Am Ende des Tages sind die Deutschen doch ein deppertes, autoritätsfixiertes und gehorsamversifftes Volk. Nun gut, nicht alle Deutschen und nicht die Deutschen, aber immer noch genug, um sich ohne aufzumucken von einer ehemaligen FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda regieren zu lassen.
WELT ONLINE hat heute früh mit dieser Schlagzeile aufgemacht. „Alle warten jetzt auf ein Signal der Kanzlerin“. Im Vorspann war zu lesen: „Während täglich Tausende von Menschen ungehindert einreisen, fordern Spitzenpolitiker aus Union und SPD ein Signal Angela Merkels. Die Kanzlerin soll eingreifen und den Flüchtlingsstrom begrenzen.“
Ich fürchte, meine Kollegen von WO haben Recht. Die Bundesrepublik ist ein ostelbischer Gutshof, auf dem nur der Gutsherr etwas zu sagen hat. Er bestimmt, was die Kühe zu fressen bekommen und wann sie scheißen dürfen, wie lange das Gesinde arbeiten und welche Magd ihm nächtens zu Diensten sein muss. Die BRD ist eine One-Woman-Show. Es gibt keine Regierung, kein Parlament, keine Gewaltenteilung, keine 16 Ministerpräsidenten, keine Opposition. Die Kanzlerin kümmert sich um alles, persönlich und eigenhändig. Wie Fidel Castro, Hugo Chavez und Ferdinand Piech.
Vor etwas mehr als einem Monat hat sie sich über alle Gesetze, Regeln und Zuständigkeiten hinweggesetzt und die Tore weit aufgemacht. Nun soll sie die Schoten wieder dichtmachen, ebenso persönlich und eigenhändig. Spitzenpolitiker von Union und SPD „warten“ auf ein „Signal“ der Chefin. Irgendwo im BuKaAmt muss es einen Knopf geben, mit dem sie die Ampeln von Grün auf Rot schalten kann. Sie könnte auch an die deutsch-österreichische Grenze bei Freilassing fahren und sich dort quer über die Saalbachbrücke legen, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen, wie eine Panzersperre am Westwall. Es wäre ein Signal, das die Spitzenpolitiker von Union und SPD, Kauder und Oppermann vorneweg, bestimmt begrüßen würden. Ein Wort von Mutti, und die Flüchtlinge strömen zurück in ihre Herkunftsländer, der Rhein fließt bergauf und die nächste Sonnenfinsternis findet im Foyer des Bundeskanzleramtes statt.
Dazu passt auch eine andere Nachricht der letzten Tage. Bei einem Treffen der Kanzlerin mit Vertretern von Verbänden, Religionsgemeinschaften, Institutionen und Gewerkschaften meldete sich der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, zu Wort und sagte, in den jüdischen Gemeinden gebe es „jetzt die Befürchtung, dass der arabischstämmige Antisemitismus in Deutschland“ um Zuge der massenhaften Zuwanderung „zunehmen könnte“. Das war sehr vornehm und sehr zurückhaltend formuliert.
Danach soll in der Runde „betretene Stille“ geherrscht haben. Eine Frage stand stumm im Raum. Unter den vielen Facharbeitern, die es nach Deutschland zieht, soll es auch Antisemiten geben? Die Kanzlerin, so wird berichtet, machte sich eine Notiz und versprach: „Darum müssen wir uns kümmern.“
Durch eine Verknüpfung glücklicher Umstände ist eine Kopie des Zettels mit der Notiz der Kanzlerin in unsere Hände geraten. Darauf steht: „Schuster benimmt sich daneben. Wird nicht wieder eingeladen.“
Wird fortgesetzt.
