Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat es gesagt, Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat es gesagt und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) auch: "Asyltourismus". Für Deutschlands rot-grüne Szene ist das ein Fanal. Der SPD-Bundespräsident schaltet sich ein und rügt, von den Tagesthemen bis zur Süddeutschen Zeitung wird über „rechte Kampfbegriffe“, „Hetzersprache“ und „perfides Framing“ hergezogen. Am liebsten würden Rote und Grüne die Sprachpolizei ausschicken und das freie Reden verbieten.
Söder verteidigt den umstrittenen Begriff so: "Die Bevölkerung versteht das Wort ‘Asyltourismus’ leider sehr genau", sagt er. Die Menschen hätten kein Verständnis dafür, dass Menschen wieder nach Deutschland kämen, die bereits mit einem Einreiseverbot belegt seien. "Ein Großteil der Bürger fragt sich außerdem: Wieso soll jemand, der einen Asylantrag in Spanien gestellt hat, sein Verfahren in Deutschland betreiben?"
Nun mag der Begriff für die einen treffend und aufklärend, für die anderen falsch und skandalös, für Dritte unscharf sein. Die heftige Reaktion der rot-grünen Kritik aber verrät etwas anderes – die Linke verliert zusehends die Deutungsmacht der Sprache. Und darüber wird sie wütend. Die taz fordert daher offen: „Die Linken müssen sich die ihnen entrissene Sprache zurückerobern. Sie ermöglicht erst die Transformation von Ideen in politische Praxis.“ Das stimmt. Spätestens seit Pierre Bourdieu wissen wir: “Worte üben eine magische Macht aus: sie machen sehen, sie machen glauben, sie machen handeln.”
Über Jahrzehnte waren es Linke, die gezielt mit ideologischer Sprachverzerrung politisches Framing erfolgreich betrieben haben. Nun gelingt das den Rechten ganz erfolgreich, und darum soll die Mechanik plötzlich skandalös sein? Ist sie nicht, und der Bundespräsident sollte kein Zensor des Sprachgebrauchs sein. Denn der Kampf um die Sprache ist lebendiger Teil der Demokratie. Worte sind nicht nur Kommunikationsmittel, sondern auch Instrumente sozialen Handelns.
Die Sprache fungiert als politisches Barometer
Politischer Streit in der offenen Gesellschaft vollzieht sich immer über die Sprache. Und die Sprache fungiert häufig als unbestechliches politisches Barometer. So ist „Lügenpresse“ ein verzerrender, demagogischer Begriff, eigentlich eine Lüge in sich, und doch spaziert er so selbstverständlich durch das Bürgertum Deutschlands, da er die wachsenden Legitimations- und Glaubwürdigkeitsdefizite unserer öffentlich-rechtlichen Medien gezielt aufspießt.
Als die FDP einst die „Gesundheitspauschale“ einführen wollte und hoffte, dass der Begriff Gesundheit positive Vorstellungen hervorruft (denn eigentlich ging es um eine Krankheitsversicherung), war die Linke sofort parat und setzte das Wort „Kopfpauschale“ durch, denn der funktionierte als demagogischer Abwehrbegriff und setzte auf die assoziative Nähe zu Negativworten wie Kopfgeld, Kopfsteuer oder Kopfjäger.
Als die CSU wiederum mit dem „Betreuungsgeld“ Mütter unterstützen wollte, die sich zu Hause um ihre Kinder kümmern wollten, kam der linke Kampfbegriff „Herdprämie“ und diffamierte die Absicht. Eine Mahnung des Bundespräsident über die Verrohung der Sprache, selektive Verunglimpfungen und die Spaltung der Gesellschaft bliebt aus.
Mit dem Begriff „Klimaleugner“ werden von Rot-grünen seit Jahren Personen stigmatisiert, die es wagen, die Theorie vom rein menschengemachten Klimawandel in ihrem Absolutheitsanspruch zu bezweifeln. Das Wort „Klimaleugner“ soll jede offene Debatte töten, denn es weckt gezielt die Assoziation zum „Holocaustleugner“.
