Jetzt keine Häme. Die ARD hat es zur Prime time getan (20:15 Uhr, „In letzter Sekunde“) - immerhin. Der Sender, in dessen Krimis und Fernsehspielen die Hauptbedroher der FDGO gewöhnlich korrupte Politiker, fiese Baulöwen, noch gemeinere Pharmakonzerne, Kraftwerksbetreiber und last not least rätselhaft einflussreiche Neonazis sind, hat gestern einen spannenden, fabelhaft gefilmten, bestens besetzten, gut geschnittenen (und ausnahmsweise vom Ton her verständlichen) Politthriller abgeliefert, der einen geplanten islamistischen Terroranschlag in Deutschland thematisiert. Sie hat es getan, die alte Tante ARD! Kaum zu glauben…
Natürlich musste der Plot ungefähr 40 Mal überarbeitet werden, mussten dem bösen Mastermind Abu Dingsbums deutsche Konvertiten bei seinem verbrecherischen Vorhaben helfen, mussten die polizeilichen Gegenspieler teils mit Migrationshindergrund ausgestattet werden, musste eine Muslima ihrem deutschen vollidiotischenTerror-Ehemann die Leviten über den Koran lesen. Selbstredend musste das alles so sein. Wer die Mühlen der ARD-Gremien kennt; wer weiß, wer da alles mitquatschen, Bedenken anmelden, Filmemacher bis aufs Blut nerven darf, kann nicht wirklich überrascht worden sein, dass der fiktive Anschlag, der ja auch in der Realität schon mehrfach vereitelt wurde, nicht, sagen wir, den ungläubigen Glühweinsäufern auf einem Volksfest galt. Sondern ausgerechnet einem muslimischen Versöhnler, der auf einer interreligiösen Konferenz Brücken schlagen wollte. Und dass am guten Ende dann auch noch ein radebrechender, todkranker Türke seiner perfekt assimilierten Tochter, einer taffen Bullin, die jedem in die Eier treten würde, der ihr ein Kopftuch umhängen wollte, zu Tränen rührend dankt – geschenkt. Nehmen wir so was nicht auch bei guten Hollywood-Filmen billigend in Kauf?
Meine Mutter pflegte zu sagen: von einer Kuh kannst du nicht mehr erwarten als ein paar Liter Milch. Du, ARD, unsere dicke Gebührenzecke, hast gegeben, was du konntest. Keine Häme!