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"Spitzenpolitiker von Union und SPD „warten“ auf ein „Signal“ der Chefin." Vielleicht wartet Merkel auch? Auf den Friedensnobelpreis? Vielleicht müssen wir Deutschen einfach nur durchhalten? Vielleicht hat Merkel ja doch noch die Wunderwaffe, sorry, die Wunderlösung im Ärmel? Vielleicht ist es am Ende wirklich so, dass diese Frau schlicht und ergreifend kein Konzept hat und trotzdem alle auf ihr Kommando warten? Hat Merkel Angst zu handeln? Ihr eigenes Volk liebt sie nicht mehr so doll, in ganz Europa regt sich Unmut, nicht nur im bösen Ungarn - in Polen, in Frankreich, in Italien (in Griechenland sowieso). Selbst in den USA beginnt man sich besorgt und verwundert über die "German Migrant-Krisis" zu unterhalten. Nur die extreme Linke und die Ultraguten sehen durch Merkels totalen Edelmut ihre Träume in Erfüllung gehen. Aber selbst da klingen die ersten Orgasmen gerade wieder ab. Nur die "islamische Welt" liebt sie abgöttisch - sogar der IS, dessen Fans sich ebenfalls über Gratistickets mit der deutschen Bahn freuen dürfen. "Am Ende des Tages sind die Deutschen doch ein deppertes, autoritätsfixiertes und gehorsamversifftes Volk." Man geht weiter brav malochen, man redet nicht gern über "das Thema Flüchtlinge", man regt sich weiterhin lieber über völlig blödsinnige Fußballergebnisse auf - aber nicht über eine ablaufende, folgenreiche Veränderung ihres Landes. Man frisst unkritisch alles, was der Staatsfunk hinwirft. Man fragt nicht nach. Man möchte Herrn Broder bezüglich seines Pessimismus, den Deutschen gegenüber, ja ungern zustimmen, aber... "Nun gut, nicht alle Deutschen und nicht die Deutschen, aber immer noch genug, um sich ohne aufzumucken von einer ehemaligen FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda regieren zu lassen." Danke.
Kein Zweifel, Herr Broder, sie mögen Angela Merkel nicht und prophezeien in ihren Lesungen den Beginn ihres Unterganges. Da bin ich ganz mit ihnen. Eines gab es in der DDR allerdings nirgends. Einen FDJ Sekretär für Agitation und Propaganda. Es gab äber auch keinen FDJ Sekretär, der sich nur um die Kultur und den Verkauf von Theaterkarten zu kümmern hatte, wie das Frau Merkel gern immer wieder von sich behauptet. Es ist aber nicht diese schöngefärbte unbedeutende Funktion, die sie zunehmend untragbar und unerträglich macht, sondern ihre Arroganz und Unbelehrbarkeit. Diese Eigenschaften hat sie mit denen gemeinsam, die schon einmal vom Volke aus dem Amt gehievt wurden, weil sie der Meinung waren, die objektive Realität leugnen und verbiegen zu können. Wenn sie so weitermacht, wird sie sich ein neues Volk suchen müssen.
Nach dem, was ich als alter Mann im Bekanntenkreis höre, ist man entsetzt über Frau Merkel Einwanderungspolitik. Die meisten sorgen dabei sich weniger um ihre eigene Zukunft, die ja naturgemäß von relativ kurzer Dauer ist, als vielmehr um die ihrer Nachkommen. Könnte es nicht sein, dass deren Fehlen im Fall von Merkel aber auch von Kauder und Schäuble (4 Kinder, keine Enkel) eine gewisse Gleichgültigkeit in Bezug auf die künftige Entwicklung der Gesellschaft mit sich bringt? Die Tatsache, dass im Unterschied zum Rest Europas ein relativ großer Teil der deutschen Bevölkerung die Masseneinwanderung befürwortet scheint mir 2 Gründe zu haben, die diese Deutschen von den anderen Europäern unterscheidet. 1) Im Bewusstsein einer selbst auferlegten, generationenübergreifenden Sippenhaft sich als Gegenteil des NS der Welt zu präsentieren 2) Angesichts der Nachwuchszahlen, die seit Jahrzehnten um 1/3 unter der Bestandserhaltungsquote liegen (demographischer Wandel) die Angst um Wohlstand und Sozialstaat, für den dann die Einwanderer sorgen sollen. 3) Überwiegend gesinnungsethischer Betroffenheitsjournalismus in den Leitmedien. Wie soll da eine gesamteuropäische Einwanderungspolitik gelingen?