„Armutsbericht“ über die reichsten Sozialfälle der Welt
Erfolgreich ist auch der grüne Propagandabegriff „Energiewende“, dessen manipulative Bedeutung gar nicht mehr bemerkt wird, weil er so erfolgreich etabliert ist. Mit der Vokabel verfolgt man das Ziel, das teure und energiepolitisch umstrittene Projekt des Atomausstiegs auf dieselbe moralische Ebene zu heben wie die friedliche Revolution in der DDR. Wer sich gegen die „Energiewende“ stellt, ist demnach also ein gestriger Blockwart, geistiger Kommunist, repressiver Ideologe.
Natürlich ist auch der „Euro-Rettungsschirm“ eine Verharmlosungs-Metapher für ein Multimilliardenrisiko zu Lasten deutscher Steuerzahler. Der „Armutsbericht“ berichtet in Wahrheit über die reichsten Sozialfälle der Welt. Seine Definition orientiert sich an einem permanent steigenden Durchschnittseinkommen der Deutschen, womit bei steigendem Wohlstand auch die vermeintliche „Armut“ auf absurde Weise zunimmt.
Selbst das Wort „Flüchtling“ setzt auch einen einseitigen Frame, einen Rahmen der politischen Interpretation für ungeregelte Zuwanderung. Er suggeriert, es gehe hier vor allem um akute Noteinsatz-Hilfsbedürftigkeit. In Ungarn nennt man die gleichen Personen Invasoren, in England Migranten, in Italien Zuwanderer. Natürlich gibt es echte Kriegsflüchtlinge im eigentlichen Sinne des Wortes, die aber sind in der Minderheit der großen Migrationsbewegung. Der Fischer aus dem Senegal, der Straßenhändler aus Marokko, der Bauer aus Eritrea, der Taschendieb aus Tunesien – sie alle kommen aus wirtschaftlichen, durchaus legitimen Motiven, aber Flüchtlinge sind sie gerade nicht. Doch für die politische Entscheidung, ob sie kommen sollten oder nicht, ist das Wort von ausschlaggebender Bedeutung.
Fazit: Die Sprache spiegelt politischen Wettbewerb der Ideen und Sichtweisen wider. Sie sollte nicht politisch korrekt eingehegt oder zensiert werden. Wir sollten es mit Heinrich Böll halten: „Die Sprache soll der Hort der Freiheit sein.“
Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European
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Es gibt genügend Bücher der "Neuen Rechten" (ich finde denn Ausdruck gut und es stört mich nicht, rechts zu sein), die genau das sagen: Dass in westlichen Gesellschaften Metapolitik und "Kulturpolitik" extrem mächtig ist. Und dass die alten Konservativen das bis heute nicht kapiert haben. Und genau deshalb gibt es sehr viele metapolitische Initiativen der "Neuen Rechten". Im Grunde sind das alles nur Kopien der Linken, die intelligent übernommen wurden.
Es ist ein Phänomen, dass sich manche Begriffe auch dann durchsetzen, wenn sie nicht besonders treffend sind. So z.B. 'Lügenpresse', die ein reales Problem eher unzutreffend beschreibt. Wichtig für den Erfolg ist dann der emotionale Gehalt und die prägnante Formulierung. Bedeutsamer als die Frage, ob die Bezeichnung völlig angemessen ist, bleibt aber bestimmten kritischen Befindlichkeiten auch einen Namen zu geben. Sonst bleibt nur die Sprachlosigkeit.
Mein absoluter Liebling der letzten Jahrzehnte ist der "Große Lauschangriff" als Synonym für das Abhören von Schwerstkriminellen.
