chinesen oder Inder so leben wollten wie wir, dann bräuchten wir zwei Planeten. “ Wegen ihres  Wirtschaftswachstums und des Ressourcenbedarfs würden unsere asiatischen Mitmenschen  den Planeten zerstören.

Richtig ist daran: Ja, China und Indien haben gewaltige Umweltprobleme, viele  der weltweit schmutzigsten Städte liegen in diesen beiden Ländern. Zwei Drittel der 350 größten Städte Chinas können nicht einmal die lokalen Grenzwerte einhalten. Die Luft ist um den Faktor 10 bis 50 schlechter als an den extremsten Smog-Tagen in Los Angeles. Ähnliches gilt für die Wasserqualität. Nach Schätzungen der Weltbank entstehen durch Umweltkrankheiten Kosten in Höhe von zwei bis drei Prozent des chinesischen Bruttosozialproduktes. In puncto Umweltschutz ist das Land auf dem Stand von Deutschland im Jahr 1950. China macht Ähnliches durch wie Europa und Nordamerika viele Jahrzehnte zuvor.

Eine stürmische Industrialisierung verschlechterte auch hierzulande in ihrer Anfangsphase viele Umwelt-Indikatoren. Soweit die historische Erfahrung Teil eins. Doch es gibt auch einen Teil zwei. Den veranschaulichen Wissenschaftler mit der so genannten „Umwelt-Kuznets-Kurve“. Diese verläuft wie ein auf dem Kopf stehendes U. Nachdem die Umweltverschmutzung zunächst mit wachsendem Wohlstand rapide ansteigt, erreicht sie schließlich ihren Höhepunkt und fällt dann wegen eingeleiteter Umweltschutz-Maßnahmen genauso rapide wieder ab - trotz weiter steigendem Wohlstand. Eine solche Kurve haben alle heutigen Industrienationen durchlaufen. Mit einem Unterschied: Je später ein Land in die Industrialisierung eintritt, desto schneller scheint der Höhepunkt der Verschmutzung überschritten zu sein. Wofür London noch 100 Jahre brauchte, könnte Shanghai in 25 Jahren schaffen. Asiatische Städte wie Tokio, Seoul oder Singapur haben das bereits vorgemacht.

Die Bevölkerung in  früher so genannten „Dritten Welt“ übernimmt das Denken zunehmend selbst

Nachdem die Bevölkerung der früher so genannten „Dritten Welt“ das Denken zunehmend selbst übernimmt, haben die Malthusianer eine neue Klientel für ihre Bemühungen entdeckt. Die „künftigen Generationen“ haben Sonntagsreden und Parteiprogramme im Sturm, keine Gruppe erfreut sich so ungeteilter Fürsorge. Es gibt in unserem Land eigentlich nichts mehr, was nicht aus Sorge um sie geschieht. Aus der Atomkraft aussteigen? Selbstverständlich aus Verantwortung für die nachfolgenden Generationen! In die Atomkraft wieder einsteigen? Dito! Egal ob Energiepolitik oder Rentenreform, Studien- oder Müllgebühren - all dies geschieht ausschließlich im Interesse künftiger Menschen. Sämtliche Argumente sind somit als vollkommen selbstlos zu betrachten.

Ursprünglich hatten sich die Ökologiebewegung und die Grünen das Exklusivrecht auf den Begriff gesichert. Genau wie Tiere und Bäume haben auch „künftige Generationen“ den Vorteil, dass sie nicht widersprechen können. Inzwischen haben das auch alle anderen Parteien und Interessengruppen gemerkt, die auf der Suche nach einer pflegeleichten neuen Klientel sind, mit deren Hilfe sie ihre alten Interessen durchsetzen können.

Andererseits ist es richtig, dass auch Menschen in armen Ländern unserer Hilfe bedürfen. Aber selbst dabei verschiebt sich die Aufmerksamkeit weg von den konkreten Problemen der lebenden Menschen hin zu denen künftiger Generationen. Viele Menschen in Afrika und Asien leiden unter unsäglichen hygienischen Verhältnissen, verschmutztem Wasser, verschmutzter Luft oder Malaria. Hierin liegen die  häufigsten Todesursachen für Kinder. Ihnen könnte heute geholfen werden. Die Öffentlichkeit hierzulande sorgt sich indes am meisten um die Afrikaner als mögliche Klimaopfer in 100 Jahren. Die simpelste aller Regeln scheint in Vergessenheit zu geraten. Sie heißt: Wer morgen überleben will, muss erst einmal heute überleben.