Ich glaube nicht, daß alle Deutschen jetzt auf ein Signal des Grögraz warten (Größter Grenzöffner aller Zeiten), sondern es sind in erster Linie wohl die CDU-Parlamentarier, auch sicher die CDU-Mitglieder. Es wäre aber falsch, zu sagen, CDU-Politiker hätten keine Fertigkeiten im eignen Signalgeben. Solange ihre Signale identisch mit denen der Chefin sind, gibt es überhaupt keine Probleme. Die tauchen erst dann auf, wenn die Signale geändert werden müssten... das eigenständig zu machen, ist aber nur wenigen in der CDU erlaubt, etwa dem Talkshowauftrittsbeauftragten der Partei, Wolfgang Bosbach. Das liegt daran, daß das Timing der Signale extrem wichtig ist... und hier ist Merkel wirklich Spezialistin. Die Energiewende war da ja noch ein simpler Fall... Die langjährige Position war ja gewesen, daß es ohne Atomkraft nicht geht, aber Fukushima war natürlich ein idealer Anlaß für das neue Signal, daß es ohne Atomkraft doch ganz gut gehen wird. In der Flüchtlingsfrage wird es schwieriger... Merkel muß den Zeitpunkt abwarten, zu dem sogar der eher linke Medienmainstream der Meinung ist, daß es langsam mal genug ist. Gut, was den SZ-Troll Marc Beise angeht, kann sie natürlich lange warten, denn für den ist ja jeder Flüchtling bares Geld. Wenn Marc Beise den Hals nicht voll genug kriegen kann, dann kann man bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten, bis er Merkelsche Flüchtlingsstrombegrenzungssignale günstig kommentiert, denn Flüchtlingsbegrenzung geht ja direkt an sein Portemonnaie! Auch auf die taz, die ständige Vertretung von Wolkenkuckucksheim in Deutschland, wird Merkel so schnell nicht zählen können. Aber es gibt ja auch noch, man mag es kaum glauben, Menschen im Bereich der vierten Macht, die den Verstand-Herz-Dualismus nicht völlig einseitig ausleben, zu Lasten des Verstands, und wenn DIE erstmal in größerer Anzahl endlich ein neues Signal erwarten und natürlich auch bereit sind, es nach allen Kräften günstig zu begleiten, dann wird es auch kommen, keine Bange! Mit den Signalen ist es in der Politik doch wie beim coitus interruptus in der Verhütung. Vorzeitige Signalergüsse sind riskant! Signale, die viel zu spät kommen, gibt es jedoch in der Politik eher selten, denn dann ist der Politiker in der Regel ja schon abgewählt, wegen Unzufriedenheit des Wählers mit seinen Signalen. Tja, und was die Deutschen angeht... hier gilt weiter, was schon immer galt: Was die darüber denken werden, wurde doch am Vortag im TV gesendet (bzw. hat am Vortag in der Zeitung gestanden).
Schotten dichtmachen, nicht Schoten dichtmachen. Danke.
Sehr geehrter Herr Broder, ich habe mich immer wieder gefragt, warum wollen sie alle nach Deutschland? Soliden Antisemitismus hätten sie ja auch schon in der Ostmark haben können. Aber sie wollen eben "the real thing". Mit sensibler Israelkritik, die ja auch erlaubt sein muß. Gruß Peter Lütgendorf
Merkel betreibt Politik nach Gutsherrenart, so man das Gewurschtel als Politik bezeichnen möchte. Ich frage mich auch schon seit Wochen, wozu haben wir die große Koalition, etliche Minister und ein Parlament, wenn Merkel nach Gutdünken bestimmt, was getan oder nun seit Wochen unterlassen wird. Wir könnten die Monarchie einführen, es wäre kein Unterschied. Angela Katharina die Große... Nun ist sie nach Indien entfleucht und alle blicken stumm dem großen Desaster zu. Wo ist derjenige, der endlich den Misstrauensantrag stellt? Ach, die Herrin ist ausgeflogen, die Knechte haben nichts zu sagen und sortieren derweil die Zettel der Gutsfrau. Zu was für einem armseligen Land sind wir unterdessen verkommen. Obrigkeitsdenken wohin man blickt, Speichelsabberei und kein bisschen Rückgrat.