Henryk M. Broder / 08.11.2014 / 21:32 / 7 / Seite ausdrucken

Das Leben in Jerusalem oder in Tel Aviv können sich nur noch Reiche leisten…

Wenn sich die Redaktion der “kulturzeit” eines Themas annimmt, dann weiß man schon nach dem ersten Satz, wohin die Kacke fliesst. Auch wenn es eine Geschichte ist, die von allen Redaktionen bereits durchgenudelt wurde. Millionen Israelis nagen am Hungertuch. Letzte Rettung: Aldi, Lidl und Penny in Berlin.
https://www.youtube.com/watch?v=qk1TM3kyMkA

Ich war grade in Zürich bei Migros einkaufen. Für Schweizer Verhältnisse gilt Migros als preiswert. Ich habe Folgendes eingekauft:
2 Wurstweggen
2 Packungen Schokowaffeln
4 Hot-Dog-Buns
4 Pflaumen
1 Päckchen Gerstensuppe mit 5 Tüten
1 Päckchen Madeleines (6 Stück)
2 Vollkornbrötchen
1 Dose Cola Zero
1 Flasche (75cl) Orangensaft
2 Caramel-Pudding
1 Magerquark
1 Hüttenkäse
3 Tafeln Giandor-Schokolade
1 Kartoffelsalat (300 g)

Und jetzt raten Sie bitte, wie viel ich bezahlt habe. Kleiner Hinweis: Das Leben in Basel oder in Zürich können sich nur noch Reiche leisten, die einen gut bezahlten Job im deutschen Fernsehen haben. Mehr darüber in einer der nächsten Ausgaben der “kulturzeit” mit Andrea Meier.

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Leserpost

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Karsten Troyke / 10.11.2014

(Das mit der Cola Zero ist nicht zu empfehlen, Udo Pollmer hat das schon ausführlich beschrieben.) Ansonsten habe ich den Bericht auch gesehen: es entstand der Eindruck, dass bald die Bevölkerung von Tel Aviv und Jerusalem komplett in Berlin leben wird. Dabei handelte es sich in Wirklichkeit nur um einige Künstler, die sehr schwankende Einkommen haben. Für diese ist es in Berlin tatsächlich im Moment wesentlich leichter, aber das betrifft auch z.B. Musiker aus Sydney, London, Paris oder Malerinnen aus Oslo etwa…

Martin Wessner / 09.11.2014

Bezahlt? Mmmh? 26,85 Franken? Schade, dass in dem TV-Bericht nicht zu erfahren war, A) um wieviel nun der Schokopudding in Tel Aviv teurer, bzw. der in Berlin billiger war und B) warum die Lebenshaltungskosten in der israelischen Metropole denn nun so viel höher sind. Liegt’s an den Steuern? Den Sozialabgaben? Den (hohen) Löhnen? Den gierigen Schokopuddingfabrikanten? Am schönen Wetter? Kein Wort darüber. So sieht kein Fernsehen aus, das bilden und informieren soll, find’ ich. Dass es Israelis gibt, die ein Leben in der Hauptstadt der Täter als lebenswerter empfinden, als in der Quasihauptstadt der Opfer, ist natürlich die maximale Provokation, gerichtet an all diejenigen, denen man die Schuld an der heimischen Misere gibt: den “rechten Zionisten”. Da schleckert man sich beim bundesdeutschen ÖRR natürlich alle Finger ab, denn wenn es um den Kreuzzug gegen Rechts geht, ist man als Bundesgenosse im Geist natürlich immer gerne bereit, mediale Schützenhilfe zu geben. Würde hingegen in Israel die kommunistische Partei regieren, ja, dann sähe die journalistische Berichterstattung nicht nur in Deutschland ganz anders aus. Dann würde Frau Meier sicher im Studio eine Kippa tragen, ihre solidarischen Völkerfreundschaftsgrüße nach Tel Aviv entrichten, wie ein Rohrspatz auf die unsolidarischen Republikflüchtlinge schimpfen, die wegen einer Banane…äh, einem Pudding in die sozial kalte, neoliberale BRD ausreisen und ansonsten die reaktionären, klerikalen Palästinenser und Araber verfluchen, die partout nicht fortschrittlich, mit allem was dazu gehört (Gender, alternative Energien, Pazifismus, usw.) sein wollen. Das glauben Sie nicht? Na, da wett’ ich mit Ihnen aber drauf!

Karl helger / 09.11.2014

Magerquark und Cola Zero Dazu 3 Tafeln Schoki und 4 Schokowaffeln Ob die Rechnung kalorientechnisch aufgeht ;-)

David Klein / 09.11.2014

Als Schokolade empfehle ich für das nächste Mal Ragusa Blond :-).

Ronald Schwanson / 09.11.2014

Die Lebensmittelversorgung ist einer der Bereiche, in denen die Schweiz den Freihandel (auch mit der EU) ablehnt, begründet wird dies mit “Ernährungssouveränität”, Schutz der heimischen Erzeugung, Fairtrade, besonderer Nachhaltigkeit etc. Den Preis dafür zahlen die Verbraucher täglich im Supermarkt. Faktisch finanzieren hier alle Schweizer ein paar tausend Bergbauern das Hobby, welches durchaus harte Arbeit sein kann, aber eben insgesamt den Lebensstandard für jeden in der Schweiz senkt. Dass Freihandel allen nutzt, gerade auch den Armen, ist eine ökonomische Gesetzmäßigkeit, welche schon Mitte der 19. Jahrhunderts erkannt worden ist. Das gilt übrigens auch für die -Gottseibeiuns- Textildiscounter wie KIK mit Billigware aus Bangladesch. Durch Ihr Wirken wird sowohl der Lebensstandard der Armen bei uns wie auch der Armen in Bangladesch angehoben.

Frances Johnson / 09.11.2014

Falls das nicht zieht, versuchen Sie’s doch noch einmal in Island. vergessen Sie nicht etwas Schnaps oder wenigstens Wein.

Bruno Becker / 09.11.2014

Angesichts dieses Einkaufszettels mache ich weniger Sorgen um Ihren Geldbeutel denn um Ihre Gesundheit, Herr Broder…..

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