Beinahe überall, wo es den Menschen besser geht, sinken die Geburtenzahlen

Derzeit kursierende Tipps zur Weltrettung lassen genau dies außer Acht. Keine Fernflüge mehr! Keine billigen Konsumgegenstände aus Asien! Keine exotischen Früchte! Wenn die Reichen von heute darauf zugunsten künftiger Generationen verzichten, so werden die Armen von heute noch ärmer, weil sie uns noch nicht einmal mehr ihre Rohstoffe, landwirtschaftlichen Produkte, Naturschönheiten oder billige Arbeitskraft verkaufen können. Ist es wirklich ein Zeichen höherer Moral, das Elend lebender Generationen in Kauf zu nehmen, um künftige Generationen zu schützen?

Denn beinahe überall, wo es den Menschen besser geht, sinken die Geburtenzahlen. Das katholische Brasilien hat heute beispielsweise eine geringere Geburtenrate als Schweden. „Siehe zu, dass die Babys überleben und zur Schule gehen können“, sagt Hans Rosling. „Räume Frauen gleiche Rechte ein, entwickle Märkte und Institutionen.“ Eine große Entdeckung der Entwicklungspolitik ließe sich so zusammenfassen: “Kümmere dich um die Leute, die Bevölkerung reguliert sich dann selbst.“

Vollends paradox wird es, wenn man sich in Deutschland die Zahl der Geburten anschaut: Aktuell plagt uns wohl eher das Ausbleiben künftiger Generationen, was zu dem Umstand führt, dass man sich um diese weniger Sorgen zu machen braucht, als um die Rentenbezüge der gegenwärtigen Generation. Oder haben wir aus Sorge um künftige Generationen beschlossen, sie nicht mehr in die Welt zu setzen?

Zum Schluss möchte ich den schönsten Anti-Malthus-Song zitieren:

I hear babies cry,

I watch them grow

They'll learn much more,

Than I'll ever know

And I think to myself

What a wonderful world

Louis Armstrong

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Hans-Peter Klein / 10.08.2016

Tut mir leid, ich sehe in Ihrem Artikel lediglich eine Polemik. Der These, dass wir in Sachen Ressourcenverbrauch über unserer Verhältnisse leben, nicht nachhaltig wirtschaften, kann ich sehr viel Glaubwürdigkeit und Nachvollziehbarkeit abgewinnen, Sie hingegen haben diese These weder widerlegt, noch in der Sache differenziert diskutiert, eben: Polemik, und die hilft uns am allerwenigsten. Ihr Artikel ist doch viel näher an einem Plädoyer für ein unbekümmertes, hedonistisches Weiter so, the Party must go on. Ich finde keine Stelle, wo Sie sich mit dem substantiellen irreversiblen Ressourcenverbrauch durch unseren Lebensstil wirklich ernsthaft auseinander setzen.    

