Henryk M. Broder / 10.08.2014 / 13:52 / 9 / Seite ausdrucken

Das Internet hat die Sitten verwahrlost

Posener: Ich bin gegen das Verbot von “Mein Kampf” oder der Holocaustleugnung. Ob gedruckt, gesprochen oder im Netz: Jeder hat das Recht, sich lächerlich zu machen. Auch radikale Muslime.

Broder: Es geht nicht um radikale Muslime. Obwohl die gerade, was die Vergiftung der Debattenkultur angeht, die Poleposition halten. Es geht um die grundsätzliche Frage, ob es jedem, der einen Computer oder ein Smartphone hat, möglich sein sollte, an öffentlichen Debatten teilzunehmen oder sie gar anzustoßen. Wenn alle, die ein Auto haben, sich gleichzeitig auf den Weg machen würden, käme der ganze Verkehr zum Stillstand. Und wenn jeder, der meint, etwas sagen zu müssen, es auch tut, dann ist es keine Debatte mehr, sondern nur noch eine Kakofonie.
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article131055572/Was-wir-gegen-die-Irren-im-Internet-tun-koennen.html

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Michael Geier / 13.08.2014

Sehr geehrter Herr Luetgendorf, danke für den wertvollen Tipp. Er erinnert mich ein bissel an die Begebenheit mit einem Kollegen, dem ich mal das (für manche wohl auch “bedrängende”) “Fazit” von Albert Einstein vortrug, (“Es gibt keine großen Fortschritte auf dieser Welt, solange noch ein Mensch verhungert”), und er mir daraufhin den “Ratschlag” gab, einfach nichts mehr von/über Einstein zu lesen.  Aber wo finde ich dann Ersatz? Ah, ich weiß! Am besten mal bei “Zeit-online” reinschauen und sich mit ein paar hübschen Robin Williams-Bekundungen ablenken ...  Und die übrigen Kollateralschäden des w.w.w. ignoriere ich künftig alle ganz tapfer.    Mfg.

Peter Luetgendorf / 11.08.2014

Sehr geehrter Herr Geier, es tut mir sehr leid, daß Sie von diesem furchtbaren Internetz so bedrängt werden. Mein Ratschlag: einfach gar nicht ignorieren. Und die “Achse des Guten” sollten Sie zur Erhaltung ihrer geistigen Gesundheit nie nicht mehr lesen. Gruß Peter Lütgendorf

Michael Geier / 11.08.2014

Das Internet hat nicht nur die Sitten verwahrlost, sondern auch dafür gesorgt, dass sich von vorneherein vergiftetes Denken bis in die letzten Winkel dieser Welt verbreiten konnte. Wenn man bedenkt, dass der Mensch, wahrscheinlich seit dem Sündenfall, mit allerlei Fragilität und Unzulänglichkeit bedacht/gestraft ist, konnte mich das Argument, wieviel “Gutes” man auch mit Internet “machen kann”, ehrlich gesagt noch nie so richtig überzeugen. Die grenzenlose Kommunikation, die idiotischer Weise zu einer grenzenlos-morbiden Entpersönlichung führte, die das Ende der Romantik und die “Entzauberung der Welt” einläutete, ist wahrscheinlich nur ein weitere Variante des Turmbaus zur Babel. Im Prinzip sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr bzw. man findet durch so viel “digitales Wissen”  keine Weisheit mehr.  Wir sind derzeit nun mal “Gefangene von Technik und Aggression” (Roman Polanski).  Persönl. Fazit: Das World wide web hat eine verrückte Welt noch verrückter gemacht. Für die Menschheit wäre es wahrscheinlich besser, es gäbe kein Internet und das Fernsehen wäre mit dem Ende der letzten “Dallas”-Staffel abgeschafft worden.  Man sollte es hier eigentlich ähnlich wie mit dem Herz-Hirn-und seelenlosem EU-Konstrukt halten, nämlich für einen geordneten Rückzug kämpfen.  Bin überzeugt: Wenn nicht diese, irgendeine Generation wird es einmal tun, sich aus diesen sinnlosen Gefängnissen zu befreien.

Werner Scholz / 11.08.2014

Das klingt jetzt nicht wirklich stringent: “Wenn ich höre, dass die al-Qaida und die Jungs vom Islamischen Staat (IS) eigene Seiten haben, wird mir übel. ... Es geht nicht um radikale Muslime.” Ja, um wen oder was denn sonst? Das entsprechende Gefahrenpotential ist eine gänzlich andere Hausnummer als die “Bekloppten” eines Dieter Bohlen. Man könnte zu bedenken geben, dass es ebenfalls um diejenigen geht, die gewisse Gefahrenpotentiale nicht wahrhaben wollen - nur sitzen diese Leute keineswegs anonym hinter irgendwelchen PCs und schreiben dort, wo es kaum jemand liest, wirres Zeug. Einen Patrick Bahners etwa kennt heute fast jeder. ...