Herr Weimer, die Linke beißt deswegen so wild um sich, weil die Sprache zusammen mit der Moral ihr Werkzeug ist, um Macht zu erhalten, im doppelten Sinn. Eine strukturelle Mehrheit hatte sie nie. Desto wichtiger ist die Kontrolle über das, was die Mitte-Rechts-Mehrheit sich öffentlich zu sagen und zu wählen traut. Was nicht bekannt ist, hat nicht stattgefunden, sagt der Marketer. Was nicht gesagt wird, wird nicht bekannt. Und der doppelte Knoten entsteht, wenn die Mehrheit sich per Selbstzensur auch das Denken außerhalb des Frames verbietet, weil die Propaganda es über Jahre als unmoralisch verankert hat. Umso wachsender nun die Angst, daß mit einem Frame Reset die Macht verschwindet.
"Mit Worten lässt sich trefflich streiten..." Wir kennen das ja von Goethe. Ähnliches findet man sicherlich schon bei den Schriftstellern des Altertums. Dass jedoch das Wort Asyltourismus, das einen Zustand treffend charakterisiert, zu einem allgemeinen Aufschrei der Mainstream-Medien und anderer linker Schreihälse führt, während der eine einzige Lüge darstellende Begriff Rassist dummfrech von denselben Leuten gegen ihre Kritiker verwandt wird, lässt tief über den Zustand der politischen Diskussion in Deutschland blicken. An Herrn Weimar: Ein Mensch der vor seiner schlechten wirtschaftlichen Lage flüchtet ist auch ein Flüchtling, nur eben kein Kriegsflüchtling. Das Problem der Massenmigration nach Deutschland lässt sich meiner Meinung nach ganz einfach lösen. 1. Die Migranten erhalten so weit wie möglich nur Sachleistungen. 2. Alle, die die Masseneinwanderung befürworten, bekennen das offiziell und leisten dafür einen freiwilligen finanziellen Beitrag von ?? % ihres Einkommens (sofern sie überhaupt eins haben). Bei vielen von denen, die z.B. am Wochenende in München demonstriert haben, wird sich der Heiligenschein, den sie sich auf Kosten der Allgemeinheit aufsetzen, dann ganz schnell als Scheinheiligenschein herausstellen.
Um vom Klimaleugner zum Holocaustleugner zu kommen, da muss man schon ziemlich verquere Hirnwindungen haben, eine solche Assoziation hat sich mir noch nie aufgedrängt. Aufgedrängt hat sich mir hingegen schon lange der Verdacht, dass die linksgrünen Wortkeulen von der Lügenpresse und dem Staatsfernsehen hungrig aufgenommen und weiterverbreitet werden. Das zeigt erschreckend, wie eng verwoben linksgrünes, verächtliches und dummes Gedankengut in den genannten Medien das Sagen hat. Sagen sollte hingegen der Bundespräsident einfach nichts, jedes seiner Worte beschädigt die "Würde seines Amtes".
Ich als Ausländer (Niederländische Staatsangehörigkeit) in Deutschland kann nur sagen das klare Wörter bzw. eine Klare und deutliche Sprache, der von jeder der die Deutsche Sprache mächtig ist, begriffen werden kann, viele unnötige Diskussionen vermeiden kann. Aber die Politik und auch die Wirtschaft zeigen es uns ganz anders. Das Zauberwort heißt Diplomatie....und was bedeutet Diplomatie? Diplomatie ist jemanden was in 100 Wörter zu erzählen was er in 5 Wörter nicht hören möchte! So wird das Wort "Asyltourismus" durch Politiker verwendet und beschweren sich dann das dieses Wort von der Bevölkerung aber auch von der Opposition "Zu genau" ausgelegt wird...ich wusste nicht das ein Wort auch Zweideutig sein kann (ich bin ja schließlich Ausländer). Ist dann niemand mehr in Deutschland in der Lage so zu sprechen das es jeden versteht und begreift? Die Politik ist dabei um den Autochthone Deutschen zu sagen das er zur Hölle gehen kann, es aber so umschreibt das der sich schon freut auf die Reise dahin. Dabei werden bei den Deutschen die Rechten (mehr als) halbiert und die Verpflichtungen verdoppelt, Stolz sein ist Pfui...