P.Egberts / 09.08.2016

Lieber Herr Maxeiner, sie setzten also das Märchen von den unendlichen Resourcen gegen das von den drei Welten, auch nicht grade die neuste These. Wodurch hat den der Mensch bisherige knapp werdende Resourcen substituiert? Sie würden wahrscheinlich sagen durch Innovation und Wissenschaft und die haben durchaus Ihren Anteil, vor allem aber durch den Einsatz von immer mehr Energie. Die Nahrungsmittelproduktion wurde gesteigert weil wir mehr Energie in Form von Landmaschienen, Düngemitteln, Pestiziden, Kühlung, Verpackung und Transport aufwenden. In Joule stecken wir ein vielfaches von dem was wir erhalten in die Erzeugung der Nahrungsmittel. Wir sind also der Malthus Falle vor allem durch den Einsatz von mehr Energie entgangen. Ihre Umwelt-Kuznets-Kurve gilt wohl daher auch eher nicht für CO2, Was für mich impliziert das sie einen menschgemachten Klimawandel verleugnen, sonst würde das keinen Sinn machen. Sehr schön auch die These das ein Konsumverzicht unsererseits unmenschlich ist weil wir damit den Afrikanern die Chance nehmen auch noch das letzte bischen was sie haben zu verkaufen, Ihre Landschaft und Ihre billige Arbeitskraft, so könnte man auch Kinderprostitution rechtfertigen… Andere Möglichkeiten zur Entwicklung gibt es nicht? Die Krönung ist aber eine, sich durch den ganzen Artikel ziehende, Vermischung zwischen der Benennung von Problemen und den Vorschlägen zu deren Lösung. Jemand der also befürchtet das wir zu viele Menschen auf dem Planeten werden ist ein Anti-Humanist weil aus dieser Thes gefolgert werden könnte das mehr Menschen sterben müssen und genauso ist die Warnung vor erschöpften Resourcen und verschmutzter Umwelt verwerflich weil sie technikfeindliche Reaktionen hervorrufen könnte? Was die oben genannten Gruppen machen ist lediglich ein Problem aufzeigen und das finde ich nicht nur legitim, wenn das Problem existiert, sondern auch notwendig und hilfreich. Nach Ihnen sollen wir aber gnadenlos positiv sein, auf das menschliche Können Vertrauen und Probleme ignorieren, weil wir schon eine Lösung finden werden wenn das Problem unausweichlich wird und solange weitermachen wie bisher und uns solange vorsingen das die Welt schön ist und alles gut. Probleme sehen, auch wenn die schon ganz schön nah sind, ist misantropisch und stört nur. Das Problem muss schon die gerade lebende Generation betreffen, wenn es dann zu spät ist, war das halt Pech…

P. Appel / 09.08.2016

Als Mitglied der Generation, die in den siebziger Jahren eingetrichtert bekam, dass unsere Erdölvorräte bis zum Jahrhundertwechsel weitgehend aufgebraucht wären; denen in den achtziger Jahren verkündet wurde, dass Deutschland im Jahr 2000 entwaldet sein würde und zudem ein Großteil der Erdenbewohner - insbesondere der südlichen Halbkugel - an Krebsleiden aufgrund des Ozonloches zugrunde gegangen sein würde; habe ich gelernt, mich von solchen Katastrophenmeldungen nicht mehr beeindrucken zu lassen. Wenn man zudem noch weiß, dass von allen bisher auf der Erde vorkommenden Arten bis heute nur weniger als 0,1% Prozent überlebt haben, erscheint die Forderung nach einem verstärkten Artenschutz durch den Menschen sogar fast schon lächerlich. Wenn man dann nachforscht, welche Ereignisse jeweils ein massives Artensterben auslösten, dann wird man zur Erkenntnis gelangen, dass es häufig singuläre Naturkatastrophen, wie Meteoriteneinschläge oder Vulkanausbrüche waren, welche die Artenvielfalt dezimierten und gleichzeitig neue evolutionäre Explosionen auslösten. Dagegen sind die häufig zitierten Horrorszenarien von menschgemachten Katastrophen nur eine arrogante Selbstüberschätzung vieler unserer heutigen Wohlstands- und Bildungsbürger. Selbst beim Umgang mit der Natur und den verfügbaren Ressourcen sollte daher immer die Effizienz und nicht irgendeine Ideologie im Vordergrund stehen. Das wäre gelebte Evolution.