Daniel Briner / 11.08.2014

Ich glaube, die Verwahrlosung beginnt doch zuerst auf den Redaktionstuben selbst, nicht immer, aber wie hier ja öfters aufgezeigt wird, immer öfter. Gerade bei den mit Zwangsgebühren finanzierten öffentlichen-rechtlichen Medien ist eine unabhängige, kritische, objektive Berichterstattung, längst nicht mehr gewährleistet. In der jetzigen Krisen- & Kriegsberichterstattung ist dies längst Makulatur geworden. Bei denen gar noch eine “Wachhund”-Funktion für unsere (ehemals) freien Gesellschaften zu erwarten, ist heutzutage schon eher eine ziemlich naive Dummheit; zumindest hier in den Schweizer, sogenannten Service-Public Medien aber schon sehr auffallend, ist die einseitige, stark anti-russische, genauso wie die aber seit langer Zeit stark anti-israelische Berichterstattung, ähm Propaganda, ist dermaßen nur noch unerträglich und zum Himmel schreiend stinkend. Als heute, sehr oft auch hier, Zensierter (bin ja quasi für die/euch wohl schon ein Reaktionär) hätte ich mir noch vor ein paar Jahren nie vorstellen können, dass ich in der Schweiz jemals, wie jetzt fast immer bei den westlichen News zur Ukraine, mich schon mal rein präventiv auch bei den heute doch ziemlich rechten Russen nachüberprüfe, ob das mir hierzulande jeweils Berichtete überhaupt einen Funken Wahrheit beinhaltet! Erstaunlich, was immer häufiger komplett verschwiegen, oder dann eben ziemlich verdreht und verschwurbelt uminterpretiert berichtet wird. Bei Israel Themen aber hab ich ja zum Glück noch euch hier, zwar auch nicht grad unabhängig objektiv, aber sicher kritisch und meistens noch um Welten glaubwürdiger und nachvollziehbarer, als was mir der ganze linksrote Mainstream in der Schweizer Medienlandschaft immer so unbedarft andrehen will. Mal sehen, ob ich hiermit die Brodersche Zensur überstehe ...

Martin Wessner / 11.08.2014

So leid es mir das auch tut, aber diese autoritäre und elitäre Denke a’la: “Das Volk ist noch nicht geschmacksensibel genug für die Meinungsfreiheit im Internet und bedarf daher eines geistigen Vorkosters, der für sie das rausschmeckt, was für sie (vermeindlich)bekömmlich ist und was nicht.”, die da an den Tag gelegt wird, genau diese Denke haben auch all jene mehr als zweifelhaften, politisch korrekten “Qualitätsjournalisten” verinnerlicht, die meinen, sich gegenüber uns Lesern, Zuhörer und Zuschauern als Volkserzieher aufspielen und uns tagtäglich mit ihren medialen Tugendterror drangsalieren zu müssen. Also, dass sie sich jetzt auch noch in diese Riege mit einreihen wollen, das ist schon sehr, sehr traurig, Herr Broder. Bin ich echt enttäuscht. Hätte ich nicht von Ihnen gedacht. Also wirklich!!!

Wolfgang Herok / 10.08.2014

Sorry, aber das ist mir wirklich zu billig. Sie können wesentlich besser… Liebe Grüße, Wolfgang Herok

Bernd Hönig / 10.08.2014

Das Net ist wohl kaum das eigentliche Problem und auch ich habe nix gegen schräge Bücher, wie “Mein Kampf”. Ich halte dieses Buch übrigens, so wie Rosenbergs “Mythus des 20. Jahrhunderts” nicht für lächerlich, sondern für besonders perfide, extremistische Ausbrüche einer kulturellen Strömung ... die keinesfalls verschwunden ist. Judenhass ist virulent in Europa seit der Hochzeit des Katholizismus und der Islamismus erweckt in den Europäern nur das, was ohnehin im Kopfe ist und in Deutschland seit 1 Generation mehr oder weniger (eher weniger) schlummert. Im großen Ganzen ist das Internet O.K. und niemand kann nun einmal Dummheit verbieten (Westerwelle), so wie niemand die Klugen daran hindern kann, den Unsinn zu ignorieren - weiterklicken ist ja soo einfach…-)

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