Das Ende der Energiewende kündigt sich an

In der Dürre- und Hitzewelle schmelzen so manche Gewissheiten. Zum Beispiel jene, dass man hierzulande gleichzeitig aus Kernenergie und Kohle aussteigen könne und allein mit Wind und Sonne elektrizitätswirtschaftlich Staat machen könne.

Zuerst hat es die CO2-Ziele getroffen: Sorry, war nur so ’ne Idee von uns (siehe aktuell auch hier). Am Atomausstieg, der uns dieses Scheitern beschert hat, weil nukleare durch Kohlekapazitäten ersetzt werden, wurde trotzdem festgehalten. Wer wird denn gleich einen kapitalen Fehler zugeben und ihn dann abstellen? Zudem, wenn eine Mehrheit von naturwissenschaftlich-technisch Unbedarften der Nationalgottheit der Atom- und Strahlungsangst huldigt? Nicht mit uns. 

Dann musste in einem zweiten Schritt auch die Kohle dran glauben. Diese Art Nibelungentreue zu unrealistischen Projekten heißt bei uns natürlich feiner, man nennt es einen „Prozess“, der von einer „Strukturkommission“ „begleitet“ wird. In einer solchen Kommission sitzen alle möglichen Experten von Ethik bis Soziales – nur keine Elektriker. Daher wird dort auch über alles mögliche diskutiert, was „verträglich“ gestaltet werden soll – nur über Banalitäten wie Netzfrequenz und Spannung, die bei Arbeitsverweigerung von sommer- wie wintermüden Erneuerbaren ja auch sozial höchst unverträglich abschmieren können, hat man sich keene Platte gemacht, wie man bei uns im Osten sagt.

Doch inzwischen hat offenbar die Bundesnetzagentur einige ernste Gespräche mit der Regierung geführt und ihr klipp und klar dargelegt, dass sie keinesfalls vorschnell nach A (wie Atom) auch B (wie Braunkohle) sagen sollte, sondern zwischen B und B wählen kann: zwischen einem technisch machbaren konventionellen Backup für den über lange Phasen versagenden EE-Kraftwerkspark – und regionsübergreifenden Blackouts. 

„Not with a bang, but with a whimper“

Und wie es immer so ist, wenn sich Wenden ankündigen, werden erst mal Lobbies, Studien, Universitäten und zuverlässige, mit der Regierung auf gutem Fuß stehende Medien vorgeschickt, um den Boden zu bereiten und die Reaktionen zu testen. Wie erwünscht kommt „eine Studie, die uns vorliegt“, zu dem Ergebnis: WIR SCHAFFEN DAS! 

Die Lösung heißt Erdgas. Ein Schuft, der dabei an eine Studie der Gasindustrie denkt. Ein Bedenkenträger und Leugner, der dabei an fatale geopolitische Abhängigkeiten erinnert und an ehemalige Stasi-Offiziere, die heute auf NordStream-Managersesseln sitzen. Oder an Altbundeskanzler als deutsches halboffizielles Dekor für Diktatorenfeste.

Was wir hier sehen, ist die Endphase des deutschen Energiewende-Feldzuges. Historische Parallelen drängen sich buchstäblich auf: „Not with a bang, but with a whimper“ verabschiedet sich, wie einst der Kommunismus, die grüne Energie-Utopie und schleicht sich mit einem teuren und nicht übermäßig umweltfreundlichen, aber vorhersagbaren Strommix aus landschaftsfressenden „Erneuerbaren“ (wenn sie wollen), fossilem Erdgas (weil es muss) und Restkapazitäten Kohle von der Bühne. Nachahmer des deutschen Weltbeispiels: keine. Atomstrom-Länder hingegen, die auch Erneuerbare nutzen, vor allem Wasserkraft, wie Frankreich, Schweden oder (noch) die Schweiz, erreichen ihre selbstgesteckten CO2-Ziele. 

Destruktive Teil-Ziele wurden erreicht

Historiker sollten eigentlich erst etwas sagen, wenn die Messe gelesen ist, aber ich wage mal eine vorgreifende Bilanzierung: Die deutsche Energiewende war vorrangig ein Instrument, um den Hauptfeind Kernenergie zur Strecke zu bringen. Die Infragestellung fossiler Energieträger, die Erreichung von CO2-Reduktionszielen war Ballast und Beiwerk, wie man heute sieht.