Andreas Rochow / 08.08.2016

Danke, Herr Maxeiner, für Ihren umfassenden Artikel, den ich gern gedruckt besäße, um die vielen wichtigen Passagen markern zu können. Es hat mir besonders gut gefallen, dass Sie an Thomas Malthus, Paul R. Ehrlich und den Club of Rome erinnert haben, deren Fehlprognosen die ökologi(sti)sche Bewegung wesentlich beeinflusst und vor verbrecherischen Kampagnen nicht haltgemacht haben. Die europäische linksgrüne Bewegunge0 hätten es beinahe geschafft, die antihumane Komponente dueser Ideologie in Vergessenheit geraten zu lassen. Der sog. World Overshoot Day, der gern genutzt wird, dem Menschen als vermeintlichen Schädling der Natur Angst zu machen und ein schlechtes Gewissen einzureden, ohne auf eine Serie berühmter historischer Fehlprognosen zu reagieren, ist ein geeigneter Anlass für die Veröffentlichung Ihres kritischen und bereichernden Artikels . Ich möchte an den polnischen Essayisten, Schriftsteller und Futurologen Stanislaw Lem (1921-2006), erinnern. In seinem lesenswerten Essaywerk “Summa technologiae” hat er überzeugend hergeleitet, dass wissenschaftliche Fernprognosen nicht möglich sind, weil nicht alle Einflussgrößen erkannt und durchdrungen sein können.  Wie der letzte 5-Jahresplan der DDR den Mauerfall nicht vorhersehen konnte, haben sich andere Vorhersagen (Waldsterben, Eiszeit, Welthunger, Peak Oil, dramatisch steigende Meeresspiegel) als glatte Fehlprognosen erwiesen. Der “ökologische Fußabdruck” ist wie der “World Overshoot Day” eine Erfindung von Aktivisten des “Global Footprint Network”, die sich mit Unterstützung der UN mit dem ökoindustriellen Komplex für die vermeintliche Weltrettung zusammenschlossen und international vernetzt haben. Ihre Ideologie beruht ebenso wie die des IPCC auf höchst fragwürdigen Langzeitprognosen. Es gibt unendlich viele seriöse Gründe, alle auf ihnen beruhenden politisch-ökonomischen Aktionen besonders kritisch zu evaluieren und auf alte malthusianistische Denkweisen abzuklopfen.

Thomas Nichterlein / 08.08.2016

Bravo! Ja, die Menschen sind kreativ. Vielleicht nicht mehr in Europa, aber dort, wo es drauf ankommt. Leben ist Problem lösen, nicht Problem vermeiden.

U. Greibsch / 08.08.2016

Volle Zustimmung zu der Sicht von H. Walter Roth! Wenn schon mit “Witzen” argumentiert wird : Mir kommt das vor, wie der Mann, der vom 25ten Stock eines Hochhause springt und sich beim 15ten Stock sagt: “..es stimmt doch alles nicht, es passiert doch Nichts..”.

Caroline Neufert / 08.08.2016

Mir gefällt der Witz mit den Planeten ... Ich glaube daran, dass Ressourcen endlich sind, man kann, man wird Alternativen finden, aber das ist nicht das Gleiche ;-). Alles andere wäre ein perpetuum mobile, auch die Sonne wird irgendwann nicht mehr sein Und zu Ihren Geburtenzahlen: Sie bestätigen ja selbst das Einpegeln auf Ehrlichs Theorie mit Ihrem Bildungspostulat und Sie lassen Transhumanismus und Technische Singularität unter den Tisch fallen, womit wir wieder beim Witz wären ... Nagut, zwischendurch können wir ja singen “what a wonderful world” ;-)

Florian Huber / 08.08.2016

Lieber Herr Maxeiner, gerade jetzt flimmert im ZDF “Heute” ein “Bericht” über den „Earth Overshoot Day“ über den Bildschirm. 1 zu 1 Wiedergabe der üblichen Thesen. Einziges Interviewstatement: Julia Otten, German Watch. Wir werden alle sterben. Und das ZDF weiß, warum. Dafür kriegt es auch mein Geld. Mit wenig amüsiertem Gruße, Florian Huber

walter roth / 08.08.2016

Erstaunlich….. - Das solche Artikel immer noch so geschrieben werden. Ich lese gerne Blogs wie “EIKE” und halte das meiste was uns heute erzählt wird für Unsinn….... - Auch habe ich als Schüler damals das Buch des “Club of Rome” .....Global 2000 gelesen. Dessen Aussagen trafen nicht ein, die Zeitprognosen waren fast sämtlich falsch. - Und trotzdem halte ich das Buch, nachdem ich es vor einigen Jahren weiderfand, immer noch für zutreffend. - Denn Herr Maxeiner, 20 ...100 ....1000 Jahre sind in Erdmasstäben ein nichts. - Und die Bevölkerungszunahme ist so gewaltig das ihr ....“U” Prognose viel zu spät kommen wird. - Es ist irrelevant ob 100 Jahre früher oder 300 Jahre später, was zählt ist das Ende und das Ende wird kommen wenn wir so weitermachen. - Die Menschheit ist viel zu gross, dabei spielt Wohlstands-Geburtenrückgang keine Rolle. Global müssten wir um 4/5 oder besser noch um 9/10 abbauen. Warum diese Zahl, ....ganz einfach, wir wollen ja auch der Natur und Tierwelt eine ungestörte weitere Evolution ermöglichen denn wir sind auf die angewiesen. - Die Erde ist ein Paradies, nur eben nicht so wie sie heute ist. - Die Staaten Uropas hatten das im Griff, deren Bevölkerungszahlen sanken, werden aber nun mit Massen aus Afrika usw. überkompensiert, was deren Einsicht in eine massvolle Bevölkerungspolitik noch zusätzlich zunichte macht. Von selber denken lernen sehe ich da kaum etwas. - Herr Maxeiner, es ist nicht das Ziel nur Wohlstand für alle zu erreichen, sondern auch die Artenvielfalt zu erhalten. Ist die in Afrika, welches 2100 wohl nahezu 4 Milliarden Menschen beherbergt, noch gewährleistet ?

Klaus Elmar Müller / 08.08.2016

Danke für diesen Artikel! Er bestätigt und untermauert die katholische Position seit Papst Pauls VI. “Populorum progressio”.

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Dirk Maxeiner / 14.08.2019 / 06:29 / 100

Salvini, Johnson, Trump & Co: Die deutsche Tortenschlacht

Matteo Salvini macht gerade das, was in Italien seit einem dreiviertel Jahrhundert ständig üblich ist – er provoziert eine Regierungskrise. Die Regierung, der er angehört, ist…/ mehr

Dirk Maxeiner / 07.08.2019 / 06:25 / 62

Der Lehrer mit der unbequemen Wahrheit für Fridays for Future

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz warnte gestern vor einem großen Blackout:  Dies bedeutet, die Regierung rechnet nun selbst ernsthaft damit. In einer Serie von Videos klärt der Physiklehrer, Umweltschützer und Ex-Atomkraftgegner…/ mehr

Dirk Maxeiner / 05.08.2019 / 06:10 / 74

Spenden für die Mutter des Jungen von Frankfurt

Bei GoFundMe läuft eine Spendenkampagne für die Mutter des in Frankfurt ermordeten 8-jährigen Jungen. Der Initiator Michael Kötter schreibt: „Das Leben der Mutter des 8-jährigen Jungen,…/ mehr

Dirk Maxeiner / 28.07.2019 / 06:25 / 32

Der Sonntagsfahrer: Das Klima und der SUV, die reiben einen uff

„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt“, sangen dereinst die Comedian Harmonists. Ich habe keine Ahnung, ob Mesut Özil…/ mehr

Dirk Maxeiner / 23.07.2019 / 06:01 / 73

Facebook zahlt Gerichtskosten nicht, Steinhöfel pfändet CDU und SPD

Das Zentrum für Politische Schönheit befindet sich ab sofort in einer Hamburger Anwaltskanzlei. Bislang hatte eine Berliner Initiative von Kunsthandwerkern, Yoga-Lehrern und Batik-Designern diesen an…/ mehr

Dirk Maxeiner / 02.07.2019 / 06:16 / 164

Der hässliche Deutsche ist wieder da

Der Empfang der Kapitänin der Sea-Watch, Carola Rackete, in Italien war wohl nicht ganz so, wie sie sich das vorgestellt hatte. Pfiffe und Proteste der…/ mehr

Dirk Maxeiner / 23.06.2019 / 06:15 / 68

Der Sonntagsfahrer: Die Rechnung zum Autogipfel

Am Montag ist Autogipfel. Immer, wenn die Politik einen Schaden angerichtet hat, um ihn dann publikumswirksam beheben zu wollen, ist Gipfel-Time. Erst hat man den Diesel…/ mehr

Dirk Maxeiner / 16.06.2019 / 06:12 / 40

Der Sonntagsfahrer: ICE 709, Wagen 14, Tal des Todes

Viele sagen, der vergangene Freitag sei ein besonders heißer Tag gewesen. In Berlin so 35 Grad. Gleichsam ein Vorgeschmack auf die Klimakatastrophe. Aber alles ist…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com