Und wie schon mal, als Deutsche die Welt erobern wollten, werden destruktive Teil-Ziele durchaus erreicht, funktionieren aber schließlich die Wunderwaffen nicht, und am Ende gewinnen die Russen. Das hätte sich Frau Merkel mit Blick auf das Katharina-II-Portrait in ihrem Büro auch früher sagen können – oder hat sie es von vornherein so gewollt?

Das Schöne für die Kanzlerin: Auf diese whimper-Lösung können sich alle einigen. Von den Grünen (weil sie die Kernenergie los sind) über die SPD (weil bei der Geld noch nie eine Rolle gespielt hat) bis zur AfD (weil sie CO2-Ziele für Schwachsinn, aber Abhängigkeit von, sorry, „Freundschaft mit“ Russland für eine tolle Sache hält). Et in terra pax hominibus – Und Friede auf Erden bei den Menschen.

Foto: Tim Maxeiner

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Leserpost

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Udo Kemmerling / 05.08.2018

Sorry, Herr Mahlmann, aber Kritik an der merkwürdigen Heranwanzerei der AfD an Rußland den Stempel des Bashings aufzudrücken ist falsch. Und das sage ich als längjähriger AfD-Wähler. Die AfD ist mitnichten das personifizierte Böse, sondern unsere letzte Hoffnung auf nicht-links-grünifizierte-Merkelpolitik. Dennoch muß die Kumpanei mit Putin sofort aufhören. Und der Vollständigkeit halber: CO2-Ziele SIND Schwachsinn!!

armin wacker / 05.08.2018

Ich weiß das hat jetzt mit dem Thema nix zu tun, aber wenn drei Oberbürgermeister grosser Staedte sagen, sie bräuchten noch mehr Sorgenkinder,  dann ist eben Hopfen und Malz verloren. In allen Bereichen.  Idioten wählen Idioten. Sorry dass ich das jetzt so sage. Klar kann man nicht in allen Bereichen Meister sein,  aber mit gesundem Menschenverstand kann man einer dialektischen Eroerterung eines Themas folgen und eigene Gewichtungen vornehmen. Die findet aber zu neunzig Prozent gar nicht mehr statt in den öffentlichen Medien.

Andreas Rochow / 05.08.2018

Dass Erdgas ein fossiler Energieträger ist, bei dessen Verbrennung unvermeidlich CO2 freigesetzt wird, haben die linksgrünen EEG-Pioniere des Wandels offenbar nicht verstanden. Man darf nach Lage der Dinge aber erwarten, dass die ö.-r. Wahrheitssender endlich die Behauptung unterlassen, die Stromnetze würden durch Strom aus Braunkohleverbrennung so “verstopft”, dass Windräder abgeschaltet werden müssten. Wieso fordert niemand eine Richtigstellung solcher Fake News?

Gundi Vabra / 05.08.2018

Wenn sich ein Industrieland freiwillig energiepolitisch auf die Lieferung von Energie aus dem Ausland verlassen will, gehören die Regierungen die dies zulassen allesamt abgewählt. Der unbedarfte Bürger der indoktriniert von grünen Atomkraftgegnern gar nicht anders kann als Atomkraft als Teufelszeug zu verurteilen ist unschuldig. Es ist ein Muss ein neues Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Thorium-Reaktoren und der Bau dezentraler Atomkraftwerke nicht mehr länger auf dem Index stehen dürfen und nicht des Teufels sein müssen sondern Lösung zur Einhaltung der CO2-Werte beiträgt. Es muss weitergeforscht werden, denn es ist nicht einzusehen, warum energiereiche Brennstäbe nicht weiter verwendet werden könnten. Endlagern ist und darf nicht Ziel für Atomrohstoffe (Framing hier: Atommüll) sein.

Wolfgang Richter / 05.08.2018

Und alle die bisher gefahrenen Kosten intensiven politisch - ideologisch begründet gefahrenen Wendemanöver zahlt der Michel, nicht die eine oder andere Parteikasse. Und wundersamer Weise murrt er wenig, wählt mehrheitlich die Verursacher ein ums andere Mal neu auf die bisher warm gehaltenen Pöstchen. Und sonnt sich in der ihm vermittelten moralischen Überlegenheit, die ihm als Weltenklimaretter zusteht. Nicht erwähnt, was leistet eigentlich die ähnlich wie beschrieben personell besetzte Expertenkommission zur Neu-(Er-)-Findung eines gesuchten Atommüllendlagers? Außer daß vermutlich am Ende des Diskussions- und Selbstfindungsprozesses das letzte Drittel der Konzernrücklagen für die vorgesehene Endlagerung aus den Kassen verdunstet ist.

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